Die Kritik am Schwulenmord als Ausdruck unterkomplexer, repressiv-faschistischer Gesinnung unter besonderer Berücksichtigung feministisch-queerer Idiotie

2 Dez

Berlin ist eine Stadt voller seltsamer Menschen, ein Zufluchtsort für diejenigen, die in der normalen Welt keinen Fuß auf den Boden bekommen würden. Die ganze Stadt wimmelt von „Lebenskünstlern“, „Kreativen“ und grünen Besserwissern, von Altkommunisten, Islamisten und Rechtsextremisten – und am Wochenende kann man keinen Meter laufen, ohne auf besoffene britische Teenager zu stoßen, die an Berlin cool finden, dass man hier auf den Gehweg kotzen kann, ohne das es jemanden interessiert. Nur in Berlin ist es möglich, das jemand wie Renate Künast – die anderswo  nicht mal einen Job als Hofnarr bekommen würde – tatsächlich eine Chance hat, zum Bürgermeister gewählt zu werden.

Wie verrückt Berlin ist, beweisen zudem die nahezu alltäglich stattfindenden Konferenzen irgendwelcher Geistes- und Sozialwissenschaftler, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, das System zu dekonstruieren und dessen Widersprüche gnadenlos bloßzustellen, wozu natürlich auch gehört, fleißig von eben jenem System subventioniert zu werden, weil es in der realen Welt schließlich niemanden interessiert, was man so von sich gibt.Die in einem Gastbeitrag bei uns bereits angesprochene Konferenz über das „Geschlecht als Wissenkategorie“ gehört dann auch so ziemlich zum Dämlichsten, was in den letzten Jahren an Konferenzen abgehalten wurde; es ist ein Käfig voller Narren, ein Zirkus voller Freaks, eine Versammlung sich als links verstehender Freunde der Burka, des Hände abhackens und des Steinigens. Gut, „Freunde“ ist vielleicht übertrieben, aber Steinigen kann so schlimm schließlich nicht sein, immerhin geschieht derartiges in Ländern, die nicht westlich, also schon mal grundsätzlich „gut“ sind.

Selbstverständlich macht die linke Queerfraktion keine Ausnahme, wenn es um die Übernahme solch völlig wirrer Weltbilder geht. Mögen Schwule in Palästina auch verfolgt werden – hey, wen juckt das, immerhin geht es hier um die Verbrechen Israels und überhaupt ist „schwul“ ja eh nur eine einengende, repressive Kategorie, eine These, die übrigens schon der große linke Führer Ahmadinedschad  in die Welt gesetzt hat, als er kolportierte, es gäbe keine Homosexuellen im Iran. „So ist es“, ergänzt der linke Aktivist, im Iran, da gibt es höchstens Queers.

Den Irrsinn, den diese linken Quarktaschen so von sich geben, fasst Alan Posener in der „Welt“ recht gut zusammen:

[…] innerhalb der sich als links verstehenden Bewegung hat sich mittlerweile eine Wende vollzogen. Mit Begriffen wie „Homonationalismus“ und „Pinkwashing“ unterstellen deren radikalste Vertreter, dass sich Schwule, Lesben und Feministinnen mit ihrer Kritik an der Unterdrückung von Frauen und sexuellen Minderheiten in islamischen Gesellschaften zum Werkzeug des westlichen Imperialismus machen lassen – ihn „rosarot waschen“.

Denn merke, nach linker Theorie und Praxis sind  BH  und Waschmaschine zwar Terrorinstrumente des kapitalistisch-patriarchalen Systems, die Burka aber ein Ausdruck emanzipatorischer Gesinnung, weil, nun ja, weil sie nun mal nicht aus dem Westen kommt. Will da irgendjemand widersprechen?

Wer – wie einige der CSD-Organisatoren – die Homophobie etwa in Einwanderergruppen kritisiere, „übernimmt quasi die Formen institutioneller, rechter oder auch kirchlicher Homophobie“, so die verquere Logik Butlers, die auch die radikal-islamischen, antisemitischen – und extrem homophoben – Terrorgruppen Hamas und Hisbollah als „linke“ Organisationen bezeichnet, die „gegen Imperialismus und Kolonialismus“ (sprich Israel) kämpften.

Dabei ist Frau Butler – ist es überhaupt queermäßig korrekt, jemanden als „Frau“ anzusprechen? – noch nicht einmal die größte Konfettikanone im Karneval des Irrsinns, Jasbir Puar jedenfalls übertrifft sie bei weitem:

Puar beschreibt ihr eigenes Forschungsfeld wie folgt: „Sie analysiert die komplexen Beziehungsgeflechte, die zwischen dem US-amerikanischen War on Terror, neoliberalen Sexualpolitik(en), zeitgenössischen Sicherheitsdispositiven, Orientalismus, Terrorismus, Folter und der Artikulation muslimischer, arabischer, Sikh- und südasiatischer Sexualitäten bestehen, und hinterfragt, warum und in welchen Diskursformationen an diesem historischen Kreuzungspunkt terroristische Körper produziert werden können, die als Gegensatz von ‚properly queer subjects‘ imaginiert werden.“

Oder anders gesagt: Puar erforscht nichts, sondern betreibt Laberwissenschaft, sie quatscht irgendwelchen Unsinn daher, dem nur jene einen Sinn abgewinnen können, die am Vorabend reichlich gekifft haben. So klug das alles klingt, Substanz besteht da nicht, denn die Fähigkeit intellektuell klingende Wortfetzen aneinander zu reihen, ist noch kein Zeichen von geistiger Schärfe.

Deutlicher wird Puar, wenn es um Israel geht. So kritisiert sie die britische Gruppe OutRage, die für die Rechte sexueller Minderheiten kämpft und auf einer Pro-Palästina-Demonstration die Losung verbreitete: „Israel: Schluss mit der Unterdrückung Palästinas! Palästina: Schluss mit der Unterdrückung von Queers! Schluss mit Ehrenmorden an Frauen und Schwulenmorden in Palästina!“

Man sollte meinen, gegen Ehren- und Schwulenmorde zu sein, da könne doch ein Linker eigentlich nichts dagegen haben. Nun ja, das war vielleicht mal so, denn wie gesagt, so schlimm kann das alles nicht sein, immerhin geht es hier gegen die Ju- äh, die Zionisten.

Solche Losungen „verwässern die Solidarität mit der Sache Palästinas“, schimpfte Puar in der Zeitung „The Guardian“; der Kampf gegen Israel dürfe „nicht durch eine derart unterkomplexe Haltung unterminiert werden“. Vielmehr gelte es, Israels „Image als liberale Gesellschaft der Toleranz“ gerade als „Mechanismus zu erkennen, durch den eine liberale Demokratie ihre eigenen totalitären Regimes (sic) rechtfertigt“.

Bezug nehmend auf diese „Logik“ wird dann auch klar, warum eine CSD-Parade in Tel Aviv schlimmer ist, als ein Schwulenmord in Palästina. Wie gesagt, normal bzw. überhaupt denkende Menschen können so etwas nicht verstehen, dafür muss man zur Avantgarde, zur Elite des Menschengeschlechts gehören. Dafür muss man ein Linker sein.

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6 Antworten to “Die Kritik am Schwulenmord als Ausdruck unterkomplexer, repressiv-faschistischer Gesinnung unter besonderer Berücksichtigung feministisch-queerer Idiotie”

  1. morus 3. Dezember 2010 um 17:31 #

    Ich lasse mich als Schwuler nicht gern instrumentalisieren und schon gar nicht im „Kampf gegen Israel“. Für mich – und das hat mit meiner Orientierung nichts zu tun – hat Israel ein Existenzrecht und darf sich auch verteidigen. Kritik ist angebracht, wenn diese Verteidigung unverhältnismässig sein sollte, allerdings kann ich das dann schwer beurteilen und bin froh, dass ich das auch nicht muss.
    Dass mir das Schicksal der Soldaten am Herzen liegt, könnte dann allerdings mit meiner Orientierung zu tun haben…

  2. Thommen60 3. Dezember 2010 um 18:10 #

    Siehe Palästina und Homosexuelle im Jahre 1959! hinter dem Link auf meine alte hp

  3. dominikhennig 4. Dezember 2010 um 02:21 #

    Was sind denn „neoliberale Sexualpraktiken“? 😀

  4. Alreech 4. Dezember 2010 um 14:02 #

    neoliberalen Sexualpraktiken ?
    vermutlich alles was allen beiteiligten Spaß macht 😉

  5. Der Ekelbaron 5. Dezember 2010 um 20:06 #

    Jaja… so einfach kann man es sich machen. Eine Kritik, die auch mich betrifft wird nicht nur absichtlich missverstanden, sondern es wird behauptet, niemand könne sie verstehen.
    Gewürzt wird die braune Soße dann mit ein paar Stigma-Wörtern (repressiv-faschistisch) und dem Vorwurf der platten Israel-Kritik… Toll!

  6. Tim 28. Januar 2012 um 04:47 #

    Wenn man ein Buch nicht versteht sollte man auch seinen Senf nicht dazugeben. Dominikhennig, neoliberale Sexualpraktiken sind die, die Homosexuelle in urbanen Ghettos verwesen lassen und sich (imaginäre) „Toleranz“ und „Gleichheit“ durch Anonymität, Spektakel und einer fabrizierten langweiligen Queer Pop Culture besorgen und dadurch gesellschaftliche Homophobie weiter provozieren, anstatt vielleicht einzusehen, dass Outreach über die Promotion von Yuppie-Schwulenghettos hinausgeht. Ich bin froh nicht dazuzugehören! Mir macht’s nämlich keinen Spaß. Aber ich bin wohl ein Spaßverderber (oder wohlmöglich einer der selbst-repressiven intern-Homophoben).

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