Feine Differenzen – Grobe Konsequenzen

3 Aug

Was hat es eigentlich mit der nicht nur von Anders B. Breivik gescholtenen bösen „Homosexuellenlobby“ auf sich, die von den „guten“, scheinbar akzeptablen Homosexuellen fein separiert wird? Gemeint mit der Lobby ist der Zusammenschluss homosexueller Menschen, zu Organisationen, die sich für die Interessen Homosexueller einsetzen. Klar, dass das Leuten, die in völkischen Kategorien denken, missfällt, wenn sich Indiviuduen erdreisten, aus dem Volksganzen auszuscheren und sich nicht als Deutsche_Europäer, sondern als Schwule, Juden oder was auch immer zu Wort melden. Die feine Differenzierung geht aber noch weiter: Breivik sei

somit nicht völlig frei von einer ablehnenden Haltung gegenüber der Homosexualität als solchen, aber homophob (als „krankhafte, wahnhafte Ablehnung der Homosexualität verstanden“) scheint er mir nicht zu sein.

Wahnhaft ist das Denken in völkischen Kategorien in jedem Fall und die Ablehnung von erkennbar gelebter Homosexualität gehört da definitiv dazu, selbst wenn man im Kampf gegen den – so Breivik – Hauptfeind Islam sich vorübergehend mit Schwulen zusammentun mag, die ebenso das eigene Volkskollektiv_christliche Abendland retten wollen. Und wenn Breivik – darauf weist  Gerhard Scheit auf Lizas Welt hin – dekreditiert,

es gebe in Westeuropa „kein Judenproblem“

dann sieht er aktuell möglicherweise auch kein „Schwulenproblem“. Vielleicht aber sähe er, wie manche anderen Abendlandsverteidiger, die Erfolge der Homo-Lobby in Europa schon so weit fortgeschritten, dass auch hier praktische Abhilfe Not täte. Bezüglich des „Judenproblems“ ist Breivik überzeugt davon, in den USA

 verhalte es sich da anders, und wenn hier die Warnung angefügt wird, „nicht den gleichen Fehler wie die NSDAP“ zu begehen, dann bezieht sich das auf Europa, während für die USA Hitlers Methode offenkundig nicht ausgeschlossen bleibt, und zwar gegenüber denjenigen Juden, die sich, statt nach Israel zu gehen, assimilieren wollen.

Eben diese Warnung gilt potentiell auch für Schwule: Einer wie Breivik hat nichts gegen uns, solange wir hinter verschlossenen Türen, also unter uns bleiben. Aber wehe, wir wollen Teil der Gesellschaft werden. Dann droht, mal wieder, der Untergang des christlichen Abendlands und

die „Umwertung aller Werte“,

und

insbesondere die ihm [Breivik] lieb und teuer erscheinenden tradierten Werte

müssen mit allen Mitteln gegen die homosexuelle Lobby verteidigt werden. Auch wenn Breivik Einzeltäter ist, ist er mit dieser Feinderklärung leider nicht allein.

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9 Antworten to “Feine Differenzen – Grobe Konsequenzen”

  1. Omti 3. August 2011 um 18:21 #

    Warum konnten sie den Spinner nicht einfach erschießen? So kriegt er noch ein Podium seine kruden Thesen zu veröffentlichen.
    Naja ich hoffe er hat ein langes Leben, das er dann hinter Gittern verbringen kann.

    Lasst den doch einfach verrotten und Zitiert ihn nicht immer, das stiftet nur Leute zur Nachahmung an.

  2. Peter 3. August 2011 um 21:28 #

    Was hat es eigentlich mit der nicht nur von Anders B. Breivik gescholtenen bösen „Homosexuellenlobby“ auf sich, die von den „guten“, scheinbar akzeptablen Homosexuellen fein separiert wird?

    Dir ist aber klar, dass ich Breiviks (politische-)Kategorien beschrieben habe?

    Ich sagte: somit (ist er, Breivik) nicht völlig frei von einer ablehnenden Haltung gegenüber der Homosexualität als solchen, aber homophob (als „krankhafte, wahnhafte Ablehnung der Homosexualität verstanden“) scheint er mir nicht zu sein.

    Und Du: Wahnhaft ist das Denken in völkischen Kategorien in jedem Fall und die Ablehnung von erkennbar gelebter Homosexualität gehört da definitiv dazu

    Und Du weiter: müssen mit allen Mitteln gegen die homosexuelle Lobby verteidigt werden. Auch wenn Breivik Einzeltäter ist, ist er mit dieser Feinderklärung leider nicht allein.

    Die reagierst auf Reizwörter wie „Homosexuellenlobby“ oder „erkennbar gelebter Homosexualität im öffentlichen Raum“. Den Sinn meines Beitrags aber hast Du offensichtlich nicht verstanden oder genauer, nicht verstehen wollen. Du drischst hier auf einen Strohmann ein.

    Nicht verstehen können ist eine Sache, missverstehen wollen, um daran eine diffamierende Argumentation aufzubauen ist einfach nur ein Haufen Scheisse.

    • Damien 3. August 2011 um 22:59 #

      @Peter: Wenn Du „Homosexuellenlobby“ als Zitat meinst, solltest Du es auch entsprechend kennzeichnen. Die Verwendung des Begriffs im letzten Abschnitt Deines Kommentars wirkt im Übrigen nicht wie eine Beschreibung von Breiviks Denken, sondern da formulierst doch Du selbst eine „notwendige Unterscheidung“: „Es ist notwendig, zwischen der Homosexualität an sich und der politischen Positionierung der Homosexuellenlobby zu unterscheiden. Tut man dies nicht, bleibt am Ende nur ein empörtes „homophob“, das scheinbar alles, aber in Wirklichkeit meist nichts zu erklären vermag.“
      Einen Sinn, der über diese falsche Unterscheidung hinausgeht, habe ich in Deinem Text nicht entdeckt.
      Den Haufen lasse ich bei Dir.
      Und Adrian kann für meine Beiträge schon gar nichts. Hier schreiben tatsächlich zwei Vertreter der Homosexuellenlobby.

  3. Peter 3. August 2011 um 22:01 #

    In einem anderen Blog hatte ich geschrieben:

    Zu Breivik:

    Für die Leute der NPD ist B. ein Ökobauer (haben die tatsächlich gesagt)

    Für Alice Schwarzer und ihre Schwestern im Geiste ist B. ein Mann, Frauenhasser und Feminismusfeind

    Für die Linken ist er ganz einfach ein Rechter

    Für die Atheisten ein christlicher Fundamentalist

    Für die Christen ein gottloser Freimaurer

    Und für die Männerrechtler? Ein vaterlos aufgewachsener Mann.

    Ich ergänze:

    Für Schwule ein Schwulenhasser

    Für Rechte einer, der ausgetickt ist, weil die Linken ihn mit ihrer Diskurshegemonie sprachlos werden liessen (er wollte gehört werden)

    Für Juden ein Antisemit

    Ist für jeden was dabei, um sich auf dem Feuerchen sein Süppchen zu wärmen. Guten Appetit!

    Ich weiss nicht, was für ein Mensch der B. ist und war, ich weiss nur eines mit Sicherheit: er ist ganz bestimmt nicht so wie ich.

    Auch Dir, Adrian, einen guten Appetit!

  4. Alreech 3. August 2011 um 23:42 #

    NaJa, auch als Homosexueller kann man manchmal von der Homosexuellenlobby ganz schön angepisst sein, ohne gleich Homophob zu sein.
    Ich kann mich da an die einen oder anderen Blogeinträge zum Thema CSD und allerlei linken Verwirrungen dazu erinnern…

    • Damien 4. August 2011 um 09:52 #

      @Alreech: Da hast Du Recht. Mir ging es um die undifferenzierte Verwendung des Begriffs.

  5. Peter 4. August 2011 um 00:36 #

    „Es ist notwendig, zwischen der Homosexualität an sich und der politischen Positionierung der Homosexuellenlobby zu unterscheiden…

    Was bitte soll daran falsch sein? Bist Du als Vertreter der Lobby legitimiert, für alle Homosexuellen zu sprechen? Ist jede Kritik an deinen Anschauungen Ausdruck einer homophoben Wahnvorstellung. Na dann ist eine Verständigung natürlich nicht möglich.

    Ist doch immer das Gleiche. Kritisierst du feministische Anschauungen, dann bist du ein Frauenfeind. Dabei hab ich nicht mal Kritik an der Homosexuellenlobby geäussert. Meine Güte, mit was für einer Reaktion hätte ich zu rechnen, wenn ich Kritik äussern würde?

    Einen Sinn, der über diese falsche Unterscheidung hinausgeht, habe ich in Deinem Text nicht entdeckt.

    Was nicht für deine Auffassungsgabe spricht. Ich werd nun mal ziemlich ärgerlich, wenn mir diffamierende Dinge, ziemlich böswillig, unterstellt werden. Scheint in der BRD ein Volkssport zu sein (das „find den Nazi Spiel“). Liegts am Sauerkraut?

    Und Adrian kann für meine Beiträge schon gar nichts.

    Hab ich übersehen. Die Kritik geht dann natürlich nicht an Adrian.

  6. Damien 4. August 2011 um 10:04 #

    @Peter: Natürlich ist es nicht prinzipiell falsch, zwischen Homosexuellen und ihrer Lobby zu unterscheiden. Aber die Unterscheidung, die Breivik aufmacht und der Du Dich angeschlossen zu haben schienst, will Schwule darauf verpflichten, nicht als Schwule erkennbar zu werden. Das ist homophob.
    Natürlich bin ich kein „Vertreter der Homosexuellenlobby“. Mann, das war ein Witz!
    Kritik an „der“ Homosexuellenlobby ist prinzipiell legitim. Voraussetzung ist, dass sich die Kritik gegen eine bestimmte Politik richtet, aber nicht gegen die Sichtbarkeit von Homosexuellen. Diese Kritik ist nämlich unter dem Deckmantel einer Kritik an der Homosexuellenlobby in Wahrheit eine Kritik an Homosexuellen. Und die ist oft genug in der Geschichte praktisch und auch tödlich geworden.

    „Ich werd nun mal ziemlich ärgerlich, wenn mir diffamierende Dinge, ziemlich böswillig, unterstellt werden. Scheint in der BRD ein Volkssport zu sein (das „find den Nazi Spiel“). “

    Ich habe Dir in meinem Beitrag gar nichts unterstellt. Deinen Kommentar habe ich als Aufhänger benutzt für einen Text über Breivik und andere Schwulenfeinde. Du kommst im weiteren Artikel gar nicht mehr vor, dachte ich zumindest bis jetzt. Wenn Du Dich allerdings dermaßen angesprochen fühlst, durch die im Beitrag geäußerte Kritik, denke ich gerne noch einmal darüber nach.

  7. Peter 4. August 2011 um 15:05 #

    Ich habe Dir in meinem Beitrag gar nichts unterstellt. Deinen Kommentar habe ich als Aufhänger benutzt für einen Text über Breivik und andere Schwulenfeinde. Du kommst im weiteren Artikel gar nicht mehr vor, dachte ich zumindest bis jetzt. Wenn Du Dich allerdings dermaßen angesprochen fühlst, durch die im Beitrag geäußerte Kritik, denke ich gerne noch einmal darüber nach.

    @ Damien

    Ok, dann buche ich die Sache unter „Missverständnis“ ab. Damit bin ich zufriedengestellt. Es liegt mir nämlich wirklich was daran, nicht als Schwulenhasser wahrgenommen zu werden, weil ich das nicht bin.

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