Lang lebe der kleine Unterschied!

16 Nov

Das „Piratenweib“ erklärt auf ihrem Blog der geneigten Leserschaft, dass es in Wirklichkeit weder Männer noch Frauen gäbe, sondern

lediglich Menschen. Menschen mit unterschiedlichen Wünschen, Zielen, Lebens- und Liebesgewohnheiten. Menschen, die selbstbestimmt leben und möglichst glücklich sein wollen.

Eine solche Aussage klingt zunächst einmal intelligent, da sie ja durchaus nicht falsch ist. Gleichzeitig ist sie aber auch nicht ganz richtig, denn natürlich gibt es nun mal Männer und Frauen. Summa summarum ist obige Aussage also lediglich eine belanglose Plattitüde ohne Gehalt, was besonders auffällig wird, wenn man sie anders formuliert bspw. so:

„In Wirklichkeit gibt es gar keinen Penis und keine Vagina sondern lediglich Menschen. Menschen mit unterschiedlichen Wünschen, Zielen, Lebens- und Liebesgewohnheiten. Menschen, die selbstbestimmt leben und möglichst glücklich sein wollen.“

Der Versuch, in bester Queer-Manier mal wieder sämtliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu negieren ist besonders putzig, weil auch das „Piratenweib“ nicht umhinkommt, wenigstens folgenden Unterschied zwischen den Geschlechtern einzugestehen:

Im Anfang (bis zur 6. Lebenswoche des Fetus) ist das Weib – danach entscheidet ein Hormon darüber, ob die Geschlechtsorgane innen oder außen liegen. Das war´s.

Nö, das war’s nicht. Wir hätten dann noch die sekundären Geschlechtsmerkmale, die sich ab der Pubertät bemerkbar machen und die u. a. mit dafür sorgen, ob man einen Menschen attraktiv findet. Und inwiefern diese hormonellen Unterschiede bspw. für gewisse Verhaltensweisen der Geschlechter verantwortlich sind, ist noch lange nicht abschließend geklärt.

Die einen nach innen gestülpt, die anderen nach außen. Und das soll der Grund für Macht oder Ohnmacht sein? Für Liebe oder Aggression? Das ist doch geradezu lächerlich!

Nein, ist es nicht! Wenn es anders wäre, gäbe es in der Menschheitsgeschichte nicht das ständige Spiel von Liebe und Begehren zwischen Mann und Frau. Wenn es anders wäre, würden Männer sich nicht mit Männern duellieren um mit Frauen ins zu Bett gehen. Wenn es anders wäre, müssten Millionen junger schwuler Männer sich nicht fragen, warum um Himmels willen sie denn nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen und auf Titten stehen.

Dieses „eine Hormon“, von dem das „Piratenweib spricht“ ist eben tatsächlich so mächtig, dass ich partout keinen hochbekomme, wenn ein Mensch vor mir steht, der völlig klar als Frau zu identifizieren ist. Ein solch weiblicher Mensch kann noch so liebenswert und sympathisch sein, er hat dennoch keinerlei Macht über mich; ein solcher Mensch wird in mir niemals solche Gefühle wecken können, wie derjenige männlichen Geschlechts.

Das Problem an der Argumentation vom „Piratenweib“ wird dann auch schnell ersichtlich. Munter verwischt sie nämlich zwei an sich verschiedene Dinge, nämlich Geschlecht und Geschlechtsrolle:

Männer können mit ihren zwei Händen ebenso gut Windeln wechseln und mit ihrer Stimme ebenso gut Kinder trösten, wie das Frauen oder – Menschen können. Dafür braucht es kein Geschlecht, sondern Empathie. Keinen Busen, sondern Liebe, keine Gebärmutter, sondern Zuwendung.

Ja, richtig, schön, toll – und dennoch: das Hormon im Mutterleib schafft dennoch wirkungsmächtige Unterschiede. Das zu negieren ist ebenso (alb)träumerisch, wie der Versuch des „Piratenweibs“, sich eine kuschelige Jeder hat jeden lieb-Welt herbeizuphantasieren:

Ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass alle Menschen sich für alle Kinder verantwortlich fühlen? Nicht nur für die eigenen, sondern grundsätzlich?

Eigentlich nicht. Ich jedenfalls habe desöfteren keine Lust, mich für die nervenden Kinder antiautoritärer Eltern aus dem Prenzlauer Berg verantwortlich zu fühlen, und wenn dann höchsten, um ihnen zu zeigen, dass es neben pädagogisch korrekte Holzspielzeug und Bio-Gemüse auch Rennautos, Barbies und McDonalds gibt.

Und auch für alle Benachteiligten, Behinderten, Bekinderten, Bejahrten? Wunderbar!

Ich bin sicher, das „Piratenweib“ ist da vorbildlich und fühlt sich für all diese Menschen gleichermaßen verantwortlich. Bleibt nur die Frage, wie sie dann noch Zeit zum Bloggen findet. Oder die Zeit, sich zu informieren, dass es eben zwischen Geschlecht und Geschlechtsrolle Unterschiede gibt. Denn wieder wird beides verwechselt:

Freie Partnerschaft mit freien Menschen. Das ist mein Traum. Dieser Traum kann Wirklichkeit werden. Die Umwelt, die Sozialisation macht den Menschen, nicht die Geburt mit einem bestimmten Geschlechtsmerkmal. Und weil das so ist, kann die Menschwerdung auch anders ablaufen. Also, Menschen, es ist Zeit, als Menschen zu leben – nicht als Frauen oder Männer, Kinder als Menschen zu erziehen – nicht als Mädchen oder Jungen.

Ich meinerseits finde es aber gar nicht so schlecht, als Mann zu leben, der auf Männer steht. Ich finde die Geschlechtsmerkmale der einen Sorte Mensch hundertmal interessanter, als die der anderen, was zwangsläufig dazu führt, dass die eine Sorte Mensch für mich generell interessanter ist. Nämlich die männliche.

Was natürlich nicht heißt, dass ich partout an althergebrachten Geschlechtsrollen fest halte. Von mir aus können Frauen gerne die gesellschaftlichen Funktionen übernehmen, die bislang Männer ausgeübt haben. Also Frauen: ab in die Konzernzentralen, ab ins Stahlwerk, ab zur Müllabfuhr, ab ins Bergwerk, ab zur Wehrpflicht, ab in den Krieg!

Die (heterosexuellen) Männer bleiben dann in Zukunft zu Hause, widmen sich der Kindererziehung und der entspannenden, vierstündigen Hausarbeit in einem vollautomatisierten Haushalt und gehen nebenbei ihrer selbstverwirklichenden Teilzeitarbeit nach. Und wenn die Frau nach Hause kommt, führt sie die Männer in das schickste Restaurant der Stadt, bezahlt für diesen, hilft ihm aus dem Mantel und hält ihm selbstverständlich die Tür auf.

Ein solcher Rollentausch, an den könnte ich mich gewöhnen – auch wenn es mich ja eigentlich nicht zu interessieren braucht, wie Heteros miteinander ins Reine kommen.

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15 Antworten to “Lang lebe der kleine Unterschied!”

  1. Genesis 16. November 2010 um 19:58 #

    Schade, mir gefiel der Satz „The heart knows no Gender“ so gut. Wobei der ja nur besagt, dass man sich in den Menschen verliebt. Das der dann ein Mann oder eben eine Frau ist, ist ja zufällig.Er besagt meiner Meinung nach nicht, dass es keine Geschlechter gibt oder dass das auf einmal ein Einheitsbrei ist.

  2. Adrian 16. November 2010 um 20:41 #

    „Schade, mir gefiel der Satz „The heart knows no Gender“ so gut.“

    Mir nicht. Ich verstehe den Satz nicht mal: „Das Herz kennt kein soziales Geschlecht/keine Geschlechtsrolle.“ Was soll das denn bedeuten?

    „Das der dann ein Mann oder eben eine Frau ist, ist ja zufällig.“

    Bei den meisten Menschen nicht.

  3. Yadgar 17. November 2010 um 02:01 #

    Primäre Geschlechtsmerkmale? Wer’s mag… also, ich finde ja sekundäre Geschlechtsmerkmale erheblich erregender! Die Reliefdarstellungen der „Zehntausend Unsterblichen“ in Persepolis, oder auch jeder Dokumentarfilm über Afghanistan törnen mich weit mehr an als irgendwelche Rammelfilmchen, deren Handlung hauptsächlich aus dem in Großaufnahme gezeigten Ineinanderstöpseln von primären Geschlechtsmerkmalen besteht!

  4. morus 17. November 2010 um 09:17 #

    Ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass alle Menschen sich für alle Kinder verantwortlich fühlen? Nicht nur für die eigenen, sondern grundsätzlich?

    Das habe ich jetzt anders verstanden. Für mich scheint das ein Aufruf, dass wir für alle bezahlen sollen, auch wenn wir selbst keine Kinder haben. Bei mir entsteht da der Link zu den Mosuo; aber vielleicht denke ich da zu weit.

  5. Adrian 17. November 2010 um 12:15 #

    „Für mich scheint das ein Aufruf, dass wir für alle bezahlen sollen, auch wenn wir selbst keine Kinder haben.“

    Das machen wir doch schon jetzt.

  6. Christian - Alles Evolution 18. November 2010 um 17:31 #

    „das Hormon im Mutterleib schafft dennoch wirkungsmächtige Unterschiede. Das zu negieren ist ebenso (alb)träumerisch, wie der Versuch des „Piratenweibs“, sich eine kuschelige Jeder hat jeden lieb-Welt herbeizuphantasieren“

    Würde ich auch so sehen. Die Queer Theorie ignoriert da einiges an Forschung.

    Das das Herz kein Geschlecht kennt glaub ich auch nicht. Heterosexuelle finden das andere Geschlecht anziehend. Homosexuelle das eigene. Es gibt sicherlich einige Mischformen und Bisexuelle, aber einen Schwulen wird man nicht zum heterosexuellen machen und andersrum funktioniert es auch nicht. Es spricht einiges für eine biologische feste Verdrahtung der Präferenzen.

  7. Isi 18. November 2010 um 20:05 #

    Die Gleichsetzung von „Mann“ mit „Penis“ und „Frau“ mit „Vagina“ funktioniert nicht. „Mann“ sowieso „Frau“ sind soziale Rollen, die auch ohne eindeutige Zuweisung biologischer Merkmale funktionieren (können).

  8. Oldboy 18. November 2010 um 20:06 #

    Eigentlich, ja eigentlich..
    …gibt es ja auch kein Fahrrad, keinen Omnibus und keine Eisenbahn. Am Anfang ist z.B. immer die Metallschmelze, dann ein paar Rohre und Bleche…also irgendwie eh alles das gleiche… Lassen wir das alles also einfach Verkehrsmittel sein….hm…. dann warten Fahrräder an der Bushaltestelle, die Busse fahren auf den Schienen und die Züge benutzen den Fahrrradweg, toll, phantastisch….
    ähhh….aber mal ehrlich, was soll das bringen ?

  9. Isi 18. November 2010 um 22:34 #

    Zur Erklärung beschreibe ich mal drei Kurzbiographien und die Anwesenden kreuzen bitte die naheliegendeste Antwort aus angebotenen Felder an:

    Person 1
    Berufstätig, Vollzeit, 3 Kinder, öffentliche Verwaltung, gehobener Dienst, Gewerkschaftsmitglied, verheiratet, politisch aktiv, Hobbies: Fußball und Kampfsport

    [ ] Mann
    [ ] Frau

    Person 2
    Berufstätig, Halbtags, sozialer Dienst, 1 Kind alleinerziehend, geschieden, Hobbies: Fernsehen und Handarbeiten

    [ ] Mann
    [ ] Frau

    Person 3
    Erwerbslos, kinderlos und Single, Alkoholproblem, Hobbies: Bloggen und Sex

    [ ] Mann
    [ ] Frau

    (Und bitte nicht schummeln oder vorsagen!)

  10. Adrian 19. November 2010 um 01:17 #

    @ Isi
    „‚Mann‘ sowieso ‚Frau‘ sind soziale Rollen,“

    Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man von vornherein in Geschlechtsrollenklischees denkt. Für mich sind „Mann“ und „Frau“ zunächst nur Geschlechter, mit divergierenden physischen Geschlechtsmerkmalen, von denen diejenigen der Männer weitaus attraktiver sind. Ob diese Geschlechter sich dann eher „männlich“ bzw. „weiblich“ konnotiert verhalten, ist für mich dabei relativ belanglos.

  11. Genesis 19. November 2010 um 01:28 #

    Entschuldigung Adrian,

    mir war die Bedeutung des Wortes „gender“ nicht so richtig bewusst. Ich hatte das mit dem biologischen Geschlecht gleichgesetzt.

  12. Isi 19. November 2010 um 09:12 #

    Lieber Adrian,

    damit haben Sie dann eine Bewußtseinsstufe erreicht die eigentlich täglich gefeiert werden sollte, aber leider sind sie damit heute noch eine Rarität. Denn was für Sie belanglos ist, ist für andere von höchster Wichtigkeit und darum geht es. (Also um mehr als Attraktion.)

    Nur ein Beispiel: 72 % der Westdeutschen meinen, dass eine Vollerwerbstätigkeit von Frauen ein „Problem für die Familie“ ist. (Im Osten glauben das nur 34%, im EU-Schnitt: 60%). Dass aber Männer ihre Erwebrstätigkeit zu Gunsten der Familie verringern sollten meinen nur 0,3 % der Befragten.

    Merkwürdig, oder?

    Ich fände es sehr schön, wenn alle wie Sie denken würden, aber es sieht im Moment leider nicht danach aus.

  13. Adrian 19. November 2010 um 09:57 #

    @ Isi
    „Merkwürdig, oder?“

    Eigentlich nicht. Das sind halt überlieferte Normen. Und ein Paar muss schließlich selbst wissen, wie es seinen (Familien-)Alltag gestaltet.
    Ich persönlich würde in einer Beziehung lieber „die Frau“ spielen und zumindest halbtags zu Hause bleiben. Vollerwerbstätigkeit ist nun wirklich überschätzt.

  14. Isi 19. November 2010 um 12:42 #

    Und was Sie „überlieferte Normen“ nennen, heißt beim Piratenweib „Mann“ und „Frau“ und sie schlägt die Überwindung vor, so wie Sie sie bereits erledigt haben, weil sie ihren Familienalltag selbst bestimmen.

  15. Christian - Alles Evolution 21. November 2010 um 19:23 #

    @Isi

    Wenn sie das tatsächlich gemeint hätte, dann hätte sie allerdings nicht so stark über den Körper schreiben sollen. Und das das Gehirngeschlecht vom Phänotyp abweichen kann bedeutet nicht, dass es frei gestaltbar ist und auch nicht, dass sich nicht eine gewisse Häufung bestimmter Eigenschaften bei den jeweiligen Phänotypen zeigen.

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