Willkommen im Kommunismus!

20 Jan

Im Kapitalismus kann jeder mit seinem Eigentum machen was er will. Wir leben aber leider nicht im Kapitalismus. Wir leben in einem Semi-Sozialismus, in dem man als Besitzer eines Hotels vom Staat gezwungen wird, Gäste zu beherbergen, die man nicht beherbergen will:

Die in einer eingetragenen Partnerschaft lebenden Kläger Martyn Hall und Steven Preddy hatten ein Doppelzimmer im Chymorvah-Hotel in der Grafschaft Cornwall gebucht. Die Besitzer Hazelmary und Peter Bull wiesen das Paar aber ab – mit Verweis auf ihren christlichen Glauben, der Homosexualität verbiete. Sie bezeichneten es als „Beleidigung ihres Glaubens“, wenn Schwule in ihrem Grundstück ein Bett teilen würden.

Dabei geht es hier gar nicht um Glaubensfragen, sondern um Eigentumsrechte. Wenn ich in meinem Hotel keine Heteros haben will, dann habe ich gefälligst das Recht dazu. Und keine heterofreundliche Regierung hat mir da reinzureden, nur weil sie meint, Heteros wären gesamtgesellschaftlich diskriminiert, selbst wenn sie es sind.

Das Amtsgericht in Bristol sah das aber anders: Es sprach den beiden Klägern je 1.800 Pfund (2.350 Euro) Schadensersatz zu. Der Richter berief sich dabei auf das 2007 beschlossene Antidiskriminierungsgesetz . Es besagt, dass Schwule und Lesben beim Zugang zu Dienstleistungen nicht benachteiligt werden dürften.

Werden sie ja auch nicht. Wenn nämlich andere Menschen das Recht haben, eigene Hotels mit eigenen Regeln zu eröffnen. So was nennt man Marktwirtschaft, Wettbewerb, Vielfalt. Deshalb gibt es Fitnesscenter nur für Frauen, Bars nur für Schwule und Restaurants mit vegetarischem Essen. Und was ist überhaupt mit den ganzen Puffs, die es sicherlich auch in Großbritannien gibt, und die  als Dienstleistung fast ausschließlich nur das Vögeln mit Frauen anbieten? Ist das nicht auch Diskriminierung?

„Die verpartnerten Kläger sind in den Augen des Gesetzes eine Familie, genau wie die verheirateten Beklagten“, erklärte der Richter. Damit diskriminierten die religiösen Hotelbesitzer das Paar zweifellos aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

Ja, das tun sie. Na und?

Homo-Gruppen begrüßten das Urteil.

Was für eine Überraschung!

Im „Guardian“ erklärte Stonewall-Chef Ben Summerskill, dass ein Sieg für die Hotelbesitzer den Diskriminierungsschutz unterhöhlt hätte.

Ja, und das wäre auch gut so gewesen!

Dann dürften sich auch Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften über bestehende Regeln hinwegsetzen: So könnte sich etwa eine muslimische Krankenschwester aus religiösen Gründen weigern, einer unverheirateten Mutter zu helfen.

Ja, dann wird sie eben entlassen. Was ist denn das für ein Vergleich? Eine Krankenschwester ist Angestellte und hat sich damit den Regeln des Krankenhauses zu fügen. Sie kann nicht ihre eigenen Regeln setzen, es sei denn, sie eröffnet selbst ein Krankenhaus, z. B.  nur für verheiratete Patienten.

Auch Aktivist Peter Tatchell zeigte sich erleichtert über das Urteil: „Gläubige können sich nicht über Gleichbehandlungsgesetze hinwegsetzen, an die sich alle anderen Menschen halten müssen“, erklärte der Mitbegründer der Gruppe Outrage!

Als wenn es nicht schlimm genug wäre, dass sich auch alle anderen an diesen Unsinn halten müssen. Himmel, wenn das so weitergeht mit der Antidiskriminierung, gibt es demnächst staatliche Richtlinien bezüglich der Diversität des eigenen Freundeskreises. Man will ja schließlich niemanden ausgrenzen…

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5 Antworten to “Willkommen im Kommunismus!”

  1. Julian 26. Januar 2011 um 19:22 #

    Mal ganz von deinen ideologisch-kapitalistischen Vorstellungen abgesehen („Semi-Sozialismus“???), ist der Knackpunkt an dieser ganzen Sache einfach, dass es sich hierbei um ein Hotel handelt. D.h. die beiden netten Senioren bieten, genauso wie jedes andere Kettenhotel Marke „Hyatt“, eine Dienstleistung an.

    Würden sie eine private Pension betreiben, wäre die Sache eine komplett andere und ich würde dir zustimmen, wenn du sagst, dass jeder sich aussuchen darf, wer bei einem übernachten darf.

    Aber was wäre denn bitte, wenn bspw. plötzlich eine große Hotelkette uns Schwulen den Eintritt, oder zumindest – wie im Beispiel – das gemeinsame Schlafen in einem Bett verbieten würde? Wir würden zu Recht auf die Barrikaden gehen.

    Wieso hier nicht? Ne extra Ausnahme für diesen kleinen Tante-Emma-Laden, für den sich sowieso niemand interessiert?

    Du schreibst:
    „Eine Krankenschwester ist Angestellte und hat sich damit den Regeln des Krankenhauses zu fügen.“

    Stimmt, und genauso haben auch diese beiden Hotelbesitzer sich an die Regeln des Staates zu halten. Ach ne, ich vergaß: Den Staat soll es ja laut deiner Ideologie in der jetzigen Form eigentlich gar nicht geben. Der Markt regelt schon alles. Wir müssen einfach warten und in 10 Jahren hat sich das mit der Homophobie.

  2. Adrian 26. Januar 2011 um 20:24 #

    @ Julian

    „D.h. die beiden netten Senioren bieten, genauso wie jedes andere Kettenhotel Marke „Hyatt“, eine Dienstleistung an.“

    Na und? Muss man jedem eine Dienstleistung anbieten? Muss ein Schwulenclub auch Frauen reinlassen? Ein Frauenfirnesscenter auch Männer? Ein Puff auch Callboys einstellen? Dienstleistungen werden – solange sie nicht staatlich sind – von Privatpersonen geleitet. Also kann auch jeder Anbieter entscheiden, wem er Dienstleistungen abietet.

    „Aber was wäre denn bitte, wenn bspw. plötzlich eine große Hotelkette uns Schwulen den Eintritt, oder zumindest – wie im Beispiel – das gemeinsame Schlafen in einem Bett verbieten würde? Wir würden zu Recht auf die Barrikaden gehen.“

    Wer ist denn „wir“? Ich würde das lächerlich finden, aber solange ich mein eigenes Hotel aufmachen darf, um dort meine Regeln durchzusetzen, gibt es doch eigentlich kein Problem.

    „Stimmt, und genauso haben auch diese beiden Hotelbesitzer sich an die Regeln des Staates zu halten.“

    Aber natürlich nur solange, wie der Staat die eigenen persönlichen Interessen und Vorstellungen durchsetzt, nicht wahr? Andernfalls wäre es natürlich eine Pflicht gegen den Staat aufzubegehren.

    „Der Markt regelt schon alles.“

    Nö. Aber er gewährt Vielfalt und Freiheit – auch die Freiheit derer, die mir nicht passen.

  3. Julian 26. Januar 2011 um 22:54 #

    „Muss man jedem eine Dienstleistung anbieten?“

    Eindeutiges „Ja“! Wo kämen wir denn bitte hin, wenn sich jeder pobelige Supermarkt aussuchen könnte, wen er bei sich einkaufen lassen kann.

    Ich hör es schon:
    „Penner wollen wir hier nicht, die belästigen unsere Kunden! Alle rauß! Ist mein gutes Recht.“

    Ersetze „Penner“ durch jede beliebige andere Minderheit. Ist es das, was du dir vorstellst von Freiheit? Anscheinend schon:

    „Dienstleistungen werden – solange sie nicht staatlich sind – von Privatpersonen geleitet. Also kann auch jeder Anbieter entscheiden, wem er Dienstleistungen abietet.“

    Dann muss ja bald jeder Dienstleistungsanbieter ein Schild vor die Tür machen, auf dem steht, wer rein darf und wer nicht. Erinnert mich an bestimmte Zeiten auf unserem schicken Planeten, du weißt ganz sicher welche ich meine.

    Das zusammen mit dem Gerede über den Nachtwächterstaat klingt mir einfach dem Sozialdarwinismus viel zu ähnlich.

    Freiheit ist toll! Aber auch nur solange bis das Ausleben der Freiheit des einen, die Freiheit des anderen einschränkt.

    „Muss ein Schwulenclub auch Frauen reinlassen? Ein Frauenfirnesscenter auch Männer? Ein Puff auch Callboys einstellen?“

    Findest du ein Hotel, dass mit Bezug auf die Bibel zwei Schwule nicht zusammen ein Doppelbettzimmer beziehen lässt, wirklich vergleichbar mit einem Frauenfitnesscenter, dass nur Frauen bei sich trainieren lässt, zumal das Fitnesscenter die – im übrigen völlig legitime (s. übernächster Absatz) – Exklusivität sogar noch im Namen trägt?

    Aber Diskriminierung ist auch einfach ein ganz ganz anderes Paar Schuhe, als die Beispiele, die du da aufzählst:

    Erstens geht es um den Schutz von Minderheiten, zweitens geht es um bewusste/beabsichtigte Diskriminierung und drittens macht der Ton die Musik.

    Wenn sie ALLEN ein Doppelzimmer verwehrt hätten, wäre es kein Ding gewesen. Aber sie schließen eine bestimmte Personengruppe aus. Und so plausibel die Gründe auch zu sein scheinen – obwohl die Begründung hier ja auch ziemlich für den Po ist – sie sind bei Diskriminierung IMMER illegitim.

    Man stelle sich einfach auch mal verschiedene andere Auswüchse vor:
    Was wäre bei zwei Schwarzen, die abgewiesen werden mit der Begründung, dass das Hotel einfach keine Schwarzen bei sich zusammen unterbringen will?
    Was wäre bei zwei Juden, zwei Behinderten?

    Müsste für dich ja alles in Ordnung sein, oder?

    Naja, ich glaube wir haben einfach grundverschiedene Ansichten, was ein Staat machen darf/muss und was nicht. Ich glaube an den sozialdemokratischen Staat und das Subsidaritätsprinzip. Und da bin ich mit meinen Vorstellungen zum Glück näher am deutschen System als du. Dir bleibt quasi nur noch Auswandern (wie wärs mit den USA oder UK?) oder weiter das Kreuz bei der FDP zu machen 😉

  4. Adrian 27. Januar 2011 um 21:07 #

    @ Julian

    „Eindeutiges „Ja“!“

    Glaub ich Dir nicht, dass Du das ernst meinst. Was ist mit NPD’lern?
    https://gaywest.wordpress.com/2010/05/15/gut-dass-es-diskriminierung-gibt/

    „Dann muss ja bald jeder Dienstleistungsanbieter ein Schild vor die Tür machen, auf dem steht, wer rein darf und wer nicht.“

    Wieso „muss“? Wer zwingt denn Dienstleistungsanbieter bestimmte Gruppen nicht zu bedienen? Wenn man scharf auf Profit ist, wäre es sogar kontraproduktiv, bestimmten Menschen Dienstleistungen zu verweigern.

    „Erinnert mich an bestimmte Zeiten auf unserem schicken Planeten, du weißt ganz sicher welche ich meine.“

    Wenn ein Staat bestimmt, dass gewisse Gruppen von jedem Anbieter ausgegrenzt werden müssen, ist das etwas anderes, als wenn Anbieter selbst entscheiden, ob sie gewisse Gruppen ausgrenzen wollen.

    „Freiheit ist toll! Aber auch nur solange bis das Ausleben der Freiheit des einen, die Freiheit des anderen einschränkt.“

    Welche Freiheit wurde denn eingeschränkt? Dass der Homos in einem bestimmten Hotel zu übernachten, dass ihnen nicht gehört? Lapidar. Nicht lapidar ist dagegen der Freiheitsentzug der Hotelbesitzer, die gezwungen werden, ihr Eigentum den Bedingungen der Regierung zu unterstellen.

    „Findest du ein Hotel, dass mit Bezug auf die Bibel zwei Schwule nicht zusammen ein Doppelbettzimmer beziehen lässt, wirklich vergleichbar mit einem Frauenfitnesscenter, dass nur Frauen bei sich trainieren lässt, zumal das Fitnesscenter die – im übrigen völlig legitime (s. übernächster Absatz) – Exklusivität sogar noch im Namen trägt?“

    Ja.

    „Erstens geht es um den Schutz von Minderheiten,“

    Nein, darum geht es nicht. Es geht um die Privilegierung einer momentan für die politische Klasse genehmen Minderheit. Fundamentalistische Christen sind auch eine Minderheit.

    „zweitens geht es um bewusste/beabsichtigte Diskriminierung“

    a) Und?
    b) Frauenfirnesscenter diskriminieren auch bewusst, ja sie tragen diese bewusste Diskriminierung sogar im Namen.

    „und drittens macht der Ton die Musik.“

    Und?

    „Aber sie schließen eine bestimmte Personengruppe aus.“

    Und?

    „Und so plausibel die Gründe auch zu sein scheinen – obwohl die Begründung hier ja auch ziemlich für den Po ist – sie sind bei Diskriminierung IMMER illegitim.“

    Warum sollte Diskriminierung durch einzelne Individuen illegitim sein? Diskriminierst Du nie? Ich schon.

    „Was wäre bei zwei Schwarzen, die abgewiesen werden mit der Begründung, dass das Hotel einfach keine Schwarzen bei sich zusammen unterbringen will?
    Was wäre bei zwei Juden, zwei Behinderten?“

    Die Sachlage wäre die gleiche.

    „Müsste für dich ja alles in Ordnung sein, oder?“

    Nein, aber ich bin so bescheiden, dass ich meine moralischen Vorstellungen nicht anderen aufzwingen will.

    „Naja, ich glaube wir haben einfach grundverschiedene Ansichten, was ein Staat machen darf/muss und was nicht.“

    Korrekt. Du glaubst der Staat ist dazu da, um Deine Vorstellungen, Ideen und Ansichten allen anderen aufzuwingen.

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  1. Hofschwuchteln der Finanzmonopole « bluthilde - 21. Januar 2011

    […] Avantgarde des Proletariats den endgültigen Erfolg des sozialistischen Aufbaus, also den Kommunismus ausruft, sondern sich zu allem Überfluss auch noch als Onkel Tom im rosa Tütü offenbart, indem es […]

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