Die rosa Armada

14 Jun

Die „Church of England“ genannte britisch-anglikanische Kirche – noch immer offizielle Staatskirche unter dem Vorsitz der britischen Königin – verdankt ihre Existenz im Wesentlichen einem liebestollen König, der sich von Rom losgesagt hat, um sich scheiden zu lassen und seine Geliebte zu ehelichen. Es ist also nicht übetrieben zu behaupten, dass es die „Church of England“ ohne eine historische Neudefinition der Institution „Ehe“ nicht geben würde.

Umso überraschender nun die Weigerung der Staatskirche, einer erneuten Neudefinition der Ehe ihren Segen zu erteilen, ja diese sogar als „Bedrohung“ zu bezeichnen:

2015 soll in Großbritannien die Gleichberechtigung beginnen. Spätestens dann will Premierminister David Cameron erlauben, dass Männer Männer und Frauen Frauen heiraten. Über die Parteien hinweg sind sich die Briten einig darüber, dass der Schritt überfällig ist. Ob sie mit der Wucht des Widerstands gerechnet haben?

 Glaubensvertreter der Church of England, Mutterkirche von mehr als 24 Millionen Anglikanern auf der Insel, warnten nun öffentlich vor den liberalen Plänen der britischen Politik. Sie sehen die Fundamente des Kirchenrechts in Gefahr, so sehr, dass sie ein einheitliches Verständnis von Ehe voraussetzen, um im Königreich weiter Staatskirche sein zu können. In ihrer 500-jährigen Geschichte sei die Homo-Ehe die schlimmste Bedrohung.

Seit der Herrschaft Heinrich VIII. im 16. Jahrhundert gehört die Church of England untrennbar zur englischen Krone. Sie überstand den englischen Bürgerkrieg und die Angriffe der spanischen Armada, wie der „Telegraph“ schreibt. Dass die Kirchenoberen die Schwulenehe nun zum Trennungsgrund stilisieren, werten Beobachter als Zeichen für die grundsätzliche Dimension der Frage.

Bemerkenswert ist immerhin, die unumwundene Ehrlichkeit der Kirchenvertreter, die ja selbst zugeben, dass es nicht so sehr um das Prinzip der Ehe an sich geht, sondern vielmehr um die traditionellen Privilegien als Staatskirche, mit der offiziell alleinigen Definitionsmacht darüber, was Glaube und Religion zu bedeuten hat:

Der Bischof von Leicester im Zentrum Englands kritisierte die Eile, mit der die Politik das Thema behandle, und warnte vor „unbeabsichtigten Folgen“. „Wenn in England ein staatliches Verständnis von Ehe entsteht, das sich von der Haltung der Kirche unterscheidet, wird dies das Verhältnis von Kirche und Gläubigen verändern“, sagte er.

Dabei wäre die Lösung ganz einfach: Die anglikanische Kirche Großbritanniens müsste lediglich ihren Widerstand gegen die Homo-Ehe aufgeben und sich an de Spitze der Befürworter stellen, dann wäre die Verhältnisse Staat-Kirche und Kirche-Gläubige wieder im Reinen.

Sicherlich: All diese Querelen gäbe es ohnehin nicht, wären Ehe und Kirche rein privatrechtliche Institutionen, ohne Definitions- und Deutungsmacht des Staates. Soviel Aufklärung kann man aber selbst in Großbritannien des 21. Jahrhunderts nicht erwarten.

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Eine Antwort to “Die rosa Armada”

  1. Ralf 15. Juni 2012 um 18:25 #

    Richtig, die anglikanische Kirche ist die Privatkirche eines Ehebrechers, Ehefrauenmörders und Hurenbocks. – Als solche ist sie geradezu prädestiniert, moralische Werturteile über anständige Menschen abzugeben. Es ist der Staat, der sich von einer solchen Bande endlich trennen sollte. Immerhin denkt Charles laut darüber nach, bei einer etwaigen Thronbesteigung, die freilich immer unwahrscheinlicher wird, weil seine Mutter ihn wohl überleben dürfte, auf die „Würde“ des Kirchenoberhauptes zu verzichten.

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