Forschung flexibel

14 Aug

Unsere Augen verraten, wen wir sexuell attraktiv finden – Frauen, Männer oder beide Geschlechter. An der Weitung der Pupillen lässt sich also die sexuelle Orientierung eines Menschen ablesen. Das zeigt eine Studie US-amerikanischer Forscher. 

Echt beeindruckend, diese Wissenschaftler. Das hätte man einfach nicht erwartet! Voll konkret fanden die Forscher heraus:

Bei heterosexuellen Männern und Frauen weiteten sich die Pupillen beim Anblick des jeweils anderen Geschlechts. Homosexuelle Versuchspersonen zeigten eine deutliche Pupillenreaktion, wenn sie Angehörige des eigenen Geschlechts in erotischen Situationen sahen.

Ja, also, wer hätte das gedacht?! Die Erkenntnis selbst ist übrigens nicht ganz frisch, konnte bisher aber nur mit eher delikaten Mitteln gewonnen werden:

Dass sich die Reaktion auf das jeweils andere Geschlecht bei hetero- und homosexuellen Menschen unterscheidet, ist nicht neu. Aber belegen ließ sich das bisher nur über mündliche Befragungen oder über Sensoren direkt an den Genitalien – keine sehr angenehme Prozedur.

Falls sich jemand fragt, für wen solche Forschung nützlich ist:

Mit Hilfe der Pupillen-Methode lasse sich jetzt beispielsweise besser als zuvor erforschen, wie die sexuelle Orientierung bei Naturvölkern oder anderen traditionellen Kulturen sei, schreiben die Wissenschaftler. Das sei beispielsweise wichtig, um zu erfahren, wie sich die sexuelle Orientierung in verschiedenen Populationen weltweit unterscheide.

Wer aber will eigentlich wofür wissen, wie sich die sexuelle Orientierung in verschiedenen Populationen weltweit unterscheide?

Das könne dann auch wertvolle Aufschlüsse über die biologische Basis der menschlichen Sexualität geben.

Ach?

Interessant finde ich dieses Ergebnis:

Nicht immer stimmte die Reaktion der Pupillen dabei mit dem überein, was die Probanden zuvor in der Befragung angegeben hatten: Bei einigen Männern und Frauen, die sich selbst als heterosexuell bezeichneten, weiteten sich die Pupillen auch deutlich beim Anblick von Angehörigen ihres eigenen Geschlechts.

Mal sehen, wann die Ersten fordern: Wer homosexuell empfindet, soll sich auch so bezeichnen – oder wenigstens als bisexuell. Wer das nicht macht, fällt den anderen in den Rücken, stärkt das repressiv-faschistische System und ist ein Verräter an der sexuellen Emanzipationsbewegung.

Immerhin scheint man tatsächlich etwas Neues herausgefunden zu haben:

Dieses Ergebnis widerlege vor allem Vorurteile über die Sexualität von Männern, berichten die Forscher. Denn bisher glaubte man, dass sich nur heterosexuelle Frauen auch vom eigenen Geschlecht angezogen fühlen können. Bei Männern, so dachte man, gebe es eine sehr viel klarere Trennung zwischen homo- und heterosexuell. Doch das stimme nicht, sagen die Forscher.

Na ja, klingt jetzt auch nicht so super originell…

„Wir können eindeutig belegen, dass es nicht nur Frauen mit flexiblem sexuellem Begehren gibt“, sagt Koautor Ritch Savin-Williams. Auch bei Männern gebe es fließende Übergänge.

Und jetzt?

„Wahrscheinlich reicht selbst die Einteilung in schwul, heterosexuell und bi nicht aus, um diese Abstufungen zu erfassen“, konstatiert der Forscher.

Oops, am Ende kommt jetzt noch jemand auf die Idee, die ganzen Einteilungen überhaupt zu hinterfragen und erfindet einen völlig neuen Begriff, um Einteilungen zu sabotieren. Wie wäres es zum Beispiel mit „queer“? Ach, das gibt es längst?

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4 Antworten to “Forschung flexibel”

  1. Muriel 14. August 2012 um 14:49 #

    Ich habe da kürzlich so was von einer Studie gelesen, nach der womöglich selbst die Einteilung in schwarz, weiß und grau nicht ausreichen könnte, das Spektrum der elektromagnetischen Strahlung zu erfassen.
    Halte ich aber für schamlose Propaganda der Optiker-Lobby.

  2. Atacama 14. August 2012 um 15:37 #

    Ich hab einen begriff: Sexuell.
    Das ist jeder, selbst wenn er ein sexueller Atheist ist (asexuell).

  3. gw 14. August 2012 um 20:25 #

    „Nicht immer stimmte die Reaktion der Pupillen dabei mit dem überein, was die Probanden zuvor in der Befragung angegeben hatten: Bei einigen Männern und Frauen, die sich selbst als heterosexuell bezeichneten, weiteten sich die Pupillen auch deutlich beim Anblick von Angehörigen ihres eigenen Geschlechts.“ — nie war es einfacher, sich Forschungsergebnisse schönzureden.

  4. Adrian 14. August 2012 um 23:06 #

    „Bei einigen Männern und Frauen, die sich selbst als heterosexuell bezeichneten, weiteten sich die Pupillen auch deutlich beim Anblick von Angehörigen ihres eigenen Geschlechts.“

    Ich bin ziemlich sicher, dass sich meine Pupillen auch weiten, wenn ich etwas sehe, was ich nicht schön, unattraktiv oder eklig finde.

    “Wahrscheinlich reicht selbst die Einteilung in schwul, heterosexuell und bi nicht aus, um diese Abstufungen zu erfassen”, konstatiert der Forscher.

    Äh doch, „bisexuell“ recht zur Erfassung von Abstufungen eigentlich aus.

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