Religionsmissbrauch

28 Jun

Die kirchliche Repression gegen Homosexuelle, die sich offen zu ihrer Partnerwahl bekennen (weil sie wissen, dass das Verbergen und Verdrängen den Sinn menschlicher Sexualität zerstört), ist ein schwerer Angriff gegen die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott. Hier wird Religion zur Aufrechterhaltung einer Herrschaftskultur mißbraucht und werden Menschen in Angst- und Schuldgefühle hineinmanipuliert.

Dorothee Sölle: lieben und arbeiten. Eine Theologie der Schöpfung (S. 166) – In meinem Beitrag hier hatte ich das Zitat nur aus der Erinnerung wiedergegeben. Weil es so schön ist, jetzt noch einmal im Original. Das Buch ist übrigens von 1985.

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9 Antworten to “Religionsmissbrauch”

  1. maik43 28. Juni 2011 um 15:55 #

    Es mag schwer zu verstehen sein aber es ist keine Repression der Kirche und berührt die Ebenbildlichkeit des Menschen, aus katholischer Sicht, überhaupt nicht. Ebenbildlichkeit ist qua Mensch-Sein verwirklicht. Die Kirche verurteilt nicht den homosexuellen Menschen innerhalb ihres Dogmas, welches nur für Menschen, die sich bewußt, freiwillig in diesem Dogma bewegen, dh. dieses glauben überhaupt Gültigkeit besitzt, sondern die Handlungen, die der homosexuelle Mensch setzt. Somit kann sie gar nicht menschenverachtend oder repressiv agieren, da ja nicht der Mensch verachtet sondern seine Handlungen missbilligt werden. Aber das scheinst du nicht ganz zu verstehen.

    „Die kirchliche Repression gegen Homosexuelle, die sich offen zu ihrer Partnerwahl bekennen (weil sie wissen, dass das Verbergen und Verdrängen den Sinn menschlicher Sexualität zerstört), ist ein schwerer Angriff gegen die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott.“

    Dieser bullsh… lässt sich eins zu eins auf sadistische Neigungen, die konsensual ausgelebt werden übertragen. „Der Sadist, der sich offen zu seiner Partnerwahl bekennt (weil er weiß, dass das Verbergen und Verdrängen den Sinn menschlicher Sexualität zerstört), ist ein schwerer Angriff gegen die Ebenbildlichkeit des menschen mit Gott.“

    Und jetzt? Die Schiefe des Beispieles wird deutlich. Im Übrigen, was ist denn der SINN der menschlichen Sexualität im „System“ Christentum, wenn nicht die Fortpflanzung? Das Beispiel ist nicht nur schief, sondern operiert mit äquivoken Setzungen.

    • Damien 28. Juni 2011 um 20:21 #

      @maik 43: Wenn die Ebenbildlichkeit qua Mensch-Sein verwirklicht ist, steht es Menschen nicht zu, Menschen erster und zweiter Klasse zu definieren aufgrund unterschiedlicher sexueller Orientierung. Die Trennung zwischen Mensch und Handlung ist unsinnig, denn die Handlung folgt ja aus dem ebenbildlich angelegten Menschen.
      Ich habe keine Ahnung ob Sölle das Zitat auch auf einverständliche SM-Praktiken übertragen hätte. Ich tue dies: Wenn zwei Menschen SM praktizieren möchten und daran Lust und Freude miteinander haben, was spricht dagegen? Deine moralischen Vorbehalte, zweifelsohne. Und was wäre so absurd daran, dass die Ebenbildlichkeit auch sadomasochistische Praktiken umfassen kann? Deutlich wird also nur eins: Dein eingeschränktes Gottesbild bzw. inwieweit es einer Projektion Deiner Moral entspricht.
      Der Sinn der menschlichen Sexualität im Christentum? Du glaubst nicht ernsthaft, dass es darauf nur eine Antwort gibt, oder? Fortpflanzung als einzigen Sinn zu postulieren ist allerdings sehr langweilig – und pragmatisch. Ich glaube nicht an einen so langweiligen und unpoetischen Gott.
      Ach ja, Sölle war Protestantin.

  2. Spreeroi!ber 28. Juni 2011 um 23:53 #

    Der Sinn der menschlichen Sexuaität ist AUCH die Fortpflanzung, aber eben nicht nur. Sonst dürften Menschen, die aus dem Alter der Fruchtbarkeit entwachsen sind, auch keine Sexualität mehr teilen…

  3. maik43 29. Juni 2011 um 10:11 #

    „Wenn die Ebenbildlichkeit qua Mensch-Sein verwirklicht ist, steht es Menschen nicht zu, Menschen erster und zweiter Klasse zu definieren aufgrund unterschiedlicher sexueller Orientierung.“

    Noch einmal. Eine Bewertung einer Handlung impliziert nicht eine Klassifikation der handelnden Person.

    „Die Trennung zwischen Mensch und Handlung ist unsinnig, denn die Handlung folgt ja aus dem ebenbildlich angelegten Menschen.“

    Nein, eine solche Aussage kann nur in einem deterministischen System von Richtigkeit sein und nicht auf die christliche Lehre umgelegt werden, in welcher explizit von der Freiheit des Menschen gesprochen wird.

    „Wenn zwei Menschen SM praktizieren möchten und daran Lust und Freude miteinander haben, was spricht dagegen? Deine moralischen Vorbehalte, zweifelsohne. Und was wäre so absurd daran, dass die Ebenbildlichkeit auch sadomasochistische Praktiken umfassen kann?“

    Nichts ist absurd daran, da die Ebenbildlichkeit ja qua Menschsein gegeben ist. Du fehlinterpretierst mich. Meine Aussage bezog sich auf das schiefe Ausgangsbeispiel, in welchem Äquivokationen verwendet werden. Allerdings wehre ich mich dagegen, eine Handlung nur noch an der Konsensualität der handelnden Personen in den Wertdiskurs überführen zu wollen. Ist „Abu Ghraib“ nur deswegen schlimm, weil die „handelnden Personen“ nicht konsensual agierten? Ich meine: Nein, und vertrete hier einen ähnlichen Standpunkt wie Adam Smith oder Schopenhauer.

    „Die kirchliche Repression gegen Homosexuelle, die sich offen zu ihrer Partnerwahl bekennen (weil sie wissen, dass das Verbergen und Verdrängen den Sinn menschlicher Sexualität zerstört), ist ein schwerer Angriff gegen die Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott.“

    Noch einmal:
    1.) Ich halte diese Aussage für schief, da die Ebenbildlichkeit des Menschen zu Gott qua So-Sein gegeben ist (lässt sich kaum leugnen, wenn man an die Position zur Abtreibung denkt). Setzen wir eine Repression voraus, kann diese nicht gegen die Ebenbildlichkeit des homosexuellen Menschen mit Gott erfolgen, da dies die Ebenbildlichkeit ja gar nicht betreffen kann.

    2. ) Die „Repression“ ist gegen die, von der katholischen Kirche aus betrachtet, aus geltender Lehre heraus betrachtet „falschen“ Handlungen und NICHT gegen die Homosexuellen gerichtet.

    3.) Der Sinn menschlicher Sexualität mag für uns hier nicht erschöpfend in der christlichen Lehre fundiert sein, da stimme ich zu. Nur kann ich das einer christlichen Sexuallehre diesbezüglich nicht vorwerfen. Der SINN wird im christlichen Diskurs anders aufgefasst als z.B. im sexualwissenschaftlichen. Ich werfe vor, dass hier darauf insinuiert wird, dass es sich um einen christlichen SINN handelt, wo ein sexualwissenschaftlicher gemeint ist – darum äquivok.

    • Damien 29. Juni 2011 um 22:51 #

      @Maik 43: Die Trennung zwischen Handlung und Person verlangt von einem Menschen in Punkto Homosexualität, eine Gottesgabe nicht zu leben und ist daher ein Angriff auf die Schöpfung.
      Was sonst als die Konsensualität sollte denn Deiner Meinung nach Grundlage für die Bewertung einer Handlung sein?
      „Setzen wir eine Repression voraus, kann diese nicht gegen die Ebenbildlichkeit des homosexuellen Menschen mit Gott erfolgen, da dies die Ebenbildlichkeit ja gar nicht betreffen kann.“ Verstehe ich nicht.
      Sölle mag in der Sexualität einen anderen Sinn sehen als die katholische Sexuallehre, deshalb muss sie noch lange nicht das Bezugssystem wechseln und sexualwissenschaftlich argumentieren.

  4. maik43 30. Juni 2011 um 09:57 #

    „Die Trennung zwischen Handlung und Person verlangt von einem Menschen in Punkto Homosexualität, eine Gottesgabe nicht zu leben und ist daher ein Angriff auf die Schöpfung.“

    Meines Erachtens ergibt diese Aussage nicht recht Sinn. Die Trennung verlangt erst einmal gar nichts, wie sollte „die Trennung?“ auch etwas verlangen. Definiere bitte erst einmal theologisch „Gottesgabe“ und „Angriff auf die Schöpfung“ bevor ein weiterer Diskurs sinnführend sein kann.

    „Was sonst als die Konsensualität sollte denn Deiner Meinung nach Grundlage für die Bewertung einer Handlung sein?“

    Entscheide selber: Lehnst du die Bilder von Abu Ghraib ab, weil sie nicht konsensuell sind oder weil sie dich bei Ansicht affizieren, du hier etwas „Entwürdigendes“ wahrnimmst, es dir den Magen umschlägt usw. Ich glaube nicht, dass Menschen, würde man ihnen sagen, das ist „konsensual“, dann sagen würden, OK, meine negative Bewertung dieser Handlungen ist somit hinfällig.

    „Sölle mag in der Sexualität einen anderen Sinn sehen als die katholische Sexuallehre, deshalb muss sie noch lange nicht das Bezugssystem wechseln und sexualwissenschaftlich argumentieren“

    Das habe ich auch nicht behauptet. Nur soll sie die Begrifflichkeiten nicht durcheinanderbringen.

    • Damien 30. Juni 2011 um 11:10 #

      @Maik 43: Natürlich verlangt die Trennung nichts, Du wirst aber sicher verstanden haben, was ich meine. Die theologischen Definitionen werde ich Dir schuldig bleiben, weil ich keine Lust habe, weiter mit Dir einen sinnführenden Diskurs zu führen. Wie das schon klingt! Ich freue mich über Kommentare, die mit Sölles Argumentation etwas anfangen können, denen der Heterosexismus in Kirche und Gesellschaft ebenfalls auf den Wecker geht und die auch als Christen Lust haben, darüber zu disputieren.
      Was zwei erwachsene und entscheidungsfähige Menschen in ihrer Privatheit miteinander machen, geht mich (und Dich) nichts an. Daher werde ich auch in die Diskussion über Bewertung solcher Handlungen nicht weiter einsteigen.
      Was Sölles Begrifflichkeiten angeht: Das Problem scheint mir immer noch das zu sein, dass Du Dir die Deutungshoheit darüber anmaßt, was sie wie zu benenen habe.

  5. maik43 30. Juni 2011 um 12:15 #

    „Was Sölles Begrifflichkeiten angeht: Das Problem scheint mir immer noch das zu sein, dass Du Dir die Deutungshoheit darüber anmaßt, was sie wie zu benenen habe.“

    Schade, dass du nicht zu verstehen scheinst, was ich meine. Das Problem, welches ich sehe, ist nicht, dass nicht jeder Mensch sagen und meinen könne was er will, das Problem ist, dass sie meiner Ansicht nach Dinge äquivok verwendet, damit jedoch im sophistischen Sinne etwas zu insinuieren sucht.

    Bsp. Wenn ich über verschiedene Chemikalien, Giftstoffe schreibe und meinen Aufsatz damit beende, dass auch die Amerikaner, nach dem 2 WK Pakete nach Deutschland schickten, mit der Aufschrift „GIFT“, dann erwecke ich einen falschen Eindruck und verwende die Begrifflichkeiten äquivok.

    Wenn du mir dann vorhalten würdest, „ich würde mir die Deutungshoheit anmaßen, darüber was zu sagen sei und was nicht“, geht das an der Kritik fehl. Ich hoffe, du hast verstanden, was ich meine.

    Ich danke für den Dialog.

    • Damien 30. Juni 2011 um 15:04 #

      Das Beispiel verstehe ich. Was Du über Sölle sagst, verstehe ich nicht.

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