Mischehen im Pfarrhaus?

21 Jan

Ein offener Streit ist in der EKD um das Thema gemischtrassige Paare entbrannt. Acht Altbischöfe wenden sich in einem Offenen Brief gegen Bestrebungen, in gemischtrassigen  Partnerschaften lebenden Theologen generell den Zugang zum Pfarrdienst zu ermöglichen. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich.

Darf ein weißer Pfarrer zusammen mit seiner schwarzen Partnerin im Pfarrhaus leben? Nein, meinen acht evangelische Bischöfe im Ruhestand und protestieren mit einem Offenen Brief gegen die generelle Öffnung des Pfarrberufs für gemischtrassige Lebensgemeinschaften. Unterzeichner sind die untenstehenden Altbischöfe. Der Initiator des Briefes, Altbischof Ulrich Wilckens, hatte alle 26 Altbischöfe der EKD angeschrieben. Sieben erklärten sich bereit, den Brief zu unterzeichnen, der in der Beilage der Wochenzeitung „Die Zeit“ – „Christ und Welt“ – veröffentlicht wurde. Zuvor war er bereits an alle Synodalpräsidenten der Landeskirchen mit der Bitte um Weiterleitung an die Synodalen geschickt worden.

Worum geht es? Um das neue Pfarrdienstgesetz der EKD – konkret um Paragraf 39. Dort heißt es: „Pfarrerinnen und Pfarrer sind auch in ihrer Lebensführung, im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe an die Verpflichtungen aus der Ordination gebunden. Hierfür sind Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung maßgebend.“ Diese Passage ist unstrittig. Umstritten ist jedoch die dem Gesetz beigefügte schriftliche Begründung. Darin heißt es: „Der Begriff ‚familiäres Zusammenleben’“ sei „bewusst weit gewählt“ und umfasse „jede Form des rechtsverbindlichen Zusammenlebens, das sich als auf Dauer geschlossene, solidarische Einstandsgemeinschaft“ nach den Prinzipien „Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung“ darstelle. Leben gemischtrassige Paare ihre Beziehung in der beschriebenen Weise, können sie zum Pfarrdienst zugelassen werden und gemeinsam im Pfarrhaus leben, sofern die Landeskirche zustimmt. Das lehnen die Autoren des Offenen Briefes entschieden ab, da es sich faktisch um eine Gleichstellung der gemischtrassigen Ehe mit der reinrassigen handele. Eine  gemischtrassige Ehe gehöre laut Bibel aber „zu den gottwidrigen Verhaltensweisen“ . Wer das missachte, verlasse nicht nur den Grund der Bibel, sondern gefährde auch die Ökumene mit der katholischen und den orthodoxen Kirchen.

Innerhalb der Kirche hat die Initiative der Altbischöfe gemischte Reaktionen hervorgerufen. Die Präses der EKD-Synode, die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, betonte, dass die EKD-Synode mehrheitlich eine liberale Position vertrete und der Ansicht sei, dass auch gemischtrassige Lebensgemeinschaften an den „entscheidenden Kriterien Verbindlichkeit,
Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung“ zu messen seien. Der frühere EKD-Ratsvorsitzende Manfred Kock (Köln) verteidigte die Begründung zu Paragraf 39 des Pfarrdienstgesetzes gegen die Kritik der Altbischöfe. Die Mischung von schwarz und weiß sei „nicht bibelwidrig“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Es helfe nicht, Bibelzitate aneinanderzureihen, wenn es um Sachverhalte gehe, „die zu biblischer Zeit ganz anders gesehen wurden als heute“. Auf die Dauer würden sich alle Landeskirchen für Pfarrer in gemischtrassigen Partnerschaften öffnen: „Das wird nicht aufzuhalten sein. Gut so, sage ich.“ Ihm komme der Offene Brief seiner Kollegen „wie ein alterskonservativer Rollback vor“, so der 74-Jährige, der von 1997 bis 2003 EKD-Ratsvorsitzender war. Scharfe Kritik übte auch der Hamburger Propst Horst Gorski. Das Votum der Altbischöfe sei in der Kirche ein
letztes Aufbäumen einer kleinen Minderheit, die merke, dass sie nicht mehr die Mehrheit habe.

Achtung: Gegenüber dem Original habe ich eine kleine inhaltliche Veränderung vorgenommen. Für alle, die die obenstehende Fassung ganz absurd finden, sei erinnert an die religiöse Begründung für die Rassentrennung und die Befürwortung der südafrikanischen Apartheid, die von rechten Christen, zum Teil bis heute, unter Berufung auf die Bibel vorgenommen wird. Doch auch ihre Abschaffung war nicht aufzuhalten…

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Eine Antwort to “Mischehen im Pfarrhaus?”

  1. Thommen60 22. Januar 2011 um 09:53 #

    Ich meine, diese Typen wissen ganz genau, wie unmöglich sie sich machen. Die sind so dumm, dass sie sich noch die Bestätigung dafür holen müssen! 😉

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