Warum Prostitution nicht sexy ist

22 Aug

Carolin Emcke: Wie wir begehren Schon wieder die? Ja, schon wieder. Das Buch, das mir ein fommer und nach eigenen Angaben konservativer Freund geschenkt hat,  beeindruckt mich mit jeder Seite mehr, so dass ich innerhalb von 48 Stunden zum 3. Mal darüber schreibe. Ich will noch ein Zitat daraus vorstellen. Dieses Mal keine Weisheit, sondern Emckes ganz persönliche Begründung, warum sie, lesbisch, Prostituierte nicht als Objekte der Begierde wahrnehmen kann.  Das finde ich spannend, weil ich überindividuelle Gründe gegen die Prostitution oft nicht nachvollziehbar, die Idealisierung, die manche darum betreiben, ab und zu aber auch befremdlich finde. Emcke also schreibt:

Es macht mich einfach nicht an, das Schauen nicht, die Verdinglichung nicht, die Frauen, um die ich nicht werben muss, für die es unwichtig ist, ob sie meinen Körper schön finden, ob sie mich erregend finden, ob sie mich riechen oder schmecken wollen, deren Lust zeitlich taxiert wird, deren Lust Grenzen kennt, emotionale Grenzen, sexuelle, finanziell markierte Grenzen, Frauen, die leicht verfügbar sind, die für Geld verfügbar sind, die ich nicht verführen darf, die ich nicht erobern kann, sondern lediglich kaufen muss, das erregt mich nicht, noch dazu Frauen, die sich nicht erregen lassen wollen von mir, bei der die Asymmetrie der Lust und der Befriedigung vorgegeben ist, das langweilt mich, das ist mir fremd, mehr noch: Ich selbst wäre mir fremd darin.

Wie sind Deine Erfahrungen damit, Deine Gedanken dazu? Egal, ob Mann oder Frau oder…, ob schwul, lesbisch, hetero/a, was auch immer. Kannst Du das nachvollziehen? Überzeugt es Dich? Oder macht Dich Prostitution, nur der Gedanke daran, ganz besonders an? Egal, ob als Kunde oder als Anbieter. Von allgemein-moralischen Verkündigungen wie „Prostitution ist Sünde“ bitte ich abzusehen. Danke und Ring frei!

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8 Antworten to “Warum Prostitution nicht sexy ist”

  1. bummibaer 22. August 2012 um 20:00 #

    Obwoh ich glaube, dass Prostituierte sozusagen ’sexuelle Fachkräfte‘ sind, war ich ziemlich genau wegen der o.g. Gründe noch nie ‚Gast‘ in einem Bordell. Für mich persönlich kommt allerdings noch ein gewisses Schamgefühl dazu, da ich ja nicht weiss, wie die persönlichen Hintergründe der Sexarbeiter/innen aussehen. Generell ist es mir unangenehm, besonders mir unbekannte Menschen, nach meiner Pfeife tanzen zu lassen (blödes Wortspiel, ich weiss) nur weil ich es bin, der gerade mit Geldscheinen wedelt. Finanzielle Abhängigkeiten und/oder Interessen beim Sex finde ich über alle Maßen abtörnend.

    Gruss,
    bummibaer

  2. Muriel 22. August 2012 um 20:50 #

    Nee.
    Wenn der Partner keinen Bock auf mich hat, dann liebergar kein Partner.

  3. Alreech 22. August 2012 um 21:14 #

    Ich will keinen Sex mit einem Menschen der nicht mich, sondern mein Geld will.

  4. ars libertatis 22. August 2012 um 21:58 #

    Hat Emcke denn selber persönliche Erfahrungen damit, als Kundin oder als Anbieterin?

    • Damien 22. August 2012 um 22:18 #

      @ars libertatis: Keine Ahnung, vermutlich nicht. Die zitierte Stelle schreibt sie vor dem Hintergrund eines überraschenden Ausflugs mit zwei anderen jungen Erwachsenen (Männern), die mit ihr im Auto mal eben über den örtlichen Straßenstrich fahren.

  5. ars libertatis 22. August 2012 um 23:00 #

    @Damien: Danke für den Kontext.

  6. Lachgummi 23. August 2012 um 16:45 #

    Ich kann dazu Gedanken aus meiner 1/2 jährigen „Anbieter“-Phase äußern.
    Kontext: Zwei Jahre ist es her, ich war 21, organisiert habe ich das ganze über GayRomeo, einem Kontaktportal für MSM. (Auf dieser Seite kann man sich gesondert als „Escort“ anmelden.)

    Meine Motivation zu diesem Schritt war in erster Linie die Suche nach dem besonderen Kick. Die Männer haben mich nicht interessiert; es war viel eher der Umstand, etwas „Verbotenes“ zu tun. Im Laufe meiner Tätigkeit kam zusätzlich hinzu, dass ich Orte aufsuchte, die ich so wahrscheinlich nie betreten hätte. Ich sah, wie wohlhabende Herren lebten oder in welchen Hotels sie abstiegen. Dieser „Glamour“ warf mich um und schien mich jedesmal, wenn ich ein Treffen mit einem solchen Mann hatte, ebenfalls zu etwas Glamurösen zu machen.

    Ich habe in dieser Zeit Kunden getroffen, die ganz klar nur auf die mechanischen Prozesse des Sex aus waren, genauso wie ich Kunden getroffen habe, die mir nur von ihrem Alltag erzählen wollten, so als ob man sich schon viele Jahre kennen würde. Erstere waren für mich vollkommen unproblematisch. Die Männer schienen lediglich meinen Körper haben zu wollen, um ihren nächsten Orgasmus etwas aufzupeppen. Interessanterweise fand ich in der Gruppe auch Männer, von denen ich als Unwissender nicht gedacht hätte, dass sie meine Dienste in Anspruch nehmen würden. Das waren die Momente, in denen der Sex mir sogar ungemein Freude bereitete.
    Problematischer sah es mit den Anderen aus. Diese Männer wollten nicht nur einfach Sex für eine festgelegte Zeit; sie wollten eine Beziehung aufbauen und Liebe leben, die ich ihnen nicht geben konnte und wollte.

    Abschließend kann ich aus meiner Sicht sagen, dass dieses Geschäft wenig mit Romantik zu tun hat. Naivität und Ignoranz kann aber auf beiden Seiten dazu führen, dass Kunde und Anbieter beide vergessen, in welcher Konstellation sie zueinander stehen und das ein gemeinsames Leben als nahezu ausgeschlossen gilt.
    Dennoch habe ich in dieser Zeit auch in einigen Kunden Menschen gefunden, mit denen ich mich noch heute unbefangen treffen und plaudern kann, ganz ohne Sex und Geld. Aber das ist nur ein geschwindend geringer Teil von 2 Leuten aus etwa 50.

  7. CK 24. August 2012 um 23:39 #

    Also das Schauen macht mich auf jeden Fall tierisch an, wenn ich durch ein Rotlichtviertel laufe. Wirklich gefallen hat mir mal ein bekannter FKK-Club im Saarland. Da bin ich ab und zu mit einem Freund hin. Im Whirlpool liegend konnte man dort Fussball schauen, an der Bar zusammen trinken und viel reden, zwischendurch mal in die Sauna gehen oder ins Dampfbad und in dem Club waren eben auch ein paar nette ebenso nackte Mädels (allen voran erinnere ich mich an eine gewisse Sonia aus Bilbao, die war der absolute Hammer, hab nie vorher und nie mehr danach so eine Frau erlebt), mit denen mal sich schonmal zwischendurch vergnügen konnte. Und die waren alle immer sehr nett, charmant und perfekte „Illusionisten“ der „Girlfriend-Simulation“. Der Club war oder ist ein richtiges Männerparadies in allen Hinsichten (bzw. heterosexuelles Männerparadies 😀 ).

    Für uns (heute ist der Freund übrigens glücklich verheiratet) waren das so manche schönen Samstagabende, die ich nicht missen möchte. Aber irgendwann haben wir beide damit abgeschlossen: er wegen seiner zukünftigen Frau, ich wegen einer grossen Liebe, die ich allerdings leider mittlerweile wieder verloren habe. Ich war seitdem nie mehr in dem Club, aber manchmal denke ich gerne dran zurück.

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