Lesben für Lukaschenko

1 Mrz

Meine durchaus nicht unbedingt als Lob verwendete Bezeichnung des Internetportals queer.de als „schwule BILD-Zeitung“ hat eine erneute Berechtigung erfahren, denn wie die BILD gräbt auch queer.de Geschichten aus, die sonst keiner ans Tageslicht zu bringen, imstande ist. Da wäre z. B. die Sache, die sich zwischen dem weißrussischen Präsidenten Lukaschenko und Außenminister Guido Westerwelle abgespielt hat:

Demnach soll Lukaschenko in einem Monolog seinen Unmut über Homosexualität geäußert haben: „Er sagte, dass er nicht versteht, wie ein Mann mit einem Mann leben kann“, zitiert „Wprost“ die Quelle.

Weiter heißt es: „Das war offensichtlich eine Anspielung auf Westerwelle, der einen Lebenspartner hat. Der deutsche Minister sah nervös aus, aber Lukaschenko ist dann sogar noch weiter gegangen“. Dem Bericht zufolge soll er angeregt haben, alle Schwulen in Sowchosen (Bauernhöfe in Staatseigentum) zu stecken. Gegen Lesben habe der 56-jährige autoritär regierende Staatschef jedoch nichts, heißt es weiter.

Dabei sind es doch gerade die Lesben, die alles kaputt machen, indem sie immer wieder auf eine Extrawurst beharren, sich überall einmischen und jegliche Tradition zerstören. Wie bspw. in München:

Um deutlich zu machen, dass der Christopher Street Day nicht nur ein Event schwuler Männer ist, haben die Veranstalter des CSD München für dieses Jahr eine Umbenennung beschlossen: 2011 heißt der CSD „Christina Street Day“.

„Seit Jahren veranstalten wir gemeinsam den CSD, aber die Medien berichten immer noch über die ‚Schwulenparade‘, die durch das ‚Schwulenviertel‘ zieht“, begründete Thomas Niederbühl, politischer CSD-Sprecher und Stadtrat der Rosa Liste, die ungewöhnliche Maßnahme. „Das ist symptomatisch für die gesellschaftliche Ignoranz gegenüber Lesben. Auch bei der Verpartnerung, die Lesben und Schwulen offen steht, wird immer noch von ‚Schwulenehe‘ geredet. Deshalb wollen wir mit der Umbenennung in Christina Street Day Irritation, Aufmerksamkeit und Diskussion schaffen.“

Das ganze Idee ist so undurchdacht, so ahistorisch, so peinlich, dass es mir schwer fällt, nicht die Waffen zu strecken vor der Idee des Feminismus, die ganz offensichtlich nicht zu besiegen ist. Wenn jetzt schon die schwulen Männer Münchens sich einer Handvoll (lesbischer) Frauen unterwerfen, dann gibt es keine Hoffnung mehr. Die Hetero-Männer haben bereits von den Frauen kapituliert, und versklaven sich ihnen willig ein Leben lang. Und jetzt sind die Schwulen dran, obwohl die nun wirklich am wenigsten Grund hätten, den Interessen von Frauen zu folgen.

Doch wenn es um das große Ganze geht, spielt die Vernunft eh keine Rolle mehr:

Die Vielfalt der queeren Community soll auch im diesjährigen Münchner CSD-Motto „Gemeinsam für uns alle“ zum Ausdruck kommen: „Längst beteiligten sich am CSD Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender und tragen den Communitygedanken in die eigene Szene. Denn nur gemeinsam repräsentieren wir Vielfalt“, sagte CSD-Pressesprecherin Rita Braaz: „Wer meint, sich einzig für die eigene Gruppierung, die eigene Minderheit einsetzen zu wollen, hat den Communitygedanken nicht verstanden oder reproduziert sogar selbsterfahrene Diskriminierungsmechanismen.“

Was allerdings auch Frau Braaz nicht erklären kann ist, was schwule Männer denn eigentlich mit Transgendern zu tun haben. Vielleicht wäre es einmal an der Zeit, die ketzerische Frage zu stellen, ob die Idee einer „Community“ zwischen Schwulen, Lesben, Bis und Transgendern nicht ohnehin auf Sand gebaut ist. Was eint Lesben und Schwule und was trennt sie? Welches Interesse teilen  queere Anhänger der Idee, dass es keine Geschlechter gibt, mit Menschen, die durch geschlechtsangleichende Maßnahmen eben die Wirksamkeit des „Konstrukts“ Geschlechts bestätigen? Und was in aller Welt wollen überhaupt die Bisexuellen?

Aber nun gut, die Community ist unser Gott und damit wir niemanden ausgrenzen, werden wir demnächst auch asexuelle Hundeliebhaber in den Reihen der Queerheit begrüßen dürfen. Und irgendwann werden sich auch die Heteros einreihen. Denn eigentlich sind wir doch alle unterdrückte Minderheiten in einer Welt, die vom Kapital beherrscht wird.

Advertisements

3 Antworten to “Lesben für Lukaschenko”

  1. dieblaueneu 1. März 2011 um 11:16 #

    „“Denn eigentlich sind wir doch alle unterdrückte Minderheiten in einer Welt, die vom Kapital beherrscht wird, „“

    Genau und Lukaschenko, der wohl dauerhaft Besuch von Gaddafi bekommt, wird der Führer der neuen Weltordnung!

  2. pedro luis 1. März 2011 um 17:34 #

    Die angesprochenen vermeintlichen Allianzen lassen mich am Verstand mancher Schwuler zweifeln und werden mich noch soweit bringen, dass ich mich schäme, schwul zu sein.

  3. Dirk 2. März 2011 um 12:37 #

    Ist ja auch gemein, den Tag nach einem schwulen Mann zu benennen. Lebte dieser Christopher Street nicht in New York?
    Und warum hat man den zentralen Ort in München nach einer gewissen „Maria Platz“ benannt? Wer war das eigentlich?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: