Bereit zum Entern – mit Papas Schiff

17 Sep

Der Berliner Wahlkampf hat sich ein wenig anders entwickelt, als vermutet. Während die Grünen trotz des breiten Wählerpotentials der Hauptstadt eher dahindümpeln, macht sich eine andere Partei daran, die Berliner Landespolitik aufzumischen: die Piraten. In den Medien und von nicht wenigen Wählern werden sie ganz offensichtlich als frische, junge Alternative zu den etablierten Parteien betrachtet. Was an den Piraten aber eine Alternatiuve sein soll, bleibt fraglich, denn beim näheren Hinsehen, sind sie genau wie alle anderen Parteien der Bundesrepublik: sozialdemokratisch, grün, staatsgläubig.

Jawohl staatsgläubig. Denn obwohl die Piraten sich gerne mit dem Gestus des Revoluzzers schmücken, der gegen die repressive Autorität des Staates vorgeht, wenn es um Dinge wie Schwarzfahren im Nahverkehr, Drogenpolitik, Kameras im öffentlichen Raum und Kennzeichnungspflicht für Polizisten geht, sehen sie sich gleichzeitig nach den warmen Armen von Papa Staat.

Christoph Spielberger bringt das bei der „Achse des Guten“ auf den Punkt:

Ganz ohne Misstrauen sind die Piraten dagegen, wenn es um staatliche Zuwendungen geht. Denn hier hat der Staat für sie eine natürliche Bringschuld. Und diese Liste ist lang: Kostenlose Kindergarten und Schule einschließlich aller Lehrmittel, kostenloses Schulessen und- Obst, kostenlose Universität, natürlich ohne Regelstudienzeit, kostenloser Nahverkehr, kostenlose Bibliotheken, freier Zugang zu allen Medien, Daten, Archiven und Forschungsergebnissen. Und für jeden noch das bedingungsloses Grundeinkommen oben drauf, und natürlich freies Internet für alle. Selbst den Strom für die „unabhängigen“, privaten Freifunknetze, für das Herzstück der Piratenrevolution, soll noch der Staat bezahlen.

Summa summarum zeigt sich hier ein Weltbild, das zwar beständig gegen den Staat rebellieren, auf staatliche Fürsorge aber dennoch nicht verzichten will, weil Freiheit zwar geil ist, aber das nur, solange man selbst keine Verantwortung für sein Leben übernehmen muss:

Mit der Trotzigkeit von Pubertierenden sagen die Piraten: gebt uns, was uns zusteht, und lasst und ansonsten in Frieden, denn wir haben die Mittel, es uns auch so zu nehmen.

Die perfekte Partei für Berlin.

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3 Antworten to “Bereit zum Entern – mit Papas Schiff”

  1. Christian 17. September 2011 um 13:42 #

    Die Wunschliste ist ordentlich, auf der anderen Seite sehe ich nicht wo die Piraten denn bitte rebellieren.

    Die Freheit statt Angst Demo ist ja nun eher kein Anlass an dem regelmäßig zum Umsturz aufgerufen wird.

    Es sei denn die Antifa, die Linke (sehr ironisch) oder andere rote Socken geben ungefragt ihren Standartsenf dort ab.

    Papa Staat soll halt weniger Geld in ineffektive und sinnbefreite Kontrollmechanismen stecken und mehr Geld verschenken.

    joa mei könnte schlimmer sein, ich denke selbst die Piraten wären für den anfang schon mit dem ersten Teil zufrieden.

  2. robert 17. September 2011 um 16:38 #

    sucht euch mal bei youtube die interviews mit deren „spitzenkandidaten“ raus. so viel ahnungslosigkeit tut hoffentlich nicht nur mir weh.

  3. Alreech 17. September 2011 um 18:48 #

    jepp, ein Haufen Bonzenkinder das weiterhin dafür ist das Vater Staat alles bezahlt. Kein Unterschied zu den sonstigen jungen Linken, die meist auch auf Kosten von Papa Staat leben und studieren.

    Allerdings ist die Kritik auf der Achse des Gute auch nicht ganz richtig:

    —Zitat—-
    Ein guter Teil des Wahlprogramms ist für diese Klientel geschrieben. Zum Beispiel die Straffreiheit für Netzanbieter bezüglich der Netzinhalte. Soll heißen, alles, was im Netz steht, von Nazipropaganda bis Kinderporno, steht nicht in der Verantwortung der Netzbetreiber.
    ———-

    Straffreiheit für Netzbetreiber bezieht sich IMHO auf die Provider.
    Die Post wird ja auch nicht bestraft, wenn Nazis in Briefen Aufkleber mit Rassistischen Parolen verschicken, die Telekom wird auch nicht bestraft wenn jemand per Telefon eine sexuelle Belästigung verübt.

    Allerdings sind die meisten Provider auch Hoster, d.h. sie bieten Server- oder Webseitenhosting an. Was passiert wenn nun auf diesen Webseiten oder Servern Kinderpornos oder Nazipropaganda liegen ?
    Die meisten Provider – egal ob in Deutschland, der EU oder der USA – nehmen solche Webseiten schnell von ihren Servern und melden die Betreiber den Behörden, wenn man sie darauf hinweist.
    http://ak-zensur.de/2009/05/loeschen-funktioniert.html#more

    Ein Problem sind dabei unterschiedliche Vorstellungen von Freedom of Speech.
    In den USA können z.B. Nazis Webseiten hosten die den Holocaust leugnen, oder Sexseiten können fiktive Kinderpornographie ( Texte, Zeichentrickfilme, gezeichnete Bilder ) posten.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lolicon#Andere_L.C3.A4nder
    Beides ist in Deutschland verboten.
    Reale Kinderpornographie wird allerdings auch in den USA ruck-zuck gelöscht.

    Man kann als Liberaler vieles an den Piraten kritisieren, ihre Haltung zum Thema Kinderporno oder Netzsperren sicherlich nicht.

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