Die Ordnung des Planeten

17 Aug

In der gestrigen WELT fand sich ein Leserbrief zum Thema Ehegattensplitting. Darin wurde die These vertreten, dieses auch schwulen und lesbischen Paaren zukommen zu lassen, sei in Ordnung. Derartigen Paaren die Adoption von Kindern zu ermöglichen, sei hingegen ein Angriff auf die „Ordnung des Planeten“. Ja, geht’s auch eine Nummer kleiner? Zur Begründung hieß es, Kinder bräuchten die zwei Pole Mann und Frau – als wenn Kinder außerhalb ihrer Familie keine Vorbilder und Eindrücke bekämen. Schließlich wurde als Folge einer Adoptionserlaubnis für schwule und lesbische Paare vor „Kretinismus“ gewarnt. Entweder wußte die Schreiberin nicht, was das ist und wollte wenigstens vor einer Sache warnen, die gefährlich klingt oder sie ist extrem bösartig. Zur Erinnerung:

Als Kretinismus (abgeleitet von frz. crétin: Idiot) wird das Vollbild der unbehandelten angeborenen Hypothyreose bezeichnet.

Dieses zeichnet sich durch einen verlangsamten Stoffwechsel aus, Symptome sind

Missbildungen des Skeletts (verkürzte Extremitäten, Minderwuchs, Zwergwuchs), Sprachstörungen, Schwerhörigkeit, evtl. Taubheit.

Von besonderer Bedeutung ist die verzögerte geistige Entwicklung.

Für den Fall, dass mit dieser einfallsreichen Idee einfach nur gemeint war, dass die Zahl der homosexuellen Kinder durch die Adoptionserlaubnis für schwule und lesbische Paare zunehmen würde, sei daran erinnert, dass die meisten Homosexuellen durchaus bei Heterosexuellen aufgewachsen sind. Vielleicht die Theorie doch noch einmal updaten?

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4 Antworten to “Die Ordnung des Planeten”

  1. Adrian 17. August 2012 um 11:24 #

    „Zur Begründung hieß es, Kinder bräuchten die zwei Pole Mann und Frau“

    Wozu eigentlich? Damit sie wissen, was sie sind? Oder damit sie wissen, mit wem man später Sex zu haben hat? Die Frage ist ernst gemeint 🙂

    • Damien 17. August 2012 um 11:26 #

      Das stand nicht dort. Vermutlich um nicht den Kretinismus zu fördern 😉

  2. Atacama 17. August 2012 um 12:47 #

    Adrian, ganz genau deswegen.

    Die Logik dahinter ist folgende: auch wenn von vielen Konservativen immer wieder darauf hingewiesen wird, dass der Mensch von Geburt an und Natur aus so und so (hauptsächlich hetero und stereotyp möglichst klar seinem biologischen Geschlecht entsprechend) gestrickt ist, ist dieses machtvolle, seit Urzeiten im Menschen angelegte, natürliche Programm laut Meinung von „Homosexualitätskritikern“ derart störanfällig, dass das bloße Erwähnen von Homosexualität in einem neutralen oder positiven Zusammenhang schon dazu führen kann, dass eine sofortige Homosexualität einsetzt und der Mensch nie wieder etwas von Heterosexualität wissen will.

    ich erinnere an dieses unsägliche schauspiel
    http://www.medrum.de/content/kampagne-der-stadt-giessen-die-jugend-mach-sex-wie-und-mit-wem-du-willst

    Zitat:
    „Es ist genauso wie vor der Sintflut. Wenn wir nicht etwas dazu sagen, machen wir uns an diesem Gräuel mitschuldig. Satan zieht jetzt schon alle Register. Wir dürfen das nicht ignorieren und nur den Kopf schütteln. Lasst uns beten, dass der Herr Jesus bald kommen möge. Wenn wir nicht wüssten, dass diese Dinge geschehen werden, könnte man glatt durchdrehen.“

    man könnte es glatt niedlich finden.

    Na jedenfalls deshalb muss ein Kind am besten ausschliesslich von wertekonservativen, heterosexuellen Rollentraditionalisten umgeben sein, damit es nicht verwirrt wird.
    schliesslich kommt die Idee zu gleichgeschlechtlichen Kontakten erst dadurch auf, dass man über Homosexualität aufgeklärt wird *nickt langsam*
    Allein diese Denkweise ist so bescheuert. Menschen sind neugierig, Kinder sind neugierig, die sammeln teilweise auch gleichgeschlechtliche Erfahrungen, egal ob man sie frühzeitig darüber informiert oder nicht.
    Ich hatte auch mal was mit einem befreundeten Mädchen, wir waren beide knapp vor der Pubertät), das war so eine Art „Kumpelwichsen“ nur halt unter Mädchen und zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichtmal, dass es ein Wort namens „Lesbisch“ gibt und was das bedeutet. Wir haben einfach das gemacht was uns Spaß gemacht hat und nicht über irgendwelche Orientierungsdefinitionen nachgedacht. Das war sogar mehrmals. Meine seit Kindesbeinen vorhandene Anziehung durch Männer blieb davon aber komplett unberühert und ich hatte auch nie Konflikte bezüglich dessen, ob ich lesbisch bin oder nicht.
    Lange Rede kurzer Sinn, ich glaube, so oder ähnlich würde es laufen, wenn das Thema der Kategorisierung nicht so teilweise manisch betrieben werden würde und ich denke nicht, dass es ein Kind verwirrt, mit Homosexualität in Kontakt zu kommen, auch nicht wenn es die eigenen Eltern/Erziehungsberechtigten sind.
    Weil sexuelle Orientierung eben etwas ist, dass man nicht so einfach lenken kann indem man ein bestimmtes Muster vorgibt.

    „Für den Fall, dass mit dieser einfallsreichen Idee einfach nur gemeint war, dass die Zahl der homosexuellen Kinder durch die Adoptionserlaubnis für schwule und lesbische Paare zunehmen würde, sei daran erinnert, dass die meisten Homosexuellen durchaus bei Heterosexuellen aufgewachsen sind. Vielleicht die Theorie doch noch einmal updaten?“

    nö, dafür hat man schon Erklärungen parat.
    Da lag es nciht an fehlenden physischen Vorbildern, sondern dann ist es eine frühkindliche Entwicklungsstörung (Vater war grausam und brutal oder distanziert oder etwas ähnliches, du kennst doch sicher ein bisschen die Ex-Gay-Ideologie).

  3. Alreech 17. August 2012 um 21:11 #

    Wenn die Kinder die zwei Pole Mann und Frau brauchen, müsste der Staat dann bei alleinerziehenden Eltern nicht Kuppler spielen ?
    Müsste er dann nicht auch zwangsweise der/dem Alleinerziehenden ein passendes Gegenstück zuweisen, natürlich nur zum Wohl der Kinder ?

    Und warum soll das Ehegattensplitting nur Ehepaaren mit Kindern zu Gute kommen ?
    In vielen Ehen gibt es durchaus einen Altersunterschied von bis zu 10 Jahren, und häufig ist es der ältere Partner der den Jüngeren während der Ausbildung finanziell versorgt.

    AFIAK liegt das Ehegattensplitting darin begründet das für beide Ehepartner ein steuerfreies Existenzminimum besteht.
    Wenn nur einer der Partner verdient, aber von seinem Einkommen beide Partner leben ist es nur fair wenn auch für dieses Einkommen das doppelte Existenzminimum abgezogen wird.

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