Für Albert

24 Jan

Schon einmal von „Spiral Dynamics“ gehört? Auf der Grundlage dieses kultursoziologischen Modells haben drei Theologen das Buch Gott 9.0 – Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird verfasst. Sie beschreiben darin die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und eben auch die von Glauben und Religionen anhand von Stufen, die die Menschheit durchläuft, für die jeweils eine Farbe vergeben wird. Spannend daran finde ich u.a. die Idee, dass sich in dieser Entwicklung „Ich“ und „Wir“-Stufen abwechseln. Wenn sich eine „Wir“-Stufe überholt hat und Einzelne sich auf der Suche nach etwas Befriedigerendem daraus lösen, beginnt damit eine neue „Ich“-Stufe. Wenn diese Ichs eine kritische Masse erreicht haben, entwickelt sich daraus die nächste Stufe, eine „Wir“-Stufe.

Die Autoren beschreiben die Möglichkeit, in Krisen auf frühere Stufen zurückzufallen und sich nach Erholung von der Krise wieder nach oben zu entwickeln. In der Regel schauen Menschen auf diejenigen, die ein oder zwei Stufen unter ihnen leben, besonders kritisch, weil sie selbst noch nicht so lange dieser Stufe entwachsen sind. Ohne Überblick über die verschiedenen Stufen können Missverständnisse in der Kommunikation entstehen.

Ein Beispiel: Die dritte „rote“ Stufe ist geprägt von einer Dualität von Stärke und Schwäche, es geht um Macht und Eroberung. Die nächste „blaue“ ist geprägt von der Dualität zwischen Heiligen und Sündern oder, weltlicher formuliert, Gesetzestreuen und solchen, die gegen/ohne die Gesetze leben. „Orange“ ist geprägt von der Dualität zwischen Erfolgreichen und Verlierern, hier geht es um die Selbstverantwortung von aufgeklärten Menschen. „Grün“ ist geprägt von einer Dualität zwischen Sensiblen und Unsensiblen, man trifft sich in Teams und geht zum Therapeuten. Wenn ein Schulleiter es nun in der Schule mit einer Gang von „roten“ Jugendlichen zu tun, wird es ihm nichts bringen, sie zum herrschaftsfreien Dialog beim Kräutertee einzuladen. Sie werden ihn bestenfalls auslachen und vielleicht gleich verprügeln. Sie bräuchten als erstes „blaue“ Gesetze und deren Durchsetzung und anschließend die „orange“ Erkenntnis von Selbstverantwortung. Dies alles zu übersehen ist dem „grünen“ Lehrer aber nicht möglich, bevor er sich nicht auf die „gelbe“ Stufe weiterentwickelt hat. Dort ist die Dualität als Ordnungsprinzip überwunden, komplexe Zusammenhänge können erkannt, Paradoxien ausgehalten werden. Eigenverantwortung steht hoch im Kurs. Erst ab hier sind erstmals alle vorigen Stufen gleichzeitig überschaubar.

Ich fand das Buch sehr anregend, vor allem, weil mir im Alltag das Schauen durch die bunte Brille manche neue Sichtweise und auch Zusammenhänge eröffnet.

In ihrem Blog schreiben die Autoren, dass das Buch kaum in der Presse besprochen wird und sich fast nur über Mundpropaganda verkauft. Dazu trage ich gerne meinen Teil bei mit dieser Vorstellung.

Für mich war das Buch sehr bereichernd. Nicht weil ich so arg viel Neues gelernt hätte darin, sondern weil es mir ermöglicht, Dinge zusammen zu denken und dadurch im Zusammenhang zu verstehen, die ich bisher für unvereinbar oder unzusammenhängend gehalten habe. Nicht immer muss ich mich entscheiden, wenn etwas nach einer „Entweder – oder“-Situation aussieht. Manchmal ist „nur“ ein Perspektiven-, Ebenenwechsel nötig, um Verbindungsmöglichkeiten zu entdecken oder auch Zusammengehörigkeit von scheinbar unvereinbaren Gedanken oder Strukturen.

Ach so, der Titel des Beitrags: Von 2007 bis 2010 hatten wir hier im Blog einen Kommentator namens Albert, der vieles von dem kannte , was ich jetzt in „Gott 9.0“ (wieder) entdeckt habe. Mit freundlichem Gruß an Dich, Albert, endet daher dieser Beitrag!

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Eine Antwort to “Für Albert”

  1. robert 25. Januar 2012 um 13:45 #

    klingt interessant, vielen dank, werde doch gleich einmal reinsehen.

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