Katholisch, kinderfeindlich, kurios

19 Jun

Das Bayerische Verwaltungsgericht Augsburg hat heute entschieden, dass auch in einer katholischen Pfarrkirchenstiftung eine Lebenspartnerschaft kein Grund für die Kündigung während der Elternzeit ist.

Ein wenig irre klingt das ja schon: Ausgerechnet Kirche, sozusagen die institutionalisierte Nächstenliebe, Verteidigerin von Familie, Elternschaft und Kindeswohl (so jedenfalls die Selbstdarstellung) kündigt eine Mitarbeiterin mit Kind wegen der Begründung einer (Lebens-)Partnerschaft. Alleinerziehende mögen sie auch nicht. Irgendwie kann man es diesem Verein nie Recht machen.

Natürlich kann man jetzt wieder geltend machen, die katholische Kirche habe eben ihre eigene Auffassung von Moral und Nächstenliebe und deshalb sei es auch gut so, dass die üblichen Gesetze in ihrem Bereich nicht zum Vollzug kämen. Dann aber sollte man beachten, wie der LSVD richtig anmerkt, dass

die katholische Kirche im Auftrag des Staates Erziehungsaufgaben übernimmt

und daraus könnte man seitens des Staates durchaus die Verpflichtung der Kirchen ableiten, sich zukünftig auch dem geltenden Recht zu unterstellen. Was hierfür zu tun ist, hat der LSVD knapp und treffend formuliert:

Die Privilegien, die der katholischen Kirche im Arbeitsrecht bislang gewährt wurden, müssen überprüft und um einen Diskriminierungsschutz erweitert werden.

Sollte die Kirche das verweigern, steht es ihr selbstredend frei, auch in Zukunft entgegen dem Kindeswohl und ihrer Fürsorgepflicht für die Mitarbeitenden zu handeln, dann aber konsequent weder mit staatlicher Akzeptanz noch mit entsprechender finanzieller Unterstützung.

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Eine Antwort to “Katholisch, kinderfeindlich, kurios”

  1. Ralf 20. Juni 2012 um 11:47 #

    Es lässt sich nur immer wiederholen: Wer einen Arbeitsvertrag mit dem Teufel abschließt, muss sich an dessen Regeln halten, so ist das nun mal in unserem scheinsäkularen Staat. Während der Elternzeit überwiegt das Recht des Kindes. Danach ist das Kind aus dem Spiel. Dann sind nur noch die Grundrechte der Frau auf Gleichheit vor dem Gesetz und auf freie Entfaltung der Persönlichkeit einerseits und der Anspruch der Kirche auf Freiheit vom staatlichen Verfassungsrecht andererseits abzuwägen. Und was das heißt, ist klar: Die Frau fliegt, denn die Kirche steht über den Menschenrechten und darf sie ungehindert mit Füßen treten. Aber wie gesagt… das weiß man, ehe man sich ihr als Arbeitskraft andient.

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