Nachtrag zu Dannecker

24 Nov

Martin Dannecker definiert in seinem gestern hier erwähnten Beitrag Schwulsein so:

Schwulsein heißt, auf der Differenz zu bestehen, die aus der Liebe zwischen Männern erwächst.

Verstehe ich nicht. Meint er sowas wie, Schwulsein heißt nicht Hetero zu sein? Immerhin konzediert Dannecker, diese Differenz könne

nicht in ein Programm, in eine Lebensweise oder einen Lebensstil übersetzt werden.

Obwohl:

Schwulsein heißt vielmehr ein Bewusstsein davon zu haben, dass man sich von anderen unterscheidet und quer liegt zu den vorgefertigten und von der Heteronormativität verlangten Lebensweisen.

Also doch ein Programm! Und mehr noch:

Schwulsein heißt ferner, aus der Homosexualität, der man in Zeiten des Coming-out passiv ausgeliefert war, eine sexuelle Entscheidung zu machen.

Wolfgang Scheel hat dazu angemerkt, dass ein Mensch

sich immer schon von Anfang seiner Existenz an vorfindet als bestimmt durch das andere, als vorgegeben durch seine Anlagen, als gesetzt und nicht sich selbst setzend,

wodurch man vom ersten Moment an gerade durch die endliche Bestimmtheit frei und ganz bei sich sei.

Und weil in dieser Lesart

von der Norm Abweichendes sich nicht erst verändern müsste, um akzeptiert zu werden

irrt Danecker auch, wenn er postuliert:

Schwulsein heißt vor allem, sich aus einer Position zu entfernen, in der man um den Preis der Selbstverleugnung nach Anerkennung verlangt.

Und das ganz ohne sexuelle Entscheidung, was immer das auch sein soll.

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9 Antworten to “Nachtrag zu Dannecker”

  1. Fg68at 25. November 2010 um 00:03 #

    Die URL haben ein doppeltes HTTP und sind daher „ungültig“.

    • Damien 25. November 2010 um 08:59 #

      Danke, ich hab es korrigiert!

  2. morus 25. November 2010 um 11:29 #

    Für diesen Blogeintrag bin ich zu dumm, ich habe so gut wie nichts verstanden.

  3. Ralf 25. November 2010 um 12:30 #

    @ Morus

    Da bist Du nicht der Einzige…

  4. Adrian 25. November 2010 um 12:54 #

    Ich glaube, was Dannecker sagen wollte, war in etwa:

    „Du darfst nicht einfach nur schwul sein, Du musst dieses Schwul sein schon mit welthistorischer Bedeutung aufladen, denn Du hast eine Mission zu erfüllen, und ich, Dannecker, weise Dir den Weg.“

  5. Ralf 25. November 2010 um 15:12 #

    Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

  6. fatalfraktal 25. November 2010 um 22:16 #

    Nun weiß ich endlich, wie kompliziert es ist, schwul zu sein. Hätte ich das doch vorher gewusst, dann hätte ich mich vielleich anders entschieden. Oder bin ich garnicht richtig schwul. Hilfe!

  7. Martin P. 26. November 2010 um 13:27 #

    Hübsche Badehose der Wasserball-Nationalmannschaft von Singapur wegen Muslimen abgeschafft:

    Schade!

  8. Thommen, Peter 27. November 2010 um 15:52 #

    Schwulsein besteht – aufs Leben gesehen – nicht nur daraus, den „Hintereingang“ gefunden zu haben und sich nur durch die Fickrichtung von den Heteros zu unterscheiden.
    Wer sich nur lustvoll durchs Leben vögelt, ohne sich darüber Gedanken zu machen, wird am Ende nur den Mangel an vögeln beklagen, aber nicht den Verlust der Menschen, die er kennengelernt hat – mit dem bewussten Schwulsein…

    Aber es bleibt jedem unbenommen, nur zu vögeln/lassen bis in den Sarg. Dann soll er sich nicht über die Anderen beklagen. Denn er beklagt eine Differenz, die er ja selber in Anspruch nimmt – gegenüber den „Schwulen“! 😉

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