Menschenfeindlich, amoralisch, boshaft und satanisch

27 Jun

Nigerias Fußball-Nationaltrainerin Eucharia Uche findet, dass Homosexualität „eine dreckige Sache“ ist. Nun gut, etwas anderes ist als Repräsentantin eines der übelsten Versagerländer der Welt, auch kaum zu erwarten. Die Süddeutsche Zeitung findet zu dieser Ansicht jedenfalls wohltuend klare Worte:

Homosexualität ist in Nigeria verboten, in den islamischen Bundesländern riskieren Homosexuelle sogar die Todesstrafe. Die Christin Eucharia Uche vertritt eine Mehrheitsmeinung in Nigeria und gibt damit aus weltlicher Sicht ein Beispiel für einen menschenfeindlichen Glauben.

Jawohl, „menschenfeindlich“, das sind genau die richtigen Worte, denn wer Liebe und Sexualität verdammt, nur auf der Grundlage, weil sie zwischen Menschen gleichen Geschlechts stattfindet, ist ein Menschenfeind ohne einen Funken moralischen Anstands.

So etwas zu sagen, ist allerdings „diskriminierend“, zumindest für diejenigen, die den Begriff der Diskriminierung auch auf diejenigen Fälle anwenden, bei der es lediglich um eine klare Ablehnung bzw. um Kritik an einer anderen Meinung geht. So schreibt etwa ein Leser der Süddeutschen:

Unser Grundgesetz kennt kein Recht auf Homosexualität, wohl aber die Meinungs- und Glaubensfreiheit. Daher muss es eine aufgeklärte und tolerante Gesellschaft auch aushalten können, dass es traditionelle Wertesysteme gibt, die Homosexualität ablehnen und verurteilen.

Ja, natürlich, und wir als aufgeklärte und tolerante Gesellschaft müssen es auch aushalten können, dass es traditionelle Wertesysteme gibt, die rassistisch und antisemitisch sind, Frauen steinigen oder Kannibalismus betreiben. Deswegen kann man aber trotzdem all diese Handlungen als verwerflich abqualifizieren.

Wenn die Sueddeutsche von einem „menschenfeindlichen Glauben“ spricht, dann ist dies eine klare und verwerfliche Diskriminierung, denn „niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ (Art.3 GG).

Ja, der Staat darf das nicht, denn das Grundgesetz regelt nicht die Beziehungen der Menschen untereinander, sondern die Beziehung des Staates zum Bürger. Der einzelne Mensch darf dagegen soviel „diskriminieren“ wie er will (zumindest durfte er das vor dem Antidiskriminierungsgesetz ), und tut dies auch regelmäßig, oder glaubt hier irgendjemand, jener empörte Leser der Süddeutschen, würde von sich aus keinerlei Werturteile bezüglich Geschlechtes, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, Glauben, sowie der religiösen oder politischen Anschauungen fällen?

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3 Antworten to “Menschenfeindlich, amoralisch, boshaft und satanisch”

  1. Bombe 20 27. Juni 2011 um 18:51 #

    Bedenklich finde ich, daß unsere aufgeklärte und tolerante Gesellschaft es offenbar tatsächlich problemlos aushält, solange in traditionellen Wertesystemen nur Männer gesteinigt werden.

    B20

  2. Christian 28. Juni 2011 um 12:39 #

    In überkommenen dysfunktionalen archaischen Verbrechersystemen gehts den Frauen auch echt mieß Steine inklusive.

    Anzumerken wäre noch, dass unser Grundgesetz sehr wohl ein Recht auf Homosexualität beinhaltet (Art.2IGG). Es steht bloß nicht explizit drin. Das „Daher“ in dem ersten Leserbrief offenbart eine ganz perverse sicht der Dinge: Wenn es in der Verfassung nicht drinsteht, das es Geschützt ist, dann ist es Minderwertig und ich kann es behandeln wie ich will.

    Ich persönlich finde es jedes mal wiederlich wenn Menschen ihren Hass in die Welt absondern und sich sobald Gegenwind kommt hinter Mamas Rockzipfel von Art.5GG oder Art.6IGG oder sonstwas verstecken.

    Das diese Menschen zu blöd sind wenigstens die grobe Funktionsweise von Grundrechten zu verstehen (und einfacher wirds in Juristischen Dingen wirklich nicht) ist da eher ein Lichtblick.

  3. Yadgar 1. Juli 2011 um 14:58 #

    @Christian

    „Anzumerken wäre noch, dass unser Grundgesetz sehr wohl ein Recht auf Homosexualität beinhaltet (Art.2IGG). Es steht bloß nicht explizit drin.“

    Dummerweise ist da allerdings auch vom „Sittengesetz“ als Grenze für die freie Entfaltung der Persönlichkeit die Rede… gegenwärtig ist der unausgesprochene Mehrheitskonsens der deutschen Gesellschaft (aus dem verfassungspraktisch das „Sittengesetz“ abgeleitet wird) zwar vorsichtig pro-homosexuell… aber sollte es Evangelikalismus, konservativem Katholizismus und orthodoxem Islam in Zukunft gelingen, den gesellschaftlichen Mainstream zu dominieren (und mit dem sich abzeichnenden weitgehenden Zusammenbruch von Wohlstandsgesellschaft und Sozialstaat durch das Versiegen der weltweiten Ölförderung – Stichwort Peak Oil, Decline – wird dies ein sehr wahrscheinliches Szenario sein), wird es damit ganz schnell auch wieder vorbei sein!

    Wenn man sich dann noch den Kinderreichtum von Fundamentalisten aller Religionen ansieht (z. B. Rudolf Ebertshäuser, superbibeltreuer ex-Linker (sic!) und Turbo-Evangelikaler mit 10 Kindern!), kann einem da schon Angst und bange werden…

    Bis bald im Khyberspace!

    Yadgar

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