Outing posthum

25 Jul

Die erste Amerikanerin im All, Sally Ride, ist tot. Ihre Homosexualität wird erst jetzt durch die Todesanzeige öffentlich bekannt. Ein weiterer Fall von Zwangs-Outing? Ich denke nicht, denn hier soll niemand durch das Outing zu einem Verhalten gezwungen oder von einem anderen abgehalten werden.

Solange Ride lebte, hatte sie ihre Homosexualität als Privatsache behandelt. Nun kann man dem Nachruf auf der Homepage ihrer Firma entnehmen, dass sie 27 Jahre mit einer Frau zusammengelebt hat. Rides Schwester erklärte dazu,

sie hoffe, die Nachricht, dass eine amerikanische Heldin lesbisch gewesen sei, erleichtere es Jugendlichen, mit ihrer Homosexualität umzugehen.

Dem kann man sich nur anschließen. Und noch einmal auf den Unterschied zum Zwangs-Outing bspw. bei Politikern hinweisen, ja, auch wenn diese sich nicht für gleiche Rechte für Homosexuelle einsetzen. Hier wird auch gerne argumentiert, ein Coming-Out von Prominenten wäre vorbildhaft für homosexuelle Jugendliche. Wohl wahr. Allerdings gilt das nur, wenn es sich um ein freiwilliges Coming-Out handelt. Denn welche fatale Ansage macht ein Zwangs-Outing schwulen Jugendlichen?

Sieh Dich vor, wem Du von Deinem Schwulsein erzählst, Du musst stets damit rechnen, dass jemand die Information gegen Deinen Willen veröffentlicht, wenn er der Ansicht ist, es sei politisch gerechtfertigt. Überlege Dir gut, ob Du Dich politisch oder anderweitig öffentlich engagieren willst, denn es gibt eine Zwangsgemeinschaft namens Community, die selbstherrlich definiert, wofür Du Dich als Schwuler einzusetzen hast, zu welchem Zeitpunkt, an welchem Ort und mit welcher Intensität. Vergiss die Idee persönlicher Integrität, als Schwuler bist Du Zwangsmitglied der Community und hast Deine eigenen Ansichten aufzugeben.

Ungefähr das dürfte die Botschaft sein, die ein Zwangs-Outing homosexuellen Jugendlichen vermittelt. Das klingt nicht gerade unterstützend für das eigene Coming-Out. Ganz im Gegenteil zu der Erfahrung, die das Miterleben eines selbstverständlichen und selbstbewußten Coming-Outs zu einem selbstgewählten Zeitpunkt vermitteln dürfte.

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Eine Antwort to “Outing posthum”

  1. Roland 27. Juli 2012 um 00:01 #

    Das war doch bei dem Mann mit dem schönsten Zahnpasta-Lächeln der Republik auch nicht viel anders.
    Erst nach seinem Tode haben die Menschen erfahren, dass Rex Gildo schwul war, und dass er mit seiner Homosexualität nicht zurecht gekommen ist.

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