Schwule Metastasen

11 Jan

Es gibt tatsächlich Protestanten, die ein Problem mit schwulen Pfarrern haben – sofern sie praktizieren. Na sowas! Bemerkenswert ist einzig die Begründung der Erklärung:

Nach Ansicht des Initiativkreises führen Pfarrer, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft leben, Jugendliche „in unnötige Verwirrungen“ in einer Lebensphase, in der die Sexualität noch sehr formbar sei: „Diese ideologische Verführung ist mindestens so schlimm wie eine körperliche.“

Zwei Männer in einer Partnerschaft sind also genauso von Übel, wenn nicht viel übler, wie die körperliche Verführung zur Homosexualität, die bekanntermaßen nicht existiert. Es fällt mir schwer, auch nur zu versuchen, den absurden Gedankengang nachzuvollziehen. Was sie meinen, die Initiativkreisenden Protestanten, ist nämlich Folgendes: Zwei Männer, die sich lieben und Sex miteinander haben, sind qua Existenz sexueller Missbrauch jedes männlichen Jugendlichen, der davon erfährt.

Eine weitere Begründung für ihre Ablehnung beziehen die Initiatioren vorgeblich aus der Ökumene. So

lehnten die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen die Priesterweihe Homosexueller entschieden ab. „Wer also weiterhin praktizierte Homosexualität im Pfarramt zulässt, trennt sich von der Gemeinschaft der Weltchristenheit und verführt die Kirche auf einen Weg zur Sekte“,

erklärt auch der Unterzeichnende Rainer Mayer, der bereits zuvor mit einer Unterschriftenaktion gegen Homosexuelle in der Kirche aufgefallen war. Schon komisch, wer hier „Sekte“ schreit, obwohl er selbst Jesus derart längst aus dem Blick verloren hat, dass ihm der Kampf für die Diskriminierung von Lesben und Schwulen in der Kirche und anderswo zu einem so existentiellen Thema gerät.

Der Bürgermeister der Gemeinde Burk bei Ansbach, Otto Beck (CSU), bezeichnete unterdessen die Entscheidung, das Zusammenleben Homosexueller in bayrischen Pfarrhäusern unter bestimmten Bedingungen zu erlauben,  als „Krebsgeschwür“. Wie praktisch, dass sich unter den Unterzeichnern der Erklärung mit Professor Rainer Nobiling ein Fachmann für  experimentelle Chirurgie befindet. Der wird sicher wissen, wie man die schwulen Zellen aus dem Volkskörper herausschneidet, ohne dass dieser danach allzu entstellt aussieht.

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