There is no such thing as community…

11 Mrz

Seit ich von der Posse um die Umbenennung des Münchener CSD in „Christina Street Day“ Wind bekommen habe, komme ich aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Man erinnere sich: Eine kleine Gruppe solidaritätsbewegter Vorkämpfer für die unbedingte Korrektheit des homopolitischen Bewusstseins, glaubte mal wieder, den Frauen/Lesben etwas schuldig zu sein, da diese im Kampf der Homos/LGBTI’s um Gleichberechtigung doch allzusehr an den Rand gedrückt würden. Um diesen Missstand abzuhelfen, kam man auf die  geradezu nobelpreisverdächtige Idee, den „Christopher Street Day“ zu verweiblichen, indem man ihm einen Frauennamen gibt: eben „Christina Street Day“.

Ein Akt der Solidarität, der allerdings kräftig nach hinten losging. Denn nicht wenige Schwule empören sich heftigst, und das rosa München, ja das ganze Homo-Deutschland, steht Kopf:

Norbert Kammermeier ist sauer: „Das geht einfach nicht. Wir geben uns der Lächerlichkeit preis“, erklärte der Aktivist, der einst den CSD Regensburg mitorganisierte. Jetzt verteilt er in der Münchener Szene Unterschriftenlisten gegen die „eigenmächtige und sinnlose Umbenennung“.

Die vielbeschworene „Einheit der Community“, die sich in diesem Akt der Umbenennung eigentlich wiederspiegeln sollte, erweist sich nun als das, was sie sowieso schon immer war: eine Farce. Und altgediente Veteranen der Schlachten um Stonewall machen nun gegen Frauenversteherei und unpolitische „Party-Huschen“ mobil:

Der Name führe nicht nur zu Lachkrämpfen in der Lokalpresse, sondern verfälsche die Geschichte. Das falle zwar jungen Party-Huschen nicht auf, findet Kammermeier, anderen dafür umso mehr: „Die Älteren, die selbst der Front gestanden haben, haben ein penibles Geschichtsbewusstsein.“ Es sei eine Tatsache, dass der Stonewall-Aufstand nicht in der Christina-Straße stattgefunden habe. „Als ich das Leuten in der Bar erzählt haben, dachten viele, das wäre ein Aprilscherz“, sagt er und fügt an: „Wenn das so bleibt, werde ich mich nicht mehr am CSD beteiligen.“

Ob diese Entscheidung Kammermeiers ein Verlust wäre sei dahingestellt, Tatsache ist aber, dass sich selbst in den Kreisen der Organisatoren Unmut über die Umbenennung regt:

So erklärte Guido Vael von Sub e.V., dem schwul-lesbischen Zentrum in München, dass sein Verein der Umbenennung nicht zugestimmt habe […] weil sie die Geschichte verfälsche. Lesben hätten eben nicht Hand in Hand mit ihren schwulen Brüdern gegen Unterdrückung gekämpft.[…] So hätten sie Schwule als genauso gefährlich wie Heteros eingeschätzt – mit dem Argument: „Auch schwule Männer penetrieren“. Zwar seien solche Ansichten inzwischen Geschichte – dennoch sei der diesjährige Name „Geschichtsklitterung“.

Das Hauptargument für die Umbenennung war ja, der mangelnden Sichtbarkeit von Lesben etwas entgegen zu setzen. Doch wie bei der Diskussion um die Frauenquote, beginnen sich nun so manche zu fragen, was denn die Schwulen/Männer dafür können, wenn sich die Lesben/Frauen partout nicht beteiligen wollen:

„Die Lesben wollen doch meistens nicht in Erscheinung treten“, so Kammermeier. Er selbst habe vor wenigen Jahren in Regensburg den ersten schwul-lesbischen Sportclub gegründet und massiv bei Lesben geworben. Am Ende lag ihr Anteil dennoch bei unter zehn Prozent. „Die haben zwar viel geredet, wollten aber am Ende unter sich bleiben“, resümiert Kammermeier.

Was ja auch verständlich ist, denn worüber als über das gemeinsame Bewusstsein, zu einer Minderheit zu gehören, sollten sich Schwule und Lesben denn austauschen? Die einen mögen Männer, die anderen Frauen. Warum also sollte man das Bedürfnis verspüren, wie Heteros, miteinander zu tanzen?

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8 Antworten to “There is no such thing as community…”

  1. Sebastian 13. März 2011 um 00:33 #

    “ Auch schwule Männer penetrieren“

    Also ich nicht…ich lasse lieber 😉

  2. pedro luis 13. März 2011 um 07:23 #

    Es tut gut, Beiträge wie diesen zu lesen.

  3. heini 18. März 2011 um 13:05 #

    Sorry, wenn ich so direkt bin, aber mich kotzt der lesbische Männerhass sowas von an. Schon bei dem Denkmal zur Erinnerung an die homosexuellen Opfer im 2. WK mussten sich die Lesben klarerweise anhängen. Immer geht es nur zu Lasten von uns Männern, egal ob nun hetero oder homo. Schweinerei! Lies doch mal die Presse. Was kann ich dafür wenn ne olle Kamelle zu doof ist sich für nen Job in Szene zu setzen, warum soll da ne Quote her. Kotz, würg.

    Letztens wieder auf ZDFneo Quotendiskussion mit der lesbischen Moderatorin, weiß nimma wie die heißt, und, wen wunderts: Gläserne Decke, Frauenhass bla bla

  4. Thommen 20. März 2011 um 00:25 #

    Es ist Illusion, Leute ins Boot holen zu wollen, die da nicht hinein wollen. Ich möche mal sehen, wenn Schwule am internationalen Frauentag aufmarschieren würden! 😉
    (siehe meinen Text dazu im Link!)

  5. Thomas 26. März 2011 um 14:35 #

    Als Hetero-Mann tut es mir gut, solche Beiträge zu lesen! Vielen Dank dafür.

    Gruß
    Thomas

  6. Stefan 26. März 2011 um 18:03 #

    @Heini:

    Was kann ich dafür wenn ne olle Kamelle zu doof ist sich für nen Job in Szene zu setzen, warum soll da ne Quote her. Kotz, würg.

    Tja, das ist genau der Grund, warum ich für die Frauenquote bin: Weil die Mehrheit der Männer glaubt, Frau sind zu doof für einen anspruchsvollen Job oder strengen sich nicht genug an. Ist aber nicht so. Sondern: Frauen kriegen keine guten Jobs, weil die bestimmenden Männercliquen lieber unter sich bleiben – was sollte man auch machen, wenn auch Frauen im Vorstand einer Firma säßen, da könnte man ja gar nicht mehr gemeinsam in den Puff gehen nach Sitzungen…

    Was den (die?) „Christina Street Day“ angeht, bin ich aber natürlich Eurer Meinung: Völliger bullshit…

  7. Adrian 26. März 2011 um 19:47 #

    @ Stefan
    „Frauen kriegen keine guten Jobs, weil die bestimmenden Männercliquen lieber unter sich bleiben“

    Das ist natürlich etwas sehr kurz gedacht, wie man sehr schnell merkt, wenn man sich z. B. vergegenwärtigt, dass im Online-Lexikon „Wikipedia“ nur etwa 15 Prozent der Artikel von Frauen verfasst werden.
    http://www.nachrichten.de/wirtschaft/Wikipedia-Frauenanteil-unter-Autoren-soll-erhoeht-werden-aid_105807.html

    Niemand wird wohl ernsthaft behaupten wollen, dass Frauen bei Wikipedia von Männern am Verfassen von Artikeln gehindert werden. Die Realität sieht wohl eher so aus, dass die meisten Frauen sich offenbar für andere Dinge interessieren als Männer.

    Um es polemisch zu überspitzen: Männer interessieren sich für die Funktionsweise eines Fernsehers, während es Frauen bereits genügt, dass der Fernseher funktioniert.

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  1. Antifeminismus Weltweit – Sektion Deutschland - 14. Juni 2011

    […] There is no such thing as community …, Gay West am 11. März 2011 […]

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