Mein Schwanz gehört mir! – Von Pferden und Kindern

15 Jul

Beim Thema Beschneidungen komme ich mir langsam vor, wie in einer grotesken Tragikomödie. Ich kann die Argumentation der Befürworter einfach nicht mehr nachvollziehen. Wenn man überhaupt von Argumentation sprechen kann, denn außer dem Einwand „Haben wir schon immer so gemacht“ höre ich eigentlich nicht viel.

Und jetzt auch noch das. Kann mir das einer erklären?

Die Grünen wollen die Brandzeichen bei Pferden verbieten. “Wir sehen nicht ein, warum man Verbrennungen dritten Grades zufügen muss, wenn es für die Tiere weniger schmerzhafte Methoden wie Chips und Transponder gibt”, erklärte die Vizechefin der Grünen-Fraktion, Bärbel Höhn, der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” (Freitagausgabe). Ihre Fraktion habe im Bundestag ein Verbot des “Schenkelbrandes” beantragt und könne sich auch auf den Bundesrat berufen: “Die Bundesländer wollen das auch, und die EU geht in dieselbe Richtung.”

Es ist natürlich schön und gut, das die Grünen eine für die Tiere äußerst schmerzhafte Prozedur verbieten wollen. Aber, was unterscheidet ein Brandzeichen eigentlich von der Beschneidung von Jungen, welche die Grünen ausdrücklich erlauben wollen?

Gehen wir die Gemeinsamkeiten von Beschneidungen und Brandzeichen doch einmal Schritt für Schritt durch:

– beides tut bei der Durchführung weh

– beides geschieht ohne Zustimmung des Pferdes bzw. des Kindes

– beides ist irreversibel

– beides ist lebenslang erkennbar

– beides wird seit Jahrhunderten praktiziert

Dazu kommt, dass die gesundheitlichen Risiken bei Beschneidungen im Schnitt sogar größer als bei einem Brandzeichen sind.

Wo besteht also der Unterschied zwischen beiden Praktiken? Warum soll das eine erlaubt sein und das andere nicht? Kann mir einer die Logik erklären?

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5 Antworten to “Mein Schwanz gehört mir! – Von Pferden und Kindern”

  1. x 15. Juli 2012 um 15:16 #

    „Kann mir einer die Logik erklären?“

    Die Logik der Grünen ist Folgende:

    Männer sind Schweine, Jungs eben auch. Pferde aber nicht.

    Also keine Probleme. Is doch Logo.

  2. crumar 15. Juli 2012 um 17:16 #

    Das kann ich dir eigentlich ganz einfach erklären.
    Pferde sind Tiere und damit schutzwürdig – Jungen sind angehende Männer und damit sind sie es nicht.

    Der Clou ist sich einmal anzuschauen, was bei Mädchen zum Thema Zwangsbeschneidung an gesetzlichen Maßnahmen aufgefahren wird.
    Strafbar in Deutschland – als Auslandsstraftat – ist die Beschneidung bei Mädchen, bei Jungen sorgen sich alle um den Beschneidungstourismus.
    Bei Mädchen wird über eine ärztliche Meldepflicht nachgedacht – bei Jungen soll eine Sondergesetzgebung geschaffen werden, die diesen Eingriff straffrei ermöglicht.

    Es ist eine ganz einfache Feststellung: Menschenrechte sollen halbiert werden.
    Menschenrechte werden selektiv zu- und auch wieder aberkannt.
    Und man wäre doof, nicht auf das Geschlecht zu schauen derjenigen, denen diese Rechte jetzt und künftig vorenthalten werden.

    Grundgesetz? Menschenrechte? Körperliche Unversehrtheit? Genitale Autonomie?
    Geht es um das männliche Geschlecht: Scheiß drauf!

    Dabei hat jeder Zwangsbeschneidungsbefürworter aus jedem politischen Lager eine bestimmte Lieblingsidee, für die die Jungen (wörtlich) bluten müssen.
    Ein paar Dumm-Linke haben ihre Idee vom Multikulturalismus, ein paar Doof-Rechte und Blöd-Liberale die der uneingeschränkten Religionsfreiheit.
    Es ist die ganz große Koalition der Grundgesetzgegner – wenn es gegen Jungen und Männer geht.

    Liest du die Zwangsbeschneidung einmal als Ritual, als Einübung in die gesellschaftliche Rolle des Mannes, dann macht diese Haltung zutiefst Sinn: Was ist dein individueller Wille als Mann, gegen das gaaaaanz große gesellschaftliche Ziel?

    Was ist deine Vorhaut gegen Multikulturalismus und Religionsfreiheit?
    Historisch und gesellschaftliche gefragt: Seit wann hast du – als Mann – das individuelle Verfügungsrecht über deinen Körper?
    Wir bestimmen bspw., wann du in den Krieg zu ziehen hast, wir bestimmen, wie lange du arbeiten musst, wir bestimmen also auch, wie deine Sexualität auszusehen hat.
    Zum Wohle des höheren Ganzen, der Religion, des Volkes, des Vaterlandes! SchnippSchnapp.

    Der Aspekt Sex ist in den USA wichtig, wo es klipp und klar *immer* um die Verhinderung der Masturbation bei Jungen ging.
    Sexualität sollte zielgerichtet sich a. auf Frauen b. auf die Ehe beziehen – jedwede sexuelle Autonomie sollte unterbunden werden.

    Aber auch wenn wir das nicht auf Top 1 setzen so ist doch interessant, wie oft hier in D nachgebetet wird, es gäbe bei der Beschneidung „keinerlei funktionelle Beeinträchtigungen“.
    Dabei wird durch die Beschneidung eine Lederhaut erzeugt – die Schleimhaut auf der Eichel trocknet aus. Diese gewollte und gezielt herbeigeführte Minderung der *natürlichen* Empfindungsfähigkeit, die Zufügung von Schmerzen kurz nach der Geburt des Jungen nicht als Beeinträchtigung zu sehen, zeigt das dahinter verborgene Männerbild auf:

    Desensibilisierung als Einübung in die soziale Rolle des Mannes.
    Zufügung von Schmerz als Einübung in das Ertragen von Schmerzen.
    Herabsetzung der Empfindungs- und Genussfähigkeit.
    Willkommen im Arschlochgeschlecht – das ist die Botschaft.

    Das Beharren auf der Aussage, die „Funktion“ des Penis werde nicht beeinträchtigt verweist auf gesellschaftliche Vorstellungen davon, was die *eigentliche* Funktion männlicher Sexualität sein soll, der der Mann zu genügen hat.
    Wobei seine eigenen Vorstellungen kein Jota interessieren.

    Hier stehen diese – verborgenen, perfiden – Einstellungen gar nicht zur Diskussion.
    Sondern sie werden per Zwang von außen am Kind
    a. ohne dessen Willen und Einverständnis
    b. ohne Entscheidungsmöglichkeit oder Wahlfreiheit durchgesetzt.

    Die Ohnmacht des Jungen, die sich in dem Vollzug eines „höheren, gesellschaftlichen Willens“, in der Durchsetzung der Zwangsbeschneidung ausdrückt darf aber gar nicht sein.
    Denn Ohnmacht und Leid entspricht nicht der männlichen Rolle.
    Sie wird zwar objektiv durch die Zwangsbeschneidung produziert, nur dürfen die MOTIVE und der ZWECK nicht zur Sprache kommen.
    Deshalb die Relativierungen und die Verharmlosungen, die Ignoranz.

    Wären hier echte Gender Theoretiker am Werk, es würden die Alarmglocken klingeln, man spräche von einem besonders schweren Vergehen gegen die sexuelle Autonomie und die körperliche Unversehrtheit von Kindern.
    Da aber die Genderisten nur ein Sex kennen, das die Macht hat und eines, welches auf Ohnmacht und Diskriminierung gebucht ist, darf es keinen Ohnmachtspenis geben.

    Daher die ganz große Koalition der Zwangsbeschneidungsbefürworter.
    Bei Jungen.
    Daher auch die eilfertige Zustimmung zur Halbierung von Menschenrechten, der Aushebelung des Grundgesetzes und der Schaffung einer Sondergesetzzone.

    Schönen Gruß, C.

  3. ohmannohjens 16. Juli 2012 um 12:34 #

    Hallo Adrian,

    ich bitte Dich um Mithilfe, ich möchte den Artikel weiter verbreiten, Vielleicht kannst Du ihn als eigenständigen Beitrag auf Deiner Seite übernehmen:

    http://www.auxiliaris.org/phimose-briefaktion-beschneidungsgesetz/

    Jeder kann sie übernehmen, der diese Folterungen an wehrlosen Kinder öffentlich machen will. Schreit im Namen, die unsägliche Not all dieser dieser brutalst gequälten Jungs, hinaus. Sie brauchen unsere Hilfe. Menschenrechte gelten für sie nicht- noch nicht einmal der Tierschutz wird bei ihnen angewendet….

    Übrigens Ferkel sollen bald auch nicht mehr ohne Narkose kastriert werden. Jungs sind eben weniger wert als ein Tier.

  4. Dr. Fritz Baur 16. Juli 2012 um 21:02 #

    crumar 15. Juli 2012 um 17:16 #: …sehr gut! Bestens analysiert und genauu getroffen!

  5. ohmannohjens 21. Juli 2012 um 08:06 #

    Was würde geschehen, wenn die Muslime ihr Recht, bezüglich ihrer Religionsfreiheit anfordern, Frauen schlagen zu dürfen- zu müssen. Dies ist im Koran als „Pflegeanweisung“ vorgesehen. Der Prophet Mohammed gab sogar klare Anweisungen:“…schlagt sie nicht ins Gesicht- verunstaltet sie nicht…aber mehr als zehn Hiebe dürfen nicht ausgeteilt werden…ihre Knochen dürfen nicht gebrochen werden….ihre Zähne nicht ausschlagen oder ihr ins Auge stechen….es wird nur eine leichte Körperverletzung angeraten, wenn z.B.die empfohlene Sexverweigerung des Mannes bei ihr nichts bewirken kann- würden die Politiker(er)INNEN das auch per Gesetz genehmigen, wie die Vorhautentfernung bei Jungs????. Ich bin mir absolut sicher, sie würden es (…)

    Wie kann man die (bald) staatlich genehmigten und vorgeschriebenen Misshandlungen an den kleinen Jungs verhindern?

    Naja, sie müssen bei der Enthäutung, laut einiger mütterlich beseelten Poltik(er)innen, wie bei der Fergel- kastration, betäubt werden…Mehr Menschen…sorry, Tierschutzrechte gibt es für sie nicht…Und eine Vorhaut ist absolut unwichtig, also warum einen Aufstand verurachen:

    Christ ine Lamb(UN)recht/in SPD:

    „Genitalverstümmelung von Mädchen hat nichts, aber auch gar nichts mit der Beschneidung von Jungen zu tun.“

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