Alles außer schwul

25 Mrz

Der „Tatort“, jenes von Zwangsgebühren finanzierte Kriminalstück der ARD, gehört in Deutschland zum Kulturgut, und ist ebenso ein Bestandteil deutscher Lebensart wie Sauerkraut oder die Angst vor Atomen und Genen. In Berlin und der übrigen Städten der Republik ist es gar üblich, sich das kriminalistische Rührstück gemeinsam mit Freunden und Familie, gerne auch in aller Öffentlichkeit in Kneipen, Bars und Restaurants, anzuschauen. Der „Tatort“ ist Kult, und was der „Tatort“ an gesellschaftlichen Themen aufgreift, wird vor- und hinterher lang und breit im Feuilleton der Republik rezipiert.

Letzten Sonntag zeigte sich die ARD besonders mutig und modern, indem sie das allseits beliebte Thema „Homosexualität und Fußball“ aufgriff, um den deutschen Michel damit nahezubringen, dass auch Fußballspieler nicht immer nur auf Frauen stehen müssen. Ein Stück Aufklärung? Nicht jedenfalls für die deutsche Nationalmannschaft, bzw. ihren obersten Sprecher, Teammanager Oliver Bierhoff, der in der Episode des „Tatort“ nicht weniger als einen „Angriff“ auf die Nationalmannschaft verstand:

„Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen“, sagte Manager Oliver Bierhoff der „Bild“-Zeitung.

Der sich in dem Film später als schwuler Fußballer outende Hauptdarsteller sagte: „Wissen Sie, die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Das ist doch schon so eine Art Volkssport, das zu verbreiten.“ Bierhoff wertete diese Anspielung als „einen Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalmannschaft“.

Wir rekapitulieren: Im 21. Jahrundert bewertet es ein in der Öffentlichkeit stehender ehemaliger Profifußballer und Aushängeschild der Streitkräfte des postheroischen deutschen Zeitalters, als einen „Angriff“, wenn in einem Fernsehfilm die Behauptung in den Raum gestellt wird, die halbe Nationalmannschaft, inklusive Trainerstab – also vielleicht auch Bierhoff selbst – sei schwul.

Was sagt uns das? Nun, nichts, was nicht jeder Schwule eh schon weiß – und sei es auch nur im tiefsten Inneren seines Herzens: Es gibt keine Akzeptanz gegenüber Homosexuellen, das einzige was es gibt, ist ein Firnis Toleranz, der ab und an aufbricht, um darunter die unschöne Fratze der Homophobie erkennen zu geben.

Ja, das was Bierhoff hier vom Stapel gelassen hat ist zutiefst homophob, denn wer es als einen „Angriff“ betrachtet, dass man ihn und seine „Familie“ für schwul hält, sagt damit ja nichts anderes, als das Homosexualität eben etwas nicht wünschenswertes, etwas Unnormales, etwas Schmutziges sei. Wenn Homosexualität gesellschaftlich akzeptiert wäre, würde man die Äußerung, irgendjemand selbst sei möglicherweise schwul, mit einem Achselzucken quittieren, ebenso wie ich es schließlich mit einem Achzelzucken quittiere, wenn man mich für heterosexuell hält, weil ich eben auch Heteros als Menschen betrachte, an deren Neigungen nun wirklich nichts schlimmes finden kann und es demnach nicht schlimm fände, hetero zu sein – bedauerlich für die Männerwelt zwar, aber eben nicht schlimm.

Bis sich diese Einsicht auch gegenüber Homosexualität durchgesetzt hat, bedarf es noch einen langen Weges. Ob dieser allerdings  überhaupt jemals zum Ziel führen wird, nun ja, ein wenig Pessimismus erscheint hier, angesichts dessen was man Tag für Tag vernehmen muss, durchaus realistisch.

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14 Antworten to “Alles außer schwul”

  1. Genesis 26. März 2011 um 09:07 #

    Wie war das noch gleich: Nur getroffene Hunde jaulen.

  2. Peter Bosshard 26. März 2011 um 13:55 #

    „“Letzten Sonntag zeigte sich die ARD besonders mutig und modern, indem sie das allseits beliebte Thema „Homosexualität und Fußball“ aufgriff, um den deutschen Michel damit nahezubringen, dass auch Fußballspieler nicht immer nur auf Frauen stehen müssen.““

    Das ist es, was mich nervt. Diese aufdringliche oberlehrerhafte Belehrung, die ich nicht nötig habe. Dieser volkspädagogische Ansatz, der mir sagt, was für mich, soweit ich zurückdenken kann, immer selbstverständlich war: Die sexuelle Orientierung sollte nicht Anlass für Ausgrenzung sein.

    Überall sind sie anzutreffen, diese Volkspädagogen und Volkserzieher und teilen einem unter anderem mit, dass Schwule genauso gut Tore schiessen können wie Heteros. Ach nee, wer hätte das gedacht!

    Was die mangelnde Akzeptanz betrifft: Es gibt sie, die Ausgrenzung, die Vorurteile, die Verächtlichmachung. Allerdings ist der Christopher Street Day als regelmässig stattfindender Demonstrationsumzug für die öffentliche Wahrnehmung wichtig, aber nicht geeignet, die Akzeptanz der Homosexualität zu fördern. In der öffentlichen Wahrnehmung kommt der – gelinde gesagt – ziemlich schräg rüber. Viele, auch gesellschaftspolitisch Liberale, empfinden die Umzüge zumindest teilweise als vulgär.

    Die bewusste Provokation als Selbstzweck – da darf man sich über den Erfolg nicht beschweren. Kurzum: bei aller berechtigten Kritik sollten sich Schwule fragen, ob dieser Ballermann für Schwule die Akzeptanz der Homosexualität fördert und die Wahrnehmung positiv oder negativ beeinflusst.

    „“Was sagt uns das? Nun, nichts, was nicht jeder Schwule eh schon weiß – und sei es auch nur im tiefsten Inneren seines Herzens: Es gibt keine Akzeptanz gegenüber Homosexuellen, das einzige was es gibt, ist ein Firnis Toleranz, der ab und an aufbricht, um darunter die unschöne Fratze der Homophobie erkennen zu geben.““

    Es gibt sie, die Akzeptanz, die Ablehung ebenso. Homophobie allerdings ist mittlerweile ein stumpfer politischer Kampfbegriff geworden. Allein meine kritischen Anmerkungen zum CSD bietet wohl vielen Anlass genug, um eine Homophobie zu diagnostizieren.

    Souverän hätte Bierhoff reagiert, wenn er gar nicht reagiert hätte oder es bei der Feststellung (sofern zutreffend) belassen hätte, er sei hetero, aber es dürfe jeder glauben, was er will, ansonsten seine sexuellen Präferenzen Privatsache seien.

  3. Adrian 26. März 2011 um 14:24 #

    @ Peter Bosshard

    „Überall sind sie anzutreffen, diese Volkspädagogen und Volkserzieher und teilen einem unter anderem mit, dass Schwule genauso gut Tore schiessen können wie Heteros. Ach nee, wer hätte das gedacht!“

    Nun, es gibt aber auch genügend Leute, die tatsächlich nicht glauben können, dass Schwule genauso gut Tore schiessen können.

    „In der öffentlichen Wahrnehmung kommt der – gelinde gesagt – ziemlich schräg rüber. Viele, auch gesellschaftspolitisch Liberale, empfinden die Umzüge zumindest teilweise als vulgär.“

    Mag sein, dass man die Umzüge als vulgär empfindet, sehr viel vulgärer als Love-Parade, Oktoberfest oder Karneval sind sie allerdings auch nicht.

    „Die bewusste Provokation als Selbstzweck – da darf man sich über den Erfolg nicht beschweren.“

    Ich habe mal ähnlich gedacht, allerdings kommt es mir mittlerweile fragwürdig vor, das der CSD provokant sein soll.

    „Kurzum: bei aller berechtigten Kritik sollten sich Schwule fragen, ob dieser Ballermann für Schwule die Akzeptanz der Homosexualität fördert und die Wahrnehmung positiv oder negativ beeinflusst.“

    Die einen werden das so sehen, die anderen so.

    „Homophobie allerdings ist mittlerweile ein stumpfer politischer Kampfbegriff geworden.“

    Die Diagnose ist trotzdem richtig.

    „Allein meine kritischen Anmerkungen zum CSD bietet wohl vielen Anlass genug, um eine Homophobie zu diagnostizieren.“

    Für mich jedenfalls nicht.

  4. michaeleriksson 26. März 2011 um 23:16 #

    Da nicht ausreichend Kontext gegeben wird, kann ich Bierhoffs Aussagen nicht in Detail deuten, aber „Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen“ würde ich zustimmen, während „einen Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalmannschaft“ nicht schlimmes sein braucht. Z.B. würde ich selbst mich ärgern, wenn ich im Fernsehen als Deutscher (statt Schwede) ausgemalt werden würde—ich habe deswegen nichts gegen die Deutschen, noch würde Schwede sein hierdurch deutscher Norm werden.

    Im Übrigen halte ich die Mehrheit von Peter Bosshards Kommentar für sehr zutreffend. Insbesondere gibt es heute sehr vielen (z.B. ich), die nichts gegen Schwule im Allgemeinen haben, aber die CSD für eine Idiotie halten und spezifisch Schwule aktivisten und Schwule, die sich gezwungen fühlen, mit der Schwulheit anzugeben, langsam satt haben. (Mit anzugeben meine ich nicht z.B. einen Schwulenblogg zu treiben—dies ist völlig legitim.)

    • Adrian 27. März 2011 um 10:29 #

      Ich finde ja die Fixierung auf den CSD ein wenig drollig. Was genau ist daran bitte schön eine Idiotie? Und bezüglich derjenigen Schwulen, die mit ihrer „Schwulheit“ angeben würden. Was genau ist damit eigentlich gemeint?

  5. michaeleriksson 28. März 2011 um 09:02 #

    Welche Fixierung auf CSD? Das Thema war ein Teil der obigen Diskussion. Zugleich ist CSD auch ein Haufen mit sinnlos lärmenden Menschen, der noch schlimmer ist als die Karnevalisten (der Karneval bezeichne ich auch durchaus als Idiotie) und der Schwulenstereotype in dem Bereich Sexualverhalten stärkt. Die Anzahl der Menschen, die wegen CSD über Schwulen (oder einigen schwulen Gruppen) negative Ansichten entwickelt haben, dürfte erheblich größer sein als die, die mehr Einsichten bekommen haben oder die schwulen Fragen bewusst geworden sind.

    Zum Thema angeben: Es gibt leider eine auffällige Minderheit der Schwulen, die eine Fixierung auf das Schwulsein zu haben scheinen. Eine klare Kategorisierung gelingt mir nicht aus dem Stegreif, denn diese können recht unterschiedlich sein. Es gibt aber z.B. diejenige, die stets zu der Schlußfolgerung springen, etwas negatives wäre ihnen geschehen, nur weil sie Schwul sind, obwohl sich ganz andere Erklärungen anbietet. Andere scheinen bewusst ihr Schwulsein in einer Debatte als erstes, unnötigerweise, und als Provokation einzubringen. Es gibt zumindestens ein schwedischer Blog, der das Schlagwort „null Prozent hetero“ (in Übersetzung) benutzt—stellen wir uns vor, jemand würde das Schlagwort „null Prozent homo“ benutzen… (Von der zweifelhaften Korrektheit beider Behauptungen abgesehen.) Dann natürlich viele der CSD-Umzieher… Andere Variationen lassen sich finden.

    (Ob „angeben“ das richtige Wort ist, kann ggf. diskutiert werden. Manchmal habe ich Schwierigkeiten, die richtige Nuancen zu treffen, wenn ich Deutsch schreibe.)

    • Adrian 28. März 2011 um 22:09 #

      @ michaeleriksson

      „Die Anzahl der Menschen, die wegen CSD über Schwulen (oder einigen schwulen Gruppen) negative Ansichten entwickelt haben, dürfte erheblich größer sein als die, die mehr Einsichten bekommen haben oder die schwulen Fragen bewusst geworden sind.“

      Als es den CSD noch nicht gab, hatten noch mehr Menschen negative Ansichten über Homosexuelle.

      stellen wir uns vor, jemand würde das Schlagwort „null Prozent homo“ benutzen…

      Warum sollte das ein Hetero auch tun? Die ganze Welt erwartet schließlich das von ihm, was er eh schon ist. Das Hervorstreichen der Homosexualität mag albern sein, ich sehe darin jedenfalls eine Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen. Aber vermutlich kann das nur ein Homo verstehen.

  6. michaeleriksson 29. März 2011 um 04:37 #

    @adrian

    „Als es den CSD noch nicht gab, hatten noch mehr Menschen negative Ansichten über Homosexuelle.“

    Was gar nichts sagt, da Aufklärungsarbeit völlig anderer Art eingewirkt hat in der selben Zeit. Zugleich haben die gesellschaftlichen Normen sich in vielerlei sonstiger Hinsicht verändert. „Als der Mensch noch nicht auf dem Mond gewandert hat, hatten noch mehr Menschen negative Ansichten über Homosexuelle.“

    (Sicherheitshalber sollte ich aber spezifizieren, dass ich von den CSD-Umzügen rede. Es kann durchaus sein, dass andere Aspekte eine positive Wirkung haben.)

    „ich sehe darin jedenfalls eine Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen.“

    Da bist Du aber zu spät auf dem Feld. Zumindest hier in Köln sieht man regelmässig Homo-Paare, die nicht nur Händchen halten, sondern sich auch in der Öffentlichkeit küssen. Der Vize-Kanzler ist bekanntlich Schwul. Usw. In Schweden (wo der erwähnte Blog publiziert wird), wiederum, ist es sogar so, dass man in einigen Fällen (z.B. politische und debattenmässige Glaubwürdigkeit) Vorteile durch Homosexualität hat. In vielen Kreisen scheint die Homosexualität sogar „in“ zu sein. Sicher gibt es noch viele Individen, die eine schlechte Meinung zu Homosexuellen haben und/oder sie diskriminieren. Die gesellschaftlichen Erwartungen sind aber heute völlig anders als vor 20, 40, 60 Jahren.

    „Aber vermutlich kann das nur ein Homo verstehen.“

    Solche Nicht-Argumente führen uns zur Grenze der gefährlichen Wasser der PC-Extremismus, wo z.B. alle weiße heterosexuelle Männer priviligiert sind, seien sie auch obdachlos—nur sind sie zu eingeschränkt, um es zu begreifen/zu daran gewöhnt, um es wahrzunehmen.

    Übrigens: Hätte er z.B. „100 Prozent Homo“ gesagt, hätte ich erheblich kleinere Einwände gehabt. Die faktische Aussage ist aber ein negatives Bekenntnis einer anderen Art. Vergleiche Analog „Du bist schlecht!“ mit „Ich bin gut!“.

    • Adrian 29. März 2011 um 08:58 #

      Da bist Du aber zu spät auf dem Feld.

      Ich weiß jedenfalls, dass regelmäßig Schwule verprügelt werden, weil sie schwul sind, dass regelmäßig dumme Bemerkungen gemacht und Blicke ausgetauscht werden, wenn man sich als schwules Paar so verhält wie ein Hetero-Paar. Überlege Du Dir doch mal, was wäre, wenn Du ab morgen bekannt gibst, dass Du in einen Mann verliebt bist. Und dann reden wir weiter über Toleranz und Akzeptanz. Auch in Schweden.

  7. michaeleriksson 29. März 2011 um 09:31 #

    Erneut: Gesellschaftliche Erwartungen und die Ansichten/das Benehmen von einer Minderheit sind unterschiedliche Sachen, die unterschiedlich wirken und unterschiedlich begegnet werden sollen. Es besteht z.B. keine gesellschaftliche Erwartung, dass man Deutscher, nicht Türke, sein muss. Dennoch werden gelegentlich Türken gerade deswegen verprügelt, weil sie Türken sind.

    „Überlege Du Dir doch mal, was wäre, wenn Du ab morgen bekannt gibst, dass Du in einen Mann verliebt bist.“

    Erzähl mir dann bitte was wäre.

    • Adrian 29. März 2011 um 09:56 #

      Erzähl mir dann bitte was wäre.

      Nein, das werde ich nicht, ich bitte Dich einfach darum, mal in Dich zu gehen, Dir dieses Szenario bildhaft und mit allen Konsequenzen vorzustellen und mir dann zu erzählen, dass es für andere keinen Unterschied macht, ob man Homo oder Hetero ist.

  8. Christian - Alles Evolution 29. März 2011 um 10:44 #

    Ich denke, dass es zwar insgesamt mehr Toleranz gibt, aber auch noch eine Menge Schwulenfeindlichkeit.
    Die beste Aufklärung wäre meiner Meinung nach in den Sexualkundeunterricht auf mögliche biologische Erklärungen für die Homosexualität einzugehen und somit ein Verstehen zu schaffen, dass Menschen sich auf eine bestimmte Weise verhalten, weil sie eben so sind. Ich glaube aus einem solchen Verständnis für Unterschiede entsteht auch ein Abbau von Ängsten etc.
    Wäre allerdings nicht mit den gesellschaftlichen Erklärungen vereinbar, die denke ich im Bildungsbereich immer noch recht dominant sind.

  9. michaeleriksson 29. März 2011 um 11:03 #

    Von den Menschen, die ich ausreichende gut kenne, kann ich niemand sehen, der deshalb anders reagieren würde. Diejenige, die ich nicht so gut kenne, wiederum, haben eigentlich keinen Grund dies zu wissen (selbst wenn sie doch was dagegen hätte): Ich erzähle auch nicht jeden von gelegentlichen Frauengeschichten. Wiederum ist es, zumindest hier in Köln, nicht offensichtlich welche Probleme sich durch z.B. einen Date realistisch würden ergeben können.

    Darüber hinaus, bin ich tatsächlich schon ab zu von Kollegen oder Bekannten für Schwul gehalten worden, aus Kombination von langen Strecken ohne Freundin, einer Tendenz zu „over dress“, und einigen Mannerismen/Verhaltensweisen.

    Sicher trifft man ab zu als Schwuler, Schwarzer, oder Schwede Menschen, die einem deshalb nicht mögen oder schlecht behandeln. Von dem was ich bislang gesehen habe, ist dies aber eine Minderheitserscheinung in dem heutigen Deutschland—anders als in nicht allzu entfernter Vergangenheit. Hier muss man auch in Erinnerung halten, dass viele nicht-Schwule auch aus unterschiedlichen Gründen benachteiligt werden, z.B. diejenige die Lispeln. Das jemand ohne Probleme dieser Art durch das Leben geht ist eher die Ausnahme.

    Das einzige was ich als ein wirkliches Problem vorsehen könnte ist eine andere Behandlung wenn es z.B. um Heirat, Adoption, u.ä. geht—und da ich bislang keinen größeren Drang in dieser Richtung gehabt habe, könnte dies letztendlich ohne Bedeutung sein (spezifisch in meinem Fall).

    Ich bin jetzt weder unfehlbar noch allwissend. Also die Bitte:
    Falls Du andere konkrete Erfahrung gemacht hast, erzähl mir. Konkret könnte ich einen Blogeintrag „Eine Woche im Leben eines Schwulens“ vorschlagen, wo die in der diskutierten Woche aufgetretenen Probleme diskutiert werden.

  10. karlgaynug 29. März 2011 um 17:59 #

    Also mir scheint der Blick auf diese Bild-Geschichte irgendwie zu moralisch-linksgrün – und damit ziemlich untypisch für dieses blog. Denn die Aufregung von und über Bierhoff folgt doch den Fakten nur begrenzt.

    Zwar war der Hauptprotagonist tatsächlich ein schwuler Profi-Fußballer, aber er blieb in diesem Tatort auch der einzige weit und breit – die Nationalmannschaft blieb gänzlich jungfräulich.

    Zweitens nahm die Aussage des Spielers die Nationalelf ja geradezu in Schutz gegen den Volkssport, die halbe Mannschaft der Schwulitäten zu verdächtigen. Wenn also Theo Zwanziger in dem gleichen Artikel fordert, man solle „unwahre […] Randbemerkungen“ vermeiden, entbehrt das nicht einer gewissen Komik.

    Drittens bleiben die Worte von Bierhoff auch im vollen (Bild-)Wortlaut ziemlich abstrus: „Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen. Dieser Satz im ‚Tatort‘ hatte ja keine inhaltliche Relevanz. Das sehe ich immer auch als einen Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalelf. Und das ärgert mich.“ – Denn es wurde hier kein Thema entwickelt, kein Scherz gemacht, sondern nur die Nationalmannschaft von einem schwulen Fußballer gegen verbreitete schwule Verdächtigungen in Schutz genommen.

    Viertens könnte man deshalb eher noch unterstellen, dass Bierhoff entweder unbewusst die Nationalmannschaft und sich selbst gegen die Verdächtigung verteidigt hat, sie seien NICHT zur Hälfte schwul – oder dass gar die Bild-Zeitung Bierhoff mit der alternativen (Nonsens-)Schlagzeile: „Tatort outet Nationalelf und Manager“ zu diesen Nonsens-Versatzstücken genötigt hat.

    Allerdings scheint die Öffentlichkeit beim Thema Homosexuelle und Fußball tatsächlich regelmäßig unverhältnismäßig erregt, scheint einerseits nach einem potenten „männlichen“ schwulen role model zu lechzen (wie es niemand so gut darstellen könnte wie ein Fußballer), und fürchtet sich andererseits vor dem Übergang zum Homonismus, den Engels Marx schon vor 140 Jahren prophezeit hatte: Die Schwulen „fangen an, sich zu zählen und finden, daß sie eine Macht im Staate bilden. ‚Krieg den Fotzen, Friede den Arschlöchern‘, wird es heißen. Es ist nur ein Glück, daß wir persönlich zu alt sind, als daß wir noch beim Sieg dieser Partei fürchten müßten, den Siegern körperlichen Tribut zahlen zu müssen.“

    – Dass letztere Befürchtung unbegründet ist, muss man wohl nicht betonen. Aber es hat eben jeder so seine Besorgnisse: ob nun vor dem Sieg der Feministen, der Homosexuellen oder der Sozialisten…

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