Arabischer Winter

12 Jan

Erinnert sich noch irgendjemand an die euphorischen Kommentare unserer links-grünen Journaille angesichts der Ende 2010 begonnene Unruhen in der arabischen Welt und insbesondere Ägyptens? Und erinnert sich noch irgendjemand an die kritischen Töne eben jener Journaille gegenüber Israel, weil das kleine Land die hochfliegenden Träume von Freiheit und Demokratie angesichts des „Arabischen Frühlings“ nicht teilen konnte?

Natürlich hatten die Israelis mit ihrer Skepsis Recht. Der „Arabische Frühling“ hat Ergebnisse gezeigt, die in mehrheitlich islamischen Ländern zu erwarten sind. Gebt den Menschen dort die Möglichkeit ihre Regierung zu wählen und sie wählen nicht Freiheit, sondern religiöse Bevormundung.

Unglaublich! Welcher politisch reife Mensch wählt schon Parteien, die sich „Freiheits- und Gerechtigkeitspartei“ oder „Partei des Lichts“ nennen. Das klingt doch doch schon nach religiöser Obskuranz („Licht“) und staatlicher Bevormundung („Gerechtigkeit“). Und genau das ist es auch, denn hinter den Siegern der ägyptischen Parlamentswahlen stecken Muslimbrüder und islamistische Salafisten.

Die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, so teilt uns Wikipedia mit,

will festlegen, dass das gesamte Rechts- und Gesetzgebungssystem bedingungslos auf der Scharia, dem islamischen Recht, basiert, und dass versucht wird, dieses System einem weiten Teil der Bevölkerung akzeptabel zu machen. Vizevorsitzender Essam al-Arian sagte, dass die Partei die Einladung zum Islam als wünschenswert anstrebt.Die Mitgliedschaft in der Partei werde daher allen Ägyptern, die die Inhalte des Parteiprogramms akzeptieren, offen sein.Der Parteisprecher sagte, dass, wenn man über die Losung der Revolution spreche – Freiheit, soziale Gerechtigkeit, Gleichheit –, all jenes die Scharia auch beinhalte.

Scharia, soziale Gerechtigkeit und Gleichheit – mit diesen Zutaten kocht man ein politisches Süppchen, bei dessen Genuss man nur Magenkrämpfe und Durchfall bekommen kann. Guten Appetit!

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3 Antworten to “Arabischer Winter”

  1. Julian 12. Januar 2012 um 16:11 #

    Wie ahnungslos und voreingenommen muss man sein, wenn man tatsächlich glaubt, die Konsequenzen des arabischen Frühlings müssten sich nach gerade mal einem Jahr schon in Gänze zeigen?

    Wie soll aus korrupten islamistischen Diktaturen innerhalb eines Jahres tadellos funktionierende laizistische Demokratien (oder was auch immer für eine Staatsform du präferierst) wachsen? Nichts anderes wäre nämlich das, wonach hier verlangt wird.

    Außerdem klingt es ja fast so, als sei der arabische Frühling nur ein laues Lüftchen gewesen und es habe sich fast gar nichts geändert. Kein einziges Wort wird über die Erfolge verloren (Oh nein, man würde ja den erklärten und verhassten Gegner „loben“!).

    Dabei sind es gerade die (vor allem die gewonnene Freiheit), die das Fundament für langfristige Veränderungen legen. Das braucht aber Zeit und Geduld. Oder hat sich Deutschland auch innerhalb eines Jahres aus den Ketten der Kirche gelöst? Wär mir neu.

    • Adrian 12. Januar 2012 um 17:03 #

      @ Julian

      Wie soll aus korrupten islamistischen Diktaturen innerhalb eines Jahres tadellos funktionierende laizistische Demokratien (oder was auch immer für eine Staatsform du präferierst) wachsen?

      Die Diktaturen vor dem „Frühling“ waren nicht islamistisch. Und fumktionierende laizistische Demokratien erhält man, indem man die wählt, die dafür einstehen.

      Oh nein, man würde ja den erklärten und verhassten Gegner „loben“!

      Welchen Gegner?

  2. Marti 13. Januar 2012 um 16:42 #

    @ Julian

    „innerhalb eines Jahres aus den Ketten der Kirche gelöst?“

    Tunesien beispielsweise war während der französischen Herrschaft keineswegs unter der Herrschaft des Islam, ganz im Gegenteil.

    Die beiden folgenden Herrscher, Bourguiba und Ben Ali haben beiden mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln versucht den orthodoxen Islam zurückzudrängen. Nur Atatürk war dabei noch radikaler. Bourguiba ging 1960 sogar soweit, dass er das Fasten in Ramadan abschaffen wollte.

    Die unschöne Wirklichkeit sieht leider so aus, dass relative oder sogar absolute Mehrheiten in so gut wie allen arabischen Staaten eine größere Rolle des Islam haben wollen. In ein paar Jahren wird das noch schlimmer werden, nicht besser.

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