72 Jungfrauen in einer Sekunde

20 Aug

Unverheiratet zusammenlebende Paare sollten in christlichen Gemeinden keine Aufnahme finden, meint Martin Lohmann, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in München. Ich finde das ein wenig lasch von Herrn Lohmann. Als wenn die Sünde weniger schlimm wäre, wenn sie in fremden Räumen stattfindet. Konsequenter wäre doch, sich hieran ein Beispiel zu nehmen:

Die Scharia bestraft ausserehelichen Geschlechtsverkehr bei volljährigen Muslimen, die verheiratet sind, mit der Steinigung. Dabei dürfen die Steine weder zu gross sein (was zum sofortigen Tod des Opfers führen würde), noch sollten sie so klein sein, dass sie nicht mehr als Stein gelten. Das Opfer wird bei der Steinigung bis zur Brust (Frauen) oder bis zur Hüfte (Männer) eingegraben und dann bis zum Tod mit Steinen beworfen.

Anlässlich der Konferenz „Evangelium 21“ in Hamburg trat Lohmann darüber hinaus für Gemeindezucht ein:

Bei schweren Vergehen müssten Sünder zurechtgewiesen und notfalls ausgeschlossen werden.

Konsequenz sieht anders aus:

Die Scharia sieht für Diebstahl die Amputation der rechten Hand vor, im Wiederholungsfalle die Amputation des linken Fusses. (…) Sexuelle Vergehen wie Unzucht können mit einer unterschiedlichen Anzahl von Peitschenhieben bestraft werden. Auch Alkoholgenuss wird mit Auspeitschung bestraft. Wenn das Strafmass 100 Peitschenhiebe und mehr erreicht, kann durchaus der Tod die Folge sein.

Lohmann hat weitere Ideen, wie das Glaubensleben abwechslungsreicher gestaltet werden kann. So fordert er

bei jedem Aufnahmegespräch in seiner Gemeinde, dass das zukünftige Mitglied in 30 Sekunden das Evangelium erklären könne.

Vielleicht könnte man auch hier vom Islam lernen, wo man(n) mit solchen Versprechungen geködert wird:

Der kleinste Lohn für die Menschen im Paradies ist eine Wohnung mit 80.000 Sklaven und 72 Frauen, die von einer Kuppel gekrönt itst, die mit Perlen, Aquamarinen und Rubinen bestückt ist, und die so breit ist, daß sie von Jabiyyah (Damaskus) nach Sana’a (Jemen) reicht.

Wenn man also für Evangelium erklären in einer Sekunde 72 Jungfrauen versprochen bekäme, wären das bei 30 Sekunden immerhin noch… könnte das vielleicht wer anderes ausrechnen? Danke.

Ich bin mir nicht sicher, ob es im Rahmen dieses neuen Vereins von Herrn Lohmann namens „Evangelium 21“ war, aber kürzlich las ich von einem Freak, der Menschen ihren christlichen Glauben absprach, wenn sie an Jesus und nicht an die Bibel glaubten. Zumindest argumentiert Lohmann ähnlich, wenn er

das Verständnis der Bibel als irrtumsloses Wort Gottes

zentral für „Evangelium 21“ nennt. Letztlich will man damit eine weitere christliche Sekte etablieren, die der liberalen Entwicklung auch in den protestantischen Freikirchen einen reaktionären Riegel vorschieben möchte. Das muss einen insofern nicht beunruhigen, da von derartigen Gruppierungen zumindest in Deutschland derzeit keine Gefahr ausgeht. Was man von ihren heimlichen Vorbildern hingegen ganz und gar nicht behaupten kann.

Advertisements

3 Antworten to “72 Jungfrauen in einer Sekunde”

  1. robert 20. August 2011 um 16:23 #

    betonung auf „in deutschland“ und „(noch)“. die amerikanische vorwahl fuer den republikanischen kandidaten wird wohl zwischen bachmann, palin und perry ausgetragen werden. die christlich-evangelikale komplettradikalisierung des landes von jefferson und madison bereitet mir nur marginal weniger sorgen als die vorstellung eines atomat bewaffneten iran.

  2. terminator 20. August 2011 um 19:03 #

    @ robert
    Du hast keine Ahnung was in den USA abgeht. Hauptsache „christlich-evangelikal“ in deinen Mund nehmen. Was ist mit Ron Paul, der Graswurzelbewegung, welche ja gerade wegen dem Börsensturz entstanden ist? Was ist mit den „Demokraten“, die keinen Deut besser sind, korrupt bis zum geht nicht mehr. Soll ich jetzt sagen, dass ich mir sorgen wegen der links-Liberalen in den USA mache? Was ist mit Obama, der bis jetzt noch keines seiner Hauptwahlversprechen eingelöst hat. Yes they can – no they can’t! Mach dir nur sorgen, du wirst schon Grund dazu haben.

  3. Gasti 22. August 2011 um 15:24 #

    Die Paradiesbeschreibungen sind falsch übersetzt worden. Es ist nicht nur von JungFRAUEN die Rede:
    In den koranischen Paradiesesbeschreibungen gibt es nicht nur die „großäugigen Jungfrauen“ (volkstümlich Huris genannt), deren Geschlecht im Koran übrigens ambivalent ist (arab. hur in Sure 52:20 und 56:22 kann männlich und weiblich sein), sondern auch Jünglinge, die den Paradiesesbewohnern gehören und ihnen Wein ausschenken: „Burschen, die sie [die Paradiesesbewohner] bedienen, (so vollkommen an Gestalt) als ob sie wohlverwahrte Perlen wären. Auf golddurchwirkten Ruhebetten liegen sie behaglich einander (gegenüber), während ewig junge Knaben die Runde unter ihnen machen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: