Warmer Regen

22 Apr

Österreicher sind schon ein seltsames Völkchen. Abgesehen davon, dass sie der Welt bislang nur Unheil beschert haben (Hitler, Sissi, Apfelstrudel), pflegen sie einen merkwürdigen, hochnäsig-bräsig klingenden Dialekt, der es schwer macht auch nur irgendetwas aus ihrem Munde ernst zu nehmen.

Und wenn Österreicher schreiben, sieht es kaum besser aus:

Ende Jänner [auf deutsch: Januar] dieses Jahres leerte die Stadt Wien wieder den Subventionstopf über alle möglichen Vereine und Organisationen aus.  Unter den Beglückten befinden sich zahlreiche NGOs,  Migranten und  Linke,  über deren  Subventionserhalt durch berechtigt diskutiert werden darf.

Nicht diskutieren darf man dagegen über die Zuwendungen an eine ganz bestimmte Gruppe; Zuwendungen, die einem natürlich sofort ins Auge springen, vorausgesetzt, man weiß wonach man suchen muss:

Bei Durchsicht der zahlreich vergebenen Subventionen, sind uns zwei großzügige Geldverschenkungen besonders ins Auge gestochen. Die Texte A.) und B.) lauten wörtlich:

A.) Die Subvention an QWien – Zentrum für schwul/lesbische Kultur und Geschichte für die Durchführung  von wissenschaftlichen  Aktivitäten  im  Jahr 2011  in der  Höhe von 120.000.- EURwird genehmigt.

 B.) Die Subvention an den Verein zur Veranstaltung und Organisation des Kultur- und Standortprojektes  „Soho in Ottakring“  im Jahr 2011 für das laufende Projekt „Soho in Ottakring“ in der Höhe von  60.000,-  EUR wird genehmigt. [Hervorhebungen im Original, A.]

Nun ist es in der Tat so, dass jegliche Art von Subventionen vollkommener Unsinn sind, aber darum geht es dem Ostmärker „Stauni“ in seinem Beitrag gar nicht. Aus jeder Zeile trieft dagegen die Abneigung (und stille Faszination?) gegen alles Homosexuelle und der Neid, dass man selbst nicht an den Fleischtöpfen teilhaben darf:

Wir haben verzweifelt  nach einem Subventionsempfänger gesucht,  der die Interessen von Heterosexuellen  vertritt und  diesbezüglich auch  irgendwelche Studien  oder Projekte betreibt die beweisen, dass die Heterosexualität normal ist. Leider haben wir einen solchen nicht gefunden.

Begünstigende Steuerklassen für heterosexuelles Paarungsverhalten? Gibt es das in der Ostmark etwa nicht? Und gilt im Ösiland Heterosexualität etwas nicht als normal? Ach nein, richtig, da gab es doch erst kürzlich diesen heterosexuellen Moderator, der in einer Tanzshow im Fernsehen mit einer Frau tanzen wollte, was u. a.  der ehemaligen Rennfahrer Niki Lauda mit zornigen Worten quittierte:

Ich bin empört, dass sich der öffentlich-rechtliche ORF, der ja von unser aller Gebühren finanziert wird, aus reiner Quotengeilheit dafür hergibt, heterosexuelles Tanzen zu propagieren. Es gibt so was wie gute Traditionen in unserer Kultur – dazu gehört, dass Männer mit Männern tanzen. Bald kommt die Zeit, da werden wir uns noch alle öffentlich dafür entschuldigen, dass wir schwul sind.

Natürlich hat „Stauni“ absolut nichts gegen Homos. Nur gegen die, die verlauten lassen, dass sie homo sind:

Offenbar haben  es die  großzügigen  Geld-Verschenker noch  nicht mitgekommen, dass weder in Wien noch im  restlichen Österreich,  Homosexuelle verfolgt oder diskriminiert werden. Es werden nur jene homosexuelle Personen in die Schranken gewiesen die glauben, dass sie Heteros ihren Lebensstil und ihre sexuelle Ausrichtung aufzwingen müssen.

Was prinzipiell schon mal alle einschließt, die es nicht einsehen, sich wegen ihrer sexuellen Orientierung zu schämen bzw. zu verstecken.

Was aber lernen wir nun aus diesem ganzen Sermon von jenseits der Alpen? Na das übliche halt: Homos sind total doof und überhaupt selbst daran schuld, wenn man sie nicht mag. Und sie belasten die Staatskasse auch noch unnötig durch Mittel, die bei „Stauni“ und seinesgleichen viel besser aufgehoben wären.

Was für eine ungerechte Welt!

Advertisements

5 Antworten to “Warmer Regen”

  1. Thommen 22. April 2011 um 17:14 #

    Ich möchte als Schweizer zu Deinem Text anmerken, dass die herabwürdigende Art, Österreicher (Geschichte) und die österreichischen Spracheigenheiten zu denunzieren, fehl am Platze ist.
    Deine Hochsprache ist auch nur so künstlich wie zB das religiöse oder das poetische Hocharabisch, das niemand im Alltag spricht. Es wäre langweilig, wenn alle Menschen „hauchdeutsch“ brabbeln würden…

    • Adrian 22. April 2011 um 22:48 #

      So weit ist es gekommen. Jetzt verteidigen Schweizer schon die Österreicher…
      Im Übrigen habe ich nicht immer Lust, lieb und nett zu sein. Wer verallgemeinert, muss damit rechnen, dass er es ebenso zurückbekommt.

  2. Adrian 22. April 2011 um 22:56 #

    Aber ich will mal nicht so sein. Sollte ich irgendeinen Österreicher in seinen patriotischen und/oder linguistischen Gefühlen verletzt haben, erlaube ich ihm, eine deutsche Flagge nebst den Duden zu verbrennen.

  3. morus 23. April 2011 um 19:58 #

    Eigentlich sind wir neutral. 😉

  4. www.erstaunlich.at 27. April 2011 um 19:23 #

    IHR ZITAT:
    Was aber lernen wir nun aus diesem ganzen Sermon von jenseits
    der Alpen? Na das übliche halt: Homos sind total doof und
    überhaupt selbst daran schuld, wenn man sie nicht mag.
    ZITATENDE:

    Um Ihren Beitrag sarkastisch zu kommentieren: „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung!“
    Ich hoffe doch, dass meine Ausdrucksweise in diesem Kommentar nicht zu herabwürdigend war.
    MfG
    Erich Reder

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: