Geschichte dreier Inseln

15 Jan

Seitdem ich dem müßigen Dasein des Universitätsbetriebes Lebewohl gesagt habe, um im Schweiße meines Angesichts mein Brot bei einem ausbeuterischen amerikanischen Großkonzern zu verdienen, komme ich nicht mehr so oft zum Schreiben wie früher. Dennoch streife ich nach wie vor gerne durch die wunderbaren Welten des World Wide Web, um mich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, wie vielfältig die Kreativität, die Klugheit und Dummheit der Menschen ist. Und gerade letztere ist schier unendlich. Als Beweis hierfür möchte ich auf folgende Webseite aufmerksam machen, über die ich bei einer, vor kurzem erfolgten nächtlichen Suche nach den Höhepunkten schwuler Filmkultur gestoßen bin: „Gay Fools„.

Das Anliegen dieser grafisch äußerst liebevoll gestalteten Seite ist es offenbar, sich ob seiner Existenz als Hetero auf die Schulter zu klopfen; einen rational denkenden Menschen lässt sie allerdings mit der schwerwiegenden Frage zurück, ob Sex mit dem anderen Geschlecht nicht unter Umständen doof macht. Heterosexualität, so die Macher der Seite, finde man voll okay, und man wolle einmal ganz nüchtern über ihr Pendant, die Homosexualität, argumentieren, und beide Praktiken einem Test unterziehen.

Zunächst aber wird munter definiert. Was ist Heterosexualität?

Heterosexuality – Practices and identity predicated on sexual intercourse with the opposite gender.

Dem gegenüber steht die Homosexualität:

Homosexuality – Practices and identity predicated on sexual intercourse with the same gender.

Wir haben also gelernt: Die menschliche Gesellschaft besteht aus drei Inseln. Auf der einen wohnen ein (heterosexueller) Junge und ein (heterosexuelles) Mädchen, auf der zweiten zwei (schwule) Jungen, und auf der dritten zwei (lesbische) Mädchen. So weit so verständlich…

Doch wie geht es dann weiter. Was passiert wenn die Jahre vergehen? Die Macher von Gay Fools haben auf diese Frage ziemlich eindeutige Antworten.

Die Insel mit den Heteros:

Und jeweils die Inseln mit den Homos:

Wir lernen also: Der Junge und das Mädchen auf der Hetero-Insel bekommen wiederum Junge und Mädchen und leben weiter und die Bewohner der beiden anderen Inseln sterben weg. Das Fazit der „Gay Fools“-Betreiber lautet dann auch dementsprechend:

Oops! Sieht so aus, als hätten wir ein Problem!

Es scheint so, als ob Heterosexualität immer wieder kehrendes Leben hervorbringt, und es scheint, dass Homosexualität mit den Tod endet.

Wenn das Leben etwas ist, das wir mit all unseren Möglichkeiten unterstützen, schützen, verteidigen und feiern, dann ist es klar, dass Homosexualität keinen Platz im Leben hat und ganz sicher nichts ist, was man feiern oder verteidigen sollte.

Der Tod ist der Feind des Lebens, und das ist auch die Homosexualität.

Etwas anderes zu glauben, ist einfach nur dumm.

Spätestens an dieser Stelle war ich mir nicht mehr sicher, ob ich das ganze ernst nehmen, oder eher als Satire betrachten sollte. Für ersteres spricht die absolute Primitivität der Argumentation, aber andererseits sind homophobe Menshcen auch ziemlich primitiv und die kleine Geschichte von den drei Inseln reiht sich nahtlos in besonders einfältige Argumente gegen die Homosexualität ein. Da ich aber ein Mensch bin, der gelernt hat, seinen Mitmenschen mit Respekt zu begegnen, werde ich kurz meine Gegenargumente anbringen.

Zunächst einmal ist es offensichtlich, dass die Macher der Seite ein allzu simples Verständnis von menschlichen Gesellschaften haben, eben weil es ja nicht so ist, als würden Heteros, Schwule und Lesben jeweils auf eigenen Inseln wohnen. Doch nehmen wir mal an, das wäre tatsächlich der Fall und alle drei Bevölkerungen befänden sich in der Situation, auf jeweils unterschiedlichen Inseln zu residieren. Was würde tatsächlich passieren? Mir fallen da spontan folgende möglichen Szenarien ein.

Sicher: Auf der Insel mit den Heteros würden alsbald Kinder geboren werden, während die Inseln mit den Schwulen und Lesben erst einmal kinderfrei bleiben würden – was einige Einwohner vermutlich sogar begrüßen dürften. Und ja, es könnte sogar passieren, dass niemand an Reproduktion denkt und die Homo-Inseln alsbald entvölkert sind. Doch wen sollte das stören? Die Toten? Nun ja, die sind tot, denen wird das nicht viel ausmachen. Die übrig gebliebenen letzten Lebenden? Mag sein, dass es ihnen ein bisschen zu einsam wird, aber dem kann man ja vorbeugen. Homos sind nämlich gar nicht so blöd, wie die Macher der Seite der Seite suggerieren. Anstatt also wie die Fliegen weg zu sterben werden die Bewohner der  Homo-Inseln also folgendes unternehmen.

Homosexuelle Paare mit Kinderwunsch werden Kontakt zu der jewals anderen Insel aufnehmen und Vorsorge treffen wie man mittels Ei- bzw. Spermaspende an Kinder kommen kann. Ziemlich sicher wird es bald einen Markt für Ei- und Samenbanken sowie Leihmütter geben. Eine andere Möglichkeit wäre, die Insel der Heteros mit Raubzügen zu überziehen, um immer mal wieder einige Kinder zu klauen. Die einfachste Möglichkeit ist aber folgende: Man bietet den Kindern der Hetero-Insel, die schwul oder lesbisch sind, einfach unbegrenzten Aufenthalt auf den Homo-Inseln an. Denn man mache sich nichts vor: nicht alle Nachkommen der Heteros, werden Lust haben, sich mit dem anderen Geschlecht zu vereinen. Einige werden das Angebot der Homos annehmen und auf die Homo-Inseln ziehen, andere allerdings werden auf der Hetero-Insel bleiben, für ihre individuellenRechte kämpfen und die Hetero-Gesellschaft gründlich aufmischen, so dass der Traum von einer reinen heterosexuellen Welt bald ausgeträumt sein wird.

Das ist die Realität, und so stellt sie sich ja auch dar: Schwule und Lesben – selbst wenn sie keinerlei Lust verspüren, untereinander um Nachwuchs zu soregn – müssen gar nicht um ihre Zukunft fürchten, weil Heteros fleißig dafür sorgen, dass immer wieder neue Homos geboren werden. Dafür sind sie ja auch da, das ist ihr biologischer und göttlicher Auftrag.

Den Rest könnte man dann endlich mal uns Homos überlassen, was auch ander Zeit wäre, weil die Geschichte ja nun eindeutig bewiesen hat, dass Heteros für den Aufbau einer friedlichen, prosperierenden Gesellschaft nicht in der Lage sind. Es kann schließlich kein Zufall sein, dass allgemeiner Wohlstand, Lebenserwartung, Freiheit und Gesundheit in denjenigen Gesellschaften am höchsten sind, in denen auch Homos was zu sagen haben.

Wer also sind hier die Dummen?

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Eine Antwort to “Geschichte dreier Inseln”

  1. Thommen60 16. Januar 2011 um 02:06 #

    Man kann zum Schluss kommen, dass Heterosexuelle ausschliesslich an Sex denken und sich gegenseitig besexen! ;))

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