Europa ist keine Fiktion

19 Mrz

Europas Kultur und Geschichte ruht auf vier Säulen:

1. der antiken griechischen und römischen Zivilisation,

2. dem Judentum als Begründer des Monotheismus und einer lebendigen Kultur einerseits und einer Geschichte der Diskriminierung und blutiger Verfolgung andererseits,

3. dem Christentum mit seinen Glaubensinhalten und den daraus folgenden Traditionen und Werten

4. der Aufklärung

All diese vier Säulen bilden die einmalige Essenz Europas, und nicht nur Europas, sondern der gesamten westlichen Welt (die im Grunde genommen eine europäische Welt ist), der besten aller Welten auf dieser unserer schönen Erde. Und das Christentum bildet dabei den absoluten Kern der Identität und dem Wesen des Westens, in neuerer Zeit in gemeinsamer, teilweiser spannungsvoller, aber durchaus fruchtbaren Koexistenz mit den Ideen der Aufklärung, des Säkularismus und der liberalen Demokratie.

Wenn nun ein gewisser Herr Michael Borgolte, seines Zeichens Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, im Tagesspiegel einen Artikel schreibt, der in der Quintessenz mündet, dass das christliche Abendland eine Fiktion sei, muss man verwundert und verärgert den Kopf schütteln und darauf laut und eindringlich antworten:

Nein, Herr Burgholte, das christliche Abendland ist mitnichten eine Fiktion, es ist gelebte, geatmete, kulturelle und historische Realität, und der allzu offensichtliche Versuch, zum Zwecke des Multikulturalismus, dem Islam eine größere Rolle in der Geschichte und Kultur Europas beizumessen, wird an dieser Realität nichts ändern.

Ja, der Islam gehört ganz offensichtlich zu Europa, allerdings in nennenswertem Umfang erst seit kurzer Zeit. In der Geschichte Europas, in der kulturellen Tradition Europas, spielt der Islam dagegen eine marginale Rolle, und persönlich lege auch nicht besonders viel Wert darauf, dass sich das in allzu naher Zukunft ändert.

Ich hätte nichts dagegen, wenn man sich in Europa wieder vermehrt auf seine griechischen und römischen Wurzeln besinnt, und sich mit diesen befasst, oder mit jüdischen Traditionen und Lehren, all das natürlich eingebettet in das Bekenntnis zur individuellen Freiheit, den Menschenrechten, der Trennung von Staat und Religion und von mir aus auch der Demokratie.

Aber der Islam? Angesichts der Realität in den Staaten, in denen die kulturelle Tradition des Islam allgegenwärtig ist, kann ich nur sagen: Den brauche ich eigentlich nicht.

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20 Antworten to “Europa ist keine Fiktion”

  1. morus 19. März 2012 um 20:35 #

    Ja, der Islam gehört ganz offensichtlich zu Europa, allerdings in nennenswertem Umfang erst seit kurzer Zeit. In der Geschichte Europas, in der kulturellen Tradition Europas, spielt der Islam dagegen eine marginale Rolle, und mag man mich auch für eine kulturchauvinistischen Rassisten halten, ich lege nicht besonders viel Wert darauf, dass sich das in allzu naher Zukunft ändert.

    Adrian?

    Entweder haben wir ein ganz anderes Verständnis für „kurze Zeit“ und „marginal“ oder du hast im Geschichtsunterricht gepennt.

    • Adrian 19. März 2012 um 20:39 #

      Ich hatte Leistungskurs Geschichte, und habe diesen mit einer 1 plus abgeschlossen. Aber ich bin natürlich gerne lernfähig. Was sind denn die kulturellen Traditionen des Islam in Europa?

  2. ars libertatis 19. März 2012 um 20:58 #

    Der Einfluss der Heiden ist für dich vernachlässigbar?

    Das Judentum würde ich zudem nicht als Begründer des Monotheismus bezeichnen, als wichtige Station ganz sicher, aber nicht als Begründer.

  3. morus 19. März 2012 um 21:01 #

    Da bist du sicher versierter in Geschichte als ich.

    Mir kamen da spontan folgende Dinge in den Sinn: Iberische Halbinsel, Sizilien, Balkan, Kreuzzüge, Astronomie, Mathematik, Schach, Kaffee, Papier (durch den Islam von China nach Europa).
    All diese Dinge (und es waren sicher noch viel mehr) scheinen mir jetzt nicht wirklich marginal, und es ist für meine Verhältnisse schon verdammt lange her.

  4. Adrian 19. März 2012 um 21:20 #

    @ ars libertatis
    „Der Einfluss der Heiden ist für dich vernachlässigbar?“

    Wen meinst Du mit Heiden?

    „Das Judentum würde ich zudem nicht als Begründer des Monotheismus bezeichnen, als wichtige Station ganz sicher, aber nicht als Begründer.“

    Ja, schon der ägyptische Pharao Echnaton war ein Monotheist. Aber in Europa waren die Juden die ursprüngliche Kraft hinter dem Monotheismus.

    @ morus
    „Iberische Halbinsel, Sizilien, Balkan, Kreuzzüge, Astronomie, Mathematik, Schach, Kaffee, Papier (durch den Islam von China nach Europa).“

    Dass es in Europa Gastspieel des Islam gab bestreite ich nicht. Ebenso wenig,dass durch den Islam einiges konserviert und zurück nach Europa gebracht wurde. Aber was ist z. B. an letzterem spezifisch islamisch? Mathematik und Astronomie sind ja nun Wissenschaften, die in jedem Kulturkreis Gültigkeit haben.

    Alles in allem bleibt der Islam in der Geschichte und Kultur Europas eine Marginalie.

  5. Michael Geyer 19. März 2012 um 21:29 #

    @morus
    Was hat Kaffee und Papier konkret mit dem Islam zu schaffen? Bei Wissenschaften kann ich mir noch irgendwelche Gebote, diese zu fördern und zu verbreiten vorstellen. Jedoch selbst hier halte ich den Islam als Einflussfaktor nicht zwangsläufig zu nennen. Vielmehr müsste man derlei in spiritueller Hinsicht zu ergründen versuchen, also inwiefern der Islam bei der Herausbildung von Werten wirkte. Das Automobil ist doch auch keine Errungenschaft der Christenheit…

  6. morus 19. März 2012 um 21:46 #

    Für mich ist der Einfluss des Islam durch seine Wissenschaften, seine Handelswege, seinen kulturellen Austausch und die ständigen kriegerischen Auseinandersetzungen, die Europa über Jahrhunderte in Atem hielten und die Spanier dazu ermutigten nach Westen statt nach Osten zu segeln, nicht marginal.
    Aber eben, was „marginal“ ist, ist sicherlich Ansichtssache. Trotzdem habe ich das ungute Gefühl, dass es dir letztlich nur darum geht, den Islam als Kultur abzuwerten. Doch darum sollte es dir eben nicht gehen. Es gilt dort zu kritisieren, wo es etwas zu kritisieren gibt und dort Anerkennung zu geben, wo es etwas zu anerkennen gibt.
    Der Islam ist eine alte und grosse Kultur. Er hat wundervolles hervorgebracht und die Welt daran Anteil nehmen lassen, direkt und indirekt. Das heisst aber nicht, dass ich jetzt gleich vor blinder Ehrfurcht erstarren und den Islam idealsieren muss. Ich sehe auch immer wieder Ignoranz und teilweise Barbarei im Namen des Islam.
    Und wenn ich ihm das eine Anrechne, muss ich ihm das andere dann nicht auch anlasten?
    ich weiss es nicht, aber ich finde, dass es uns gut tut, wenn wir manchmal zurücktreten und etwas differenzierter nachdenken – vielleicht auch etwas selbstkritisch, vielleicht auch etwas stolz, aber immer wohlwollend, gegen uns und andere.

    • Adrian 19. März 2012 um 21:53 #

      @ morus
      „Trotzdem habe ich das ungute Gefühl, dass es dir letztlich nur darum geht, den Islam als Kultur abzuwerten. Doch darum sollte es dir eben nicht gehen. Es gilt dort zu kritisieren, wo es etwas zu kritisieren gibt und dort Anerkennung zu geben, wo es etwas zu anerkennen gibt.“

      Ich habe am Islam aber nun mal mehr zu kristisieren als anzuerkennen. Und impliziert das nicht schon eine gewisse Abwertung dieser Kultur? Und wieso wäre es überhaupt schlimm, eine Kultur abzuwerten, wenn man Gründe dafür benennt?

  7. Michael Geyer 19. März 2012 um 21:53 #

    Der Islam ist in erster Linie eine Religion. Diese wiederum ist prägender Bestandteil einer Kultur. Materielle Errungenschaften würde ich eher direkt Völkern, Staaten bzw. Nationen zuordnen.
    Auch die Tatsache, dass es den Islam schlichtweg nicht gibt, sondern dieser, wie auch das Christentum, sich durch Pluralität auszeichnet.

  8. ars libertatis 19. März 2012 um 22:05 #

    @Adrian:

    „Wen meinst Du mit Heiden?“

    Jene Europäer, die nicht dem Judentum / Christentum oder der alten griechischen und römischen Kultur angehörten. Also z.B. die Kelten.

    • Adrian 19. März 2012 um 22:08 #

      @ ars libertatis

      Ach so. Ja, im Gesamtkontext vernachlässigbar.

  9. morus 19. März 2012 um 22:13 #

    @Adrian
    Wieso es schlimm ist?
    Es ist nicht schlimm, es scheint mir „normal“.
    Die Frage ist mehr, warum du das möchtest. Diese Frage kannst nur du beantworten – ich fände es schön, du würdest sie dir stellen.
    @Michael Geyer
    Kultur, Religion, Wissenschaften und Staatswesen waren früher viel enger verbunden als heute. Du kannst die heutigen Verhältnisse nicht in die Vergangenheit projezieren.
    Aber, ich gebe dir Recht, sowohl der Islam, als auch das Christentum, das Judentum und andere Religionen und/oder Kulturen sind sehr vielschichtig.

  10. Adrian 19. März 2012 um 22:17 #

    @ morus

    „Die Frage ist mehr, warum du das möchtest.“

    Wer sagt, dass ich das möchte? Mir wäre es lieber, der Islam wäre eine Love, Peace and Music-Religion. Aber wenn ich eine Religion/KulturIIdeologie/Idee/Meinung nicht so toll/blöd/albern/primitiv finde, dann sage ich das auch.

  11. morus 19. März 2012 um 22:18 #

    @Adrian
    Genau deshalb sagte ich ja, man soll dort kritsieren, wo es etwas zu kritisieren gibt. Man muss nicht alles schön und toll finden, aber ich finde, man sollte sich zumindest die Mühe geben, möglichst fair zu bleiben.

    • Adrian 19. März 2012 um 22:20 #

      Wieso. Bin ich unfair? Und wenn ja, wieso?

  12. morus 19. März 2012 um 22:46 #

    @Adrian
    Wegen des Wörtchens „marginal“. Es geht dir doch weniger darum, wie gross der islamische Einfluss tatsächlich war, es geht dir doch darum, dass du möchtest, dass er marginal war, also hat er gefälligst marginal zu sein.

    „Mathematik und Astronomie sind ja nun Wissenschaften, die in jedem Kulturkreis Gültigkeit haben.“
    Was ist das für ein Argument für die Bereicherung, insbesondere in diesen Wissenschaften durch den Islam auf Europa?
    Was machte Deutschland zu den Denkern und Dichtern? Jede Kultur kann denken und schreiben meistens auch.

    Daher unterstelle ich dir jetzt einfach, dass es dir schlicht und einfach darum ging, den Einfluss auf Europa durch den Islam kleiner zu reden, als er war.

    Eigentlich kommt es dir doch gar nicht darauf an, wie gross der nun tatsächlich war, oder?

    Das meinte ich mit unfair.
    Das heisst nicht, dass du den Islam gefälligst toll zu finden hast.

  13. Adrian 19. März 2012 um 22:57 #

    @ morus

    Und ich könnte Dir unterstellen, den Einfluss des Islam größer zu machen, als er war. Und was hätten wir dann? Meinung gegen Meinung.

    Aber ich unterstelle Dir nichts. Ich habe meine Meinung kund getan. Was Du da für Motive reininterpretierst ist Deine Sache.

    Ich werde mir auch nicht die Mühe machen, mich gegen eine Unterstellung zu verteidigen, die ich eh nicht entkräften kann.

  14. morus 19. März 2012 um 23:13 #

    @Adrian
    Vielleicht hast du mich nicht wirklich verstanden. Ich möchte eigentlich nicht mit dir streiten, d.h. dass du dich keineswegs verteidigen oder rechtfertigen „musst“. Es ging mir mehr darum, dass du nochmals nachdenkst, ob dein „marginal“ vielleicht eher aus persönlichen Motiven heraus entstand. Aber ok, vielleicht haben wir die Eingangsfrage jetzt geklärt und „marginal“ ist für dich etwas völlig anderes, als für mich.

  15. lukas 20. März 2012 um 01:23 #

    „im Gesamtkontext vernachlässigbar.“

    Was die Kelten angeht, vielleicht schon, aber das germanische Rechtssystem und Stammesethos, das sich in zwei Wellen (Völkerwanderung und Wikingersturm) in Europa etablierte, hat in seiner Synthese mit christlich-römischen Vorstellungen tiefe Spuren in Europa hinterlassen, gewiss mehr als der Islam.

  16. Manifold 20. März 2012 um 16:33 #

    Der Islam hat Europa nichts gegeben, wenn es um Wissenschaft geht. VIelmehr haben die Europäer sich selbstständig Wissen organisiert, sei es aus Byzanz, sei es aus alten Klosterbibliotheken oder von den syrischen Christen, welche trotz dem Islamsturm sich ihre Kultur und das antike Erbe bewahrten, so lange es noch ging. Den Muslime wäre NIE in den Sinn gekommen, den Christen ihr antikes Erbe wieder zu geben.

    Man muss dazu auch beachten, dass Europa sämtliche relevante Schriften selbstständig aus dem Griechischen direkt ins Lateinische übersetzt hat, BEVOR jene Übersetzungen aus dem Arabischen (z.B. aus Toledo) zur Verfügung standen. Dies ist im Buch „Aristoteles auf dem Mont Saint-Michel“ sehr gut und faktenbasiert beschrieben.

    Europa schuldet also dem Islam nichts in Sachen Wissenschaft – sondern vielmehr Byzanz und den syrischen Christen, wenn überhaupt.

    Maskulistische Grüsse,
    Manifold

    Die Söhne von Perseus

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