Was hat der Kampf gegen Rechtsextremismus mit Abtreibung zu tun?

28 Nov

Nichts, meinen Sie? Helmut Matthies scheint das anders zu sehen und so nutzt er die Gelegenheit, um den Rechtsextremismus gleichzeitig zu funktionalisieren und zu verharmlosen. Im Editorial der letzten Ausgabe von ideaSpektrum fällt ihm angesichts der

mindestens zehn Morde, die in acht Jahren mutmaßlich von der Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ begangen wurden,

erstens ein,

dass „Rechte“ angesichts kirchlicher Stellungnahmen den Eindruck haben, ihnen werde ohnehin die Menschenwürde abgesprochen

und zweitens, dass die EKD sich nun, ebenso wie gegen Rechtsextremismus auch gegen Abtreibungen äußern müßte:

wenn Menschen mit rechtsextremer Einstellung keine Ämter in der Kirche haben sollen, weil sie eben „die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen und die Verplichtung gegenüber Bedürftigen, zu denen die Fremden gehören“ (so die EKD) verletzen, dann müssten jetzt auch Ärzte, Krankenschwestern und Pleger ihre kirchlichen Ämter verlieren, wenn sie an Abtreibungen beteiligt sind.

Schließlich scheint das alles irgendwie das Gleiche zu sein, rechtsextremistische Morde hier, Abtreibungen dort. Mich erinnert diese Geschmacklosigkeit an den Bericht eines freikirchlichen Pfarrers, in dessen Zuständigkeitsbereich auch ein diakonisches Unternehmen fiel. Als dieses ein Krankenhaus übernahm, in dem auch Abtreibungen durchgeführt wurden, stellte man es den dort Mitarbeitenden frei, ob sie daran mitwirken bzw. ob diese überhaupt weiter durchgeführt werden sollten. Man entschied so, nachdem man die Realität zur Kenntnis genommen hatte. Vermeintlich fromme Menschen sandten daraufhin Hass-Mails an den Pfarrer, weil Abtreibung = Mord. So einfach kann das Leben sein.

Zurück zu Matthies, der im selben Editorial über Abtreibungen schreibt:

Und das ist ja ein Fall von besonders schlimmer Fremdenfeindlichkeit, da auch Kinder von Migranten ungefragt am Leben gehindert werden.

Gerade einmal drei Seiten später werden im selben Heft Auszüge aus kirchlichen Warnungen vor Rechtsextremismus angekündigt. Gut die Hälfte der Warnungen besteht allerdings in einer Werbung für das aktuelle Buch von Götz Kubitschek über Deutsche Opfer. Der ehemalige Redakteur der „Jungen Freiheit“ hat sich

nach Ansicht des Personalamtes der Bundeswehr an „rechtsextremistischen Bestrebungen beteiligt“

und ist damit für idea-Spektrum offenbar ein idealer Bundesgenosse für den Kampf gegen den Rechtsextremismus, allerdings in der Variante, die man bei dem christlichen Rechtsaußenblatt bevorzugt – und die ist von einer Sympathieerklärung für diverse Strömungen des Rechtsextremismus manchmal kaum unterscheidbar.

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Eine Antwort to “Was hat der Kampf gegen Rechtsextremismus mit Abtreibung zu tun?”

  1. Yadgar 28. November 2011 um 18:51 #

    Die Empfindungs- und damit Leidensfähigkeit beginnt beim Embryo recht früh, weshalb ich die Argumente von Abtreibungsgegnern mindestens nachvollziehen kann: ja, es sind werdende Menschen, die bei einer Abtreibung getötet werden!

    Nicht nachvollziehen kann ich allerdings, weshalb ich, nur weil ich Abtreibung (von den Fällen von Lebensgefahr für die Mutter mal abgesehen) für Mord, mindestens aber Totschlag halte, deswegen auch christlich-rechtskonservativ-fundamentalistisch sein muss – weshalb ich deswegen z. B. für die Züchtigung von Säuglingen mit Weidenruten sein, mir vor ständiger Angst vor der allgegenwärtigen Gendermainstreamingislamisierungszwangsverschwulungs666verchippungschemtrailverschwörung in die Hose machen, weshalb ich die „Grand Old Party“ toll finden und Naturwissenschaft für eine Erfindung des Satans halten soll…

    Tut mir leid, Evangelikaliban, ich sehe es nicht ein, bei euch mitzumachen!

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