In tiefer Trauer um Bin Laden

5 Mai

Dass Osama Bin Laden von den Amerikanern ins Paradies befördert wurde, scheint die gewöhnliche deutsche Linke ebenso zu erschüttern, wie einst der Zusammenbruch des Kommunismus. Ist ja auch verständlich. Denn Osama war – irgendwie – ein Freund der Linken, weil er den Westen und insbesondere die USA hasste.

Kein Wunder also, dass Jakob Augstein im Spiegel seinen Zorn um die Tötung kaum verbergen kann:

Eine 21-jährige Frau geht auf Krücken gestützt auf einen Militärposten zu, sie humpelt. Als die Soldaten sie überprüfen wollen, zündet sie den Sprengstoffgürtel, den sie am Leib trägt. Am Abend zuvor hat sie ein Video aufgenommen, in der einen Hand ein Gewehr, in der anderen ihr Baby, das sie noch stillte. Fünf Menschen starben so im Januar 2003 am Grenzübergang Erez. Osama Bin Laden hat diese Form des Mordens nicht erfunden. Aber er hat sie verkörpert. Dagegen lässt sich kein Krieg führen.

Nur Frieden. Darin hat der Westen versagt.

Soso, gegen Selbstmordattentäter lässt sich also nicht erfolgreich vorgehen und wenn überhaupt, dann nur mit Frieden. Kann irgendjemand erklären, was Augstein damit meint?

Im Oktober 2001 schrieb die indische Autorin Arundhati Roy, dass Osama Bin Laden „der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten“ sei. Zur selben Zeit – da hatte der Krieg gegen den Terror noch gar nicht richtig begonnen – schrieb Botho Strauß, jetzt breche der „Kampf der Bösen gegen die Bösen“ an. Das waren schwer erträgliche Worte so kurz nach den Angriffen auf New York und Washington, als die Leichen noch unter den Trümmern lagen. Aber es war die Wahrheit.

Nein, war es nicht! Wenn ich jemanden habe, der mich töten will, dann nützt es mir nichts, einen auf Frieden und Versöhnung zu machen. Das einzige was hilft ist, meinen Finger schneller am Abzug zu haben.

Zehn Jahre danach wissen wir, wie das ist, wenn das Böse mit dem Bösen bekämpft wird. Wir haben die Gefolterten von Abu Ghuraib gesehen, die Gefangenen von Guantanamo, die Getöteten des Drohnenkrieges. Diese Bilder werden für immer neben denen der brennenden Zwillingstürme von New York stehen.

Nicht für mich. Abu Ghuraib, Guantanamo, die Getöteten des Drohnenkrieges – das alles waren Verbrechen, wohl wahr. Aber es ist Unsinn zu behaupten, die Jagd nach einem Verbrecher läuft zwangsläufig darauf hinaus, selbst zum Verbrecher zu werden.

Der Westen hat sich die Logik der Rache aufzwingen lassen und hat dem viel zu wenig entgegengesetzt. Angela Merkel sprach dem amerikanischen Präsidenten „Respekt für die gelungene Kommandoaktion“ aus. Respekt dafür, dass ein unbewaffneter alter Mann, der von Frauen und Kindern umgeben war, von 79 Elitesoldaten überfallen und erschossen wird.

Armer alter Mann! Hätte man ihm doch statt dessen einen Sozialhilfescheck in die Hand gedrückt, vielleicht wäre dann alles gut geworden…

Der Tod Osama Bin Ladens ist, wie die Angriffe auf New York und Washington annähernd zehn Jahre zuvor, eine Wegmarke entlang der schwierigen Entwicklung, die das Verhältnis zwischen der westlichen Welt und dem Islam genommen hat, die seit langem währt und die nun nicht an ihr Ende kommen wird.

Äh, Moment, hieß es bislang nicht immer, Osama Bin Laden sei ein Feind des Islam, er verkörpere nicht den Islam und seine Terrorakte hätten mit dem Islam gar nichts zu tun? Wie kann der Tod Bin Ladens dann auf einmal eine Wegmarke entlang der Entwicklung zwischen Westen und Islam sein?

Der Westen, der mit seiner eigentümlichen Mischung aus Pornos und Pressefreiheit, aus Coca Cola und Cruise Missiles daherkommt, mit seinem Übermaß an Arroganz und seinem Mangel an Respekt, ist ein passendes Feindbild für die Mühsamen und Beladenen, von denen es in den muslimischen Ländern mehr als genug gibt.

Wie üblich: Wir sind schuld daran, dass sie uns hassen! Denn wir haben Pressefreiheit und Pornos, Coca Cola und Cruise Missiles. Und die? Haben nur ihre komische Religion, vor der wir nicht mal Respekt haben. Aber warum sollten wir?

Es ist Bin Laden nicht gelungen, die arabische Revolution auszulösen, von der er wohl geträumt hat. Die ist in Nordafrika vor kurzem von ganz allein ausgebrochen, ohne Terrorismus. Und was die Leute da verlangen, ist das Gleiche wie auf der ganzen Welt: Freiheit.

Und so mutiert Bin Laden, wie von Zauberhand, vom Terroristen zum Freiheitskämpfer post mortem. Weil schließlich auch er irgendwie die Freiheit wollte. Zumindest die Freiheit von Pornos, Pressefreiheit und Coca Cola. Und wer so etwas anstrebt, kann schließlich kein allzu schlechter Mensch sein…

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18 Antworten to “In tiefer Trauer um Bin Laden”

  1. Sebastian 5. Mai 2011 um 18:02 #

    Naja ich bin selbst Westler und naja Hass ist übetrieben, ich hasse ja nicht die Amerikaner an sich, aber die Regierung(en) brauchen sich hinter Adolf nicht zu verstecken um es mal so zu sagen.

    “ Und so mutiert Bin Laden, wie von Zauberhand, vom Terroristen zum Freiheitskämpfer post mortem“

    Mmh eher war es andersrum, ist vom Freiheitskämpfer zum Terroristen mutiert.

    So ein schlechtes Schauspiel. Das die Amis darauf reinfallen ist klar, aber in Europa sieht die Sache ein bisschen anders aus.

  2. Alreech 5. Mai 2011 um 20:33 #

    Du solltest ein bisschen Respekt vor dem Opfern der Kommandokation haben.
    Die ganzen Linken Journalisten haben mal wieder die Hoffnung verloren das in Arabien ein Gegenbild zum korrupten und dekadenten Westen entsteht, jetzt wo Osama als Inspirationsquelle weg ist.

    Bald schon werden auch in Arabien Coca Cola, Pressefreiheit und Pornos Einzug halten, statt ein Islamistischer Sozialismus. 😦
    😉

  3. Will Tanner 5. Mai 2011 um 22:39 #

    Wie es aussieht, wird Merkel sogar den gleichen Mechanismen zum Opfer fallen wie Guttenberg:

    http://bluthilde.wordpress.com/2011/05/05/merkel-vor-dem-rucktritt/

  4. Andre 6. Mai 2011 um 09:00 #

    „Äh, Moment, hieß es bislang nicht immer, Osama Bin Laden sei ein Feind des Islam, er verkörpere nicht den Islam und seine Terrorakte hätten mit dem Islam gar nichts zu tun? Wie kann der Tod Bin Ladens dann auf einmal eine Wegmarke entlang der Entwicklung zwischen Westen und Islam sein?“

    Die Islam-Apologeten sind in der Tat seltenst dämliche Trottel!

  5. Tina 7. Mai 2011 um 22:26 #

    @Sebastian:

    „aber die Regierung(en) brauchen sich hinter Adolf nicht zu verstecken um es mal so zu sagen.“

    Das kann nicht dann Ernst sein. Du scheinst nicht zurechnungsfähig zu sein.

  6. Sebastian 8. Mai 2011 um 14:10 #

    @ Tina

    Wieviel Diktatoren hat Amerika finanziert? Hitler, Saddam, Pinochet usw. ? Wieviele demokratisch gewählte Präsidenten wurden von den USA gestürzt? Wieviele Zivilsten in Vietnam, Korea, Kambodscha, Laos, Panama, Afghanistan, Irak usw usw (die Liste ist ewig lang) wurden ermordet und gequält?

    Aber sie haben recht. Adolf war ja ein Produkt des internationalen Kapitals, geht also auch zu 99% auf die Kappe der Amerikaner:

    http://www.uni-muenster.de/PeaCon/global-texte/g-a/g-ss/AmericanEmpire/nazis.htm

    Von daher….

  7. Sebastian 8. Mai 2011 um 14:20 #

    Nur um eins klarzustellen. Ich verurteile und verachte jegliche Verbrechen an Menschen, egal ob es sich um Amerikaner, Juden, Deutsche oder Moslems handelt.

    Nur das das hier nicht mißverstanden wird.

  8. Sebastian 8. Mai 2011 um 14:23 #

    …mißverstanden werde…deutsche Sprache schwere Sprache 😉

    Im Übrigen gibt es immer mehr Merkwürdigkeiten zu OBL.

    erst hiess es er sei schon lange tot, seit 2001, dann 2008 und jetzt 2011? Ja was denn nun?

    Dann hiess es er sei unbewaffnet gewesen, jetzt soll er sich mit ner AK gewehrt haben.

    Wer weiss ob es den Typ jemals gegeben hat 😉

  9. Adrian 8. Mai 2011 um 14:38 #

    @ Sebastian
    Und weißt Du, was die bösen Amis noch gemacht haben? Deine Vorfahren von Hitler befreit. Also sink lieber auf die Knie, und dank der Ostküste dafür, das Du dank ihr heute in einem Land leben darfst, indem auch Du Unsinn daherreden darfst.

  10. Alreech 8. Mai 2011 um 19:33 #

    NaJa, Sebastian hat ja nicht ganz unrecht, die Amis haben den demokratische gewählten Reichskanzler Adolf Hitler gestürzt und dafür mit dem Diktator Stalin zusammengearbeitet.
    ( Waffenlieferungen ! )

    Dabei haben sie Millionen unschuldiger Deutscher Zivilisten ermordet.

    Das muß man als guter Deutscher schon kritisch sehen, oder ? 😉

  11. morus 9. Mai 2011 um 08:18 #

    Man darf und soll auch demokratische, freiheitliche Staaten und Regierungen kritisieren, allerdings wäre es schön, man würde dabei auf dem Teppich bleiben.

  12. Alreech 9. Mai 2011 um 17:45 #

    Oh, ich bin mir sicher das einige welche die Amis kritisieren ganz fest auf diesem Teppich sitzen…

    Aber wer will kann sich ja mal den einen oder anderen Mitbürger arabischer/islamischer Herkunft zum Tod von Bin Laden kondolieren.
    Wer Pech hat, bekommt dann ein paar aufs M0wl…

  13. Sebastian 10. Mai 2011 um 22:56 #

    @ Alreech

    Nicht nur das, sie haben sich in einen Krieg (WK 1) eingemischt, der sie nichts anging und der Deutschland eine Niederlage beigebracht hat und die Deutschen somit Versailes beschert hat und gleichzeitig dafür gesorgt hat, dass de Kaiser ins Exil gehen musste. der Kaiser war trotz allem kein Verbrecher wie Hitler.

    Für alles was danach passierte haben die Amerikaner eine weitaus größere Verantwortung als die Deutschen.

  14. Sebastian 10. Mai 2011 um 22:59 #

    @ Adrian

    Sie haben das ´Monster Hitler aber erst erschaffen. Siehe Link und meinen vorherigen Beitrag.

    Da kann man doch nicht sagen das sie uns von Hitler befreit haben? Millionen von Menschen haben sie von ihrem Leben befreit. Nicht mehr und nicht weniger.

    Soll ich den Amerikanern dafür dankbar sein? Das sie mein Land verwüstet haben und die Schuld noch meinen Vorfahren geben, obwohl sie selbst schuld sind?

    Am Arsch!

  15. Adrian 11. Mai 2011 um 13:54 #

    @ Sebastian
    Was für ein Schwachsinn! Selbst wenn die Amis Hitler finanziert hätten, haben sie die Deutschen nicht gezwungen, ihn zu wählen und ihm zuzujubeln.

    Du bist ein typischer Deutscher, der sein persönliches nationales Trauma nicht verarbeitet hat – jenes nämlich, das die Deutschen ein dummes Volk sind, das anfällig für jede Art von Totalitarismus ist.

  16. Alreech 11. Mai 2011 um 22:43 #

    o.k, mal zusammenfassen:
    Da die Amis die Deutschen irgendwie verführt haben Hitler zu wählen macht es nichts das die Deutschen hunderttausende ihrer Mitbürger entrechtet, enteignet und ermordert haben, bevor und während sie in die Nachbarländer einmarschiert sind, um dort das gleichen mit den dort lebenden Menschen zu machen.
    Schuld ist in dem Fall nicht der verführt Deutsche, sondern der Ami.

    Und weil der Ami Schuld ist, und nicht wir, können wir zu Recht auf unsere moralische Überlegenheit stolz sein.
    Gut, Deutsche Sicherheitskräfte haben zwar auch die Tendenz erst zu schießen und dann zu fragen (Bad Kleinen ?) und manchmal begehen in Deutschland Terroristen Selbstmord obwohl sie in einem Hochsicherheitsknast sitzen dessen Zellen abgehört werden… ( Stammheim ) aber hey, das sollte uns nicht davon abhalten andere Länder zu kritisieren…

    Jetzt weis ich wieder, warum das mit den Antideutschen gar keine so dumme Idee ist…

  17. Sebastian 16. Mai 2011 um 14:05 #

    @ Alreech

    Wer zum Mord anstiftet wird ebenso, wenn nicht sogar härter bestraft als der Mörder.

    Oder sind die Chilenen schuld an Pinochet? Nein, die USA die Allende ermordet hat aus purem Eigen und MAchtintresse. Genauso hat die USA unseren guten alten Kaiser abgesetzt, Deutschland eine Niederlage mit einem in der Geschichte beispielslosen knebelvertrag aufgezwungen und dafür antidemokratische Kräfte finanziert. Alles was danach passierte war absehbar.

    Gutes Beispiel auch im Iran…Operation Ajax. Oder Saddam…wurde erst dick von den USA UND Deutschland finanziert und ausgerüstet.

    Es ist aber immer dasselbe Schema.

    Nach Versailles hätte jedes Volk mit ein bisschen Stolz einen Aufstand gemacht. In Deutschland hiess es dann nunmal Nationalsozialismus.

    Die Ache mit der RAF sehe ich allerdings genauso. Schleyer, Buback, Herrhausen und Rohwedder wurden siche rnicht von ein par Armateuren ermordet.

    Aber auch ein gutes Beispiel: Inwiefern trägt die Bundesregierung ihren Anteil an der RAF…ich sage nur Peter Urbach und Celler Loch.

    Welche Taten wurden von der RAF begange und welche vom V-Schutz…sooo einfach lässt sich das auch nicht mehr ausinanderhalten.

    Im Übrigen entbindet es die Menschen nicht von ihrer persönlichen Verantwortung, nur um das klatzustellen, egal ob es sich um Kriegsverbrechen oder Terrorismus handelt.

    Aber man sollte schon die Frage stellen ob hier nicht noch andere Kräfte am Werk waren.

  18. Sebastian 16. Mai 2011 um 14:06 #

    Sorry für die sclechte Rechtschreibung meien Tastatur ist verklebt…NEIN nicht das was ihr denkt…war Cola 😉

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