Rechts ist nur der Abgrund

28 Apr

Ganz sicher bin ich kein Freund der politischen Linken. Sozialismus, Ökoligismus, Feminismus, Genderismus etc. pp., all das sind linke Herzensanliegen mit denen ich mich nicht identifizieren kann und in denen ich eine Gefahr für die individuelle Freiheit sehe, die eine Gefahr für die individuelle Freiheit sind . Und die Geschichte beweist eindrücklich, dass linke Projekte ein Garant für Unterdrückung und Elend sein können. Aber, bei aller Kritik und Abneigung – eines man muss der Linken zumindest zugute halten: Sie meint es gut. Sie hat ein Herz. Sie will ein besseres Leben für alle Menschen.

Diese Entschuldigung hat die politische Rechte dagegen nicht. Denn diese agiert zu oft einfach nur kalt, unmoralisch und bösartig. In Ungarn zeigt sich das gerade mal wieder sehr deutlich:

Die rechtsradikale Jobbik-Partei hat einen Gesetzentwurf in das ungarische Parlament eingebracht, der harte Strafen für Homosexuelle vorsieht. Demnach sollen Schwule und Lesben bis zu acht Jahre Haft erhalten, wenn sie in der Öffentlichkeit Händchen halten oder für ihre „sexuelle Abart“ werben. […]

Das Gesetz solle „die öffentliche Moral und die psychische Verfassung junger Generationen“ schützen, so Mirkoczki. Es sieht Haftstrafen von bis zu acht Jahren und Geldstrafen bis zu 150.000 Forint (500 Euro) vor. Mirkoczki erklärte weiter, man wolle Schwule und Lesben nicht generell internieren, aber das Verhalten solle komplett aus der Öffentlichkeit verschwinden und nicht mehr als „Modell des Sexualverhaltens“ dargestellt werden dürfen.

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10 Antworten to “Rechts ist nur der Abgrund”

  1. ketcar 29. April 2012 um 13:33 #

    Ich glaube die politische Rechte denkt von sich ebenfalls, sie meine es nur gut…weil Untergang des Abendlandes durch Verschwulung und so.

    Wenn man sich nicht zwischen der Rettung des Abendlandes und der „sozialen Gerechtigkeit“ entscheiden kann, wenn man einer sexuellen Minderheit angehört und sich gleichzeitig mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung anfreunden kann, dann bleibt natürlich nur der politische Liberalismus.

    Grüße, ketcar

    (ebenfalls keine Freundin der politischen Linken, aber schwer für einen liberalen Individualfeminismus)

    • Adrian 29. April 2012 um 13:44 #

      @ ketcar
      „aber schwer für einen liberalen Individualfeminismus“

      Und was soll das sein?

  2. Leszek 29. April 2012 um 14:43 #

    Hi Adrian,
    ich hatte mit Ketcar (die ich trotz konträrer politischer Auffassungen sehr schätze) mal ein kurzes Gespräch über Individualfeminismus auf Onyx Blog.
    Kannst Du hier nachlesen:

    http://onyxgedankensalat.wordpress.com/2012/02/08/kevin-fuchs-polemisiert-gegen-rosenbrock/

    Ich könnte mir vorstellen, dass Dir der Individualfeminismus nicht völlig unsympathisch ist.

    Beste Grüße an Dich und beste Grüße an Ketcar

  3. ketcar 29. April 2012 um 15:08 #

    @Adrian:

    Und was soll das sein?

    Am treffendsten finde ich noch: Ein Feminismus, der einfach Privatsache ist (womit nicht gemeint ist, dass man ihn für sich behalten muss). Ein Feminismus, der sich vom institutionalisierten Feminismus, von staatlichen Förderprogrammen und Gleichstellungsmaßnahmen distanziert.

    Einfaches Beispiel: Das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Ein Arbeitgeber darf mich nicht fragen, ob ich Kinder haben möchte. Es ist mir nicht möglich mit einem Arbeitgeber offen und ehrlich über unser Arbeitsverhältnis zu reden und zu sagen: „Nein ich möchte erstmal keine Kinder und wenn ich meine Meinung ändere, können Sie mich ja immer noch feuern.“ D.h. ein Arbeitgeber wird eine Frau durch die statistische Brille betrachten müssen und entsprechend vorsichtig bei der Auswahl sein. Daraus resultieren imho Nachteile für Frauen.

    Hielte der Staat sich raus und wäre es einfach nur eine faire Aushandlung eines Vertrags, so hätte der AG mehr Handhabe, die Fälle individuell zu betrachten (er hätte aufgrund ca. einer Fantastilliarden anderer Regelungen dennoch nicht wirklich viel Handhabe, aber eben mehr..) Es klingt auch nicht unplausibel, dass AG lieber davon absehen könnten, Leute ob ihrer Gruppenzugehörigkeit nicht zum Vorstellungsgespräch einzuladen, um ev. Klagen aus dem Weg zu gehen.

    Als liberale Feministin denkt man sich dann: Klassischer Fall von „das Gegenteil von gut ist gut gemeint“…

    Falls du feministische Links auf deinem Blog zulassen möchtest, hier mal ein Abriss, was mit Individualfeminismus noch so gemeint ist:

    http://www.ifeminists.com/introduction/faq.html

    Feminismus muss nicht zwangsläufig links sein.

    • Adrian 29. April 2012 um 16:26 #

      @ ketcar
      Leuchtet mir ein, aber warum nennt man das dann noch Feminismus. Was ist speziell feministisch an einer solchen Anschauung?

  4. ketcar 29. April 2012 um 22:50 #

    @Adrian:

    Leuchtet mir ein, aber warum nennt man das dann noch Feminismus. Was ist speziell feministisch an einer solchen Anschauung?

    Z.B. Individuen als Individuen zu behandeln. Z.B. dafür zu werben, dass man einem Kind nicht erzählen sollte, was es kann oder nicht kann, was es tun oder lassen sollte, womit es spielen sollte, oder nicht _weil_ es einen bestimmten Chromosomensatz trägt. Sexismus, der sich gegen Kinder richtet, gehört leider nicht der Vergangenheit an. Sexismus, der sich gegen Erwachsene richtet, auch nicht.

    Ich halte Feminismus und Maskulismus, wenn es wirklich nur um die Bekämpfung von Sexismus geht, daher schon für wichtig.

    Als Frau filtere ich natürlich mehr in Richtung „Sexismus, der sich gegen Frauen richtet“ und bin der Meinung, dass man da dagegenhalten sollte. Nur eben nicht mit staatlichen Maßnahmen, mit Eingriffen wie Quoten oder AGG, die nicht nur ungerecht, sondern letztlich auch kontraproduktiv sind.

    Feministisch ist es, für die finanzielle Unabhängigkeit der Frau einzutreten. Feministisch ist es z.B. auch, Wettbewerbsverzerrungen die jede einzelne Frau treffen, ganz gleich welche Familienplanung sie anstrebt, auf ihre Ursachen zurückzuführen, also z.B. die o.g. Regelungen (und unsere Steuer- Versicherungs- u. Familienpolitik) und solche Regelungen in Folge abzulehnen.

    Ich finde das gleichzeitige Eintreten für individuelle und wirtschaftliche Freiheit und Feminismus verträgt sich daher ganz gut.

  5. Marti 1. Mai 2012 um 13:20 #

    „…die politische Rechte…“ „…diese agiert zu oft einfach nur kalt, unmoralisch und bösartig.“

    Was für ein undifferenzierter Rundumschlag! Ich hätte hier eigentliche eine intelligentere Position erwartet und bin tief enttäuscht.

  6. dreeschheart 2. Mai 2012 um 18:37 #

    Was das „bessere Leben“ ist, das die Linke anstrebt, definiert sie selbst durch ihre stellvertretend für das „Gemeinwohl“ handelnden Eliten. Wer individuell etwas anderes als sie unter „besseres Leben“ versteht und sich nicht aus seinem „falschen Bewusstsein“ heraus „aufklären“ oder „emanzipieren“ lassen möchte, wird schnell zum Störfaktor, der neutralisiert werden muss.

    Die Jobbik ist eine traditionell nationalsozialistische Partei, sie betrachtet Homosexualität als Hemmschuh für das „Gemeinwohl“. Damit ist sie eine klassische sozialistische Partei. Wie überhaupt im Regelfall fast alles, was in Europa als „rechtsradikal“ gilt, in Wahrheit nur eine ultranationalistische Linke darstellt: http://dreeschheart.wordpress.com/2012/04/23/wer-ist-schuld-am-le-pen-erfolg/

  7. Yadgar 4. Mai 2012 um 14:41 #

    @dreeschheart:

    Die Auffassung, dass das Individuum vor den Ansprüchen der Gemeinschaft zurückzustehen hat, ist nicht nur eine sozialistische, sondern immer auch eine konservative, also „rechte“ gewesen. Individuelle Freiheit wird im Konservatismus nämlich wenn überhaupt nur den Angehörigen der Elite zugestanden („quod licet Iovi non licet bovi“), der Durchschnittsmensch hat sich anzupassen und zu gehorchen – was völlig in Übereinstimmung mit der christlichen Tradition steht, auf die sich auch und gerade sogenannte echte Rechte (z. B. Monarchisten im Gegensatz zu National-„Sozialisten“) üblicherweise berufen. Rechte sind nicht liberal! Sie geben es lediglich vor zu sein, um gegen links argumentieren zu können, an sich wird im christlich-konservativen Idealstaat auch nur in Reih und Glied marschiert, da ist kein Platz für Individualismus (zumindest nicht für Individualismus außerhalb der wirtschaftlichen Sphäre), schon gar nicht für solche „dekadenten Abweichungen“ wie Homosexualität!

  8. Yadgar 5. Mai 2012 um 04:33 #

    @dreeschheart:
    Ich habe mir gerade mal deine Blogroll angesehen – und bin einigermaßen verwirrt! Gay West und Theocons – wie geht das zusammen?

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