Raus aus dem Bundestag

26 Jan

Während in Großbritannien die Privatautonomie unter dem Deckmantel der Antidiskriminierung ausgehebelt wird, geht ein evangelischer Pastor in Deutschland jetzt noch weiter. Hartwig Hohnsbein heißt der Mann und er mag keine Evangelikalen. Diese gingen

mit der Bibel gegen Homosexuelle und Abtreibungen vor.

Die Bibel bzw. Teile von ihr möchte Hohnsbein

von der Bundesfamilienministerin auf den Index für jugendgefährdende Schriften setzen lassen. Die Begründung: An hunderten Stellen laufe die Bibel mit ihren „menschen- und lebensfeindlichen Aussagen“ den Menschenrechten zuwider.

Man mag sich wundern, ob des Zusammenhangs von menschenrechtsfeindlichen Aussagen und dem jugendgefährdenden Charakter eines Textes. Doch man wundert sich noch mehr, welche Schlussfolgerung Hohnsbein aus seiner Abneigung gegen Homosexuelle Evangelikale zieht:

Er forderte vor den rund 150 Teilnehmern der Veranstaltung, dass alle Bundestagsabgeordneten, die evangelikal geprägte Veranstaltungen wie etwa ProChrist unterstützten, ihr Mandat zurückgeben sollten.

Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Hohnsbein mag keine Evangelikalen. Seine Gründe dafür mögen stichhaltig sein oder nicht. Selbstredend hat er jedes Recht der Welt, diese Meinung öffentlich zu verkünden. Auch sein Recht, dazu aufzurufen, Unterstützer von evangelikal geprägten Veranstaltungen nicht in den Bundestag und andere Parlamente zu wählen, bleibt ihm unbenommen. Warum aber sollen längst gewählte Abgeordnete jetzt ihr Mandat zurückgeben? Weil Hohnsbein das gerne so hätte? Was für ein merkwürdiges Demokratieverständnis! Von mir aus können alle Bundestagsabgeordneten, die PETA unterstützen, zurücktreten, aber ich käme im Traum nicht auf die Idee, das von ihnen zu fordern.

Übrigens: Statt „Evangelikale“ könnte im Text auch „Homosexuelle“ stehen oder „Monarchisten“, denn diese Art von Gesinnungsdikatatur könnte sich selbstredend genauso selbstverständlich gegen Schwule wie gegen jede andere Gruppe richten. Ich halte es da lieber mit den Worten eines verblichenen Philosophen:

Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.

Und das gilt nicht nur für den Bundestag.

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2 Antworten to “Raus aus dem Bundestag”

  1. Alreech 26. Januar 2011 um 19:25 #

    ach, das ist normal.
    Die Verfasser und Erstunterzeichner des Kölner Aufrufs z.B. fordern das alle Politiker, Wissenschaftler und Journalisten die ihre Meinung nicht teilen zurücktreten sollen.
    Und auf deren Erstunterzeichnerliste finden sich nicht nur linke Spinner, sonder auch Kirchenfunktionäre und Politiker von CDU, CSU und SPD.

  2. Ulrich Wille 26. Januar 2011 um 20:22 #

    Gerade Bundestagsabgeordnete sollen sich aber nicht beschweren, deren Job besteht schließlich darin, anderen Menschen ihre Meinung aufzuzwingen. Daher bin Ich dafür, daß alle Bundestagsabgeordneten ihr Mandat niederlegen, egal ob Siebentagsadventisten, Kryptosexuelle oder was auch immer.

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