Warum ich kein Demokrat bin

21 Aug

Tissy Bruns versucht in einem langen Kommentar im „Tagesspiegel“ zu erklären, was momentan alles falsch läuft in einer Welt, die wahrlich „aus den Fugen“ geraten sei. Interessant am Artikel ist für mich dabei lediglich der letzte Abschnitt:

Denn Marktwirtschaft ist nicht mehr Marktwirtschaft, wenn der erpresserische Druck der Finanzakteure groß genug ist, ihre Risiken immer wieder bei den Steuerzahlern abzusichern. Und Demokratie ist nicht mehr Demokratie, wenn sie nicht mehr hält, was sie verspricht, nämlich eine gesellschaftliche Ordnung, in der die ganz normalen Leute über ihr Leben mitbestimmen und mitreden können.

Bei Lichte besehen ist der „erpresserische Druck der Finanzakteure“ gar keiner, denn hätten Politiker ihnen nicht das Geld der Steuerzahler gegeben, wäre gar nichts passiert, außer dass ein paar Banken den Bach runter gegangen wären, ganz so  – hier hat Frau Bruns recht – wie sich das in einer Marktwirtschaft gehört. Gut zugegeben, wären die Banken pleite gegangen hätte niemand mehr den Politikern Kredite gegeben, die sie angeblich brauchen, um die „Aufgaben des Staates“ zu finanzieren. Stellt sich bloß die Frage, wieso die immensen Steueraufkommen für den Staat eigentlich nie reichen.

Und die Demokratie? Eine Institution „in der die ganz normalen Leute über ihr Leben mitbestimmen und mitreden können“? – Komisch. Für mich ist die Demokratie stets eine Ordnung, in der andere Leute im Namen der „Mehrheit“ über mein Leben mitbestimmen und mitreden; eine Institution, in der im Namen der Mehrheit, eben jene Mehrheit allen anderen ihren Willen aufzwingt und sie zur Finanzierung ihrer Lieblingsprojekte heranzieht. Womit dann auch obige Frage beantwortet wäre, warum das Geld für den Staat nie reicht.

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8 Antworten to “Warum ich kein Demokrat bin”

  1. pedro luis 21. August 2011 um 12:16 #

    D’accord. Keine Macht für niemand.

  2. robert 21. August 2011 um 13:49 #

    nichts hinzuzufuegen, also: first ^^

  3. Andreas 21. August 2011 um 16:51 #

    >Stellt sich bloß die Frage, wieso die immensen Steueraufkommen für den Staat eigentlich nie reichen … Für mich ist die Demokratie stets eine Ordnung, in der andere Leute im Namen der „Mehrheit“ über mein Leben mitbestimmen und mitreden; eine Institution, in der im Namen der Mehrheit, eben jene Mehrheit allen anderen ihren Willen aufzwingt und sie zur Finanzierung ihrer Lieblingsprojekte heranzieht. Womit dann auch obige Frage beantwortet wäre, warum das Geld für den Staat nie reicht.

    „Eher legt ein Hund einen Wurstvorrat an, als dass ein Politiker spart.“
    (Reitzle)

  4. Karsten 25. August 2011 um 23:37 #

    Ich weiss nicht so recht, lieber Adrian. Die Bankenkrise war doch ein wenig krasser, als dass man sie einfach hätte überwinden können, indem man ‚ein paar Banken‘ pleiten gehen lässt. Hat man ja. Wir erinnern uns an Lehman Brothers. Keine Rettung. Danach war der Markt erstmal futsch, weil wenn niemand niemandem mehr vertraut, weil alle fürchten, dass der andere noch mehr Schrottpapiere gebunkert hat, dann gibt’s auch kein Angebot und keine Nachfrage mehr, und erst recht keine Kredite für die Realwirtschaft. Es sollte zur intellektuellen Aufrichtigkeit gehören, hier keine Weltverschwörung der ach so dummen Politiker an die Wand zu malen, die doch einfach mal so ‚ein paar Banken‘ hätten pleite gehen lassen sollen. Wenn Deine Ersparnisse dann im Arsch gewesen wären (Risiko! Risiko! Oder bunkerst Du das alles unter’m Kopfkissen, bis der nächste Lover es findet?), hättste schön blöd aus der Wäsche geschaut.

    Das mit der Demokratie kommt auch leicht verkürzt daher. Wenn das Deine Definition von Demokratie ist, dann bist Du wahrlich außerstande einen Unterschied zwischen der NS-Diktatur und dem System BRD zu erkennen. Die NS-Diktatur speiste sich ja auch aus Massenzustimmung. Frei nach Deinen Worten: „eine Institution, in der im Namen der Mehrheit (aka Volksgemeinschaft), eben jene Mehrheit (die Mehrheit der Volksgenossen) allen anderen ihren Willen aufzwingt (Schwule umbringen zum Beispiel) und sie zur Finanzierung (durch Massenenteignung unliebsamer Zeitgenossen wie Juden, Sozialdemokraten, Kommunisten und Schwule) ihrer Lieblingsprojekte (Rassische Säuberung des Deutschen Volkes) heranzieht.“

    Dass Demokratie im westlichen Sinne stets auch Schutz der Freiheitsrechte bedeutet, ebenso wie Rechtsstaat und Einklagbarkeit dieser Rechte, und eben nicht nur grenzenlose Pöbelherrschaft – das lernt man eigentlich schon in der Schule. Gut, Du kommst bekanntlich aus dem Osten. Aber auch dort sind ja seit 20 Jahren (davor auch schon, vorausgesetzt Du bist kein Dresdner) Mittel und Wege vorhanden, sich derartiges politisches Grundwissen anzueignen.

    Also, bei aller Polemik, bitte, bitte, stell Dich nicht dümmer als Du bist!

  5. Adrian 27. August 2011 um 12:00 #

    @ Karsten
    „Wenn das Deine Definition von Demokratie ist, dann bist Du wahrlich außerstande einen Unterschied zwischen der NS-Diktatur und dem System BRD zu erkennen.“

    Nö, bin ich nicht. Denn die BRD ist ja nicht nur Demokratie. Sondern eben das, was Du als „Demokratie im westlichen Sinne“ bezeichnest.

    „Also, bei aller Polemik, bitte, bitte, stell Dich nicht dümmer als Du bist!“

    Das tue ich doch gar nicht. Ich habe nur dargelegt, was ich mit dem Wort „Demokratie“ unter den Bedingungen der BRD verbinde. Du magst das als polemisch und dumm empfinden, ich empfinde es als real.

  6. Karsten 28. August 2011 um 21:58 #

    Aha. Und wer in diesem Land und im Westen redet von Demokratie und meint damit eine Pöbelherrschaft im nicht-westlichen Sinne?

  7. Adrian 28. August 2011 um 22:42 #

    @ Karsten

    Die Linke?

  8. subcomandante marcus 29. August 2012 um 22:27 #

    so sehr interessieren die mich nicht dass ich da immer auf dem laufenden bin, aber „Pöbelherrschaft“ verbinde ich eher mit „Den Rechten“.

    fördert „Die LInke“ etwa insgeheim deppen-thinktanks um die pöbelherrschaft voranzutreiben? ich glaub du siehst da gespenster.

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