Mein Haus, mein Auto, meine Pension

19 Okt

Michael Black und John Morgan freuen sich. Sie haben sich Geld erstritten, ein Privileg erkämpft und die Privatautonomie anderer Menschen eingeschränkt:

In England hat ein schwules Paar sein Gerichtsverfahren gegen eine Pensionsbesitzerin gewonnen, die den beiden Männern wegen ihrer Homosexualität ein Zimmer verweigert hatte.

Ich werde nie verstehen, wieso ich als Geschäftspartner nicht das Recht habe, mir meine Kunden auszusuchen. Schließlich eröffne ich das Geschäft, ich trage das unternehmerische Risiko und ich muss letzendlich auch mit den Konsequenzen meiner Geschäftspraktiken leben.

Der Vorfall ereignete sich bereits 2010. Damals hatten Black und Morgan, die nicht in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, ein Doppelzimmer in der Pension gebucht. Als sie ankamen, wies die Besitzerin das Paar ab und verwies auf ihren christlichen Glauben. Ihr Anwalt hatte im Verfahren argumentiert, dass sie das schwule Paar nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert habe, sondern genauso ein unverheiratetes heterosexuelles Paar abgewiesen hätte. Die Richterin sah es aber als erwiesen an, dass der Hauptgrund für die Ablehnung die Homosexualität des Paares gewesen sei.

Na und? Wieso darf man kein homosexuelles Paar abweisen? Man mag diese Praxis für dumm und unmoralisch halten, aber sie zu verbieten? Wo liegt das Problem in einem Land, in dem das Pensionsgeschäft nicht monopolisiert ist, indem man sich also Marktlücken erschließen kann, indem man einerseits auf die Kundenwünsche schwuler Paare und andererseits auf die von streng christlichen Hinterwäldlern eingeht?

Hotelbesitzerin Wilkinson zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht: „Wir glauben, dass man die Freiheit haben sollte, in seinem eigenen Haus ohne Angst vor dem Gesetz zu leben. Gleichbehandlungsgesetze gehen zu weit und dringen in unsere Privatsphäre ein“, erklärte Wilkinson nach Angaben der BBC. Sie befürchte, dass sie ihre Regierung zwingen könnte, ihren Glauben aufzugeben. Sie will nun mit ihrem Anwalt beraten, ob sie Widerspruch gegen die Entscheidung einlegt.

Was soll man der Frau sagen? Sie hat Recht! Wenn ich nicht mal mehr im eigenen Haus schalten und walten kann, wenn einem das Kundensegment vorgeschrieben wird, dann ist die Befürchtung nicht allzuweit hergeholt, dass man demnächst noch mehr durch den Staat gegängelt wird.

Zugegeben, mich würde es freuen, wenn niemand mehr etwas gegen Schwule hätte, wenn ich in jeder Pension willkommen wäre. Aber ich betrachte es als Anmaßung, Menschen dazu zu zwingen. Wenn dieser Frau mein Geld nicht will – Pech gehabt! Es gibt genügend andere kapitalistisch orientierte Menschen, die mich mit Freuden beherbergen würden. Wo liegt also das Problem?

Ich jedenfalls würde mich in Grund und Boden schämen, als von einer Pension abgewiesener, die Macht des Staates in Anspruch zu nehmen, um ein Geschäftsfrau dazu zu zwingen, mit mir Geschäfte machen zu müssen. Mehr noch, ich würde nicht mal auf eine solche Idee kommen. Die Frau müsste von meiner Seite aus mit Hohn und Spott rechnen, mit mehr aber nicht. Es steht mir nicht zu, in ihr Leben einzugreifen und ihr meine Ansichten und meine Lebensweise aufzuzwingen. Genau das wäre aber der Fall, wenn sie dazu gezwungen wird, mit mir eine Geschäftsbeziehung einzugehen.

Leben und leben lassen. Wäre das nicht ein schönes Motto? Der homophobe Christ bekommt seine Nische, der schwule Agnostiker seine andere. Warum die beiden dazu zwingen, mit dem jeweils anderen zu verkehren?

Nein, ich werde das nie verstehen.

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18 Antworten to “Mein Haus, mein Auto, meine Pension”

  1. Muriel 19. Oktober 2012 um 12:38 #

    Ich würde zum Beispiel keine Agnostiker in meinem Hotel haben wollen…
    (Wer auf sowas steht, denke sich bitte ein lustiges Zwinkersmiley ans Ende dieses Satzes, oder irgendwelchen anderen niedlichen Quatsch.)

  2. Ralf 19. Oktober 2012 um 18:38 #

    Die Debatte hatten wir ja schon mal… Mir wird mulmig, wenn ich z.B. ein Schild „Juden sind hier unerwünscht“ vor einem Hotel für okay halten soll. Im konkreten Fall allerdings stellt es keine Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung dar, wenn jemand überhaupt keine unverheirateten/verpartnerten Paare bei sich aufnehmen will. Ich frag mich allerdings, ob es gerechtfertigt werden kann, wenn ein Wirt vor der Vermietung von seinen Gästen die Vorlage des Trauscheins verlangt. Die leben doch im 19. Jh.! Das ist heute ganz sicher nicht mehr gewerbeüblich und deshalb möglicherweise rein gewerberechtlich unzulässig. Dann wär’s aber bestenfalls eine Ordungswidrigkeit oder könnte den Entzug der Gewerbeerlaubnis nach sich ziehen. Die Leute sollten die Pension schließen und sie als geschlossenen Klub für Ehepaare wiedereröffnen. Dann könnten sie sich auf jeden Fall rechtfertigen.

  3. Peter 19. Oktober 2012 um 19:51 #

    Ganz so einfach ist die Sache nicht, Adrian. Zwar ist es richtig, dass in einer Grossstadt mit Sicherheit problemlos ein Hotel gefunden werden kann, die ein Zimmer an ein schwules Pärchen vermieten.
    Stell Dir aber mal vor, als Beispiel, eine grosse Kaufhauskette wie Aldi würde beschliessen, dass Schwule nicht bei ihnen einkaufen dürfen (der Eigentümer oder die Mehrheit der Aktionäre). Dürfen die das? Wäre das für Dich akzeptabel? Gemäss Deiner Argumentation braucht es ja keinen triftigen Grund, der Ausschluss dürfte willkürlich erfolgen, denn es ist ja ihr (oder ihre) Haus/Häuser.
    Wenn Du ein Gewerbe betreibst, dann verlässt Du den privaten Raum und operierst in der Öffentlichkeit.
    Bei einem privaten Kegelclub hätte ich kein Problem. Wenn die nur stramme Heteros dabei haben wollen. Wer aber ein der Öffentlichkeit zugängliches Geschäft betreibt, der kann nicht willkürlich Kunden ablehnen, sondern braucht einen sachlichen Grund, der die Ablehnung rechtfertigt. Beim Entscheid, wenn Du in deine Wohnung reinlässt, da darfst Du willkürlich entscheiden.

  4. Adrian 19. Oktober 2012 um 20:00 #

    @ Peter
    „Dürfen die das?“

    Nach der derzeitigen Gesetzeslage nicht. Nach meiner Anschauung schon.

    „Wäre das für Dich akzeptabel?“

    Nein.

    „Wenn Du ein Gewerbe betreibst, dann verlässt Du den privaten Raum und operierst in der Öffentlichkeit.“

    Und? Wieso ist das eine Rechtfertigung mit jedem Geschäfte abschließen zu müssen?

    „Wer aber ein der Öffentlichkeit zugängliches Geschäft betreibt, der kann nicht willkürlich Kunden ablehnen, sondern braucht einen sachlichen Grund, der die Ablehnung rechtfertigt.“

    Warum? Und was ist überhaupt ein sachlicher Grund?

  5. Atacama 20. Oktober 2012 um 10:54 #

    Klar geht das. Dann ist man aber komplett von der Kulanz anderer Leute abhängig. Und auch wenn das dieser Tage unwahrscheinlich ist, könnte es im Extremfall dazu führen, dass man weder Ärzte, noch Supermärkte, noch Frisöre, noch sonst was aufsuchen kann. Ausser, man begibt sich zurück in den Schrank.

  6. Adrian 20. Oktober 2012 um 11:14 #

    “ könnte es im Extremfall dazu führen“

    Diesen Extremfall gab es nicht mal, als Homosexualität strafbar war. Nur der Staat könnte ein Gesetz einführen, dass Homos jegliche Dientleistung verwehrt wird. Alles andere ist dystopisch.

  7. Muriel 20. Oktober 2012 um 11:20 #

    Und seien wir mal ehrlich: Wenn die Idiotie ein Ausmaß erreicht, in dem niemand mehr bereit ist, Leistungen für Homosexuelle gegen Geld zu erbringen, wollen wir dann wirklich einen Gesetzgeber, der die Macht hat, dermaßen weit in das Privatleben von Menschen einzugreifen?
    Ich finde das immer so niedlich, wenn Leute unterstellen, in einer so hasserfüllten, unmoralischen Gesellschaft wäre der Gesetzgeber dann immer noch eine freundliche, liebevoll besorgte Instanz, die sich um nichts anderes bemüht als das Wohlergehen aller.

  8. bajazbasel 20. Oktober 2012 um 19:28 #

    Würdest Du auch akzeptieren, dass ein farbiges oder weiss/farbiges Paar anreist, um dann festzustellen, dass die Hotelbesitzerin in realo findet, die Religion verbiete das? Wenn jemand ein Hotel besitzt, sollte er mit seiner Religion etwas zurückhaltender sein! Oder im voraus auf den Profit verzichten, wenn sie zwei Männernamen sieht! Also so intelligent sollten Religiöse schon noch sein… 😛

  9. Adrian 20. Oktober 2012 um 22:52 #

    „Würdest Du auch akzeptieren, dass ein farbiges oder weiss/farbiges Paar anreist, um dann festzustellen, dass die Hotelbesitzerin in realo findet, die Religion verbiete das?“

    Nein, aber ich würde es nicht verbieten wollen.

    „Wenn jemand ein Hotel besitzt, sollte er mit seiner Religion etwas zurückhaltender sein!“

    Warum?

  10. Muriel 20. Oktober 2012 um 22:59 #

    Also so intelligent sollten Religiöse schon noch sein…

    Aber mal echt! Wie kommt man auf die Idee, man könne selbst entscheiden, wen man in sein eigenes Haus lässt?

  11. Atacama 21. Oktober 2012 um 00:09 #

    Ich finde, man sollte da zwischen privat und gewerblich unterscheiden. Wenn man persönlich keine Homosexuellen/Schwarzen/Juden was auch immer in seinem Freundeskreis oder Privathaus haben will, ist das seine Sache.
    Aber nicht bei einem Gewerbe. Das sollte neutral sein.
    Das gilt auch für Hotels/Pensionen.

    • Adrian 21. Oktober 2012 um 00:52 #

      „Das sollte neutral sein.“

      Sollte. Aber wieso muss es das sein? Wir haben Privateigentum, oder?

  12. Atacama 21. Oktober 2012 um 12:00 #

    „Aber wieso muss es das sein? “

    Weil es sonst Diskriminierung Tür und Tor öffnet.

    „Wir haben Privateigentum, oder?“

    Es verlangt ja auch niemand, dass ein Hotelinhaber ein schwules Paar in sein Privathaus lässt.

    Sonst kann man sich Gesetze sparen die besagen dass niemand aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung usw. benachteiligt werden darf.

  13. Adrian 21. Oktober 2012 um 12:06 #

    „Weil es sonst Diskriminierung Tür und Tor öffnet.“

    Ja, und? Die einzig relevante und gefährliche Diskriminierung ist doch eh die staatliche.

    „Es verlangt ja auch niemand, dass ein Hotelinhaber ein schwules Paar in sein Privathaus lässt.“

    Und wieso verlangt man dann, dass ein Hotelbesitzer ein schwules Paar in sein Hotel lässt?

    „Sonst kann man sich Gesetze sparen die besagen dass niemand aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Orientierung usw. benachteiligt werden darf.“

    Diese Gesetze betreffen üblicherweise das Verhältnis zwischen Staat und Bürger, nicht zwischen Bürger und Bürger. Ich bspw. benachteilige ständig aufgrund des Geschlechts und der Hautfarbe.

  14. bombastu 23. Oktober 2012 um 00:30 #

    Schon einmal was von der mittelbaren Drittwirkung von Grundrechten gehört? Ist ne tolle Sache, für die man sich beim Bundesverfassungsgericht nur bedanken kann.

    „Ja, und? Die einzig relevante und gefährliche Diskriminierung ist doch eh die staatliche.“

    So kann man Gesellschaft und Staat doch nicht trennen. Die einzig gefährliche und relevante Diskriminierung ist natürlich die zwischen Menschen. Besteht sie in den Privatverhältnissen, strahlt sie in die staatlichen Verhältnisse aus. Der Staat besteht nämlich auch nur aus eben jenen, unter denen auch ein Hotelbesitzer sein könnte, der den Eindruck gewonnen hat, Diskriminierung sei ne dufte Angelegenheit, in die sich der Staat offensichtlich nicht einmischt…

    • Adrian 23. Oktober 2012 um 00:32 #

      „Die einzig gefährliche und relevante Diskriminierung ist natürlich die zwischen Menschen.“

      Äh, nein.

  15. bombastu 23. Oktober 2012 um 00:39 #

    Doch. Nur weil wir sie alle betreiben (dein Standard-Argument dafür?!), heißt es ja nicht, dass sie ungefährlich oder nicht änderungswürdig ist.

    • Adrian 23. Oktober 2012 um 01:22 #

      Richtig, aber es gibt einen Unterschied zwischen Aufklärung und Verbot.

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