Unter Papsthassern

12 Jun

Im September wird Ratzi nach Berlin kommen. Und bereits jetzt liefern sich Anhänger und Gegner eine Propagandaschlacht die sich gewaschen hat. Während Atheisten, Linke und Homos zum Protest rüsten, um die „menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik“ der Katholische Kirche anzuprangern, sehen romtreue Katholiken darin nichts anderes, als Hass auf den Papst.

Persönlich befürworte ich nicht alle Aussagen in der Resolution der Papstgegner. So halte ich den Papst bspw. nicht für den „Hauptverantwortlichen für die Unterdrückung von Lesben, Schwulen und Transgender[n] auf der Welt“. Aber wenn ich die Standpunkte von Gegnern und Befürworter vergleiche, sind mir die Gegner weitaus sympathischer.

Denn ich mag den Papst nicht. Ich mag seine Standpunkte nicht. Ich respektiere ihn nicht. Ich sehe keinen Grund ihn zu respektieren. Und warum sollte ich ihn auch respektieren?

Der Papst hält mein Leben für sündhaft. Er sagt damit im Prinzip nichts anderes, als dass ich ein schlechter Mensch bin. Was für eine Anmaßung! Was bildet sich der Typ eigentlich ein? Glaubt der tatsächlich, sein angeblicher direkter Draht zu Gott, qualifiziere ihn, moralische Standpunkte abzugeben, und diese als allgemeingültig zu betrachten? Und was soll überhaupt an einer Ansicht moralisch sein, die das einvernehmliche Liebes- und Sexleben anderer Menschen abqualifiziert? Ich behaupte, das ist keine Moral, sondern das glatte Gegenteil. Und ich würde das auch Gott ins Gesicht sagen, sollte er der gleichen Meinung sein wie Ratzi. Denn auch ein Gott muss sich meinen Respekt erst verdienen.

Bin ich damit intolerant? Vielleicht. Allerdings sollten all diejenigen, die meinen mir Intoleranz vorwerfen zu müssen, folgendes vergegenwärtigen:  Ich fordere weder ein Verbot der Katholischen Kirche, noch ein Auftritts- oder Besuchsverbot des Papstes; ich habe nicht die Absicht mit Tomaten zu werfen, noch werde ich in irgendeiner Weise Gewalt befürworten. Aber ich werde präsent sein, um das am Papst zu kritisieren was mir nicht passt, so wie ich in meinem noch jungen Leben auch alles andere kritisiert habe, was mir nicht passt. Wenn das intolerant ist – fein! Dann bin ich es halt!

Insofern werde ich mich im September in das bunte Bündnis derjenigen einreihen, die gegen den Papst protestieren werden. Ich freue mich schon darauf: Linke, Grüne, Gewerkschaftler, Atheisten – und mittendrin Adrian, der weder links, noch grün, noch gewerkschaftsnah, noch atheistisch ist.

Aber eben schwul. Und das muss in diesem Falle als Grund genügen.

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17 Antworten to “Unter Papsthassern”

  1. christianhannover 12. Juni 2011 um 13:02 #

    ich kann die frage nur immer wieder stellen: wen schert es denn, was der papst sagt?!?

  2. terminus 12. Juni 2011 um 13:59 #

    Erst lobe ich dich auf Christians Blog, dann sowas. Tz tz.

  3. Ralf 13. Juni 2011 um 11:06 #

    Der Hauptskandal ist, dass dieser Kerl vor dem Bundestag reden soll – dem selben Bundestag, dessen katholische Mitglieder er mit Androhung von Hölle und Kirchenstrafe zu erpressen versuchte, jede rechtliche Verbesserung für Schwule und Lesben zu blockieren. Dieser Schurke gehört nicht ans Rednerpult des Parlaments, sondern ins Gefängnis, wegen Nötigung eines Verfassungsorgans. Es ist eine Schande, dass eine demokratisch gewählte Volksvertretung einem absolutistischen Religionsführer und Verbreiter einer totalitären Ideologie eine Bühne für seine verwerflicxhe Propaganda bietet.

  4. terminator 13. Juni 2011 um 12:49 #

    Du hast natürlich recht Ralf. Wulff sprach vor dem türkischen Parlament, und Erdogan wird – da bin ich mir sicher – auch bald vor dem deutschen Parlament sprechen. Da regt sich dann keiner auf, wenn jemand von einer arabisch-türkischen Weltmacht träumt, wohl noch unter der Fahne der Sharia?!, dann ist das natürlich kein Grund zur Besorgnis. Du magst vom Christentum halten, was du willst. Die Trennung von Kirche und Staat muss der Islam erst einmal schaffen. Das Christentum hindert dich nicht daran einen Freund zu haben, und nach deinen Vorstellungen zu leben. Bekennst du dich in islamischen Ländern zu deinem Partner, hängst du am nächsten Kran. Bitte vergiss das nie!

    Zudem ist der Papst Staatsoberhaupt, auch das soll erwähnt werden. Warum soll er als Staatsoberhaupt seine Gesinnung nicht zum Besten geben? Yes, we can – Obama macht das ja auch. Oder meinst du, Obama spricht in seinem links-liberalen Kurs für das! konservative Amerika oder Bush tat dies für das liberale Amerika?

    Immer sachlich und nicht beleidigend bleiben!

  5. Christian 13. Juni 2011 um 18:58 #

    @Terminator
    Erdogan ist absolut kein Laizist. Er und seine Partei sind in etwa so religös wie die tiefste Provinz CSU in den 50ern aber der Pabst, der Pabst spielt beim Religionsfundispiel nochmal 2 Ligen höher genau genommen Spielen die beiden nichtmal im selben Stadion.

    Doch das Christentum (besser: die mehrheit seiner Anhänger) ist Homophob und will verhindern das ich einen Freund habe und dort wo es das nicht tut, tut es das nur deshalb nicht weil sie es nicht mehr können.

    Auch die Trennung von Kirche und Staat hat nicht das Christentum geschafft sondern das haben wir trotz des Christentums geschafft.

    In der Türkei hängt man nicht am nächsten Kran.

    Du hast aber recht der Pabst redet anderen Staaten genauso rein wie unsre Regierung anderen auch.
    Ist prinzipiell nichts gegen zusagen wenn er nicht ständig versuchen würde Rechte zu beschneiden die zu gewähren niemandem Schaden würde. (Kondome, Homoehe, Adoptoinsrecht, sexualmoral im Allgemeinen)

  6. terminator 13. Juni 2011 um 23:31 #

    Ist doch Quatsch was du schreibst Christian. Zum einen mag es wohl stimmen, dass der Papst generell in einer anderen Liga spielt; er, als Vertreter der römisch-katholischen Kirche weltweit, als Erdogan, der ja nur geografisch lokal für die Türkei spricht. Trotzdem predigt der Papst nicht, dass das Kirchenrecht wieder Einzug halten sollte. Das ist Blödsinn. Erdogan würde, soweit ich mich mit der Materie befaßt habe, sagen wir einmal, nicht sehr entrüstet sein, wenn die Sharia Einzug hielte in die weltlichen Gesetzbücher. Ich sage dir eines, die Auswirkungen solcher Doktrinen werden wir in den nächsten Jahrzehnten auch in Deutschland zu spüren bekommen. Aber egal.

    Ich behaupte, dass die Trennung von Kirche und Staat ohne die „Vorarbeiten“ der christlichen Denker gar nicht möglich gewesen wäre, da das Christentum sämtliches Wissen über das 4 Jh nChr. gerettet hat – Stichwort Völkerwanderung, Klöster. Dann kamen die Domschulen und die Universitäten – Stichwort Trivium, Quadrivium. Eine Renaissance konnte es nur geben, weil christliche Denker das Fundament gelegt haben (Platonische Werke wurden von Theologen übersetzt, aristotelische Werke über die Übersetzerschulen aus Spanien reimportiert). Vergiss das nie, wenn du deine eigene Kultur ablehnst. Noch bis fast in die Mitte des 20 Jhs waren die meisten Nobelpreisträger Christen oder Agnostiker. Ohne das Christentum würden wir jetzt wahrscheinlich noch mit Horden durch Europa ziehen – ob die Germanen toleranter in Sachen Homosexualität gewesen wären, ich weiß es nicht – oder wir wären islamisiert worden. Was das bedeutet, weißt du hoffentlich.

    Kondome und Sexualmoral betreffen in erster Linie die Gläubigen. Meinst du, du kannst kein Kondom kaufen, weil der Papst, die Kirche diese Regelungen – nicht einmal explizit – im, nur für Katholiken bindenden Katechismus festgesetzt hat? Dann ist es genauso „menschenverachtend“, wenn sich diverse Homosexuellenorganisationen herausnehmen für alle Homosexuellen zu sprechen. Es gibt auch unter Homosexuellen getrennte Meinungen; und ja, ich kenne zumindest einen guten Bekannten Homosexuellen, der das anders sieht wie du. Adoptionsrecht halte ich für vorgeschoben. Homosexuelle haben genauso wie Heterosexuelle das Problem einer langfristigen Paarbildung, meines Wissens sind fixe Partnerschaften erstens seltener und zweitens von der Dauer her kürzer als bei heterosexuellen Paaren. Wenn sich dann noch sagen wir 10 Prozent der wenigen, in gefestigter Beziehung lebenden homosexuellen Paare Nachwuchs wünschen, dann kann das nicht als vordergründigstes Ziel gesehen werden – zumindest nicht für mich. Es verhält sich ähnlich, wie mit der Homoehe. Es wurde über die HOSI, meines Wissens lange Propaganda gemacht, dass nunmehr, nach Jahren der Unterdrückung, alle Paare heiraten könnten, und wieviele waren es dann in ganz Österreich im Jahre 2010? Ganze 450 schwule, eingetragene Partnerschaften österreichweit. Davon waren 121 Paare über 50. http://www.statistik.at/web_de/static/begruendung_eingetragener_partnerschaften_2010_nach_bundeslaendern_und_nac_053657.pdf

    Bei geschätzten 120- 200.000 homosexuellen Mitbürgern ist das schon eine große Zahl. Aber ich weiß, die trauen sich nur alle nicht, vor allem in den anonymen Großstädten 😉 Oder ist es doch so, dass die Homosexuellenvereinigungen dieses Thema einfach vereinnahmen und keineswegs für DIE Homosexuellen sprechen?

    Der Papst hat überhaupt nichts zu sagen in Sachen Homoehe auf laizistischer Basis. Und ob es ein Recht darauf gibt, dass homosexuelle Paare nicht mit in die Verbindung gebrachte Kinder adoptieren können sollen, wage ich zu bezweifeln. Von welcher übergestellten Norm soll das ausgehen, ohne Gott. Dann ist alles nur ein Konsensualprinzip, welches wiederum die kritische Masse, welche es vielleicht anders sieht, diskriminiert. Wenn ich kein Kind zeugen will, warun sollte ich dann das Recht haben, ein Kind zu erziehen?

    Also komm mir nicht so, dass der Papst „menschenverachtend“ agiere, dann kannst du Hitler auch als Menschenfreund titulieren. Informiere dich erstmal!

  7. Adrian 14. Juni 2011 um 00:01 #

    @ terminator
    „meines Wissens sind fixe Partnerschaften erstens seltener und zweitens von der Dauer her kürzer als bei heterosexuellen Paaren.“

    Und inwiefern ist das relevant?

    „Wenn sich dann noch sagen wir 10 Prozent der wenigen, in gefestigter Beziehung lebenden homosexuellen Paare Nachwuchs wünschen, dann kann das nicht als vordergründigstes Ziel gesehen werden“

    Warum nicht?

    „zumindest nicht für mich“

    Für mich schon.

    „Ganze 450 schwule, eingetragene Partnerschaften österreichweit.“

    Und inwiefern ist das relevant?

    „Oder ist es doch so, dass die Homosexuellenvereinigungen dieses Thema einfach vereinnahmen und keineswegs für DIE Homosexuellen sprechen? „

    Niemand kann für „DIE Homosexuellen“ sprechen, weil es „DIE Homosexuellen“ nicht gibt.

    „Und ob es ein Recht darauf gibt, dass homosexuelle Paare nicht mit in die Verbindung gebrachte Kinder adoptieren können sollen, wage ich zu bezweifeln. Von welcher übergestellten Norm soll das ausgehen, ohne Gott.“

    Hä?

    „Dann ist alles nur ein Konsensualprinzip, welches wiederum die kritische Masse, welche es vielleicht anders sieht, diskriminiert.“

    Hä?

    „Wenn ich kein Kind zeugen will, warum sollte ich dann das Recht haben, ein Kind zu erziehen?“

    Ich würde gerne mal ein Kind zeugen. Nur eben nicht mit einer Frau. Wenn Dein Gott so phantasie- oder machtlos ist, dass er das nicht möglich machen kann, wird eben der Mensch einen Ausweg finden müssen.

  8. terminus 14. Juni 2011 um 09:24 #

    „Ganze 450 schwule, eingetragene Partnerschaften österreichweit.“

    Und inwiefern ist das relevant?

    Das ist insofern relevant, als über Jahre insinuiert wurde, dass es eines der vordergründigsten Ziele wäre, für die Homosexuellen endlich heiraten zu können und zwar quantitativ – der Anzahl nach – als auch qualitativ – als Gleichstellung. Zumindest ein Faktor erscheint mir, gelinde gesagt, etwas übertrieben worden zu sein 🙂

    Und du meinst, dass der Gedanke mit einem Mann ein Kind zeugen zu wollen – du sprichst ja nicht von Adoption – sich noch in der Sphäre des geistig Vertretbaren befindet oder nicht doch ein wenig ver-rückt ist?

    Auf ein „hä“ kann ich nicht gut eingehen, sorry.

  9. Adrian 14. Juni 2011 um 11:06 #

    Ich würde gerne heiraten. Ob das die Mehrheit der Homos genau so sieht oder nicht, interessiert mich nicht.

    „Und du meinst, dass der Gedanke mit einem Mann ein Kind zeugen zu wollen – du sprichst ja nicht von Adoption – sich noch in der Sphäre des geistig Vertretbaren befindet oder nicht doch ein wenig ver-rückt ist?“

    Nein. Verrückt wäre es dann, wenn ich der Meinung wäre, es sei machbar. Ich sprach aber lediglich davon, dass ich es gerne tun würde.

    „Auf ein „hä“ kann ich nicht gut eingehen, sorry.“

    Und ich habe nicht verstanden, wovon Du sprichst.

  10. terminator 14. Juni 2011 um 12:29 #

    Du hast auf verschiedene Aussagen meinerseits mit einem „hä“ geantwortet. Ein „hä“ ist mir zu wenig um darauf einzugehen. Welche Argumente bringst du dagegen vor oder was verstehst du an den Aussagen nicht?

  11. christianhannover 14. Juni 2011 um 12:34 #

    und nochmal: wen interessiert es, was der papst davon hält, mit wem man zusammen ist?

    der mann ist doch völlig irrelevant. soll er sich beschweren, na und? irgendwer steht immer zeternd am zaun, vielleicht sollte man ihn besser ignorieren und weiter seiner üblichen beschäftigung nachgehen.

  12. Christian 14. Juni 2011 um 12:44 #

    @Terminator:
    Über unsere verschiedene Sichtweise auf die Geschichte könnten wir uns warscheinlich sehr lange austauschen.
    Nur: „Also komm mir nicht so, dass der Papst „menschenverachtend“ agiere, dann kannst du Hitler auch als Menschenfreund titulieren. Informiere dich erstmal!“

    Ich habe nie gesagt der Pabst agiere Menschenverachtend, das hast du mir eben in den Mund gelegt und wenn der Hitler vergleich kommt ist eh alles vorbei. Das Spiel spielt doch schon seit 1998 keiner mehr mit ich bitte dich.

  13. terminator 14. Juni 2011 um 15:16 #

    Christian, ich frage mich nur immer wieder, warum das Fass aufgetan wird. Ich gehe auch nicht, wenn CSD ist auf die Straße um für die Rechte asexueller Menschen zu demonstrieren, weil ich der Meinung bin, dass Nacktheit und Sexualität nicht in den öffentlichen Raum gehört. Könnte ich ja auch – oder?

    Aber beim Papst ist es immer dasselbe Theater.

    @ Adrian
    Wenn du denn demonstrieren gehst, findest dich in bester Gesellschaft wider; da wären die Lack und Lederfreunde, die gerne einmal Flyer an Kinder austeilen, in denen steht: Die spielen ja nur! Oder nazionalsozialistische Symboliken verherrlichen bzw. in ihren Zeitschriften vor Gaskammern posieren (Quelle: Berliner Institut für Faschismusforschung) oder, was mich als Männerrechtler beschäftigt, Pro – welch zynischer Name – Familia, die allzuschnell das Büchlein zücken um Abtreibungen durchführen zu können. Was Väter davon halten ist ja sowas von egal, aber was solls. Ganz zu schweigen von unseren QueerFreunden „Du hast ja gar keinen Penis“!

    Gibt es dazu eine Abgrenzung oder ist das wurst wer da neben dir mitdemonstriert?

    • Adrian 14. Juni 2011 um 22:56 #

      @ terminator
      „Gibt es dazu eine Abgrenzung oder ist das wurst wer da neben dir mitdemonstriert?“

      Ist mir eigentlich wurst. Ich demonstriere ja nicht für die, sondern gegen den Papst.

  14. Jan_Alex 14. Juni 2011 um 19:34 #

    @Adrian:
    Ich heirate Dich! Sofort!

    (Okay, das war „offtopic“ und darf gelöscht werden … ;))

    • Adrian 14. Juni 2011 um 22:57 #

      @ Jan_Alex
      Danke für die Blumen. Ich denke darüber nach 🙂

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