Der Antisemit hat gesprochen

5 Apr

Günter Grass ist der Prototyp des deutschen Intellektuellen: von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung. In seinem gesamten Leben hat er noch nicht einen klugen Satz geäußert, all seine Kommentare zu weltpolitischen und gesellschaftlichen Themen sind ein Witz, widerlegt durch Wirklichkeit und von der geistige Tiefe eines Schulmädchens (seine Romane und Gedichte sind ebenfalls schlecht, aber das ist wohl eher Geschmackssache).

Nun hat sich Grass als Antisemit geoutet – unfreiwillig, aber dennoch nicht weniger überzeugend. Sicher, eine Überraschung ist das keineswegs, denn ein sozialdemokratischer, antiamerikanischer, kapitalismuskritischer deutscher Schriftsteller – nun ja, die Wahrscheinlichkeit, dass so einer ein Antisemit ist, darauf kann man eine Wette abschließen und wird nur selten verlieren.

Warum ist Grass ein Antisemit muss ich hier nicht noch mal extra erläutern, das haben Malte Lehming im „Tagesspiegel“ und insbesondere Henryk Broder in der „Welt“ ausführlich und eloquent getan:

Grass hat schon immer zu Größenwahn geneigt, nun aber ist er vollkommen durchgeknallt. Ganztätig mit dem Verfassen brüchiger Verse beschäftigt, hat er keine der vielen Reden des iranischen Staatspräsidenten mitbekommen, in denen er von der Notwendigkeit spricht, das „Krebsgeschwür“, das Palästina besetzt hält, aus der Region zu entfernen. Denn das ist nur „Maulheldentum“, das man nicht ernst nehmen muss, so wie die Existenz einer einzigen Bombe „unbewiesen“ ist, bis sie zum Einsatz kommt. In dem Falle würde Grass um die Opfer trauern und den Überlebenden Trost spenden, denn er fühlt sich dem Land Israel „verbunden“. […]

Grass ist der Prototyp des gebildeten Antisemiten, der es mit den Juden gut meint. Von Schuld- und Schamgefühlen verfolgt und zugleich von dem Wunsch getrieben, Geschichte zu verrechnen, tritt er nun an, den „Verursacher der erkennbaren Gefahr“ zu entwaffnen.

Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben. Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel „Geschichte werden“. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.

Was interessiert einen deutschen Intellektuellen schon das mörderische Regime im Iran, welches sein eigenes Volk als Geisel hält, Oppositionelle verfolgt, Frauen grundlegende Rechte vorenthält und Schwule am Baukran aufhängt? Was interssiert  einen deutschen Intellektuellen schon die wiederholten Beteuerungen des iranischen Präsidenten, Israel von den Seiten der Geschichte zu tilgen? Dazu kann ein deutscher Intellektueller beständig schweigen. Aber wenn es um den Staat der Juden geht? Da wagt man sich aus der Deckung und entdeckt sein deutsches „Gewissen“. Dann muss man sich äußern.

Die Nachfahren der Waffen-SS, die Nachfahren derjenigen, die 6 Millionen Juden ermordet haben, sind nicht in der Lage einmal ihre große Klappe zu halten – nein, sie müssen den Nachfahren der Überlebenden beständig gute Ratschläge erteilen, z. B. wie man sich angesichts eines mörderischen Feindes verhält – friedlich natürlich, so friedlich wie sich Juden im Dritten Reich ihre schleichende Entrechtung haben Gefallen und sich schlussendlich in die Güterzüge verladen haben lassen.

Wehrlose Juden, diese haben die Sympathie der deutschen Intellektuellen, aber Juden, die bereit sind sich zu verteidigen, das geht gar nicht. Ebensowenig wie Atombomben im Besitz einer liberalen Demokratie wie Israel. Denn diese ist selbstverständlich gefährlicher als eine Bombe im Besitz mörderischer Diktaturen.

Wenn es nicht so traurig wäre, man müsste darüber lachen. Aber es gibt nichts zu lachen. Es ist tragisch. Weil es leider so ist, wie Broder sagt:

Die Deutschen werden den Juden nie verzeihen, was sie ihnen angetan haben. Damit im Nahen Osten endlich Frieden einkehrt und auch Günter Grass seinen Seelenfrieden findet, soll Israel „Geschichte werden“. So sagt es der iranische Präsident, und davon träumt auch der Dichter beim Häuten der Zwiebel.

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9 Antworten to “Der Antisemit hat gesprochen”

  1. Peter 5. April 2012 um 01:29 #

    Ich mag Grass nicht und hab ihn nie gemocht. Er hat sich viele Jahre lang als das fleischgewordene moralische Gewissen inszeniert. Sowas ist mir suspekt. Ich frage mich dann immer, ob so einer seinen eigenen moralischen Ansprüchen denn gerecht wird.

    Deine Kritik aber ist emotional und wenig sachlich, um es mal moderat auszudrücken. Was hat Grass denn in seinem Gedicht gesagt? Was ist der Kern, was ist die Aussage?

    Er befürchtet einen (atomaren?) Präventivschlag Israels gegen den Iran und sieht diese Möglichkeit als Bedrohung des Weltfriedens, was ja ohne Zweifel so wäre. Fragt sich bloss, ob das ein Hirngespinst von Grass ist oder eine reale Möglichkeit mit einiger Eintretenswahrscheinlichkeit.

    Ebenso stellt sich die grundsätzliche Frage, ob ein Präventivschlag unter den gegebenen Umständen gegen den Iran gerechtfertigt ist und wenn ja, was als angemessene Gewaltanwendung gelten dürfte. Vor lauter Antisemitismusgeschrei gehen diese Fragen völlig unter. Bei Broder ist übrigens jeder Antisemit, der nicht eine stramm proisraelische Haltung einnimmt.

    Diese Fragen sind ja grundsätzlich berechtigt. Ob nun gerade Grass berufen ist, diese Fragen zu stellen – naja, eher nicht. Iran ist kein Rechtsstaat, darüber brauchen wir nicht zu streiten.

    Aber mal konkret: Hältst Du einen Präventivkrieg für notwendig oder lehnst Du eine solchen ab? Das ist die Frage, die sich stellt.

  2. Adrian 5. April 2012 um 01:37 #

    @ Peter
    „Er befürchtet einen (atomaren?) Präventivschlag Israels gegen den Iran und sieht diese Möglichkeit als Bedrohung des Weltfriedens, was ja ohne Zweifel so wäre.“

    Wieso wäre das ohne Zweifel so?

    „Bei Broder ist übrigens jeder Antisemit, der nicht eine stramm proisraelische Haltung einnimmt.“

    Das ist Blödsinn.

    „Hältst Du einen Präventivkrieg für notwendig oder lehnst Du eine solchen ab?“

    Ich hoffe er wird nicht nötig sein, und ich würde ihn nicht ablehnen.

  3. Manifold 5. April 2012 um 14:12 #

    Ähm … was haben die Juden denn den Deutschen angetan?

    Und war Grass nicht selber bei der Waffen SS dabei? Warum darf so einer überhaupt heute noch den Mund aufmachen?

    Maskulistischen Grüsse,
    Manifold

    Die Söhne von Perseus

  4. bajazbasel 5. April 2012 um 18:05 #

    Ihr solltet weniger mit Klischees herumschlagen und etwas differenzierter argumentieren. Auch solltet Ihr die historische Erfahrung der Juden nicht einfach unter den Tisch wischen, egal ob Israel nun ein be-recht-igtes Land ist oder nicht.

    Es gibt viel Kritik an Israel, ohne dass sie gleich antisemitisch sein muss. Im übrigen gehören die Araber auch zu den Semiten, das Wort ist also nicht für Israelis und Juden reserviert, wie die Historie dies annehmen lässt.

    Es gibt im übrigen auch schwule Antisemiten und semitische Antischwule. Denn Rassismus, Sexismus und alle ismen sind immer gegenseitig funktionabel!

    Auch Schwule können antischwul sein oder homophob. Daher braucht es die persönliche Einschätzung solcher Personen. Diese Fähigkeit geht offenbar dem Blogger hier gegenüber Günter Grass leider ab. Schade.

    • Adrian 5. April 2012 um 23:45 #

      @ bajazbasel

      Sorry, ich habe keine Ahnung, was Du mir eigentlich sagen willst.

  5. tysknaden 6. April 2012 um 10:23 #

    Grass ist und war schon immer ein Werkzeug der Dumpfheit.

  6. Martin 6. April 2012 um 13:53 #

    @Manifold, damit ist nicht gemeint das die Deutschen den Juden nicht verzeihen was die Juden den Deutschen angetan haben sondern das die Deutschen den Juden nie verzeihen werden was die Deutschen den Juden angetan haben.

    @bajazbasel, das Argument das Araber ja auch Semiten sind zieht seit dem Kindergarten nicht mehr weil Antisemitismus ohne wenn und aber Judenhass bedeutet. Das Wort hat mit „den Semiten“ als geographisch definierte Gruppe nichts mehr zu tun.

    Grundsätzlich sehe ich das so, Kritik an Israel kann man gerne üben, aber wenn man nicht in der Lage ist zwischen Israel und „den Juden“ zu unterscheiden hat man sich disqualifiziert.

    Der nächste Punkt ist das viel Kritik die an Israel geübt wird, Dinge betrifft die bei keinem anderen Land kritisiert würden. Ganz polemisch kann man beinahe sagen das die Welt Juden mag solange sie sich nicht wehren, aber wehe man verteidigt sich, dann werden gleich die Vergleiche zum dritten Reich ausgepackt, und ehe man sich versieht wird gemunkelt das der alte Adolf ja vielleicht doch recht hatte.

    Und das beste ist das geschätzte 80-90% der Menschen die sich über Israel und „die Juden“ auslassen von der Materie keinen blassen Schimmer haben und sich ihre Informationen und Argumente aus dem Arschloch ziehen.

  7. Ralf 6. April 2012 um 14:19 #

    Gestern Abend lief das Interview mit ihm. Da hat er sogar noch eins draufgesattelt. Es dürfe nicht wieder vorkommen, dass eine ganze Generation sage, sie habe von nichts gewusst. Damit stellt er Israel dem Dritten Reich gleich. Zwei Völkermörderstaaten auf der selben Stufe der Barbarei also in seiner verrückten Weltsicht. Das ist nur noch ekelhaft.

  8. Peter 7. April 2012 um 15:28 #

    Grundsätzlich sehe ich das so, Kritik an Israel kann man gerne üben, aber wenn man nicht in der Lage ist zwischen Israel und “den Juden” zu unterscheiden hat man sich disqualifiziert.

    Und wer ist es denn, der diese Unterscheidung nicht macht? Das sind doch vor allem diejenigen (nebst einigen tatsächlichen Judenhassern), die jede Kritik an der Politik Israels als antisemitisch motiviert behaupten. Das kann natürlich so sein. Nur sollte sich dieser Vorwurf auf etwas mehr als ein diffuses Bauchgefühl stützen können. Dieser Vorwurf kommt meist von der politischen Rechten, ganz einfach deshalb, weil die politische Linke israelkritischer auftritt als die Rechte (Altnazis fallen aus diesem Schema raus). Wenn Kritiken am Islamismus geäussert werden, dann läuft das Spielchen umgekehrt: Die Linke beschuldigt die Rechte reflexartig der Islamophobie („Muslimhass“). Auch das kann das wahre Motiv sein.

    Immer Grunde ist es nur die bekannte links gegen rechts Demagogie. Und wenn Grass ein Judenhasser ist, dann ist Broder ein Muslimhasser (wofür es wesentlich mehr Indizien gibt). Broder sollte einfach mal die Klappe halten, und Grass eigentlich auch.

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