Das war schon immer so

21 Aug

Jan Fleischhauer nutzt jede Gelegenheit, eine Lanze für die Ehe zu brechen. Aktuell stellt er in ideaSpektrum fest:

die Ehe gehört zu den politischen Ärgernissen, die sich entgegen aller Reform- und Erziehungsbemühungen unvermindert halten – so wie Fernreisen, die Liebe zum Fastfood und der Autowahn. Seit Jahren predigt man den Leuten, dass man auch ohne Trauschein glücklich sein kann, aber sie wollen einfach nicht hören.

Von jemand, der so ein großes Herz für die Ehe hat, sollte man eigentlich erwarten, dass er die Möglichkeit von Schwulen und Lesben, einander zu ehelichen, aufs Schärfste begrüßen würde. Ich bin nicht sicher, was Fleischhauer dazu meint, das Ehegattensplitting auch homosexuellen Paaren zukommen zu lassen, findet er jedenfalls bah:

Anlass für die neuerliche Debatte ist der Vorstoß, das sogenannte Ehegattensplitting auf homosexuelle Paare zu übertragen. Wer sich ein wenig im deutschen Sozialstaat auskennt, kann über diese Idee nicht wirklich überrascht sein. Weil die Verweigerung einer staatlichen Begünstigung schnell als Diskriminierung gilt, muss jede Wohltat, die einmal einer Gruppe zugestanden wurde, irgendwann auch allen anderen gewährt werden – selbst wenn diese die Kriterien, die dazu führten, dass es überhaupt zu einer staatlichen Intervention kam, in keiner Weise mehr erfüllen.

Wieso ist er gegen die Gleichstellung? Weil die meisten Ehen Kinder produzieren. Die meisten Ehen? Nun ja, wenigstens die große Mehrheit der

verheirateten Frauen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren – also der Gruppe, die ihren Kinderwunsch mutmaßlich, soweit möglich, realisiert hat – 

wie sich diese Zahl bei homosexuellen Paaren verhält, verrät Fleischhauer uns allerdings nicht. Und vermutlich findet er diese Zahl auch völlig irrelavant, weil Schwule miteinander keine Kinder zeugen können, die Zahl bestimmt niedrig ist und das mit dem Kindeswohl ja auch irgendwie ungeklärt ist. Da stört es nicht, dass das Kindeswohl rein gar nichts mit der sexuellen Orientierung der Eltern zu tun hat, die Zahl vielleicht auch höher wäre, wenn die Diskriminierung geringer wäre und dass es natürlich längst zahlreiche Kinder gibt, die bei schwulen oder lesbischen Paaren aufwachsen. Was Fleischhauer uns eigentlich sagen wollte? Dass Schwule gefälligst benachteiligt gehören. Das war nämlich schon immer so und das soll auch so bleiben.

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2 Antworten to “Das war schon immer so”

  1. morus 21. August 2012 um 20:58 #

    „Weil die Verweigerung einer staatlichen Begünstigung schnell als Diskriminierung gilt“

    Also meine Logik würde mir jetzt sagen, wenn nur Mitglieder einer bestimmten Gruppe bedingungslos Vergünstigungen erhalten dann wird ein Nichtmitglied dieser Gruppe diskriminiert.

  2. Ein Gast 21. August 2012 um 23:59 #

    Gegen den linken Stachel zu löcken scheint Fleischhauers Geschäftsmodell zu sein. Nicht immer haben Linke allerdings unrecht, und so kommt es eben, dass sich Fleischhauer mit seiner Maxime „Immer das Gegenteil von denen“ in eine, sagen wir: nicht zwingend wohlbegründete Position manövriert.

    Auf anderen Gebieten sind Fleischhauers Argumentationen oft nachvollziehbar, hier sieht er allerdings nicht gut aus. Bloß, der Argumentations- und Schreibstil ist bei ihm stets derselbe. Sehen wir es eben als persönliche Übung an, liberale von „liberalen“ Gedanken zu unterscheiden, nicht nur bei Fleischhauer. 😉

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