Wenn Sozen randalieren

9 Aug

Selbst die sonst eigentlich liberal-konservative „Welt“ fühlt sich bemüßigt, angesichts der Randale in London, zu berichten, „Frust“ sei es, der die Jugendlichen zerstören und plündern lässt. Was mich ganz nonchalant fragen lässt: Frust über was? Weil man die neueste Version des i-Phone nicht für lau bekommen hat, so dass man keine andere Wahl hat, diese jetzt aus den Geschäften klauen zu müssen?

„Das ist der Aufstand der Arbeiterklasse. Wir verteilen den Wohlstand um“, sagte der 28-jährige Bryan Phillips, der sich selbst als Anarchist bezeichnet.

Was lernen wir daraus? Anders als bei Breivik sind dieses Mal nicht Broder oder Sarrazin mitschuldig, sondern die Sozialdemokraten und Linkspopulisten aller Länder. Denn diese reden den Menschen schließlich seit Jahrzehnten ein, dass es legitim sei, Wohlstand umzuverteilen. Man sollte sich also nicht wundern, wenn junge Menschen diese Ansichten irgendwann mit Gewalt durchsetzen.

Advertisements

19 Antworten to “Wenn Sozen randalieren”

  1. robertniedermeier 9. August 2011 um 12:23 #

    Na, selbstverständlich haben die Sozialdemokraten recht, wenn sie eine solidarisch geprägte Steuerpolitik und damit eine gerechtere Umverteilung fordern. Und nicht Menschen mit sozialem Gewissen treiben die „Anarchisten“ zur Randale an, sondern der Frust, der sich aus sozialer Kälte und Ignoranz neoliberaler Ideologien nährt.
    Der Breivik- und Rechtspopulisten-Vergleich in diesem Kontext, ist übrigens hanebüchen, ziemlich dumm sogar, und geschmacklos.

  2. Robert Michel 9. August 2011 um 12:49 #

    „Man sollte sich also nicht wundern, wenn junge Menschen diese Ansichten irgendwann mit Gewalt durchsetzen.“

    Das würde ich noch nicht einmal ironisch verstehen.

  3. ars libertatis 9. August 2011 um 13:13 #

    Die Londoner Sozialisten sind halt konsequent. Wenn der Staat zu wenig umverteilt, dann nehmen sie die Sache selber in die Hand und verteilen eigenhändig um.

  4. GastGast 9. August 2011 um 13:51 #

    Psychiater über Breivik:
    Viele Psychiater jedenfalls lehnen ab, ihn einen Terroristen zu nennen. Denn das würde bedeuten, dass er aus ideologischen Motiven gehandelt hat. „Er hätte genauso gut Linksextremist werden können, oder ein Gotteskrieger, wenn er den passenden Glauben hätte“, ist Svenn Torgersen überzeugt.
    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,778984,00.html

  5. terminator 9. August 2011 um 14:17 #

    Sehe ich ähnlich. Meinst du wir hören jetzt in allen Zeitschriften, dass die SPD und die Linkspartei unter die Fittiche des Verfassungsschutzes genommen werden sollten? Ich glaube nicht, denn auf einem Auge sind die Gutmenschen doch immer blind.

  6. terminator 9. August 2011 um 17:43 #

    @ niedermeier
    Na, selbstverständlich haben die „Konservativen“ recht, wenn sie eine christlich-sozial geprägte Steuerpolitik und damit eine gerechtere Umverteilung fordern. Und nicht Menschen mit konservativem Gewissen treiben die „Rechtsradikalen“ zur Randale an, sondern der Frust, der sich aus gleichstellerischer Kälte und Ignoranz linksliberaler Ideologien nährt.

    Der London – und Linkspopulisten-Vergleich in diesem Kontext, ist übrigens hanebüchen, ziemlich dumm sogar, und geschmacklos.

  7. Alreech 9. August 2011 um 19:02 #

    Der London – und Linkspopulisten-Vergleich in diesem Kontext, ist übrigens hanebüchen, ziemlich dumm sogar, und geschmacklos.
    Genauso geschmacklos wie Broder und andere Menschenrechtsfundamentalist_Innen für Breiviks Tat verantwortlich zu machen.

    Der Psychiater ist übrigens ein Herzchen:
    Nur weil Breivik genauso gut eine Linksextremist oder Gotteskrieger hätte werden können ist seine Tat nicht ideologisch ?
    Das bedeutet entweder das man Terroristen nur dann Terroristen nennen darf wenn ihre Bekennerschreiben mindestens den Gehalt einer Bachelor-Arbeit in Politik haben (ob dann die RAF wohl als Terrororganisation durch geht ? )…
    …oder das die ganzen Linksextremisten und Gotteskrieger die genauso gut Rechtsextrem hätten werden können haben ebenfalls keine Ideologischen Motive.

    Ich halte die Typen (egal ob RAF, Al Kaida, Breivik oder die Schoolshooter) für einen Haufen bekloppter Loser die sich ein ideologisches Motiv suchen um ihre Rache zu begründen.
    Liest man sich nämlich deren Bekennerbriefe durch ist das vor allem mimimi…

  8. Susi 9. August 2011 um 21:18 #

    Die Gründe für die Unruhen in Großbritannien liegen auf der Hand. Die Schere zwischen Arm und Reich werde immer größer. „Die Menschen fühlen sich schon lange nicht mehr durch die Politiker repräsentiert. Die führen ein elitäres Leben, mauscheln mit den Chefredakteuren. Der ‚News of the World‘-Skandal hat diesen Gedanken noch verstärkt.“ Ich bin mal gespannt, wie die jetzt die Situation lösen.

    • Damien 9. August 2011 um 21:31 #

      @Susi: Wenn sich „die Menschen“ nicht mehr durch die Politiker repräsentiert fühlen, warum zünden sie dann die Häuser ihrer Nachbarn an?
      Wenn sie sich an der Schere zwischen Arm und Reich stören, warum zünden sie dann den Friseursalon nebenan oder den Kiosk um die Ecke an?
      Das scheint mir nicht gerade „auf der Hand zu liegen“.
      Und einem Verletzten den Rucksack auszuräumen, wie es vorhin im heute-journal zu sehen war, spricht auch nicht gerade für soziale Anliegen.
      Für mich sieht das eher aus wie „survival of the fittest“. Und war es nicht das, was die Krawallmacher angeblich mit ihrern Taten kritisieren wollten? Irgendwie merkwürdig…

  9. Adrian 9. August 2011 um 23:13 #

    @ robertniedermeier
    „Na, selbstverständlich haben die Sozialdemokraten recht, wenn sie eine solidarisch geprägte Steuerpolitik und damit eine gerechtere Umverteilung fordern.“

    Und was „solidarisch“ und „gerecht“ ist, bestimmst Du natürlich für alle anderen gleich mit.

  10. blogterium 9. August 2011 um 23:17 #

    In den meisten Industrieländern hat in den letzten 30 Jahren eine gigantische Umverteilung stattgefunden. Während die oberen 10% der Bevölkerung sowohl in GB, USA wie auch in Deutschland riesige Vermögenszuwächse verzeichnen konnten, mussten der Mittelstand und die unteren Einkommensschichten deutliche Verluste hinnehmen. Ursache für die drastischen Veränderungen in der Vermögensstruktur der Industrieländer war dabei u.a. eine Steuerpolitik, die einseitig Unternehmen und Personen mit sehr hohen Einkommen entlastet hat. Mit links oder rechts, liberal oder konservativ hat diese Entwicklung schon lange nichts mehr zu tun. Was in GB Thatcher und in den USA Reagan, Clinton und Bush mit ihrer verfehlten Steuerpolitik angerichtet haben, hat hier bei uns die rot-grüne Regierung unter Schröder besorgt. Das Problem ist vielmehr, dass die Parlamente heute kaum noch die Gesamtbevölkerung widerspiegeln. Spätestens seit den 90er-Jahren rekrutieren sich die Abgeordneten – sowohl in GB, USA oder auch in Deutschland – fast ausschließlich aus dem einkommensstarken oberen Bürgertum. Die Interessen einfacherer Bürger, Arbeiter, werden heute selbst von den klassischen sozialdemokratischen Parteien nicht mehr vertreten. Leider haben auch die liberalen Parteien oft vergessen, dass für einen funktionierenden liberalen demokratischen Rechtsstaat ein gewisses Maß an sozialem Ausgleich notwendig ist.
    Das die wachsende Ungleichheit in der Vermögens- und damit auch Chancenverteilung zu Spannungen und zum Anwachsen von Extremismus führt, kann man im Moment ja leider überall in Europa und auch in den USA beobachten.
    Ob Griechenland, Spanien oder England – es geht nicht um links oder rechts sondern ausschließlich um oben oder unten. Bin ich reich und kann mir in der Wirtschaftskrise die Vermögenseinbußen vom Steuerzahler ersetzen lassen oder bin ich ein armes Schwein und darf von meiner Harz-IV-Erhöhung via Strompreis dem Häuslebauer noch die Photovoltaikanlage auch dem Dach finanzieren?
    Paaren sich soziale Kälte, ungerechte Politik und Desinteresse dann noch mit Rassismus, so wie aktuell in vorwiegend von Schwarzen bewohnten Stadtvierteln englischer Großstädte, kann eben genau die Gewalt entstehen, die wir jetzt sehen.

    Und noch eine Bitte: Hört endlich auf, die Ermordung von 76 Menschen in Norwegen für irgendwelche politischen Diskussionen auszuschlachten. Ob von links oder rechts, von Christen, Moslems oder was auch immer: Es ist einfach nur widerlich. Außerdem: Dieses lebende Stück Scheiße, das 76 Menschen ermordet hat, verdient es nicht, dass man seinen geistigen Dünnpfiff auch noch diskutiert.

  11. Adrian 9. August 2011 um 23:24 #

    „Paaren sich soziale Kälte, ungerechte Politik und Desinteresse dann noch mit Rassismus, so wie aktuell in vorwiegend von Schwarzen bewohnten Stadtvierteln englischer Großstädte, kann eben genau die Gewalt entstehen, die wir jetzt sehen.“

    Paaren sich Verantwortungslosigkeit und Selbstgerechtigkeit mit hemmungslosem Anspruchsdenken kann eben genau die Gewalt entstehen, die wir jetzt sehen.

  12. blogterium 10. August 2011 um 00:22 #

    Hemmungsloses Anspruchsdenken von wem? Sicher sind jene, die plündernd durch Geschäfte ziehen, Trittbrettfahrer, die den Konflikt um die Tötung Mark Duggans nur ausnutzen. Aber glaubt Ihr wirklich, die schon beinahe regelmäßigen Unruhen in britischen oder französischen Vororten wären eine Folge sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaatsversprechen?

  13. Adrian 10. August 2011 um 00:30 #

    „Aber glaubt Ihr wirklich, die schon beinahe regelmäßigen Unruhen in britischen oder französischen Vororten wären eine Folge sozialdemokratischer Wohlfahrtsstaatsversprechen?“

    Also, ich glaube es ist eine Folge von Erziehung und Kultur.

  14. Christian 10. August 2011 um 01:13 #

    Hier würfeln aber einige moralisches Handeln, hinreichende Kausalität und notwendige Kausalität durcheinander.

    Notwendig Kausal für diese Krawalle war ein Schuss.
    Das ist ja wohl all time classic der Krawalle seit es Schusswaffen gibt.
    Von Berlin 1884 über […], dann die Krawalle vor ein paar Jahren in Frankreich bis jetzt.

    Hinreichend Kausal ist die gefühlte Ungerechtigkeit dieser Briten.
    Aus den Grabenkämpfen über die Ursachen halte ich mich jetzt einfach mal raus.

    Welche Art von Meinungsspektrum die Feindbilder geschaffen hat die da jetzt angegriffen werden lässt sich leicht testen.
    Was klingt sinniger:

    „Die Güter sollten gerechter verteilt werden, deshalb Zünde ich Autos an und stehle soviel ich tragen kann“

    Oder: „Die bösen Bonzen und Konzerne berauben mich jeden Tag, deswegen ziehe ich brennend und plündernd durch die Straßen.“

    Letzteres doch schon eher. Daraus folgt:
    Nur radikale Meinungen decken sich mit radikalen Taten wer sich also gegen radikale Taten ausspricht kann folgerichtig keine radikalen Meinungen gutheißen.

    Jegliche Windungen das eine nicht, und dennoch das andere zu Unterstützen sind scheinhelig.

  15. Simon2 10. August 2011 um 07:29 #

    Die Tatsache, dass solche Unruhen soziale Ursachen haben ist eine Erklärung, keine Entschuldigung und diese Tatsache wird auch nicht dadurch entkräftigt, dass die Randalierer aus strategischer Sicht extrem ungeschickt vorgehen – durch die Wahl ihrer gewalttätigen Mittel einerseits und die Objekte ihrer Gewalt andererseits. Das ist aber nichts Neues, das gilt für Berlin genauso wie für London, das gilt 2011 genauso wie 1992 in Los Angeles, als die Menschen auch nicht nach Beverly Hills fuhren, um die Villen irgendwelcher Börsen-Gurus abzufackeln sondern sich in „ihren“ Vierteln austobten.

    Der Verweis auf soziale Ursachen ist also kein lobendes Werturteil über eine bestimmte Strategie. Übrigens gibt es eine entwurzelte Unterschicht, die überdurchschnittlich religiös, überdurchschnittlich reaktionär und überdurchschnittlich gewaltaffin ist, auch nicht erst, seit Muslime oder Schwarze in die westlichen Länder eingewandert sind. Der Trend war schon immer so, dass die Leute umso reaktionärer sind, je ärmer sie sind. Das gilt für die deutschen NPD-Anhänger genauso wie für die muslimischen Londoner. (Und bis aus den katholischen Iren „Weiße“ wurden, verging auch einige Zeit.)

    Man sieht aber wieder, dass eine naive und romantisch-verklärte Traumtänzerei keine Sache der „Gutmenschen“ sondern im Gegenteil eine der „Bösmenschen“ ist. Jener Bösmenschen nämlich, die ernsthaft glauben, dass es eine solche Unterschicht erst gibt, seit es Migranten gibt oder es jeder mit Fleiß und Disziplin vom Tellerwäscher zum Eigenheimbesitzer bringen könne, dass Kapitalismus der heimelige Warenaustausch mittelständischer Unternehmer sei und die gegenwärtige Herrschaft von Monopolkonzernen „Sozialismus“. Oder dass man den Armen nur predigen müsse, dass sie an ihrer Armut selber schuld seien oder sie diese demütig akzeptieren müssten.

  16. hansmanns 10. August 2011 um 09:12 #

    @ Adrian
    Das glaubst nicht nur du. So gesehen tragen die Multikulti Propagandisten ebenso eine Mitschuld und ich fordere, dass sie ebenso hart angegangen werden wie Broder.

  17. christianhannover 10. August 2011 um 15:22 #

    @Susi: Ja, die Schere wird größer, aber nicht nur das:

    mehr gibt es zur „schere“ nicht sagen.

  18. El_Mocho 11. August 2011 um 10:03 #

    Eigenartiger Weise sind solche Unruhen in Großstädten der Dritten Welt eher unüblich, obwohl dort wesentlich mehr soziale Ungleichheit herrscht. Woran mag das liegen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: