Die Tucke von nebenan

3 Apr

Der neueste Spot der Kampagne „mach’s mit – Wissen & Kondom“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) richtet sich u. a. an Schwule und an so genannte MSM.

Um es kurz zu machen: Der Spot ist eine Katastrophe, was auch bereits der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in einem Brief an die Direktorin der BZgA wortreich und verklausuliert beklagt hat. Zu sehen ist ein affektierter, tuckiger, völlig enervierender Schwuler, der sich über seine Kindheit und Jugend, sowie sein Leben als stolzer Außenseiter der Gesellschaft auslässt.

Der erste Impuls, der mir beim Schauen des Videos in den Sinn kam war jedenfalls: „Halt bloß die Klappe, Du Tucke, sprich mich nicht an, Du nervst.“… Nix von wegen politisch korrekt und so.

Angesprochen fühle ich mich durch diese Kampagne sicherlich nicht, und das obwohl ich durchaus zur Zielgruppe gehöre. Doch der da in dem Video – das bin ich schlicht und einfach nicht. Und die Lebensgeschichte dieser quäkenden Quarktasche interessiert mich auch nicht. Und von mir aus soll er in seinem stillen Kämmerlein rumvögeln, ob mit oder ohne Kondom, letzteres wäre mir dann auch egal. Hauptsache er quatscht mich nicht voll…

Ich wage die kühne These, dass dieser Spot keinerlei Bewusstseinswandel bei jungen Schwulen auslösen wird, die gerade damit beginnen, sich mit Sex und Verhütung zu beschäftigen. Ein nervtötender Hampelmann, der einen ungefragt von der Seite anlabert, wäre jedenfalls der Letzte, den ich in diesem Alter als Respektperson und Vorbild in Sachen Safer Sex angenommen hätte.

Ein voller Erfolg also, zu dem man der BZgA nur gratulieren kann.

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7 Antworten to “Die Tucke von nebenan”

  1. Jotuklan 3. April 2012 um 14:45 #

    *AUTSCH* !!!

    Nachdem man sich von dieser Tucke hat volllabern lassen, wird man ja selbst als Schwuler homophob……

    Ein dickes Lob an die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung,
    besser hätte es uns nicht mal MusLim vor Augen führen können, das es sich bei Homosexuellen offensichtlich um psychisch Gestörte handelt. *kopfschüttel*

  2. Christian 3. April 2012 um 23:23 #

    In der letzten Kampagne war ein einziges echt gutes Plakat dabei.
    http://medicinebook.de/load.php?name=News&file=article&sid=1484
    (das oben links)

    Erst wenn man genau hinsieht merkt man, dass man ein Zimmer eines schwulen Jungen sieht.

    Ansonsten ist es aber ein offenes Geheimnis, dass die BzGA für Jugendliche die totale Lachnummer ist.
    Deren Drogeninformationsflyer werden zu Mischpappen und ihre Alkoholposter sind ein schlechter witz.

    Die Nummer hier schießt allerdings den Vogel ab.

    Einfach dichtmachen die Behörde, von denen kommt statt Aufklährung nur schlechter AgitProp

  3. Markus 4. April 2012 um 10:39 #

    Entschuldigung liebe Redaktion aber ich fühle mich grade von Ihrer reißerischen Berichterstattung persönlich angegriffen… ich kann mich mit dem gezeigten Rollenmodell gut identifizieren und stehe genau so dazu dass ich „einfach ich“ bin und stehe nicht für die gesamte Szene… „affektierter, tuckiger, völlig enervierender Schwuler “ finde ich eine selten dämliche Beschreibung – soviel zu Toleranz an dieser Stelle – und ein „stolzer Außenseiter der Gesellschaft“ wird hier auch nicht gezeigt… er IST schließlich Teil der Gesellschaft!

    Ich würde an Ihrer Stelle die einfärbende Berichterstattung in ihrer Art und Weise überdenken, da man auch Menschen die zu sich stehen damit hart treffen kann… an dieser Stelle härter als die BZgA!

    MfG

  4. Adrian 4. April 2012 um 11:42 #

    „aber ich fühle mich grade von Ihrer reißerischen Berichterstattung persönlich angegriffen… ich kann mich mit dem gezeigten Rollenmodell gut identifizieren“

    Das tut mir leid.

    „”affektierter, tuckiger, völlig enervierender Schwuler ” finde ich eine selten dämliche Beschreibung“

    Ich finde es eine sehr passende Beschreibung.

    „Ich würde an Ihrer Stelle die einfärbende Berichterstattung in ihrer Art und Weise überdenken, da man auch Menschen die zu sich stehen damit hart treffen kann…“

    Ich habe es versucht, aber beim nochmaligen Anschauen dieses Videos verstärken sich meine Gefühle eher noch. So ein affektiertes, aufgesetztes Gelaber. Was will dieser Typ von mir?

  5. Maren 7. April 2012 um 14:38 #

    Das enervierende ist in erster Linie die miese Synchronisation. Wirkt total aufgesetzt,zumal es ja auch noch nicht mal Lippensynchron ist.

  6. bombastu 9. Mai 2012 um 11:24 #

    Fremdscham-Attacke! Obwohl es weniger das Tuckige ist, was stört (hab da Schlimmeres und viel Aufgeregteres nach der Ankündigung erwartet), sondern die ganze suboptimale Machart. Die komischen Schnitte und Nahaufnahmen auf die Hände, der graue leere Hintergrund, der nur aufgesagt und geskriptet wirkende Text, die Nach-Synchro… wirkt irgendwie wie eine Kinowerbung vom Anfang der Neunziger.

  7. bombastu 9. Mai 2012 um 11:27 #

    Ach ja, das Tuckige kann ja durchaus Spaß machen und nicht enervierend wirken, aber dazu muss man schon „all the way“ gehen: http://www.youtube.com/watch?v=geCZlIX0noo

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