Mein Schwanz gehört mir! – Dafür sorgen, dass es so bleibt

17 Jul

Es ist zu erwarten, dass der Bundestag demnächst ein Ausnahmegesetz beschließt, dass es religiösen Gruppierungen erlaubt, kleine Jungen weiterhin beschneiden zu lassen und Körperverletzung nicht mehr als Körperverletzung zu ahnden. Wer das nicht gutheißt, kann unseren staatlichen Repräsentanten ja mal ein paar Zeilen schreiben und Protest einlegen.

Einen diesbezügliche Musterbrief gibt es hier:

Bundeskanzleramt
Bundeskanzlerin
Frau Dr. Angela Merkel
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

Kontaktformular: https://www.bundeskanzlerin.de/Webs/BK/De/Service/Kontakt/kontakt.html

Bundespräsidialamt
Herrn Joachim Gauck
Spreeweg 1
10557 Berlin

bundespraesidialamt@bpra.bund.de
Kontaktformular: https://www.bundespraesident.de/DE/Service/Buergerkontakt/buergerbuero-node.html

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
Sehr geehrter Herr Bundespräsident Gauck,

die deutsche Bundesregierung plant, in Reaktion auf das Urteil des Kölner Landgerichtes zur religiösen Beschneidung minderjähriger Jungen und die darauffolgenden heftigen Proteste der betroffenen religiösen Gruppen ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das religiöse Beschneidung minderjähriger Jungen dauerhaft für rechtmäßig und straffrei erklärt.

Ich widerspreche diesem Vorhaben auf das Heftigste.

Beschneidung ist eine Körperverletzung, die den Körper des Kindes irreversibel verändert,  ihm Schmerzen und Leid zufügt, ihm einen wertvollen Körperteil nimmt und seine Sexualität für den Rest seines Lebens negativ beeinflussen kann.

Bei Beschneidungen, gleich unter welchen Bedingungen sie durchgeführt werden, kommt es immer wieder zu Komplikationen, die lebenslange Beeinträchtigungen und sogar den Tod des Kindes zur Folge haben können.

Die in der derzeitigen Debatte angeführten gesundheitlichen und hygienischen Vorteile der Beschneidung sind höchst umstritten. Zudem betreffen sie sexuell übertragbare Krankheiten, d.h. der zweifelhafte Schutz durch die Beschneidung wirkt sich erst in einem Alter aus, in dem der Betroffene selbst abwägen und entscheiden könnte.

Religiöse Beschneidung verletzt daher fundamentale Grund- und Menschenrechte des Jungen. Sie schränkt seine Religionsfreiheit als Individuum ein, indem sie ihm das Bekenntnis zur Religion seiner Eltern aufzwingt und ihn für den Rest seines Lebens irreversibel damit kennzeichnet.

Ein Verbot von nicht medizinisch notwendigen Beschneidungen an nicht zustimmungsfähigen Kindern ist somit auf Basis der Rechtsfundamente der Bundesrepublik Deutschland geboten.

Ich habe jedoch Verständnis, dass Juden und Muslime sich von dem Urteil bedroht und angegriffen fühlen. Diesen Sensitivitäten muss Rechnung getragen werden. Dies kann jedoch nicht erfolgen, indem die religiöse Beschneidung von Kindern dauerhaft entgegen unserer Gesetzesgrundlagen legalisiert wird.

Es ist vielmehr ein Kompromiss zu finden, der religiöse Beschneidungen unter kontrollierten Bedingungen für einen festgelegten Zeitraum straffrei stellt, um in dieser Zeit den Wandel in den Religionen, weg von Zwangsbeschneidung von Kindern und hin zu freiwilliger Beschneidung zustimmungsfähiger Erwachsener, aktiv voranzutreiben.

Religionen haben sich immer wieder reformiert und modernisiert, um sich neuen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Vorstellungen anzupassen. Die Abschaffung von religiöser Zwangsbeschneidung von Kindern ist ein weiterer solcher Schritt, der nötig, überfällig und – wie Reformbewegungen inbesondere im Judentum zeigen – auch möglich ist.

Die Bundesrepublik Deutschland könnte eine Vorreiterrolle spielen in dieser Entwicklung hin zu einer fortschrittlichen menschlichen Gesellschaft, die die Rechte des Individuums, die Rechte des Kindes, in das Zentrum stellt und dort schützt, wo es sich nicht selbst schützen kann.

Das aktuelle Vorhaben der Bundesregierung jedoch weist einen Weg, der freiheitliche, ethische und humanistische Werte zugunsten von rückwärtsgewandten, anti-aufklärerischen und autoritären Strukturen hintenanstellt.

Ich appelliere daher an Sie, auf eine andere Lösung als die aktuell angestrebte hinzuwirken.

Mit freundlichen Grüßen,

—————————————-

(hattip: auxiliaris.org)

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10 Antworten to “Mein Schwanz gehört mir! – Dafür sorgen, dass es so bleibt”

  1. ohmannohjens 17. Juli 2012 um 12:24 #

    Für die Weiterverbreitung, vielen vielen Dank!

  2. Yadgar 17. Juli 2012 um 18:35 #

    Der Staat ist hier in der Zwickmühle… gibt er den Kritikern des Urteils nach und erlaubt religiöse Beschneidungen an Minderjährigen, werden als nächstes fundamentalistische Evangelikale unter Berufung auf z. B. die Sprüche Salomos die Wiedereinführung des elterlichen Züchtigungsrechts fordern. Und irgendwann auch wieder den Kuppeleiparagraphen und den „175er“…

    Umgekehrt kann man durchaus die Frage stellen, wieso eigentlich nur Körperverletzung im Namen der Religion, nicht aber religiös motivierte seelische Grausamkeit gegen Kinder strafbar sein sollte… die Konsequenz wäre, jegliche religiöse Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen unter Strafe zu stellen, Kirchen, Moscheen, Synagogen und sonstige Stätten religiöser Zusammenkünfte zu jugendgefährdenden Orten zu erklären und sämtliche religiöse Literatur rechtlich Pornographie gleichzustellen: Bibel, Koran & Co. einschließlich theologischer Sekundärliteratur nur in Spezialgeschäften, zu denen Minderjährige keinen Zutritt haben, totales Werbeverbot, umfassende Internet-Zensur…

    Logisch konsequent betrachtet haben wir eigentlich nur die Wahl zwischen einem Gottesstaat à la Rousas Rushdoony (oder meinetwegen nach Taliban-Art) – oder einem rabiat antireligiösen Regime.

    Ich hoffe nur, dass es auch in Zukunft nicht „logisch konsequent“ zugeht…

  3. gw 18. Juli 2012 um 06:43 #

    Ist das eigentliche rechtliche Problem nicht ohnehin eine Grundrechtsabwägung, die letztlich nur das BVerfG vornehmen kann und bei der eine Gesetzesänderung keine Rolle spielt? Oder soll das wieder so eine Regelung „verboten, aber straffrei“ werden?

  4. ohmannohjens 18. Juli 2012 um 07:09 #

    Yadgar@

    Die Regierung befand sich auch nicht in der Zwickmühle, als sie noch jedes männliche Kind- jeden Jugendlichen in die militärische Sklaverei getrieben hat. Religöse Gesinnungen spielten dabei absolut keine Rolle, sie wurden in keinster Weise beachtet und wenn nötig mit Gewalt außer Kraft gesetzt. Von Geldstrafen bis zur Beugehaft hat dieser, bis zur Unerträglichkeit korrupte Staat, alles eingesetzt, um das Schlachtvieh gefügig und willenlos zu machen….

  5. Adrian 18. Juli 2012 um 12:13 #

    @ gw
    „Ist das eigentliche rechtliche Problem nicht ohnehin eine Grundrechtsabwägung, die letztlich nur das BVerfG vornehmen kann und bei der eine Gesetzesänderung keine Rolle spielt?“

    Das BVerfG kann sich nur am GG orientieren. Problem: Das GG taugt nix. Es würde ohne Probleme religiöse Beschneidung zulassen, solange es nur durch ein Gesetz erlaubt wird. So steht es ja auch im GG:

    Art 2, Absatz 2: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

    http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_2.html

  6. CK 18. Juli 2012 um 21:13 #

    @Adrian: Wie man diesen Paragraphen umändern müsste, jedenfalls sinngemäss, habe ich Dir ja in unser GG-Debatte erklärt 😉

    Aber hier schau mal:
    http://video.google.com/videoplay?docid=8212662920114237112

    Hast Du dieses Video schon gesehen gehabt?
    Heftig, oder? Anscheinend alles ohne wirkliche Betäubung.

  7. ohmannohjens 20. Juli 2012 um 08:50 #

    Bundestagsfraktionen wollen Beschneidungen zulassen

    Berlin (dapd). Rituelle Beschneidungen sollten nach dem Willen einer breiten Mehrheit im Bundestag auch künftig in Deutschland möglich sein. Die Fraktionen von Union, SPD, FDP und Grünen planen dazu eine gemeinsame Entschließung im Bundestag. Unterdessen nannte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) Bedingungen, unter denen eine Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen künftig zulässig sein soll.

    http://de.nachrichten.yahoo.com/bundestagsfraktionen-wollen-beschneidungen-zulassen-141945397.html

    Die Kindesmisshandlung darf an den wehrlosen Kerlchen in aller Wahrscheinlichkeit fortGESETZt werden- bei Mädchen würden die Volkszertret(er)innen garantiert anders entscheiden und christlich- menschliche- grundgesetzliche Maßstäbe anlegen….

    Ich kann es nicht fassen, obwohl ich es genau wusste, diese Sadisten(innen) entscheiden sich- (natürlich nur zum Wohle des deutschen Volkes) für die sinnfreie Körperverletzung- religöse Vergewaltigung- göttliche Verstümmelung dieser wehrlosen Kinder…es sind halt nur wertlose Jungs, die weit unter dem Wert eines Tieres stehen, dass besser vor Misshandlungen geschützt wird…Tja, Gott hat es so angeordnet…oder wer auch immer…..

    Siebenmal Sakrament, noch mal:

    Christliche Gnade wird es für diese Kreaturen nicht geben…auch wenn:

    Gnade ist jede innere, übernatürliche Gabe, die uns Gott schenkt, damit wir die ewige Seligkeit erlangen. Um sie zu erhalten, müssen wir darum beten und die Sakramente empfangen.

    Die helfende Gnade ist nicht zum Heil notwendig, aber sie hilft uns vor allem durch den Empfang der übrigen Sakramente, das göttliche Leben in uns zu bewahren und wachsen zu lassen. Sie bewegt außerdem unseren Willen, dass wir das Gute tun und das Böse meiden.

    http://www.gmx.net/themen/gesundheit/krankheiten/889f8n8-hiv-epidemie-schwulen-verschlimmert

  8. ohmannohjens 20. Juli 2012 um 08:52 #

    Bundestagsfraktionen wollen-wird- Beschneidungen zulassen

    Berlin (dapd). Rituelle Beschneidungen sollten nach dem Willen einer breiten Mehrheit im Bundestag auch künftig in Deutschland möglich sein. Die Fraktionen von Union, SPD, FDP und Grünen planen dazu eine gemeinsame Entschließung im Bundestag. Unterdessen nannte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) Bedingungen, unter denen eine Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen künftig zulässig sein soll.

    http://de.nachrichten.yahoo.com/bundestagsfraktionen-wollen-beschneidungen-zulassen-141945397.html

    Die Kindesmisshandlung darf an den wehrlosen Kerlchen in aller Wahrscheinlichkeit fortGESETZt werden- bei Mädchen würden die Volkszertret(er)innen garantiert anders entscheiden und christlich- menschliche- grundgesetzliche Maßstäbe anlegen….

    Ich kann es nicht fassen, obwohl ich es genau wusste, diese Sadisten(innen) entscheiden sich- (natürlich nur zum Wohle des deutschen Volkes) für die sinnfreie Körperverletzung- religöse Vergewaltigung- göttliche Verstümmelung dieser wehrlosen Kinder…es sind halt nur wertlose Jungs, die weit unter dem Wert eines Tieres stehen, dass besser vor Misshandlungen geschützt wird…Tja, Gott hat es so angeordnet…oder wer auch immer…..

    Siebenmal Sakrament, noch mal:

    Christliche Gnade wird es für diese Kreaturen nicht geben…auch wenn:

    Gnade ist jede innere, übernatürliche Gabe, die uns Gott schenkt, damit wir die ewige Seligkeit erlangen. Um sie zu erhalten, müssen wir darum beten und die Sakramente empfangen.

    Die helfende Gnade ist nicht zum Heil notwendig, aber sie hilft uns vor allem durch den Empfang der übrigen Sakramente, das göttliche Leben in uns zu bewahren und wachsen zu lassen. Sie bewegt außerdem unseren Willen, dass wir das Gute tun und das Böse meiden.

    http://www.gmx.net/themen/gesundheit/krankheiten/889f8n8-hiv-epidemie-schwulen-verschlimmert

  9. ohmannohjens 20. Juli 2012 um 11:52 #

    Hallo Adrian,
    der Link: http://www.gmx.net/themen/gesundheit/krankheiten/889f8n8-hiv-epidemie-schwulen-verschlimmert, passt nicht so ganz in Deinen Artikel. Ich hatte ihn nur „zwischengeparkt“. Vielleicht kannst Du ihn etwas passender verwenden?

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