Sexistische Piraten

21 Sep

In unserer frauenfixierten, feministischen Kultur gehört nicht viel dazu um als frauenfeindlich zu gelten. Das müssen nun auch die Piraten erfahren, die nach ihrem Wahlerfolg in Berlin, unter verschärfte Beobachtung der Presse geraten. So schreibt etwa der „Spiegel“:

Der Berlin-Erfolg der Piraten offenbart zugleich ein Problem: Es gibt kaum Frauen in der ersten Reihe der Partei. Wenn Piratinnen deswegen mit Meuterei drohen, werden sie abgewatscht. Der Männerüberschuss geht schon in Ordnung, finden die Chef-Nerds. Die neue Avantgarde – ein Machoverein?

Ah ja…Frauenfeindlich ist eine Partei dann, wenn sich in ihr mehr Männer als Frauen engagieren. Verstanden?

[Spitzenkandidat] Baums Begründung, warum unter den 15 Abgeordneten seiner Fraktion nur eine Piratin ist: „Die Frauen wollen halt nicht so in der ersten Reihe stehen, da muss man dann ja manchmal vor hundert oder tausend Leuten sprechen.“ Sätze, die sich heutzutage nicht einmal ein Unionspolitiker in der tiefsten westdeutschen Provinz erlauben würde.

Ah ja…Frauenfeindlich ist eine Partei dann, wenn ein Mann es wagt darauf hinzuweisen, dass sich in ihr mehr Männer als Frauen engagieren. Verstanden?

Für die Piraten ist die Frauenquote jedoch undenkbar. Eine Quote klingt für sie nach Verordnung, das darf in einer basisdemokratischen Partei ihres Typs nicht sein. Weil die Piraten allerdings dennoch das Ziel haben, den Querschnitt der Gesellschaft zu vertreten, haben sie da ein Problem. Und das wird die Partei nicht los, indem sie ihre altbackene Rhetorik pflegt.

Ah ja…Frauenfeindlich ist eine Partei dann, wenn sie nicht bereit ist, auf Grund der Tatsache, dass sich in ihr mehr Männer als Frauen engagieren, eine Quote einzuführen. Verstanden?

„Wenn die Piraten keine Quote wollen, stehen sie in der Pflicht, sich etwas besseres einfallen zu lassen“, sagt etwa die feministische Publizistin Antje Schrupp, die seit Jahren ein Auge auf die Partei hat.

Ah ja…Frauenfeindlich ist eine Partei dann, wenn sie nicht der feministischen Forderung zustimmt, dass wenn sie schon keine Quote will, sich etwas besseres als die Quote einfallen zu lassen, und das trotz der Tatsache, dass sich in ihr mehr Männer als Frauen engagieren. Verstanden?

Aber natürlich. Wir haben verstanden! Alles andere wäre ja auch voll frauenfeindlich.

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33 Antworten to “Sexistische Piraten”

  1. Julian 21. September 2011 um 21:41 #

    „In unserer frauenfixierten, feministischen Kultur…“

    Tut mir Leid, aber dass ausgerechnet ein schwuler Mann, der sich anscheinend – sowohl romantisch als auch platonisch – sowieso nur für Männer interessiert, das zu beurteilen versucht, ist einfach zu komisch.

  2. Adrian 21. September 2011 um 21:45 #

    @ Julian
    Tut mir leid, das verstehe ich nicht.

  3. Julian 21. September 2011 um 22:04 #

    So schwer ist das jetzt aber nicht, oder? Aber gut, anders ausgedrückt: Der Mensch sieht immer nur das (für ihn) Schlechtere.

  4. Adrian 21. September 2011 um 22:10 #

    Und wer sieht hier wen als schlechter an?

  5. Julian 21. September 2011 um 22:32 #

    Du Frauen?

    Ach ne, das willst du ja bloß hören. Stell dich doch nicht dumm. Du weißt genau, was ich meine.

  6. Adrian 21. September 2011 um 22:38 #

    Ich habe geschrieben, dass wir in einer frauenfixierten, feministischen Kultur leben würden, in der es tatsächlich als frauenfeindlich interpretiert wird, wenn Frauen sich nicht so sehr in einer Partei engagieren, wie Männer.
    Wie Du jetzt darauf kommst, ich würde Frauen schlechter finden (als Menschen? im Bett?) bleibt Dein Geheimnis.

  7. CK 21. September 2011 um 23:15 #

    Zu suggerieren, dass Frauen nicht so gerne vor einem grösseren Publikum sprechen (vmtl. Angst haben davor), sehe ich schon als recht unglückliche Aussage an. Stell Dir vor, jemand würde schreiben, Homosexuelle reden nicht so gerne vor grösserem Publikum.

  8. Julian 21. September 2011 um 23:35 #

    Vielleicht gehts ja so besser: Als naturbedingt (!) negativ-denkender Mensch und gleichzeitig schwuler Mann fallen dir die ganzen Frauen und der ganze Feminismus eher auf als Männer.

    Wie du behaupten kannst, dass ich behaupte, du würdest Frauen generell schlechter finden, bleibt Dein Geheimnis. Gerade wenn ich noch extra darauf hinweise, dass es ja genau das ist, was du hören willst.

    Und überhaupt: Im obig zitierten Artikel lese ich nicht einmal das Wort „frauenfeindlich“.

  9. Adrian 21. September 2011 um 23:37 #

    @ CK
    So wie ich das sehe, hat Herr Baum nur eine Begründung zu finden versucht, warum es nur eine Frau in seiner Fraktion gibt. Klar, die Bemerkung kann man als unglücklich betrachten, aber rechtfertigt das einen Aufschrei über den angeblichen Sexismus der Piraten?

  10. Julian 21. September 2011 um 23:42 #

    Und um weiteren Missverständnissen vorzubeugen: Mit „naturbedingt“ meine ich, dass jeder Mensch generell eher das negative als das positive sieht. Evolution oder so.

    @CK
    Zu suggerieren, dass Frauen nicht so gerne vor einem grösseren Publikum sprechen IST sexistisch und somit frauenfeindlich. Aber Adrian würde dem nicht zustimmen, sonst wäre ja der ganze Beitrag im Eimer XD

  11. Adrian 21. September 2011 um 23:45 #

    @ Julian
    „Als naturbedingt (!) negativ-denkender Mensch und gleichzeitig schwuler Mann fallen dir die ganzen Frauen und der ganze Feminismus eher auf als Männer.“

    Zunächst einmal bin ich kein negativ denkender Mensch. Aber sagen wir mal so: Als schwuler Mann, der es nicht nötig hat, um Frauen zu werben und der nicht darauf achten muss ihnen zu gefallen, fallen mir gesellschaftliche Privilegien der Frauen im Besonderen und die gesellschaftliche Bevorzugung des Weiblichen im Allgemeinen eher auf als heterosexuellen Männern.

    „Wie du behaupten kannst, dass ich behaupte, du würdest Frauen generell schlechter finden, bleibt Dein Geheimnis.“

    Dein Zitat: „Der Mensch sieht immer nur das (für ihn) Schlechtere.“

    Und überhaupt: Im obig zitierten Artikel lese ich nicht einmal das Wort „frauenfeindlich“.

    Dann solltest Du mal auf den Link zum Artikel klicken.

  12. Julian 22. September 2011 um 00:03 #

    „Als schwuler Mann, der es nicht nötig hat, um Frauen zu werben und der nicht darauf achten muss ihnen zu gefallen, fallen mir gesellschaftliche Privilegien der Frauen im Besonderen und die gesellschaftliche Bevorzugung des Weiblichen im Allgemeinen eher auf als heterosexuellen Männern.“

    Dann sind wir ja schon mal nen Schritt weiter, denn genau darauf wollte ich hinaus.

    Jetzt müssen wir nur noch soweit kommen, das du zugibst absolut zu übertreiben, wenn du sagst, dass „Frauen im Besonderen“ und das „Weiblichen im Allgemeinen“ bevorzugt werden.

    Das fiese ist nämlich, dass der Mensch nicht nur eher das schlechtere als das positivere sieht, er geht auch noch soweit, das schlechtere schlechter zu sehen, als es tatsächlich ist.

    „Dein Zitat: „Der Mensch sieht immer nur das (für ihn) Schlechtere.““

    „Schlechter“ bezieht sich nicht auf Frauen, sondern auf deine negative Bewertung von Feminismus und der angeblich so frauenfixierten Kultur.

    „Dann solltest Du mal auf den Link zum Artikel klicken.“

    Ich nehm’s – peinlich berührt – zurück. Man sollte erst gucken, dann nochmal drüber lesen und zum Schluss posten 😉

  13. Adrian 22. September 2011 um 00:13 #

    „Jetzt müssen wir nur noch soweit kommen, das du zugibst absolut zu übertreiben, wenn du sagst, dass „Frauen im Besonderen“ und das „Weiblichen im Allgemeinen“ bevorzugt werden.“

    Nein, das gebe ich nicht zu. Und ich kann Dir auch gerne die Gründe für diese meine Ansicht darlegen.

  14. Julian 22. September 2011 um 00:33 #

    Ich bin gespannt!

  15. Adrian 22. September 2011 um 01:02 #

    – höhere Lebenserwartung. Bei allen anderen gesellschaftlichen Gruppen würde das klar als gesellschaftliche Privilegierung gewertet werden. Hier merkwürdigerweise nicht.

    – niedrigere Suizidraten bei gleichzeitig besseren Präventionsangeboten

    – allgemein bessere Gesundheitsvorsorge

    – geringere Obdachlosenzahlen

    – Wehrpflicht einschließlich Zivildienste und Kriegsdienst allgemein fast ausschließlich für Männer verpflichtend

    – Bevorzugung im Bildungswesen

    – bevorzugendes Opferrolle bei Gewaltdelikten im Allgemeinen und bei häuslicher Gewalt im Besonderen

    – Bevorzugung beim Scheidungs- und Sorgerecht

    – Illegalität von Vaterschaftstests und die Nichtexistenz von einem Vaterschaftsverweigerungsrecht

    – Frauenquoten und einseitige Fördermaßnahmen („Girls Day“ vs. „Boys Day“)

    Das sind einige „harte“ Faktoren, die sich durch Fakten belegen lassen. Dazu kommen „weiche“ Faktoren, die sich durchaus subjektiv deuten lassen:

    – die Tatsache, dass Frauen Männer für sich arbeiten lassen können und dennoch den gesellschaftlichen Status des Partners erhalten

    – Frauen können wählen zwischen Vollzeit, Teilzeit, Hausarbeit, Männer in der Regel zwischen Vollzeit und Arbeitslosigkeit

    – höhere Konsumausgaben der Frau bei gleichzeitig geringerem eigenen Einkommen (Frauen bekommen mehr Geschenke, geben auch das Geld des Partners aus – man schaue sich bspw. nur einmal in einem Warenhaus um, wieviel des Angebots für Frauen und wieviel für Männer reserviert ist)

    – das Männerbild in den Medien, der Werbung und in der Geschlechterforschung, das ziemlich negativ und destruktiv ist (der Mann als Zerstörer, Unglücksbringer, Minderbemittelter, biologischer Abfall, als Trottel, Depp und Weichei)

    – Höflichkeitsregeln in Bezug auf Frauen, die umgekehrt nicht gelten (Mädchen schlägt man nicht, Frauen unterbricht man nicht, man hält ihnen die Tür auf und behandelt sie grundsätzlich mit größerer Aufmerksamkeit, als es umgekehrt verlangt wird)

    Mehr fällt mir erst mal nicht ein.

  16. Goofos 22. September 2011 um 02:48 #

    @Julian
    „Dann sind wir ja schon mal nen Schritt weiter, denn genau darauf wollte ich hinaus.

    Was soll das bedeuten? Nur weil heterosexuellen Männern die gesellschaftliche Bevorzugung des Weiblichen im Allgemeinen eher nicht auffällt, gibt es diese Bevorzugung nicht?

    Das ist schon eine reichlich komische Diskussion die du unbedingt führen willst.

    Absoluter Höhepunkt besteht darin jemanden, der die gesellschaftliche Bevorzugung des Weiblichen im Allgemeinen eher auffällt, zu einer Aussage zu pressen, er würde damit übertreiben, nur weil es heterosexuellen Männern nicht auffällt. PC lässt grüßen.

    Das Komische daran ist dann aber auch, wenn heterosexuellen Männern keine Bevorzugung des Weiblichen auffallen möchte, Zweifel daran schützend eine Übertreibung genannt werden und man den Gedanken einer Bevorzugung erst gar nicht aufkommen lassen möchte, ist das irgendwie schon ein Beweis für eine Bevorzugung des Weiblichen.

  17. Matze 22. September 2011 um 10:31 #

    Frauenfixierte und feministische Kultur? WTF!? Hab ich was verpasst, sind wir schon im 22. Jahrhundert? Wenn mit frauenfixiert, dass Degradieren zu (Sex)Objekten gemeint ist, dann auf jeden Fall.
    Wo wir hier eine feministische Kultur haben, ist mir echt zweifelhaft.
    Kommt der Schreiberling aus Deutschland oder aus einem mir noch unbekannten Zwergstaat?
    Wenn in einem Land wie dem unseren Frauen im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer verdienen und bei gleicher Qualifikation und gleicher Tätigkeit es immer noch acht Prozent sind, wenn es zu Überlegungen zu einer Frauenqoute kommen muß (was ja schonmal Progress ist), wenn Frauen sich fast prinzipiell bei Vergewaltigungsklagen erst einmal anhören dürfen, dass sie lügen, diffamieren, es eigentlich doch auch wollten, erpressen wollen,wenn nach einer Dunkelfeldstudie des Bundesfrauenministeriums jede siebte Frau seit ihrem 16. Lebensjahr Opfer einer Vergewaltigung oder einer schweren sexuellen Nötigung wurde und nur jede zwölfte dies anzeigt, wenn Frauen immer noch als Backofen, Putzen, „Schlampen“, „Huren“ , dümmere Männer mit anderem (zu erobernden) Körper sind, wenn Frauen zu Sklaven der Mode und „Schönheitsindustrie“ erzogen werden, DANN frag ich mich verdammt nochmal wo wir hier in einer feministischen Gesellschaft leben.

    Solche ignoranten selbst und schwanzbezogenen Artikel bringen mich zum Kotzen und zum Fremdschämen.

    Und nun zu der schönen Aufzählung von „Tatsachen“ die beweisen sollen, dass es Frauen viel besser geht:

    „- höhere Lebenserwartung. Bei allen anderen gesellschaftlichen Gruppen würde das klar als gesellschaftliche Privilegierung gewertet werden. Hier merkwürdigerweise nicht.“

    Wie kann und soll Frau sich auch so schön selbst zerstören, wenn sie zu einem Leben hinter dem Herd und auf dem Spielplatz erzogen wurde. Der Hedonismus des Mannes wird wenigen frauen zuteil, weswegen sie auch mehr Lebensjahre „schaffen“.

    „- niedrigere Suizidraten bei gleichzeitig besseren Präventionsangeboten“

    Wenn sie nur könnten, dann würden sie auch. Frauen haben aber meistens Kinder für die sie sich verantwortlich fühlen. Mann kann sich da weitaus leichter aus der Affäre ziehen, er hat ja weniger Bezug zu Kind und Familie als ewiger Cowboy und James Dean.

    „- allgemein bessere Gesundheitsvorsorge“

    Wohl eher umfassender und weitreichender, da Frauen einen anderen Körper mit komplexeren und „gefährlicheren“ Abläufen haben (Monatsblutung, Uterus und Co.)
    Mann ist sich ja oft zu fein und zu stark für den Arztbesuch > weniger Angebote.

    „- geringere Obdachlosenzahlen“

    Viele Frauen schämen sich zu sehr, würden den Obdachlosenstatus niemals öffentlich kundtun wie es viele Männer tun. Dass heißt: sie werden oft gar nicht erst erfasst.

    „- Wehrpflicht einschließlich Zivildienste und Kriegsdienst allgemein fast ausschließlich für Männer verpflichtend“

    Zweischneidiges Schwert: Was, wenn Frauen dies jahrelang wollten, wenn sie dem Bund beitreten wollten? Fail! Wahrecht verweigert.
    Mann konnte wenigstens in den Zividienst ausweichen oder sich wegen verschiedensten moralischen Ansichten befreien lassen. Frau wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen, die Waffen dem Mann, die Macht dem Mann!

    „- Bevorzugung im Bildungswesen“

    Schwacher Punkt! Ich kenne mich dank meines Jobs hervorragend im Bildungswesen aus. Frauen werden dazu erzogen, still zu sitzen, zuzuhören und am Unterricht aktiv teilzunehmen. Männer/Jungen haben mehr Freiheiten, ihnen wird mehr durchgelassen. Sie dürfen/sollen agressiver spielen, sollen hart werden, in naturwissenschaftlichen Fächern und Sport genial sein, die „feinen“ Künste sind nur schmückendes Beiwerk. Wozu das alles führt ist doch klar! Unaufmerksame, rüpelhafte Fachidioten mit einem Minimum an Empathie die sich wundern, dass die stille Julia bessere Noten hat und weniger Verweise.
    Ach stimmt ja! Testosteron! Das ist das was den Weibern fehlt!!! Wie unfair! Ich will mehr Verständnis für mein Arschlochverhalten. Weg mit der Unterdrückung durch Frauen!

    Leider sieht es mein Tagesplan nicht vor noch ewig weiter zu tippen. Ich mache Halbzeit und werde die restlichen „Tatsachen“ dann dermaßen auseinanderpflücken, dass ich hier entweder gebannt, ausgelacht, verstanden oder als Verräter am Schwanze gebrandtmarkt werde.

    Bis später.

    PS:
    „- die Tatsache, dass Frauen Männer für sich arbeiten lassen können und dennoch den gesellschaftlichen Status des Partners erhalten“
    <<<<<<<<<<Auf welchem Kleber sind Sie hängen geblieben? Sie müssen wirklich viel Lösungsmittel inhaliert haben um so einen widerlichen Lügenauswurf zu produzieren!

  18. Christian 22. September 2011 um 12:01 #

    Tja Goodwins Law hat wieder zugeschlagen
    Und das ganz ohne Hitler.

    Ich würde aber viel lieber über die Piraten reden als das nächste Opferpokalbattle zwischen Männern und Frauen zu lesen.

    Ich hab den Artikel auf SPON nämlich auch als ziemlich dreißt empfunden.
    Warum sollte das Geschlecht wichtiger sein als das interne Abstimmungsergebnis einer Partei bei der Postenvergabe?

    Warum werden Frauen automatisch diskriminiert weil man sich mit der Geschlechterfrage schlicht nicht auseinandersetzen will? (Stichwort Postgender)

    Und warum ist die Piratenpartei latent Frauenfeindlich weil sie einen wesentlich ungeschliffeneren Umgangston an den Tag legt als andere Parteien sowohl intern als extern?

    Die Fragen sind nebenbei rhetorisch.

  19. Alreech 22. September 2011 um 15:08 #

    Zur Not müssen die Piraten eben die Frauenquote einführen und die entsprechenden Listenplätzen mit unabhängigen, Parteifremden Frauen besetzen.

    Viele Frauen engagieren sich gegen Kinderpornos und Killerspiele und finden z.B. Ursula von der Leyens Ansatz der Netzsperren gut um den ganzen Schund und Schmutz aus dem Netz zu bringen. (siehe entsprechende Threads im Emma-Forum)
    Solche Frauen könnte z.B. die Listenplätze der Piraten besetzen, wenn es keine anderen Frauen gibt die sich engagieren wollen.
    Hier ist eine gesetzliche Regelung zur Frauenqoute sicherlich denkbar… 😉

  20. Andreas 22. September 2011 um 16:48 #

    Die Piraten muessen eben so und so viele Maenner ausschliessen, dass die Frauenquote passt. In der Not sind auch aussergewoehnliche Massnahmen gerechtfertigt.

  21. pedro luis 22. September 2011 um 23:28 #

    @matze

    Du hast echt einen Knall!

  22. Matze 23. September 2011 um 17:28 #

    @ pedro luis

    Da hast Du recht! Wenn ich mir so viel Mühe mache einen ellenlangen sinnvollen Text mit Fakten und Tatsachen zu schreiben, auf den dann höchstens ignorante, sexistische und relativierende Dauerverteidiger reagieren, dann muß ich wohl echt zugeben, dass ich nen Knall habe.
    Ich hoffe, ihr sterbt bald alles aus, vllt. ist dann ja eine humane Gesellschaft machbar.

  23. Simon 23. September 2011 um 21:40 #

    @Matze
    „Zweischneidiges Schwert: Was, wenn Frauen dies jahrelang wollten, wenn sie dem Bund beitreten wollten? Fail! Wahrecht verweigert.
    Mann konnte wenigstens in den Zividienst ausweichen oder sich wegen verschiedensten moralischen Ansichten befreien lassen. Frau wurde gar nicht erst in Erwägung gezogen, die Waffen dem Mann, die Macht dem Mann!“

    Au weia…

    Außer bei der Scheidung wird die Privilegierung von Frauen nirgends so klar wie bei der Wehrpflicht.

    Dass Frauen bis 2001 nicht dienen durften, war 99% der Frauen aber dass sie nicht mussten 99% sehr recht! Die meisten Männer können dem Soldatenleben ja schon nichts abgewinnen, schau dir die Nachwuchsprobleme der Bundeswehr an, und noch sehr viel mehr trifft das auf Frauen zu.

    Ab 2001 bis zur Abschaffung der Wehrpflicht 2011, also satte 10 Jahre, genossen Frauen dann sogar das Vorrecht zu dürfen (mit geringeren Anforderungen!) aber nicht zu müssen, freilich, ohne dass irgendjemand in der Politik diesen Verstoß gegen die Gleichberechtigung überhaupt nur einmal thematisiert hätte – und das während schon eifrig über staatlich verordnete Frauenquoten in Aufsichtsräten privater Unternehmen diskutiert wurde.

    So, Matze, Adrian gleitet mit seinen selbstgestrickten Theorien sicher öfters mal aufs Stammtisch-Niveau ab, aber hier muss ich ihm völlig recht geben, Frauen sind in Deutschland privilegiert, das ist einfach eine Tatsache.

    Der Rest deines Beitrags ist so ein Unsinn („Frauen geben aus Scham nicht an, obdachlos zu sein“), dass ich mir spare, darauf einzugehen.

  24. Julian 23. September 2011 um 22:49 #

    Tja, so ist das halt mit euch Anti-Feministen oder Maskulisten oder in welcher Schublade ihr euch selber am besten repräsentiert seht: Nur Symptome eines viel größeren weitreichenderen Problems nennen können und wenn sich dann mal jemand anbiedert näher damit auseinanderzusetzen, wirds entweder ignoriert oder ins Lächerliche gezogen.

    Dazu kommt noch, dass man sich selber – wie ich ja schon gesagt hab – immer am schlechtesten sieht: Eigene Privilegien werden entweder auch einfach ignoriert oder sogar noch so dargestellt, dass sie für sich selber total nachteilig sind.

    Bestes Beispiel dafür folgender Punkt:

    „- die Tatsache, dass Frauen Männer für sich arbeiten lassen können und dennoch den gesellschaftlichen Status des Partners erhalten“

    Hier wird eine Ungerechtigkeit, der Frauen ausgeliefert sind, als großer Vorteil für diese dargestellt. Es wird nur gesehen, dass Männer mehr arbeiten, während komplett außer Acht gelassen wird, dass diese – auch bei gleicher Position – immer noch viel mehr verdienen als Frauen. Dabei ist es doch gerade diese Tatsache, die dafür verantwortlich ist, dass ein Heteropärchen im Zweifelsfall (z.B. Baby) viel eher dazu tendiert, dass der Mann (in Vollzeit) und die Frau gar nicht bzw. nur in Teilzeit arbeitet.

    Damit hätten wir auch gleich einen weiteren Punkt abgehakt:

    „- Frauen können wählen zwischen Vollzeit, Teilzeit, Hausarbeit, Männer in der Regel zwischen Vollzeit und Arbeitslosigkeit“

    Sie „können“ nicht wählen, sie werden viel eher indirekt dazu gezwungen. Bei Männern mit der Vollzeit logischerweise genauso. Und noch was: Arbeitslose Frauen gibt es nicht? Da hab ich andere Informationen.

    http://www.bmfsfj.de/Publikationen/genderreport/2-Erwerbstaetigkeit-arbeitsmarktintegration-von-frauen-und-maenner/2-10-arbeitslosigkeit-bei-frauen-und-maennern.html

    Gleiche Löhne und ne Frauenquote würden dabei helfen diese Probleme zu beheben. Das ist keine gewagte Hypothese, wenn man einfach mal guckt, wie gut es in Skandinavien funktioniert.

    Es würde ne Zeit brauchen, weil es halt auch immer etwas mit Gewohnheiten und Traditionen in einem Land zutun hab. Aber es ändert sich nichts durch Nichtstun.
    __________________

    So in etwas sehe das bei all den von Adrian genannten Punkten aus (s. Matze), weil einfach immer dasselbe Muster verfolgt wird: Es werden nur oberflächliche Symptome genannt (die dazu auch noch unglaublich einseitig bewertet werden) ohne das tieferliegende / tatsächliche Problem zu nennen / erkennen.

    Dazu kommt aber noch etwas fast viel Wichtigeres:

    Sexismus ist ein universelles Problem, dass sich in allen Bereichen des Lebens äußert. Es kommt immer von beiden Seiten, wird durch Männer UND Frauen bewusst oder unbewusst aufrechterhalten oder gefördert.

    Ist es wirklich so schwer das zu begreifen oder begreifen zu wollen?

    Und ja, es ist sexistisch, wenn man meint,
    – der Frau generell die Tür aufhalten zu müssen
    – seiner Nichte mehr Geschenke zu machen als seinem Neffen
    – Männer müssten, im Gegensatz zur Frau, einen Pflichtdienst ableisten
    – man brauche einen Girls- aber keinen Boys-Day

    Es geht halt nicht, wie immer wieder albern behauptet wird, um Frauenbevorzugung oder Männerhass. Es geht um (Chancen-)Gleichstellung.

    Aber mit Gerechtigkeit scheint ihr ja sowieso so eure Probleme zu haben.

  25. Adrian 23. September 2011 um 23:54 #

    @ Julian
    „Hier wird eine Ungerechtigkeit, der Frauen ausgeliefert sind, als großer Vorteil für diese dargestellt. Es wird nur gesehen, dass Männer mehr arbeiten, während komplett außer Acht gelassen wird, dass diese – auch bei gleicher Position – immer noch viel mehr verdienen als Frauen.“

    Erstens war überhaupt nicht die Rede davon, dass Männer mehr arbeiten, sondern davon, dass Frauen Männer für sich arbeiten lassen können. Das Umgekehrte ist sozial inakzeptabel.

    Zweitens verdienen Männer in gleicher Position nicht mehr als Frauen. Das ist in unserem Tarifwesen undenkbar und schon rein marktwirtschaftlich völlig unlogisch.

    Drittens verstehe ich nicht, wieso es für Frauen ungerecht sein soll, wenn es sozial akzeptabel ist, dass jemand sie mitversorgt. Ich halte das für ein großes Privileg.

    „Und ja, es ist sexistisch, wenn man meint,
    – der Frau generell die Tür aufhalten zu müssen
    – seiner Nichte mehr Geschenke zu machen als seinem Neffen
    – Männer müssten, im Gegensatz zur Frau, einen Pflichtdienst ableisten
    – man brauche einen Girls- aber keinen Boys-Day“

    Eben. Als das ist sexistisch – gegenüber Männern. Was meine These, dass Frauen privilegiert sind, ja nur bestätigt und nicht widerlegt.

    „Aber mit Gerechtigkeit scheint ihr ja sowieso so eure Probleme zu haben.“

    Nur weil Du etwas ungerecht findest, heißt es noch lange nicht, dass ich es auch ungerecht finden muss.

  26. Julian 24. September 2011 um 02:04 #

    „Erstens war überhaupt nicht die Rede davon, dass Männer mehr arbeiten, sondern davon, dass Frauen Männer für sich arbeiten lassen können. Das Umgekehrte ist sozial inakzeptabel.“

    Grund für die „soziale Inakzeptabilität“ ist übrigens neben der bestehenden Tradition (mit freundlicher Unterstützung des Staates, der weder für Quoten noch für gleiche Gehälter sorgt) das festgefahrene Männlichkeitsbild, dass in der Gesellschaft vorherrscht und dass du ja als so „verweichlicht und schwach“ wahrnimmst. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Ein Mann muss stark und rational sein, auf keinen Fall schwach und emotional. Deswegen eignet er sich besser als Versorger als als Hausmann und Erzieher.

    „Zweitens verdienen Männer in gleicher Position nicht mehr als Frauen. Das ist in unserem Tarifwesen undenkbar und schon rein marktwirtschaftlich völlig unlogisch.“

    Ich hab mich missverständlich ausgedrückt. Was ich meine ist, dass Frauen bei gleichen Voraussetzungen (Qualifikation, Berufserfahrung etc.) weniger verdienen.

    „Drittens verstehe ich nicht, wieso es für Frauen ungerecht sein soll, wenn es sozial akzeptabel ist, dass jemand sie mitversorgt. Ich halte das für ein großes Privileg.“

    Meinst du die Frage wirklich ernst?

    Es ist ungerecht, weil es den Mann als besseren, fähigeren Arbeiter oder Versorger darstellt und gleichzeitig die Möglichkeiten der Frauen einschränkt / untergräbt, sich allein zu versorgen / versorgen zu können bzw. den Mann mitzuversorgen! Durch dieses „Privileg“ wird die Frau in die Rolle der Hausfrau gedrängt.

    Außerdem ist es nicht nur „sozial akzeptabel“, sondern – wie bereits ganz oben geschrieben – vom Staat gefördert, wenn er nicht mal für gleiche Chancen (Quote, Gehalt) sorgt.

    Nochmal:

    Männer verdienen nicht nur im Durchschnitt mehr als Frauen sondern auch bei gleichen Voraussetzungen. Männer werden „lediglich“ durch soziale Sanktionen daran gehindert, Hausmann zu werden und sich so von der Frau mitversorgen zu lassen. Frauen dagegen können die Gehaltsunterschiede von sich aus nicht ohne weiteres überwinden.

    Und damit du nicht wieder rummaulst: Umgekehrt kann man es natürlich genauso formulieren (und ich finde es genauso verwerflich): Auch Männer werden in eine Rolle gedrängt: Die des Versorgers. Reines Hausmann- und/oder Vatersein wird ebenfalls gesellschaftlich und staatlich sanktioniert.

    Abgesehen davon, dass du es gar nicht gemeint hast: Was ist denn mit dem männlichen Privileg, mehr verdienen zu können? Kein Kommentar dazu?

    „Eben. Als das ist sexistisch – gegenüber Männern. Was meine These, dass Frauen privilegiert sind, ja nur bestätigt und nicht widerlegt.“

    Stimmt, wenn man ignoriert, was ich sonst noch so geschrieben hab. Dass dir das Ignorieren so viel Spaß macht…

    Wenn ich das so lese, frag ich mich, ob du mich überhaupt verstanden hast oder verstehen willst. Ich plädiere weder für die eine noch für die andere Seite: Ja, es gibt Privilegien für Frauen. Es gibt aber auch einige für Männer. Aber ich finde es albern, diese gegeneinander abzuwägen bzw. die eine Seite als privilegierter oder bevorzugt darzustellen, weil man das so pauschal einfach gar nicht sagen kann.

    Außerdem könnte ich auch so eine lustige Liste mit noch viel lustigeren „Tatsachen“ hinklatschen. Vielleicht ein Vorgeschmack gefällig? Bitte:

    – fehlende Frauenquote

    – Gender Pay Gap: Frauen verdienen bei gleichen Vorraussetzungen weniger als Männer

    – fehlende Aufmerksamkeit und Anerkennung für Leistung (bspw. als Hausfrau oder im Profisport, s. Zuschauerzahlen/Gehälter)

    – Zwang zu Teilzeit oder Arbeitslosigkeit / Hausfrauendasein

    – Ehegattensplitting

    – Negatives auf Oberflächliches/Sexuelles reduziertes Frauenbild in den Medien (Männer dürfen ruhig etwas oder sehr dick und/oder muskulös sein)

    – höhere Erwartungen an Mütter („Rabenmutter“) als an Väter

    und und und…

    Dabei nicht zu vergessen ist, dass viele deiner Punkte (z.B. die Bevorzugung im Bildungssystem) hanebüchener Unsinn sind (s. Matze). Aber eigentlich geht es auch gar nicht darum. Es geht nur darum, dir zu zeigen, dass beide Seiten in verschiedenen Bereichen privilegiert sind und dass es gilt diese Privilegien, die immer an Rollenerwartungen gebunden sind, auf BEIDEN Seiten u.a. mit Hilfe eines intensiven Gender Mainstreamings (GM) aufzuheben. Das derzeitige GM ist übrigens nichts Halbes und nichts Ganzes.

  27. Julian 24. September 2011 um 02:27 #

    „Frauen sind in Deutschland privilegiert, das ist einfach eine Tatsache.“

    Pauschalisierung at its best.

    Dazu noch:

    „Dass Frauen bis 2001 nicht dienen durften, war 99% der Frauen aber dass sie nicht mussten 99% sehr recht!“

    Und du kreidest Adrian „Stammtischniveau“ an?

    Außerdem wird die Abschaffung des Wehrdienstes von so gut wie allen Feminist_innen bzw. feministischen Parteien (die SPD zähle ich nicht dazu!) begrüßt: Zitat bspw. der Grünen in BaWü:

    „Pflichtdienste wie der Wehr- und Zivildienst sind ein umfassender Eingriff in die Freiheitsrechte junger Männer“

    Ich persönlich, und ich kenne viele Feminist_innen, kenne niemanden, der das so nicht unterschreiben würde. (Bei Alice Schwarzer wäre ich mir da übrigens nicht so sicher. Aber das ist ein anderes Thema.)

    Der Wehrdienst ist ein sexistisches Überbleibsel einer noch viel sexistischeren Zeit. Es basiert auf der Annahme, dass Männer generell stärker und härter und nicht nur deswegen viel eher für das Militär geeignet sind als die generell emotionaleren zartbesaiteten Frauen.

    „Ab 2001 bis zur Abschaffung der Wehrpflicht 2011, also satte 10 Jahre, genossen Frauen dann sogar das Vorrecht zu dürfen (mit geringeren Anforderungen!) aber nicht zu müssen, freilich, ohne dass irgendjemand in der Politik diesen Verstoß gegen die Gleichberechtigung überhaupt nur einmal thematisiert hätte – und das während schon eifrig über staatlich verordnete Frauenquoten in Aufsichtsräten privater Unternehmen diskutiert wurde.“

    Erstens wurde über die Abschaffung des Wehrdienstes auch lange diskutiert (v.a. in der SPD, bei den Grünen war der Standpunkt immer klar) und zweitens ist jetzt die Wehrpflicht so gut wie abgeschafft, während es immer noch kein Anzeichen einer Frauenquote gibt.

  28. Adrian 24. September 2011 um 10:41 #

    @ Julian
    „Grund für die „soziale Inakzeptabilität“ ist übrigens neben der bestehenden Tradition (mit freundlicher Unterstützung des Staates, der weder für Quoten noch für gleiche Gehälter sorgt) das festgefahrene Männlichkeitsbild, dass in der Gesellschaft vorherrscht und dass du ja als so „verweichlicht und schwach“ wahrnimmst. Dabei ist das genaue Gegenteil der Fall: Ein Mann muss stark und rational sein, auf keinen Fall schwach und emotional. Deswegen eignet er sich besser als Versorger als als Hausmann und Erzieher.“

    Zunächst einmal verstehe ich nicht, was an Quoten gerecht sein soll. Weiterhin verstehe ich nicht, wie Du darauf kommst, ich würde das Männlichkeitsbild als „verweichlicht und schwach“ wahrnehmen. Die Sicht des Mannes als des Stärkeren und Rationaleren, bedingt m. E. genau jene Privilegierung der Frau in unserer Gesellschaft.

    „Ich hab mich missverständlich ausgedrückt. Was ich meine ist, dass Frauen bei gleichen Voraussetzungen (Qualifikation, Berufserfahrung etc.) weniger verdienen.“

    Aber nicht bei zusätzlicher gleicher Arbeitszeit und Leistung.

    „Es ist ungerecht, weil es den Mann als besseren, fähigeren Arbeiter oder Versorger darstellt und gleichzeitig die Möglichkeiten der Frauen einschränkt / untergräbt, sich allein zu versorgen / versorgen zu können bzw. den Mann mitzuversorgen! Durch dieses „Privileg“ wird die Frau in die Rolle der Hausfrau gedrängt.“

    Niemand drängt Frauen mehr in die Hausfrauenrolle. Frauen stellen die Mehrheit der Bevölkerung. Wenn sie wollten, könnten sie in unserer Demokratie alles durchsetzen, was sie wollten. Aber vielleicht tun sie das ja auch schon?

    „Was ist denn mit dem männlichen Privileg, mehr verdienen zu können? Kein Kommentar dazu?“

    Wieso? Frauen können doch auch mehr verdienen.

    „Ja, es gibt Privilegien für Frauen. Es gibt aber auch einige für Männer. Aber ich finde es albern, diese gegeneinander abzuwägen bzw. die eine Seite als privilegierter oder bevorzugt darzustellen, weil man das so pauschal einfach gar nicht sagen kann.“

    Und ich sage, nach Abwägung aller Privilegien, sind Frauen privilegierter.

    „Außerdem könnte ich auch so eine lustige Liste mit noch viel lustigeren „Tatsachen“ hinklatschen. Vielleicht ein Vorgeschmack gefällig? Bitte:

    – fehlende Frauenquote“

    Vor allem im Baugewerbe, in Stahlwerken, auf Bohrinseln, im Speditionsbereich u.a. Aber das ist eh hanebüchen, weil Quoten nichts mit Gerechtigkeit zu tun haben und die Realitäten nicht ändern können. Man kann schließlich nur die Frau quotieren, die bereit für den Job ist.

    „- Gender Pay Gap: Frauen verdienen bei gleichen Vorraussetzungen weniger als Männer“

    was nicht stimmt

    „- fehlende Aufmerksamkeit und Anerkennung für Leistung (bspw. als Hausfrau oder im Profisport, s. Zuschauerzahlen/Gehälter)“

    Kommt darauf an welchen Sport Du nimmst. Und was heißt hier Leistung als Hausfrau wird nicht gewürdigt? Erst beklagt man sich, dass man Frauen nur in der Hausfrauenrolle sieht, weil das ihre angestammte Domäne sei, und wenn man das nicht würdigt, ist es auch nicht okay? Meine Leistung als Hausmann mit Doppelbelastung Job/Haushalt wird übrigens auch nicht gewürdigt.

    „- Zwang zu Teilzeit oder Arbeitslosigkeit / Hausfrauendasein“

    Frauen können auch ohne Probleme Vollzeit arbeiten. Niemand zwingt sie zur Teilzeit.

    „- Ehegattensplitting“

    wieso benachteiligt das Frauen? Zitat Wikipedia: „Durch das Splittingverfahren werden daher Ehepaare mit unterschiedlicher Einkünfteverteilung gleich behandelt.“

    „- Negatives auf Oberflächliches/Sexuelles reduziertes Frauenbild in den Medien (Männer dürfen ruhig etwas oder sehr dick und/oder muskulös sein)“

    Komisch: Das Frauen eher sexualisiert werden, betrachte ich nicht als Benachteiligung. Frauen werden damit als das schönere, reizvollere, erotischere Geschlecht dargestellt. Daran kann ich nichts schlimmes finden.

    „- höhere Erwartungen an Mütter („Rabenmutter“) als an Väter“

    Da magst Du Recht haben.

    „Dabei nicht zu vergessen ist, dass viele deiner Punkte (z.B. die Bevorzugung im Bildungssystem) hanebüchener Unsinn sind“

    Frauen/Mädchen haben bessere Schulabschlüsse, weniger Lernprobleme und stellen einen geringeren Anteil an Sonderschülern und Schulabbrechern.

    „Es geht nur darum, dir zu zeigen, dass beide Seiten in verschiedenen Bereichen privilegiert sind“

    Ich finde, Frauen sind im Ganzen privilegierter.

    „und dass es gilt diese Privilegien, die immer an Rollenerwartungen gebunden sind, auf BEIDEN Seiten u.a. mit Hilfe eines intensiven Gender Mainstreamings (GM) aufzuheben.“

    Na da bin ich mal gespannt.

  29. Julian 24. September 2011 um 16:10 #

    „Zunächst einmal verstehe ich nicht, was an Quoten gerecht sein soll.“

    Durch die Quote werden durch den Sexismus bedingte Ungerechtigkeiten („Mann hat Versorger der Familie zu sein, Frau kümmert sich um Haushalt und Erziehung“) beseitigt. Dazu weiter unten mehr.

    „Weiterhin verstehe ich nicht, wie Du darauf kommst, ich würde das Männlichkeitsbild als „verweichlicht und schwach“ wahrnehmen.“

    Du schreibst:

    „- das Männerbild in den Medien, der Werbung und in der Geschlechterforschung, das ziemlich negativ und destruktiv ist (der Mann als Zerstörer, Unglücksbringer, Minderbemittelter, biologischer Abfall, als Trottel, Depp und Weichei)

    „Die Sicht des Mannes als des Stärkeren und Rationaleren, bedingt m. E. genau jene Privilegierung der Frau in unserer Gesellschaft.“

    Warum denn immer so einseitig? Ist es dann umgekehrt nicht genauso?

    „Aber nicht bei zusätzlicher gleicher Arbeitszeit und Leistung.“

    Doch. Gleiche Voraussetzungen heißt auch gleiche Arbeitszeit und gleiche Leistung.
    Zitat OECD-Beschäftigungsausblick 2008: „[Der] Verdienst [der Frauen] liegt bei gleicher Tätigkeit um 17 % niedriger“.

    „Niemand drängt Frauen mehr in die Hausfrauenrolle. Frauen stellen die Mehrheit der Bevölkerung. Wenn sie wollten, könnten sie in unserer Demokratie alles durchsetzen, was sie wollten. Aber vielleicht tun sie das ja auch schon?“

    Dir scheint aber nicht klar zu sein, dass der Verteilungsunterschied noch vom zweiten Weltkrieg (und zu einem gewissen Teil auch der unterschiedlichen Lebenserwartung) herrührt. Sonst würdest du wissen, dass diese Kohorten der betroffenen Jahrgänge um 1920 und evtl. noch 1930 bei Arbeitsmarktfragen praktisch keine Rolle mehr spielen, da sie selber aufgrund des Alters gar nicht mehr arbeiten.

    http://www.ipicture.de/daten/demographie_deutschland.html (s. Geschlechterverhältnis: Bis „65 und darüber“ sind Männer sogar leicht in der Überzahl“)

    Und dass zahlenmäßige Überlegenheit über Macht rein gar nichts aussagt sieht man ja allein an der Verteilung von Arm und Reich. Vor allem aber, wenn man sieht, dass die Unterschiede heute so marginal (bzw. schon gar nicht mehr existent!) sind und von Jahr zu Jahr geringer werden. Viel eher spielt der über die Jahre erarbeitete Einfluss (Stichwort Männerseilschaften) und Traditionen eine Rolle, die sich jeweils auch noch wechselseitig beeinflussen und verstärken.

    „Wieso? Frauen können doch auch mehr verdienen.“

    Im Einzelfall ja, wenn man aber den Durchschnitt betrachtet – was du kategorisch abzulehnen scheinst, was aber bei Allgemeinaussagen unabdingbar ist – ist die Wahrscheinlichkeit dafür um einiges geringer.

    „Und ich sage, nach Abwägung aller Privilegien, sind Frauen privilegierter.“

    Wenn man die eigenen Privilegien immerzu herunterspielt oder schlecht redet und zusätzlich noch Benachteiligungen der Frauen als eigentliche Vorteile hochstilisiert (Frauenbild, Löhne etc.), dann kann ich deinen Eindruck durchaus nachvollziehen.

    Und nach „Abwägung aller Privilegien“? Du erkennst also an, das auch Männer Privilegien besitzen? Ich bin begeistert.

    „- Frauenquote
    Vor allem im Baugewerbe, in Stahlwerken, auf Bohrinseln, im Speditionsbereich u.a. Aber das ist eh hanebüchen, weil Quoten nichts mit Gerechtigkeit zu tun haben und die Realitäten nicht ändern können. Man kann schließlich nur die Frau quotieren, die bereit für den Job ist.“

    Dazu zitier ich mal die maedchenmannschaft, weil die das viel besser formulieren, als ich es je könnte:

    „Geht es um das Thema „Quote“ kommt im spätestens zweiten Kommentar der Satz: „Frauen sollen nicht wegen ihres Geschlechts eingestellt werden, sondern weil sie gut sind.“ Oder: „Eine Frauenquote ist frauenfeindlich, weil sie unterstellt, dass Frauen es nicht alleine schaffen können.“ So dachten viele Feministinnen in ihren jungen Jahren auch. Doch wer sich mal eine Weile mit dem Thema beschäftigt, wird erkennen: Es gibt jetzt eine unsichtbare „Männer bevorzugt“-Quote. Zahlreiche Studien, z. B. von Forsa belegen, dass Ent¬scheidungsträger am liebsten ihnen ähnliche Menschen (be-)fördern. Und weil sie selbst in den meisten Fällen weiße Männer aus dem Bildungsbürgertum sind, fördern sie auch am liebsten weiße Männer aus dem Bildungsbürgertum. Weil diese ähnlich funktionieren wie sie. Barbara Bierach und Heiner Thorborg beschreiben das in ihrem Buch „Oben ohne“ ganz schön: „Frauen gelten ihnen als Unternehmensrisiko“. Einfach, weil sie anders ticken. Und dieses „Risiko“ wollen viele Personalentscheider nun mal nicht eingehen. Es ist eine menschliche Regung, die aber zu sehr viel Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern führt – nicht nur für Frauen in der Industrie, auch für Männer im Sozialwesen. Eine Quote kann diese Ungerechtigkeit verringern. Wir finden sie ein sinnvolles Instrument und finden eine 40-Prozent-Quote, und zwar sowohl für Frauen als auch Männer, eine sehr gute Idee. So lange, bis sich etwas getan hat und Frauen bzw. Männer in den jeweiligen Bereichen „normal“ sind. Und, um das noch kurz zu klären: Eine Quote bedeutet „Bevorzugung einer Frau bei GLEICHER Qualifikation.“ Es wird keine Frau eingestellt, die es nicht drauf hat. Es wird nur das Moment der Geschlechterbevorzugung durch die Vorgesetzten ausgeschaltet. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.“

    Link: http://maedchenmannschaft.net/das-feministische-lexikon/
    Genau das ist auch meine Überzeugung.

    Und falls dir das noch nicht genug ist: Ja, auch in den „frauenuntypischen“ Bereichen bin ich für die langsame Einführung einer Frauenquote. Allerdings kann das nur im Zusammenspiel mit vielen weiteren Maßnahmen funktionieren (besonders Genderkompetenz in Kindergarten und Schule), damit sich endlich die beidseitig festgefahrenen Rollenbilder lösen. Natürlich müssen auch Männerquoten in „frauentypischen“ Berufen her, wie Erzieher.

    „- Gender Pay Gap: Frauen verdienen bei gleichen Vorraussetzungen weniger als Männer“
    was nicht stimmt“

    Dann kannst du sicherlich mal eben alle Statistiken widerlegen, die genau das immer wieder bestätigen. Alles eine Verschwörung der bösen Feminist_innen?

    „- fehlende Aufmerksamkeit und Anerkennung für Leistung (bspw. als Hausfrau oder im Profisport, s. Zuschauerzahlen/Gehälter)
    Kommt darauf an welchen Sport Du nimmst.“

    Ich meine so gut wie alle Bereiche. Besonders extrem ist es u.a. bei Fußball, Handball und Basketball.

    „Und was heißt hier Leistung als Hausfrau wird nicht gewürdigt? Erst beklagt man sich, dass man Frauen nur in der Hausfrauenrolle sieht, weil das ihre angestammte Domäne sei, und wenn man das nicht würdigt, ist es auch nicht okay?“

    Ich entdecke keinen Widerspruch. Nochmal: Es geht um Chancengleichheit, die derzeit durch viele Faktoren (Gehaltsunterschiede, Ehegattensplitting etc.) nicht gegeben ist. Hausfrau/Hausmann zu sein ist genauso okay wie Alleinverdiener_in.

    „Meine Leistung als Hausmann mit Doppelbelastung Job/Haushalt wird übrigens auch nicht gewürdigt.“

    Find ich ja auch nicht gut. Allerdings unterscheidet uns noch, dass ich das Bedürfniss hab, diesen Umstand zu ändern, du scheinbar nicht, wenn du eh nur siehst, dass Frauen in einer Art sozialen Schlaraffenland leben.

    „- Zwang zu Teilzeit oder Arbeitslosigkeit / Hausfrauendasein
    Frauen können auch ohne Probleme Vollzeit arbeiten. Niemand zwingt sie zur Teilzeit.“

    Ich wiederhole: Teilzeit und Hausfrauendasein werden durch Staat (Ehegattensplitting) und Gesellschaft (Traditionen, Rollenvorstellungen) gefördert.

    „- Ehegattensplitting
    wieso benachteiligt das Frauen? Zitat Wikipedia: „Durch das Splittingverfahren werden daher Ehepaare mit unterschiedlicher Einkünfteverteilung gleich behandelt.“

    Erstens hat Wikipedia nicht immer Recht, zweitens gibt es noch einen Abschnitt der sich kritisch mit dem Ehegattensplitting auseinandersetzt. Da steht dann Folgendes:

    „In der Realität beeinflusse das Splitting die Erwerbstätigkeit von Frauen negativ. Es sei deshalb in seiner gesellschaftlichen Wirkung gleichstellungshemmend. Unter Beachtung der Gender-Mainstreaming-Gesetzgebung der EU der letzten Jahre sei das Ehegattensplitting demzufolge neu zu bewerten. Deutschland wurde durch Organe der EU mehrfach angemahnt, das Steuersystem auf Benachteiligungen zu Lasten von Frauen zu prüfen und gegebenenfalls zu ändern.“

    Auch der stern schreibt unter der Überschrift „Das Splitting ist frauenfeindlich“ was Schickes:

    „Der Splittingvorteil führt dazu, dass sich für Frauen mit gut verdienenden Ehemännern das Arbeiten nicht lohnt.“

    Link: http://www.stern.de/wirtschaft/familie/frauenfeindlich-und-teuer-weg-mit-dem-ehegattensplitting-1642493.html

    „- Negatives auf Oberflächliches/Sexuelles reduziertes Frauenbild in den Medien (Männer dürfen ruhig etwas oder sehr dick und/oder muskulös sein)
    Komisch: Das Frauen eher sexualisiert werden, betrachte ich nicht als Benachteiligung. Frauen werden damit als das schönere, reizvollere, erotischere Geschlecht dargestellt. Daran kann ich nichts schlimmes finden.“

    Mit der Meinung stehst du aber relativ alleine da, vor allem wenn man mal Frauen selber fragt.

    Außerdem: Zu denken man könne beurteilen, wie sich andere Menschen fühlen, vor allem wenn man selber nicht betroffen ist und sowieso in eine andere Kategorie fällt, ist doch reichlich überheblich. Wie fändest du es, wenn ich das gleiche (Sexualisierung) über schwule Männer behaupten würde?

    „Dabei nicht zu vergessen ist, dass viele deiner Punkte (z.B. die Bevorzugung im Bildungssystem) hanebüchener Unsinn sind
    Frauen/Mädchen haben bessere Schulabschlüsse, weniger Lernprobleme und stellen einen geringeren Anteil an Sonderschülern und Schulabbrechern.“

    … was nicht an einer bewussten Bevorzugung von Mädchen und/oder Benachteiligung von Jungen liegt, sondern viel mehr an der Differenz zwischen den Rollenvorstellungen der Eltern, Bezugspersonen, Freunde, Lehrer etc. Dazu schreibe ich gleich noch mehr.

  30. Julian 24. September 2011 um 16:33 #

    @Matze
    „Schwacher Punkt! Ich kenne mich dank meines Jobs hervorragend im Bildungswesen aus. Frauen werden dazu erzogen, still zu sitzen, zuzuhören und am Unterricht aktiv teilzunehmen. Männer/Jungen haben mehr Freiheiten, ihnen wird mehr durchgelassen. Sie dürfen/sollen agressiver spielen, sollen hart werden, in naturwissenschaftlichen Fächern und Sport genial sein, die „feinen“ Künste sind nur schmückendes Beiwerk. Wozu das alles führt ist doch klar! Unaufmerksame, rüpelhafte Fachidioten mit einem Minimum an Empathie die sich wundern, dass die stille Julia bessere Noten hat und weniger Verweise.
    Ach stimmt ja! Testosteron! Das ist das was den Weibern fehlt!!! Wie unfair! Ich will mehr Verständnis für mein Arschlochverhalten. Weg mit der Unterdrückung durch Frauen!“

    Das ist mir zu einseitig formuliert. Jungs werden nämlich nicht nur Freiheiten gelassen. Ihnen wird mindestens genauso viel verwehrt. So wird es gesellschaftlich (Freunde, Eltern, Lehrer) sanktioniert, wenn sie die „typisch weiblichen“ Verhaltensweisen zeigen. Dann heißt es erst noch „Weichei“, später dann „schwul“. Und mit all dem werden schon Kinder konfrontiert. Wer sich da noch über nicht abnehmende Homophobie wundert…

    Dabei ist es ja auch wieder sexistisch zu behaupten, Mädchen wären fleißiger und ruhiger. Das ist nicht so. Mädchen werden einfach von Geburt an mehr in diese Richtung gezwängt: Sie dürfen oder sollen mit Puppen spielen, werden so viel emphatischer, bilden durch die ermöglichten Rollenspiele eine viel bessere Phantasie und Kreativität aus.

    Genauso sieht es, zumindest vom Prinzip her, auch bei Jungen aus. Auch sie werden von Geburt an in eine Richtung gezwängt: „Wehr dich“, „sei hart“ („Indianer kennen keinen Schmerz“), „Mädchen schlägt man nicht (andere Jungen schon)“ usw.

    Wichtig dabei allerdings: Es wird noch viel argwöhnischer begutachtet, wenn Jungen mit Puppen spielen als wenn Mädchen mit Autos oder anderen technischen Dingen hantieren. Schuld daran sind Homophobie und Sexismus, denen sowohl früh (im Kindergarten) oder (zu) spät (in der Schule) einfach gar kein Einhalt geboten wird.

    Andersherum wird bei Mädchen aber, wenn sie bspw. mal auf Bäume klettern oder andere „gefährlichere“ Dinge machen, viel genauer aufgepasst als bei Jungen, „weil Jungs das ja eh besser können“. Bullshit.

    Freundlich unterstützt wird das ganze durch schlecht ausgebildete, (gender-)inkompetente Erzieher_innen, an die die Anforderungen in Deutschland so schlecht wie in fast keinem anderen Land der Welt sind. So lässt sich ein schicker Teufelskreis beobachten, indem der Sexismus immer mehr zunimmt.

    Am besten sieht man den Trend „Mädchen spielen mit Puppen, Jungs nur mit Autos“, wenn man einfach mal in den nächsten Spielwarenladen oder ins nächste Kinderkleidungsgeschäft gehen: Rechts die rosa Prinzessinnen- und links die blaue Piratenwelt.

    Dabei fallen alle Mädchen und Jungen, die nicht in diese zwei extremen Rollen („weiblich“ vs. „männlich“) passen, rauß, werden gehänselt und gemobbt.

    Aber Studien sagen sowieso mehr als tausend Worte:
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,682019,00.html

    „Jungen werden bei gleicher Kompetenz schlechter benotet als Mädchen. Auch dies sei aber nicht zwangsläufig auf die „Feminisierung der Schulen“ zurückzuführen. Eher seien die geringere Selbstdisziplin, der Hang zur „Arbeitsvermeidung“ und fehlender Fleiß dafür verantwortlich – was dann „mit einer Benachteiligung der Jungen nichts zu tun hätte“.“

    Also: Der Vorwurf Mädchen würden im Bildungssystem bevorzugt, ist absoluter Müll.

    Es stellt sich halt wiedermal raus, dass es nichts bringt Tatsachen schon als solche als Benachteiligung darzustellen. Man muss sie einfach noch tiefer beleuchten, um die Wurzel des ganzen Problems zu entdecken. Und die bestätigt sich hier ja wiedermal als das des Sexismus‘.

    Auf einen anderen Punkt von Adrian will ich auch nochmal eingehen:

    „- das Männerbild in den Medien, der Werbung und in der Geschlechterforschung, das ziemlich negativ und destruktiv ist (der Mann als Zerstörer, Unglücksbringer, Minderbemittelter, biologischer Abfall, als Trottel, Depp und Weichei)“

    Erstmal ist es totaler Müll, dass es in der Geschlechterforschung ein negatives, destruktives Männerbild gibt. Liegt vielleicht daran, dass es in der „Geschlechterforschung“ (Gender Studies) kein Männer- und kein Frauenbild gibt, da man davon ausgeht, dass das Geschlecht rein kulturell geprägt wird und es, wenn überhaupt, nur sehr kleine Unterschiede (bzgl. des biologischen Geschlechts) gibt, die durch Sozialisation verstärkt werden. Dazu kommt, dass die Grenzen zwischen den Geschlechtern fließend sind. So gibt es halt „männlichere“ Frauen und „weiblichere“ Männer, wobei die Kategorien „männlich“ und „weiblich“ wieder durch die Gesellschaft bestimmt werden.

    Aber auch beim Männerbild in der Werbung habe ich einen komplett anderen Eindruck. Dort werden Männer nämlich fast ausschließlich als starke, „männliche“ Typen und eben nur sehr sehr selten als „Weichei“ dargestellt (Ich finde übrigens beides verwerflich).

  31. Adrian 25. September 2011 um 00:25 #

    @ Julian

    Ich sehe das meiste anders als Du.

    Staatlich vorgegebene Quoten lehne ich strikt ab.

    Frauen verdienen weniger, weil sie weniger arbeiten und das auch in Berufen, die allgemein schlechter bezahlt werden.

    Rollenbilder sind nicht beliebig formbar. Die große Mehhrheit der Jungs spielt nun mal lieber mit Piraten als mit Puppen.

    Deine Bemühungen Frauen mit typischen Männerberufen zu beglücken, wird auf wenig Interesse stoßen.

    Ich denke Frauen finden die Vorstellung, dem Mann die Rolle des Haupternährers zu überlassen, weiterhin sehr reizvoll.

    Wenn die „Sexualisierung“ der Frau auf so wenig Akzeptanz stößt, warum boomt die Schönheitsindustrie für Frauen weiterhin?

    Nur mal so ein Gedanke. Könnte es nicht sein, dass „Sexismus“ auch der Tatsache geschuldet ist, dass es nun mal zwei Geschlechter gibt, die eben nicht gleich sind?

    Du kannst natürlich gerne behaupten, die Geschlechter sind gleich und werden nur durch Kultur unterschiedlich gemacht. Da der Mensch auch nur ein Affe ist, halte ich das angesichts des Verhaltens unserer nächsten Verwandten, allerdings für nicht schlüssig.

    Du kannst auch gerne behaupten, Frauen werden in ihre Rolle hineingezwungen. Angesichts der Tatsache, dass Frauen die Hälfte der Bevölkerung stellen, die Gleichberechtigung der Frau nicht mehr hinterfragt wird und sie rechtlich alle Möglichkeiten haben, erscheint mir das aber reichlich weit hergeholt.

    Und Du kannst gerne behaupten, es sei Aufgabe des Staates, den Geschlechtern vorzuschreiben, was ihre eigentlichen Bedürfnisse und Rollen zu sein haben.

    Aber vielleicht gefällt Frauen ihre Rolle ja. Vielleicht gefällt auch Männern ihre Rolle. Ich könnte das in Bezug auf Frauen verstehen, denn die Geschlechtsrolle der Frau im Westen würde ich der des Mannes vorziehen. Da ich aber homo bin, ist das eh egal.

  32. Yadgar 28. September 2011 um 18:15 #

    @Adrian:
    „- höhere Lebenserwartung. Bei allen anderen gesellschaftlichen Gruppen würde das klar als gesellschaftliche Privilegierung gewertet werden. Hier merkwürdigerweise nicht.“

    An der geringeren Lebenserwartung von Männern ist nicht der böse Femifaschismus schuld, sondern die tradierten Männlichkeitsbilder von Härte und Risikobereitschaft – ein richtiger Kerl geht nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt (sondern erst, wenn es fast zu spät ist), ein richtiger Kerl lacht nur über solchen Mädchenkram wie Tempolimits, ein richtiger Kerl verträgt beliebig viel Alkohol…

    Du wirst nicht ernsthaft behaupten, dass es die Emanzen sind, die Männern das alles eingetrichtert haben!

    „- niedrigere Suizidraten bei gleichzeitig besseren Präventionsangeboten“

    Harte Kerle reden nicht über Gefühle, wenn überhaupt, dann nur im Suff mit dem besten Kumpel, aber doch nicht mit irgendwelchen Sozialheinis von der Selbstmordprävention!

    „- allgemein bessere Gesundheitsvorsorge“

    Liegt vielleicht daran, dass Frauen im Gegensatz zu Männern Kinder bekommen können – was ein Einschnitt ins körperliche Wohlergehen ist wie ihn sich Männer gar nicht vorstellen können und was in vergangenen Jahrhunderten durch Komplikationen aller Art die mittlere Lebenserwartung von Frauen *unter* die von Männern drückte (in Afghanistan war es bis vor kurzem noch so!)

    „- geringere Obdachlosenzahlen“

    Ein „richtiger Kerl“ geht seinen Weg als einsamer Wolf, anstatt lange herumzuquasseln, und dann noch der viele Alkohol, der zum richtigen Kerlsein dazugehört… da fällt mann halt schon mal aus der Gesellschaft heraus!

    „- Wehrpflicht einschließlich Zivildienste und Kriegsdienst allgemein fast ausschließlich für Männer verpflichtend“

    Das ist ja nun zumindest in Deutschland auf absehbare Zeit vorbei…

    „- Bevorzugung im Bildungswesen“

    Könnte was dran sein… liegt wahrscheinlich daran, dass Lehrer heutzutage meistens Lehrerinnen sind (offensichtlich haben Frauen stärkere Nerven, wenn ich daran denke, dass zwei meiner Freunde (Männer) ihren Lehrerjob hingeschmissen haben)

    „- bevorzugendes Opferrolle bei Gewaltdelikten im Allgemeinen und bei häuslicher Gewalt im Besonderen“

    Was statistisch ja auch der Realität entspricht und nicht bloß „Rolle“ sein dürfte… man hört (außerhalb von Kriegsgebieten) kaum jemals von vergewaltigten Männern!

    „- Bevorzugung beim Scheidungs- und Sorgerecht“

    Folge konservativer Mutterschafts-Ideologie…

    „- Illegalität von Vaterschaftstests und die Nichtexistenz von einem Vaterschaftsverweigerungsrecht“

    Kenne ich mich nicht mit aus.

    „- Frauenquoten und einseitige Fördermaßnahmen („Girls Day“ vs. „Boys Day“)“

    Die Quoten sind in der Tat fragwürdig… idealerweise sollte nach individueller Eignung ohne Rücksicht auf X- und Y-Chromosomen eingestellt werden!

    „- die Tatsache, dass Frauen Männer für sich arbeiten lassen können und dennoch den gesellschaftlichen Status des Partners erhalten“

    Patriarchales Relikt aus der Zeit der „Nur-Hausfrauen-Ehen“ vor ’68… emanzipierten Frauen wäre so ein Verhalten einigermaßen peinlich!

    „- Frauen können wählen zwischen Vollzeit, Teilzeit, Hausarbeit, Männer in der Regel zwischen Vollzeit und Arbeitslosigkeit“

    Bist du sicher, dass es wirklich keine arbeitslosen Frauen gibt?

    „- höhere Konsumausgaben der Frau bei gleichzeitig geringerem eigenen Einkommen (Frauen bekommen mehr Geschenke, geben auch das Geld des Partners aus – man schaue sich bspw. nur einmal in einem Warenhaus um, wieviel des Angebots für Frauen und wieviel für Männer reserviert ist)“

    Tussi-Klischees… das sind gerade NICHT die Emanzen, die so ein Verhalten propagieren…

    „- das Männerbild in den Medien, der Werbung und in der Geschlechterforschung, das ziemlich negativ und destruktiv ist (der Mann als Zerstörer, Unglücksbringer, Minderbemittelter, biologischer Abfall, als Trottel, Depp und Weichei)“

    Meistens machen sich Männer mit ihrem anachronistischen, prolligen Harte-Kerle-Getue (s. o.) selbst zum Deppen! Übrigens sieht man in letzter Zeit wieder häufiger betont maskuline (z. B. bärtige) Models auf Werbeplakaten…

    „- Höflichkeitsregeln in Bezug auf Frauen, die umgekehrt nicht gelten (Mädchen schlägt man nicht, Frauen unterbricht man nicht, man hält ihnen die Tür auf und behandelt sie grundsätzlich mit größerer Aufmerksamkeit, als es umgekehrt verlangt wird)“

    Diese Regeln stammen aus erzpatriarchalen Zeiten, als Frauen noch als schwaches und unmündiges Geschlecht galten, also ebenfalls lange vor ’68 und sind ganz sicher nicht dem Feminismus anzulasten!

    Bis bald im Khyberspace!

    Yadgar

  33. Christian 29. September 2011 um 09:45 #

    Hey Yadgar,
    ein Problem wird nicht weniger problematisch wenn man „rausgefunden“ hat, dass der Leidtragende des Problems am Problem selbst schuld ist.

    Das ist auch genau der Grund, warum „selbst schuld“ Argumentationen von beiden Seiten so erbärmlich sind. („Ihr seid selbst schuld das ihr so wenig in Aufsichtsräten sitzt.“ „Ihr seid selbst schuld das ihr so früh sterbt“)

    Keine Hilfe, kein Erkenntnisgewinn aber erstmal den eigenen Besserwissi gefüttert.

    Kann ich nachvollziehen fühlt sich gut an.

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