Alles halb so schlimm

17 Feb

Auf queer.de fragt sich Dennis Klein, welchen Einfluss die fundamentalistische Muslimbruderschaft auf die bereits ohnehin prekäre Situation von Schwulen und Lesben haben wird, und kommt zu einem relativ nüchternen Ergebnis, denn schlimmer könne es eigentlich gar nicht mehr kommen:

Gerade die Äußerungen über Schwule stimmen nachdenklich: So erklärte die Partei nach der Aufführung des Films „The Yacoubian Building“, dass alle Szenen mit schwulen Inhalten gegen „ägyptische Werte“ verstießen. Als das Mubarak-Regime 2002 insgesamt 52 Männer in einem Massenverfahren wegen Homosexualität aburteilte, sprangen die Muslimbrüder sogar dem verhassten Apparat bei: „Homosexualität ist gegen alles, für das Ägypten steht“, erklärte damals Parteisprecher Essam Elarian. Und wenn die Partei für die Achtung von Menschen- und Minderheitsrechten wirbt, wird immer erklärt, dass Homosexuellen als einziger Gruppe diese Rechte nicht zustehen würden.

Und nun sage keiner, die Muslimbrüder seien keine guten Demokraten, denn tatsächlich sprechen sie in dieser Hinsicht für die atemberaubende Mehrheit des Volkes:

Laut einer Umfrage des Pew Global Attitudes Projects aus dem Jahr 2007 wollen nur ein Prozent der Ägypter Homosexuelle akzeptieren. Selbst im Vergleich zu anderen Ländern in der Region ist das ein extrem hoher Grad an Homophobie: In Jordanien sind immerhin sechs Prozent für Akzeptanz, im Libanon sind es 18 Prozent (Deutschland: 81 Prozent).

Nun wissen wir alle, dass die Ägypter für ihre Homophobie nichts können, erstens weil es Moslems sind, zweitens weil sie keine Westler sind und drittens, weil wir Westler ihnen die Homophobie beigebracht haben, nämlich indem wir das verderbte Konzept des homosexuellen Subjekts – das sich ausschließlich mit dem gleichen Geschlecht abgibt – dem reinen, nichtidentitären Quickie zwischen muslimischen Männern auf dem fliegenden Teppich, gegenübergestellt haben. Während also früher mit Frauen verheiratete Männer „mal hie mal da“ und so ganz nebenbei andere Männer in den Arsch ficken konnten, ohne als schwul gehalten zu werden, können sie das jetzt nicht mehr. Ja, wer würde da nicht homophob?

Doch zurück zu den Muslimbrüdern:

Die Muslimbruderschaft wurde bereits 1928 gegründet – wenige Jahre, nachdem England seine Besatzung Ägyptens beendet hat. Damals rief sie hochmoralisch dazu auf, „Suff und Prostitution“ der früheren Kolonialmacht auszumerzen.

Was wohl heißen soll, dass unter den Briten Suff und käuflicher Sex zumindest toleriert wurden – tja die Kolonialzeit hatte eben auch ihr Gutes…

Auch „Juden raus“-Parolen gehörten zum Repertoire.

Und das obwohl Moslems eigentlich gar nicht antisemitisch sind, sondern höchstens antizionistisch…

Die junge Garde der Vereinigung ist aber – im Gegensatz zu den alten Mitgliedern – nicht mehr für die Einrichtung einer islamistischen Diktatur nach iranischem Vorbild, sondern orientiert sich eher an der türkischen AKP. Die Regierungspartei von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat sich von ihren islamistischen Wurzeln entfernt und bildet nun eine stabile Regierung in einem einigermaßen stabilen System, das viele demokratische Elemente besitzt. Die AKP hat auch kein Problem damit, dass Homosexualität in der Türkei – anders als in fast allen islamisch dominierten Ländern – legal ist.

Eine ägyptische AKP wäre, so Dennis Klein,  für Schwule und Lesben in Ägypten das „beste mögliche Ergebnis“. Vermutlich hat er Recht, denn sehr viel besser könnte es eigentlich nur werden, wenn sich Ägypten verwestlicht.

Aber wer will das schon?

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