Die rechte Freiheit eines Christenmenschen

6 Jan

Deutschlands Kampfblatt für christliche Reaktionäre beschert uns einen ganz besonderen Rückblick:

Kein Fest wird so intensiv gefeiert wie Weihnachten.
Kein Gottesdienst zählt mehr Besucher wie der an Heiligabend.
Was schreiben eigentlich große Massenmedien über das Fest aller Feste?

Bemerkenswert ist, was man bei ideaSpektrum unter großen Massenmedien versteht. Neben der Neuen Zürcher, der ZEIT, der Süddeutschen, der FR, der WELT und der taz blickt man auch zurück in die JUNGE FREIHEIT. Verwunderlich ist das nur für Menschen, denen Deutschlands kirchenpolitische Landschaft unbekannt ist. Denen dürfte auch der aus der JF zitierte Politologe und Theologe Prof. Klaus Motschmann bisher nicht begegnet sein. Weshalb Motschmanns Beschwerde dem einen oder anderen auf den ersten Blick sympathisch vorkommen mag:

Alle Jahre wieder wird von allen möglichen Seiten bewegte – allerdings kaum noch bewegende – Klage über die ‚Säkularisierung’ und ‚Kommerzialisierung’ des Weihnachtsfestes und den daraus resultierenden Sinnverlust geführt… Dabei wird weitgehend übersehen, dass die christlichen Kirchen – die evangelische mehr als die katholische – einen maßgebenden Anteil an dieser Entwicklung haben.

Nun könnte man meinen, Motschmann störe sich im Folgenden an der politisierten Kirche, bei deren Predigten man so manches Mal nicht weiß, ob man sich im Gottesdienst oder nicht doch eher auf dem Parteitag der LINKEN befindet. Doch wie glaubwürdig wäre eine solche, von seinesgleichen häufig zu vernehmende Beschwerde, durch einen Theologen, der wie kaum ein anderer für eine „rechte Kirche“ steht? In Wahrheit stören sich Motschmann und Kameraden nämlich keineswegs an einer „politischen Kirche“, vielmehr an einer „linken Kirche“. Kein Wunder, handelt es sich bei Motschmann doch um einen Protagonisten der Neuen Rechten. Motschmann gehörte dem Kuratorium der „Konservativen Aktion“ an. Diese tat sich beispielsweise durch ausländerfeindliche Aktionen hervor:

Mit der „Aktion Heimkehr“ wollte die Konservative Aktion in Deutschland lebende Türken zum Verlassen der Bundesrepublik animieren. Erreicht werden sollte dies u. a. mit Briefen in türkischer Sprache, in denen Türken in Deutschland um Verständnis dafür gebeten werden, dass „Bundeskanzler Helmut Kohl im Interesse unserer Nation die Ausländerzahlen innerhalb der nächsten 10 Jahre in Deutschland durch Rückkehr in die Heimatländer halbieren muß“. Ein im Rahmen der „Aktion Heimkehr“ organisierter Marsch nach Berlin-Kreuzberg am 17. Juni 1983 hatte gewalttätige Straßenschlachten zur Folge.

Motschmann ist Mitglied des Vorstandes der Evangelischen Notgemeinschaft in Deutschland, einer Organisation,

die vorwiegend aus Pfarrern – zum Teil bei Polizei, Militär und Bundesgrenzschutz – besteht.* Vier ihrer Mitglieder seien im Folgenden kurz skizziert:

  • Werner Petersmann engagierte sich in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts bei den faschistischen Deutschen Christen (DC). In den 60er Jahren trat er der NPD bei, für die er bei den Bundestagswahlen 1969 auf Platz 1 der niedersächsischen Landesliste kandidierte. Im Oktober 1970 unterstützte er die Aktion Widerstand, einen der größten faschistischen Zusammenschlüsse nach 1945.
  • Ernst Anrich hatte bereits eine NSDAP-Karriere hinter sich, als er Anfang der 70er Jahre stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender wurde.
  • Alexander Evertz gehörte während des NS dem deutschnationalen Flügel der Bekennenden Kirche an. In den 60er Jahren schrieb er bspw., die Offenbarung Gottes treffe das „blut- und bodengebundene Geschöpf Gottes“.
  • Johannes Ferdinand Barnick, Schriftsteller, schrieb in Bezug auf den ersten und den zweiten Weltkrieg, die Deutschen seien „zu friedlich, zu arglos, zu anständig“ gewesen.

Wenig überraschend freute sich der NPD-Bundesvorstand über die ENiD-Gründung als „ein ermutigendes Zeichen im Kampf um die nationale Selbstbestimmung des deutschen Volkes“, die Nationalzeitung druckte die Beitrittserklärung ab.
Die Referentenliste der ENiD-Studientagungen spricht für sich, neben Günther Rohrmoser finden sich noch weitere Mitglieder des Kuratoriums des Studienzentrums Weikersheim.

Pikant sind auch Kontakte der ENiD mit den Republikanern. Deren enge Verbundenheit wurde immer wieder deutlich, wenn Mitglieder der Reps, die kirchliche Funktionen innehatten, wegen ihrer Parteizughörigkeit angegriffen wurden. Regelmäßig trat dann die ENiD als Unterstützer der inkriminierten Reps auf und setzte sich für ihren Amtsverbleib ein.

Und ideaSpektrum? Arbeitet offensichtlich weiter emsig daran, rechte Positionen im deutschen Protestantismus hoffähig zu machen. Bis die JUNGE FREIHEIT ein großes Massenmedium ist, dürfte allerdings – Gott sei Dank! – noch einige Zeit vergehen. Eher findet der Weltuntergang statt oder – ersatzweise – die Klimaerwärmung.

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