Grenzenlose Liebe

7 Jul

Nachdem ich die Überraschung über meine wieder erwachte Sympathie für Dorothee Sölle verarbeitet hatte, habe ich mich an Rob Bells „Das letzte Wort hat die Liebe“ gemacht, das mir meine Pastorin zum Abschied von Berlin geschenkt hatte. Zuerst dachte ich, das sind olle Kamellen, doch dann kam ich ins Staunen.

Gleich am Anfang haben mir Bells Anmerkungen zum Begriff „persönliche Beziehung (zu Jesus Christus)“ gefallen, der ja für Evangelikale häufig als Kriterium dafür gilt, ob jemand ein Christ ist oder nicht. Bell weist nicht nur darauf hin, dass der Begriff in der Bibel nicht ein Mal vorkommt, sondern auch darauf, dass der Begriff erst seit ca. 100 Jahren überhaupt von Christen verwendet wird.

Bell lehnt die Ansicht, wer von Jesus nichts wisse, komme nach dem Tod in die Hölle, grundsätzlich ab, weil er die Idee, jemanden zu bestrafen, weil er von etwas nichts wisse, absurd findet.

Über den Himmel weiß Bell zu berichten, dass Gott ihn eines Tages schaffen wird, hier auf dieser Erde. Das wird ein qualitativer Umschlag sein, hin zum Leben in Fülle für alle, in dem für Krieg, Vergewaltigung, Gewalt, Ausbeutung, Erniedrigung kein Platz mehr sein wird. Christen, so Bell weiter, seien aufgerufen, heute schon auf diesen qualitativen Umschlag hin zu leben, also ihren Beitrag zu einer besseren Welt zu leisten.

Das hat man sicher alles schon einmal gehört. Was Bell dann allerdings über die Hölle sagt, war für mich neu. Nicht, dass die Hölle häufig genug auf Erden ist, da wo Menschen anderen das Leben zur Hölle machen, als Beispiel nennt er Kinderprostitution. Nicht, dass die Hölle nichts ist, wo Gott jemand hin schickt, sondern wofür Menschen sich entscheiden, wenn sie sich gegen die Gemeinschaft mit Gott entscheiden. Nicht, dass man auch nach dem Tod noch ein Mal die Chance hat, sich für Gott zu entscheiden, das hatte ich schon bei Leonardo Boff gelesen. Neu war für mich die feste Überzeugung von Rob Bell, dass jeder Mensch, auch nach seinem Tod, immer wieder von Gott in die Gemeinschaft mit ihm eingeladen wird. Und wieder. Und wieder. Grenzenlose Liebe eben.

Das Wort „Homosexuelle“ kommt auch in dem Buch vor. Ein Mal. Hier:

Oder denk an all die, die Christen nur aus amerikanischen Privatsendern oder von Demonstrationen kennen und deshalb annehmen, Jesus sei gegen Wissenschaft und gegen Homosexuelle, stehe mit dem Megafon in der Fußgängerzone und sage den Leuten, dass sie geradewegs auf die ewige Verdammnis zusteuerten.

Rob Bell also scheint Homosexualität im besten Sinne nicht zu interessieren. Warum auch? Sein Anliegen ist es, die selbst erfahrene Liebe Gottes anderen weiterzugeben. Die sexuelle Orientierung spielt dabei einfach keine Rolle.

Schade, dass es seine Mars Hill Bible Church nicht auch in Deutschland gibt.

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Eine Antwort to “Grenzenlose Liebe”

  1. Weiße Bettwäsche 14. Juli 2011 um 15:06 #

    Ach, sich anzumaßen zu wissen jemand kommt die Hölle oder nicht, ist meiner Meinung unreligiös…keiner weiss das…nur gott…

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