Die „Grundwerte der Zivilisation“

19 Aug

Wie immer, wenn Schwule und Lesben für Ihr Recht auf Liebe, Sex und Beziehung auf die Straße gehe, kommen irgendwelche kulturkonservativen Schlaumeier daher und reden irgendeinen Unsinn, der zwar von der Meinungsfreiheit, von Logik, Artikulationsfähigkeit und Moral jedoch selten gedeckt ist. So auch im tschechischen Prag:

Auf einer Gegenkundgebung [zum Prager CSD] kritisierte der Vizebürochef von Präsident Vaclav Klaus, Petr Hajek, die Schwulenparade als „Anwerbungsaktion“ für die homosexuelle Bewegung, die die Grundwerte der Zivilisation angreife. Der Präsidentenberater hatte im Vorjahr einen Eklat ausgelöst, als er Homosexuelle als „deviante“, also „abartige“, Mitbürger bezeichnete.

Es wäre vermutlich zu viel verlangt, von Herrn Hajek zu erwarten, seine Aussage, Homos würden die Grundwerte der Zivilisation angreifen, zu begründen. Mit ziemlicher Sicherheit würde er zur Untermauerung seiner Position die Bibel schwenken, als ob damit irgendetwas erklärt wäre.

Aber gut, lassen wir uns doch einmal auf seinen Standpunkt ein. Was könnte er mit den „Grundwerten der Ziviliation“ meinen, die durch Schwule und Lesben angegriffen würde?

Liebe, Respekt vor den Mitmenschen, Toleranz? – Kann nicht sein, genau dafür treten Homosexuelle ja ein.

Kinder und Familie? – Ist ebenfalls nicht möglich, da erstens Kinder und Familie kein Alleinstellungsmerkmal für Zivilisationen sind und zweitens Homosexualität weder mit Kindern noch mit der Familie in einem Konflikt stehen.

Das biblische, kirchliche, konservative Christentum, wie es offenbar Herr Hajek vertritt? – Hier kommen wir der Wahrheit schon näher, denn wer ein Christentum vertritt, das kein Problem mit bspw. Leviticus hat, muss Schwule und Lesben in der Tat verachten.

Und das tut Hajek ja auch, wie seine Äußerung, Homos seien „deviant“ und „abartig“, eindrucksvoll belegt.

Letzendlich hält Hajek also seine eigene Verachtung für Homos für einen Grundwert der Zivilisation.

Grotesk? Selbstverständlich, aber das ist halt das übliche Gebahren selbstgerechter Dampfplauderer, die Moral und Anstand nicht mal erkennen würden, wenn diese ihnen in den Hintern beißen.

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23 Antworten to “Die „Grundwerte der Zivilisation“”

  1. Alreech 19. August 2012 um 12:32 #

    Hm, die westliche Zivilisation bezieht sich ja auch speziell auf die griechische Antike.
    Unter anderem auf die attische Demokratie.

    Da die alten Griechen ja bekanntlich alle stockschwul gewesen sind 😉 könnte man(n) die Homosexualität auch als die Grundlage unserer Zivilisation bezeichnen.

  2. Muriel 19. August 2012 um 14:10 #

    Ich halte es ja tendenziell da mit Penn Jillette, der die Fundamentalisten respektabler findet als die „Ja, ich bin Christ, aber man darf die Bibel auch nicht überall wörtlich nehmen“-Fraktion.
    Aber andererseits sind sie natürlich gefährlicher, wenn sie sich durchsetzen können.

    • Damien 20. August 2012 um 18:38 #

      @Muriel: Wieso, was ist denn daran respektabel, wenn Menschen ein Geschichtenbuch wörtlich nehmen?
      Übrigens sind es gerade die Fundamentalisten, die sagen, man dürfe die Bibel nicht überall wörtlich nehmen.
      Die andere Fraktion wäre dann eher die, die die Bibel nicht wörtlich, sondern ernst nimmt. Was ist daran weniger respektabel?

  3. Muriel 20. August 2012 um 19:54 #

    @Damien: Wenn du den Begriff „Fundamentalisten“ anders benutzt als ich, dann war mein Kommentar natürlich missverständlich.
    Für mich nimmt andererseits jemand, der einerseits behauptet, die Bibel sei das Wort seines Gottes, dann aber andererseits daraus nur das akzeptiert, was seinen Vorstellungen entspricht und alles andere weginterpretiert, falls er es überhaupt zur Kenntnis nimmt, nicht nur dieses Buch, sondern seine ganze angebliche Religion nicht ernst.
    So rein emotional fühle ich mich mit Leuten wohler, die wirklich aufrichtig glauben, was sie sagen.
    Das ist natürlich nur eine relative Angabe, so ungefähr wie „Ich trinke lieber Benzin als flüssigen Stahl.“

    • Damien 20. August 2012 um 20:25 #

      @ Muriel:
      Ich hab keine Ahnung, wie Du den Begriff Fundamentalisten benutzt. Er wird ja in der Regel eher als Kampfbegriff von Gegnern benutzt. Wenn Menschen ihn positiv verwenden, behaupten sie, sie wollten damit aussagen, dass sie die Bibel als Fundament haben. Aber eben das stimmt ja nicht. Sie machen genau das, was Du ablehnst: Sie aktzeptieren nur das aus der Bibel, was ihre Moralvorstellungen stützt, alles andere ignorieren sie einfach. Von daher nehmen sie die Bibel eben nicht ernst.
      Ich finde es völlig irrelevant, ob Leute glauben, was sie sagen. Entscheidend ist doch, was Menschen tun. Wenn sie andere ausgrenzen und verfolgen, bloss weil sie anders geboren sind z.B., ist es mir völlig egal, warum sie das tun, ob sie das für richtig halten oder ob sie einfach nur mitlaufen. Mist bleibt Mist. Und wird keinen Deut sympathischer, nur weil jemand daran aufrichtig glaubt.

  4. Muriel 20. August 2012 um 21:14 #

    Naja. Also, ein fundamentalistischer Christ ist für mich eben jemand, der die Bibel als absolute Grundlage seiner Weltsicht sieht.
    Und das finde ich eben immerhin konsequenter als die Bibel zwar für das Wort Gottes zu halten, sie aber trotzdem nicht ernst zu nehmen. Zu welchem Ergebnis ein solches Ernstnehmen führt, da scheinen wir auch keinen Konsens zu haben. Mag ja sein. Das Buch gibt sich ja für vielfältige Auslegung her, wenn man will.

    Wenn sie andere ausgrenzen und verfolgen, bloss weil sie anders geboren sind z.B., ist es mir völlig egal, warum sie das tun

    Offensichtlich nicht. Du schreibst ja „bloß weil sie anders geboren sind“. Das ist doch eben, warum sie es tun.
    Für mich spielt es durchaus eine Rolle, warum jemand etwas tut, und bisher klingt es so, als ginge es dir da gar nicht so viel anders.

    Mist bleibt Mist.

    Da hast du natürlich recht.

    Und wird keinen Deut sympathischer, nur weil jemand daran aufrichtig glaubt.

    Stimmt auch.
    Aber ich habe auch nicht von dem Mist gesprochen, sondern von der Person.
    Da darfst du natürlich auch gerne anderer Meinung sein, aber ich sehe das eben so.

    • Damien 20. August 2012 um 21:50 #

      Noch einmal: Das, was sich fundamentalistischer Christ nennt und von sich behauptet, die Bibel als „absolute Grundlage seiner Weltsicht“ zu sehen, tut eben das nicht. Sondern sucht sich einige Stellen aus der Bibel aus, die mit den eigenen Moralvorstellungen übereinstimmen und ignoriert den Rest. Mir ist nicht ein „Fundamentalist“ bekannt, der die Bibel ohne Einschränkungen als seine Grundlage leben würde.
      Die, die für sich in Anspruch nehmen, die Bibel „ernst und nicht wörtlich“ zu nehmen, weil beides auf einmal nicht geht, halten die Bibel in der Regel nicht für das „Wort Gottes“, sondern für ein Buch, in dem Menschen ihre Erfahrungen mit Gott aufgeschrieben haben, in dem sich vielleicht auch Gottes Wort artikuliert, vermittelt durch Menschen.

      Das Buch gibt sich ja für vielfältige Auslegung her, wenn man will.

      Da stimme ich Dir zu.

      Offensichtlich nicht. Du schreibst ja “bloß weil sie anders geboren sind”. Das ist doch eben, warum sie es tun.

      Nein. Rothaarige sind ja auch anders geboren und werden trotzdem in der Regel nicht ausgegrenzt. Natürlich würde ein Fundamentalist Dir entgegenhalten, Schwule seien eben nicht anders geboren, sondern durch schwache Väter, starke Mütter, vorhandene Kriege, abwesende was auch immer schwul geworden. Der Grund, den jemand angibt, warum er etwas tut, stimmt nicht immer überein mit dem, was sich über die Tat von Außenstehenden sagen lässt.
      Mit „warum sie es tun“ meinte ich, ob sie davon überzeugt sind oder auch nicht, also die Begründung, warum der der verfolgt, es tut – und die Konsequenz, mit der er es tut. Ich meinte nicht die Begründung, warum jemand verfolgt wird.

      Für mich spielt es durchaus eine Rolle, warum jemand etwas tut, und bisher klingt es so, als ginge es dir da gar nicht so viel anders.

      Jein. Es mag gute und schlechte Gründe für Ausgrenzung geben. Mir ging es darum, dass eine Ausgrenzung nicht dadurch an Qualität gewinnt, dass der Ausgrenzende davon besonders fest überzeugt ist.

      Aber ich habe auch nicht von dem Mist gesprochen, sondern von der Person. Da darfst du natürlich auch gerne anderer Meinung sein, aber ich sehe das eben so.

      Stimmt, da bin ich anderer Meinung. Mit einem überzeugten Faschist fühle ich mich nicht im geringsten wohler als mit einem, der ab und zu mal ein paar faschistische Gedanken äußert, aber im Grund genommen kein echter Faschist ist. Auch respektabler finde ich daran überhaupt nichts.
      Du kannst das natürlich gerne weiterhin so sehen, aber ich verstehe einfach nicht, wie man etwas unabhängig vom Inhalt respektabel finden kann.

  5. Muriel 20. August 2012 um 21:59 #

    Das, was sich fundamentalistischer Christ nennt und von sich behauptet, die Bibel als “absolute Grundlage seiner Weltsicht” zu sehen, tut eben das nicht.

    Hm. Fred Phelps ist dicht dran, aber ich muss zugeben, dass er wahrscheinlich auch gemischte Textilien trägt.
    Aber klar, du hast Recht, es gibt kaum solche Menschen. Habe nie was anderes behauptet.

    Jein. Es mag gute und schlechte Gründe für Ausgrenzung geben. Mir ging es darum, dass eine Ausgrenzung nicht dadurch an Qualität gewinnt, dass der Ausgrenzende davon besonders fest überzeugt ist.

    Ich habe auch nirgends geschrieben, dass ich das so sehen würde.

    Du kannst das natürlich gerne weiterhin so sehen, aber ich verstehe einfach nicht, wie man etwas unabhängig vom Inhalt respektabel finden kann.

    Da schreibst du schon wieder „etwas“. Machst du das mit Absicht?

    • Damien 20. August 2012 um 22:05 #

      Mir ging es darum, dass eine Ausgrenzung nicht dadurch an Qualität gewinnt, dass der Ausgrenzende davon besonders fest überzeugt ist.

      Aber was meinst Du dann mit respektabler?

      Da schreibst du schon wieder “etwas”. Machst du das mit Absicht?

      Nein. Wieso ist Dir ein Mensch, der konsequent Faschist ist (oder Christ oder Kommunist oder Liberaler oder was auch immer), respektabler, als einer, der es nur halbherzig ist? Ich verstehe einfach nicht, wie man die Konsequenz eines Menschen unabhängig von dem, was er vertritt, respektabel finden kann.

  6. Muriel 20. August 2012 um 22:12 #

    Aber was meinst Du dann mit respektabler?

    Wieso ist Dir ein Mensch, der konsequent Faschist ist (oder Christ oder Kommunist oder Liberaler oder was auch immer), respektabler, als einer, der es nur halbherzig ist?

    Tja, wieso? Wieso respektiert irgendwer irgendwas?
    Ich mag halt Konsequenz. Ich mag es, wenn jemand von einer Prämisse aus schlüssig weiterdenkt.
    Natürlich mag ich es nicht, wenn die Prämisse Bullshit ist, aber wenn zwei Leute mit Bullshit-Prämissen starten, dann habe ich für den, der von da an konsequenter ist, ein bisschen mehr Respekt als für den anderen.
    Weil ich mich über Trugschlüsse und Inkonsequenz aufrege.
    Ich hab mir das nicht so ausgesucht.
    Ich empfinde so.

    • Damien 20. August 2012 um 22:16 #

      Empfindungen sind manchmal echt komisch;-)
      Bei Bullshit-Prämissen kann Inkonsequenz lebensrettend sein, von daher freue ich mich manchmal eher daran.

  7. Muriel 20. August 2012 um 22:21 #

    Hatte ich in meinem Ausgangspost ja anerkannt.
    Natürlich bin ich in gewisser Weise froh, dass die meisten Christen sich nur so nennen und in Wahrheit total okaye Leute sind, aber andererseits kann ich mich trotzdem noch ärgern, wenn jemand behauptet, einem Glauben anzuhängen, und dann…
    Aber wir wollen nicht wieder von vorne anfangen.

    • Damien 20. August 2012 um 22:31 #

      Nein, wollen wir nicht.
      Aber was ich trotzdem 😉 merkwürdig finde, ist Dein

      dass die meisten Christen sich nur so nennen und in Wahrheit total okaye Leute sind

      – denn das setzt ja voraus, dass konsequente Christen (die sich nicht nur so nennen), nicht okaye Leute sind, weil (?) sie Fundamentalisten sind. Dabei würde ich sagen, dass man konsequenter Christ sein kann und dafür nicht im geringsten fundamentalistisch muss – im Gegenteil!

  8. Muriel 20. August 2012 um 22:36 #

    Ja, da mache ich eine Unterscheidung, die die meisten Leute nicht machen und mutmaßlich sogar für unsinnig halten würden, aber du hast es sicher geahnt: Ich kann jemanden für seine Konsequenz respektieren (Hitler zum Beispiel) und ihn trotzdem für einen fürchterlichen Menschen halten (Hitler zum Beispiel).
    Es kommt wahrscheinlich drauf an, was wir jeweils unter einem Christen verstehen, aber wenn wir mal sagen, dass das jemand sein soll, der den Lehren Christi aus dem NT folgt, dann ist das für mich in dieser Hinsicht kein okayer Mensch, weil die Lehren Christi für mich schlimmer Bullshit sind.

    • Damien 21. August 2012 um 09:38 #

      @Muriel: Was findest Du denn an den Lehren Christi so schlimm?

  9. Muriel 21. August 2012 um 10:01 #

    @Damien: Was daran richtig ist, ist trivial (Sei nett.), und was nicht trivial ist, ist falsch (Sorge nicht für morgen vor, der Herr regelt das schon für dich, ich bin der Sohn Gottes, wer mir nicht folgt, wird in der Hölle gequält, verlasst für mich eure Familien, ein Gott ist eine gute Quelle für Moral, an eine Sünde zu denken ist das gleiche wie sie zu begehen, haltet die Gebote ein, Ehescheidung ist verboten, wehre dich nicht, wenn du angegriffen wirst und so weiter).

    • Damien 21. August 2012 um 14:09 #

      @Muriel: Du nimmst die Bibel also wörtlich. Du Fundamentalistin, Du 😉

  10. Muriel 21. August 2012 um 15:02 #

    @Damien: (Du kannst das nicht wissen, aber ich bin ein Fundamentalist.)
    Was sind denn aus nichtfundamentalistischer Sicht die Lehren Christi?

    • Damien 21. August 2012 um 16:06 #

      @Muriel: (Sorry, ich hätte es wissen können, wenn ich mir Deinen Blog gründlicher angeschaut hätte.)
      Kurz gesagt, würde ich sagen, da gibt es nur eine: Liebe und tue, was Du willst.

  11. Muriel 21. August 2012 um 16:41 #

    Ähm.
    Okay.
    Du kennst anscheinend einen anderen Jesus als ich, aber weil ich wenig Sinn darin sehe, über die Auslegung einer Quatschsammlung wie der Bibel zu zitieren, beschränke ich mich auf den Einwand, dass das keine Lehre ist, sondern ein Glückskeks.

    • Damien 21. August 2012 um 18:53 #

      @Muriel: Ich behaupte einfach mal, Du kennst überhaupt keinen Jesus, sondern nur den Quatsch, den Fundamentalisten über ihn erzählen.

      Liebe und tue, was Du willst.

      Der Satz ist nicht von mir, sondern von Augustinus und durchaus biblischen Ursprungs, es wird Doppelgebot der Liebe genannt. Jesus hat es bekräftigt, das ist sozusagen die Quintessenz seiner Lehre. Du meinst, das sei ein Glückskeks und keine Lehre? Nun, ich mag die Dinger und könnte mir schlimmere Einwände vorstellen.

  12. Muriel 22. August 2012 um 08:27 #

    Ich behaupte einfach mal, Du kennst überhaupt keinen Jesus, sondern nur den Quatsch, den Fundamentalisten über ihn erzählen.

    Ich kenne die Figur, die in der Bibel geschildert wird. Und wie bei Michael Knight, Hulk Hogan oder Deadpool entwickelt bei der Rezeption wahrscheinlich jeder ein bisschen seine eigene Vorstellung von dem Charakter.

  13. Roland 23. August 2012 um 01:04 #

    Da frag ich mich aber, wieso sooo viele und neue, heiße Videolabels aus Tschechien kommen.

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