Scheiß auf Cat Stevens

25 Jun

Eine Frau im Niqab schenkt einem Kerl auf der Bühne eines Punkkonzerts einen Blowjob. Ein Hetero-Moslem zieht sich aus und eine Burka wieder an. Sonst nichts. Sein Schwanz wird steif , er wichst und stellt sich vor, wie er seinem Kumpel einen Blowjob gibt.  Ein schwuler Moslem erzählt über die Verschmelzung von muslimischem Punk mit schwulem Punk. Es wird gekifft, gesoffen und gevögelt – und gebetet. Zu Allah. Der Guardian spricht vom „Hunter S. Thompson der islamischen Literatur“, der amerikanische Verleger nennt es für die

Literatur das, was die Sex Pistols für die Musik sind.

Die Rede ist von „Taqwacore“ von Michael Muhammad Knight. Taqwacore wird darin definiert als Anpassung der Werte des Punk

an den Islam. Ich war umgeben von absichtlich schlechten Muslimen, aber sie liebten Allah mit einer verrückten Leidenschaft, die über den verschlafenen, geistlosen Ritualismus und die dummen Fantasien des Islam hinausging, die besagen, dass unser Glaube eine eingeschriebene moralische Überlegenheit besitzt, die uns ein Anrecht auf die Herrschaft über die Welt gibt.

Eine Definition mit der sich ganz sicher auch viele unkonventionelle Menschen in anderen Religionen identifizieren könnten. Es geht darum, seinen Glauben selbstverantwortlich zu gestalten. Um Freiheit geht es, die andere so sein lässt wie sie sind:

Sie hassen uns alle aus irgendeinem Grund. Mich, weil ich ein Bier in der Hand halte, dich, weil du Schwänze lutschst, Rabeya dafür, dass ihre Klitoris unversehrt ist. Wir alle tun irgendetwas, das haram ist. Seht uns an. Wir sind diejenigen, die immer ausgeschlossen worden sind, wir wurden geächtet, wir haben Angst, wir selbst zu sein, wenn wir mit unseren verdammten Brüdern zusammen sind. Für uns bauen sie keine Moscheen. Das müssen wir selber machen.

Niemanden ausschließen ist dann auch die Devise bei der Organisation eines Taqwacore-Festivals, das die Jungs aus dem Buch auf die Beine stellen. Und deshalb, weil man niemanden ausschließen will, darf auch eine Band spielen, die sehr wohl andere ausschließen möchte. Wo das endet, das lest Ihr am besten selbst nach. Schließen möchte ich meinen Leser*innen Lust machen auf das Buch mit einem Zitat, das man getrost als programmatisch für den Titel bezeichnen darf:

Scheiß auf den hiesigen Imam, scheiß auf die Gelehrten von Medina, scheiß auf Siraj Wahhaj, scheiß auf Cat Stevens. Scheiß auf die Traditionalisten und scheiß auch auf die Apostaten – scheiß auf Ibn Warraq, scheiß auf Anwar Sheikh, scheiß auf Ali Sina, scheiß auf sie alle, ich kotze jedes Buch aus, das ich jemals gelesen habe, gebt mir den Islam in einem Kornfeld in einer sternenklaren Nacht, wenn der Wind durch mein Hemd bläst, und lasst mich leichtsinnig vom Wege Allahs abweichen, auch wenn es zu gar nichts führt und nur wehtut. Knietief in einem Bach finde ich meinen Kitab. Wenn Allah mir irgendetwas zu sagen hat, dann soll Er es mit den Gesichtern meiner Brüder und Schwestern tun. Wenn es irgendein Gesetz gibt, dem ich folgen soll, dann werde ich es da draußen in der Welt finden.

Amen!

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5 Antworten to “Scheiß auf Cat Stevens”

  1. Yadgar 25. Juni 2012 um 21:34 #

    Och nöö… Cat Stevens war doch so ein hübscher Schwarzbartschnuckel in den 70ern… und ist auch heute noch als Yusuf ganz ansehnlich! O.k., Punk ist und war seine Musik natürlich nicht gerade…

  2. subcomandante marcus 26. Juni 2012 um 00:20 #

    http://jungle-world.com/artikel/2011/36/43959.html

    http://www.punk-im-dschungel.de/

    -empfehlenswerter film, auch für nicht-insider.

    wenn ich mich richtig erinnere, hat cat stevens aka yusuf islam mal die fatwa gegen salman rushdie verteidigt, aber ich glaube sich später davon distanziert. fand ich anno dunnemals extrem scheisse von dem. die frischbekehrten sind aber auch die unausstehlichsten in jeder konvertitenszene, seien die jetzt salafisten oder veganer oder straight edge oder katholiken usw. usf.

    punk hat dagegen noch nie jemandem geschadet, ausser denen gegen die er sich richtet.

    ich glaub das buch kauf ich mir noch als ferienlektüre.

    • Damien 26. Juni 2012 um 10:17 #

      @sub: Viel Spaß beim Lesen und überhaupt in den Ferien! 🙂

      „punk hat dagegen noch nie jemandem geschadet, ausser denen gegen die er sich richtet.“ Ich hab die Punkszene früher nicht immer als besonders gay-friendly erlebt, ganz im Gegenteil. In einem Beitrag hier über die Jesus-Freaks habe ich auch mal was über die Cro-Mags und die Bad Brains ausgegraben: https://gaywest.wordpress.com/2007/06/19/punks-make-dead/

  3. subcomandante marcus 26. Juni 2012 um 16:35 #

    da gibt es eben auch spinner, wie überall. aber typischer ist sowas:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Queercore

    http://en.wikipedia.org/wiki/Homocore_%28zine%29

    • Damien 26. Juni 2012 um 16:51 #

      @sub: Keine Ahnung, wie typisch das ist, immerhin steht auch in dem ersten von Dir verlinkten Text: „Aufgrund des weiterhin bestehenden Problems von Homophobie in der Hardcore-Punk Szene …“.

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