Von der schönen Prinzessin und den bösen Piraten

8 Mrz

Die Frauen bei den Piraten: Gleichberechtigung als oberstes Ziel...

Am heutigen Frauentag werden wir wieder viel über die Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen hören und lesen. Ganz besonders im Fokus wird dabei natürlich die besonders gemarterte westliche Frau stehen.

Was ich zum heutigen Tag allerdings gerne einmal wissen würde: Wo in Deutschland, in welchen Bereichen des Lebens, werden Frauen eigentlich diskriminiert? In welchem Maße leiden Frauen an Sexismus? Und was ist Sexismus überhaupt?

Ich stelle diese Fragen aus einem bestimmten Anlass. Es wurde ja bereits festgestellt, dass die Piratenpartei eine Ausgeburt der Frauendiskriminierung und des Sexismus ist, ein Umstand der damit untermauert wurde, dass es wenige Frauen in der Partei gibt und man sich bei den Piraten einer Frauenquote widersetzt.

Dieser frauenverachtende „Sexismus“ der Piraten wurde jetzt in einer parteiinteren Befragung mit „Fakten“ untermauert:

„Sexismus ist ein Problem in der Piratenpartei“ – zu diesem Ergebnis kommen die Initiatoren einer parteiinternen Umfrage, die am Donnerstag vorgestellt werden soll. 49 Prozent der befragten Piratinnen geben an, schon einmal mit sexistischen Kommentaren oder Macho-Sprüchen konfrontiert gewesen zu sein oder dies bei anderen miterlebt zu haben. Befragt nach der typischen Reaktion, sagen 42 Prozent der Frauen, es gebe keine Reaktion, betretenes Schweigen, oder es würde gelacht. 21 Prozent der Frauen, aber nur sechs Prozent der Männer sagen, bei den Piraten seien die Geschlechter „eher nicht“, „kaum“ oder „nicht“ gleichberechtigt.

Da die Umfrage alleine dem Zweck dient, Sexismus in der Partei aufzuspüren, ist es kaum verwunderlich, dass man es vermieden hat, Kriterien zu definieren, was denn nun „sexistische Kommentare“ oder „Macho-Sprüche“ sein sollen. Dass die Befragung auch sonst allen Maßstäben sozialwissenschaftlicher Studien widerspricht, bestreitet nicht mal der linksliberale „Tagesspiegel“, der es sich dennoch nicht nehmen lässt, diese Umfrage groß zu präsentieren.

Gleichzeitig gibt es [in der Piratenpartei] eine Mehrheit gegen eine Frauenquote bei der Besetzung von Parteiämtern: 89 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen sprechen sich dagegen aus.

Womit bewiesen wäre, dass es bei den Piraten in der Tat Sexisten gibt: nämlich 11 Prozent bei den Männern und 27 Prozent bei den Frauen – jene also, die für eine Frauenquote sind, und damit tatsächlich ein Geschlecht bevorzugen wollen.

Wenn es nicht so grotesk wäre, man müsste darüber lachen: In diesem Lande – so wie in jedem anderen auch – lesen Frauen eher die „Brigitte“ als den „Spiegel“, schenken also Informationen über Diäten, Mode und Make Up mehr Aufmerkamkeit als der Politik. Jeder politische Stammtisch hat Mühe Frauen zu interessieren und auch beim Schreiben neuer Artikel der Wikipedia glänzen Frauen durch Abwesenheit.

Trotz all dieser offensichtlichen Gründe für die Unterrepräsentierung von Frauen, drängt man auf die Frauenquote in Führungspositionen von Wirtschaft und Politik. Natürlich nur in Führungspositionen, nicht etwa in der Gebäudereinigung, im Straßenbau oder dem Militär. Wo es schmutzig, dreckig und anstrengend zugeht, da will Frau auch weiterhin nur Männer sehen, denn schließlich ist man eine Prinzessin, glaubt also, einen Anspruch darauf zu haben, nur auf Grund des Geschlechts bevorzugt behandelt zu werden.

Advertisements

13 Antworten to “Von der schönen Prinzessin und den bösen Piraten”

  1. Atacama 8. März 2012 um 18:09 #

    Sexismus ist wenn man an verschiedene Geschlechter bestimmte Handlungsnormen und Aufgaben knüpft und Übertritte sanktioniert, so ungefähr. Im Grunde eine Form von Rassismus nur nicht mit Ethnien/Kulturen („Schwarze sind alle unterbelichtet und stellen mit ihren Riesen-Genitalien unseren deutschen Frauen nach“) sondern Geschlechtern.
    Gibt es auch mit unterschiedlichen sex. Orientierungen.
    „Schwule können nicht Fußballspielen weil sie von Natur aus schwächer und weicher als Heterosexuelle sind“ oder „Bisexuelle sind bloß Feiglinge die sich nicht entscheiden wollen“
    Wenn jetzt also einer sagt „Frauen können alle nicht einparken und das liegt daran dass die Gehirne bei Frauen grundsätzlich kleiner sind“ oder noch besser „Frauen sind alle von Natur aus doof, das wusste schon die Bibel“, dann wäre das sexistisch.

    „Wenn es nicht so grotesk wäre, man müsste darüber lachen: In diesem Lande – so wie in jedem anderen auch – lesen Frauen eher die “Brigitte” als den “Spiegel”, schenken also Informationen über Diäten, Mode und Make Up mehr Aufmerkamkeit als der Politik. Jeder politische Stammtisch hat Mühe Frauen zu interessieren und auch beim Schreiben neuer Artikel der Wikipedia glänzen Frauen durch Abwesenheit. “

    Das allerdings könnte auch etwas mit entsprechender Sozialisierung zu tun haben.
    Bei vielen heranwachsenden Frauen ist es so, dass sie auf das was die Eltern oder das Umfeld ihnen sagt (besonders in der Pubertät darf man die gleichaltrige Peergroup und deren Einfluß nicht ignorieren) hören und sich dann wirklich in eine bestimmte (als weiblich anerkannte) Richtung entwickeln mit entsprechenden Interessen.
    Und nicht-geschlechtsstereotypes Verhalten wird oft korrigiert statt zugelassen. Das trifft nicht nur puppenspielende Jungs sondern auch raufende Mädchen.

    Was deine Kritik an der Frauenquote im Allgemeinen und der nicht vorhandenen Frauenquote bei bestimmten Jobs angeht, so stimme ich dir zu.

  2. Adrian 8. März 2012 um 18:54 #

    @ Atacama
    „Wenn jetzt also einer sagt “Frauen können alle nicht einparken und das liegt daran dass die Gehirne bei Frauen grundsätzlich kleiner sind” oder noch besser “Frauen sind alle von Natur aus doof, das wusste schon die Bibel”, dann wäre das sexistisch.

    Dass Frauen Probleme haben beim Einparken, lässt sich unter Umständen tatsächlich aus der Gehirnstruktur – nicht allerdings aus der Größe – erklären, die schließlich bei Männern und Frauen unterschiedlich ist:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn#Gehirne_von_M.C3.A4nnern_und_Frauen

    „Das allerdings könnte auch etwas mit entsprechender Sozialisierung zu tun haben.“

    Könnte. Ändert aber am Sachverhalt nichts.

    „Was deine Kritik an der Frauenquote im Allgemeinen und der nicht vorhandenen Frauenquote bei bestimmten Jobs angeht, so stimme ich dir zu.“

    Und genau das ist der Sachverhalt.

  3. Robert Michel 8. März 2012 um 19:22 #

    Ich kenne zwar die Brigitte nicht, aber weniger informativ als der Spiegel kann sie gar nicht sein.

  4. Atacama 8. März 2012 um 19:44 #

    „Dass Frauen Probleme haben beim Einparken“
    Es haben aber nicht alle Frauen Probleme beim Einparken – und nicht alle Männer können es. Sexismus beginnt da, wo man tatsächliche oder vermeintliche biologische Eigenschaften (in diesem Fall wohl Gehirnaufbau bzw. unterschiedliche Nutzung beider Gehirnhälften und Unterschiede im räumlichen Sehvermögen) zu Gesetzen macht und Personen die davon abweichen sanktioniert.

    „Könnte. Ändert aber am Sachverhalt nichts.“
    Am Ist-Zustand nicht, aber was die Herangehensweise und den Blick auf mögliche Ursachen angeht unter Umständen schon.
    Würde die Offenheit für angeblich geschlechtsuntypisches Verhalten größer sein, würde sich die Diskussion über eine Frauen- oder sog. Männerquote oder Männer- und Frauenberufe (und Argwohn bei Übertritten) vielleicht überhaupt nicht ergeben.

    Ich denke, in dem Bereich nährt man nicht durch Erheben von Frauenquoten aneinander an, sondern dadurch dass man den Kindern eben nicht dieses „Jungs spielen Fußball und raufen und sind laut und Mädchen kämmen ihre Puppe und malen und sind still und lieb“ (und wer aus der Reihe schlägt, mit dem stimmt was nicht) anerzieht.
    Und dass das so ist glaube ich sofort, denn es geht doch bereits im Babyalter los. Kleine Mädchen kriegen ein rosaZimmer und rosa Strampler und Buben alles in Blau.
    Bei den Spielsachen geht es dann weiter.
    Es wurde auch mal ein Experiment gemacht, wo einem Baby ein gelber Strampler angezogen wurde und in seinem Zimmer gab es eine Puppe, einen Fußball und ein geschlechtsneutrales Spiezeug.
    Die Erwachsenen sollten mit ihm spielen. Einigen Versuchspersonen wurde gesagt, das Baby sei ein Junge, anderen wurde gesagt, es sei ein Mädchen. Die meisten die dachten, es sei ein Mädchen, gaben ihm die Puppe. Die die dachten, es sei ein Junge gaben ihm den Ball.

  5. Peter 8. März 2012 um 19:45 #

    Womit bewiesen wäre, dass es bei den Piraten in der Tat Sexisten gibt: nämlich 11 Prozent bei den Männern und 27 Prozent bei den Frauen – jene also, die für eine Frauenquote sind, und damit tatsächlich ein Geschlecht bevorzugen wollen.

    Sehr schön, genau so ist es. Warum les oder hör ich sowas nie in den Massenmedien? Ein bisschen Logik und Vernunft steht doch jedem gut an.

  6. Adrian 8. März 2012 um 22:52 #

    @ Atacama
    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, worauf Du hinauswillst. Was haben rosa Strampler und Fußbälle mit der Frauenquote zu tun?

  7. Atacama 8. März 2012 um 23:19 #

    direkt nicht so viel, indirekt vielleicht schon ein bisschen.

    Schliesslich wurde die Frauenquote meines Wissens auch deshalb eingeführt um geschlechtergrenzen bei bestimmten Berufen etwas aufzuweichen.

  8. Adrian 8. März 2012 um 23:40 #

    @ Atacama

    Mit der Betonung auf „bestimmte Berufe“.

  9. Atacama 8. März 2012 um 23:47 #

    Ja, man wollte damit mit der Behauptung aufräumen, dass Frauen bestimmte Berufe oder Machtpositionen nicht bekleiden können.
    Bis zu einem gewissen Punkt finde ich das auch nachvollziehbar (wobei ich die Sache anders angegangen wäre, nämlich bereits im Kindesalter), da sich solche Vorurteile von alleine schlecht abbauen.
    Und wenn Frauenqoute, dann natürlich in jedem Beruf.
    Letztendlich ist aber natürlich die Frage, inwieweit „bevorzugte Behandlung“ mit Gleichberechtigung in Einklang zu bringen ist.

  10. Yadgar 9. März 2012 um 08:03 #

    In meinen Szenen, also Raytracing, Astronomie und Synthesizermusik, sind Frauen auch extrem unterrepräsentiert – Astronominnen fallen mir gar keine ein, außer an Gail Shaw (aus Südafrika!) erinnere ich mich auch an keine Raytracerinnen auf povray.binaries.images, lediglich bei den elektronischen Musikerinnen sieht es etwas besser aus – Carmen Hernandez, Suzanne Ciani, Dorothea Raukes… trotzdem käme ich nicht auf die Idee, eine Frauenquote für die PoV-Ray-Szene zu fordern!

  11. Yadgar 9. März 2012 um 08:04 #

    Wenn die Piraten langhaarig und schwarzbärtig sind (was in der Piratenpartei durchaus vorkommen soll!), lasse ich jede Prinzessin stehen…

  12. Ralf 10. März 2012 um 15:04 #

    Wie sieht denn die Realität aus? Meine z.B. sieht so aus: Ich arbeite in einer Behörde, die von drei Körperschaften getragen wird. Meine Behördenleiterin ist eine Frau, ihre Verhinderungsvertreterin auch. Von den sechs Abteilungen werden drei von Frauen geleitet. Von den drei Trägern haben zwei eine Frau an der Spitze. Eine Frauenquote gibt es nicht. Offensichtlich ist es doch also möglich, in leitende Positionen zu gelangen bzw. leitende Positionen zu besetzen, ohne auf dem kleinen Unterschied herumzureiten.

  13. Aventin 25. März 2012 um 14:27 #

    @Ralf
    Wie Bitte? „Frauen werden bevorzugt eingestellt“ gibt es nicht?
    Welche Behörde soll das denn sein?
    Drei Körperschaften? Nein,konkret, welche Behörde denn nun?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: