Aufbruch in Auflösung

21 Dez

Der „Evangelische Aufbruch in Deutschland“ (EAD), eine reaktionäre Christenvereinigung, löst sich auf. Gegründet hatte sich der Verein im

Protest gegen Bestrebungen der rheinischen Kirche, homosexuelle Partner zu segnen.

Doch dabei ließ der Verein es nicht bewenden:

2002 sammelte er über 21.000 Unterschriften gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz, mit dem schwule und lesbische Partnerschaften staatlich anerkannt werden, und legte sie dem Bundesverfassungsgericht vor.

Historisch griff man dabei völlig daneben und halluzinierte sich als Antifaschisten, während man den Gesetzgeber vermutlich für den „willigen Vollstrecker“ der Homosexuellen hielt:

1996 gründete der EAD die Bekennende Evangelische Gemeinde Neuwied; vier Jahre später schloss sich diese Gemeinde mit fünf weiteren zum „Rat Bekennender Evangelischer Gemeinden“ zusammen. Die Mitgliedsgemeinden verstehen sich als in der Tradition der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 stehend, dem theologischen Fundament der Bekennenden Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus.

Unter Evangelikalen findet man sich bei diesem geschmacklosen Vergleich in bester Gesellschaft:

Vielleicht ist der Geist der Homosexualität immer noch untrennbar verbunden mit dem Nationalsozialismus. Immerhin begann die NSDAP ihr obszönes Leben in einer Münchener Schwulenbar.

delirierte im Jahr 2007 ein britischer Evangelikaler und vergaß dabei zu erwähnen, welche organisatorischen und inhaltlichen Übereinstimmungen es zwischen deutschen Evangelikalen und deutschen Faschisten gab.

Die Auflösung des EAD ist übrigens keineswegs Grund zur Freude:

Mitgliedern und Freunden wird empfohlen, sich dem Gemeindehilfsbund (Walsrode) anzuschließen. Vorausgegangen waren mehrjährige intensive Beratungen zwischen den Vorständen der beiden Vereinigungen. „Mit dieser Entscheidung wollen wir zu einer Bündelung bibeltreuer Kräfte beitragen und eine nicht mehr notwendig erscheinende Zersplitterung im evangelikalen Bereich beenden“, sagte der zuletzt amtierende EAD-Vorsitzende, der Theologe und Philosophieprofessor Thomas Hoffmann (Hagen/Wien), gegenüber idea.

Selbstverständlich ist nichts gegen den Versuch „bibeltreuer Kräfte“ zu sagen, ihr eigenes Leben so borniert und eingeengt zu führen, wie sie es für richtig halten. Auch eine Einflußnahme auf kirchliche Entscheidungsprozesse ist legitim, wobei hier die Doppelmoral Doppelstrategie ins Auge fällt, einerseits Parallelstrukturen zur Volkskirche aufzubauen und andererseits keine Gelegenheit auszulassen, eben diese nach rechts auszurichten. Energisch zurückzuweisen ist aber der Versuch dieser reaktionären Christen, gesellschaftliche Entwicklungen aufzuhalten, weil sie nicht ihrem „Bibelverständnis“ entsprechen. Die Trennung von Staat und Kirche ist in unseren Gefilden im Wesentlichen bereits vollzogen – und das ist auch gut so.

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