Scham

1 Dez

SchamAn einer High School im amerikanischen Bundestsstaat Arizona wurden zwei sich prügelnde Teenager damit bestraft, vor ihrer Klasse Händchen zu halten. Für die beiden Jungen offenbar ein so schreckliches Erlebnis, dass sie vor Scham ihre Gesicht verdecken mussten.

Auch ich schäme mich beim Anblick dieses Bildes. Ich schäme mich, Teil einer Kultur zu sein, in  der es als Bestrafung angesehen wird, als Mann mit einem anderen Händchen zu halten. Mich als perverse Schwuchtel zu beschimpfen, damit kann ich mittlerweile umgehen, aber diese Geschichte ist ein echter Schlag ins Gesicht, sagt sie doch nichts anderes aus, als das mann-männliche Zuneigung eine Strafe ist, die sich kein anständiger Mensch wünschen könne.

13 Antworten zu “Scham”

  1. Atacama 1. Dezember 2012 um 16:12 #

    Das hast du Recht. Wir leben in einer völlig bekloppten Gesellschaft wo Männerfreundschaften derart überwach werden im Gegensatz zu Frauenfreundschaften.
    Komischerweise ist das in der Türkei und im nahen Osten anders trotz der verbreiteten Homophobie. Deshalb als Gegengewicht:






    http://farm1.staticflickr.com/48/110137387_37a7345ca5_z.jpg?zz=1





    Ich wollte nur ein paar Bilder suchen aber es gab so viele Ergebnisse.
    Interessant oder? Mein westliches Auge ist verwirrt. Denn würde das in Deutschland passieren würde es wohl mehr Negativreaktionen geben als da..

    Als ich klein war, war das unter Jungs im Kinderalter zumindest noch „normal“. Wer weiss ob das heute noch so ist.

  2. Adrian 1. Dezember 2012 um 23:48 #

    „Interessant oder? “

    Eigentlich nicht. Bei uns ist Händchen halten unter Männern verpönt, weil es als schwul gilt, im arabischen Raum geduldet, weil es nicht als schwul gilt. Ich sehe da keinen Unterschied.

  3. Atacama 2. Dezember 2012 um 00:30 #

    Aber die Frage ist doch, wieso es da nicht als schwul gilt sondern als Freundschaft, die sexuelle Komponente also nicht unterstellt wird und wieso das hier anders ist..
    Händchenhalten oder „harmlose“ Sympathiebekundungen ist doch nichts sexuelles. Wieso wird so ein banaler Körperkontakt hierzulande mit Argwohn betrachtet und intensive emotionale Freundschaft unter Männern sowieso verpönt und dort nicht.

    Jetzt komme ich vom Thema ab, aber spinne die Sache eigentlich nur weiter. Wieso ist dasselbe unter Frauen hierzulande vollkommen akzeptiert, Liebesbekundungen und Turteieien unter Freundinnen oder auch mal Rumgeknutsche toleriert ohne gleich dem verdacht des Lesbisch-Seins ausgesetzt zu sein, bei Männern hingegen nicht.

    Wieso sind Männerfreundschaften und mann-männliche zuneigungsbekundungen, platonisch oder nicht mit größerem Argwohn behaftet und stärkeren sozialen Kontrollen unterworfen als weibliche.

    Hier läuft es ja eher so übertrieben gesagt (wobei es so langsam lockerer zu werden scheint)

    • Adrian 2. Dezember 2012 um 00:48 #

      „Aber die Frage ist doch, wieso es da nicht als schwul gilt sondern als Freundschaft, die sexuelle Komponente also nicht unterstellt wird und wieso das hier anders ist..“

      Klingt paradox, aber vielleicht weil bei uns Homosexualität erlaubt, der schwule Mann also ein real existierendes Schreckgespenst ist?

  4. Atacama 2. Dezember 2012 um 02:22 #

    „der schwule Mann also ein real existierendes Schreckgespenst ist?“

    Aber wieso ist er das? Wieso ist er ein Schreckgespenst und wieso sind Frauen das nicht? Homosexuelle Frauen sind schliesslich genauso „unnatürlich“, „pervers“, „nicht arterhaltend“ und einfach all das was man homosexuellen Männern auch vorwirft.

    Es muss doch einen Grund geben, warum Männer offenbar ein größeres Problem darstellen als Frauen.

    Man sieht das doch auch immer in Diskussionen über das Thema. Wenn über Homosexuelle geredet wird, dann meint das fast immer nur Männer. Frauen kommen da fast garnicht vor und werden lange nicht so problematisiert.
    Ist das noch ein Überbleibsel der Nazizeit wo ja auch „nur“ Männer in KZs gekommen sind oder was? Ist es weil Männer Penisse haben und Hetero Männer da Angst vor haben? Ich finde das jedenfalls ziemlich auffällig.

  5. Adrian 2. Dezember 2012 um 12:47 #

    „Aber wieso ist er das?“

    Das weiß ich nicht. Da solltest Du heterosexuelle Männer fragen.

    „Es muss doch einen Grund geben, warum Männer offenbar ein größeres Problem darstellen als Frauen.“

    Ich denke es ist ein Mix aus kulturellen und biologischen Gründen.

  6. Blub 2. Dezember 2012 um 14:41 #

    Ich glaube nicht direkt daran, Ereignisse in den USA mit internen Dingen aus der deutschen Nazizeit zu erklären. Im übrigen wird beim Fußball auch kräftig Körperkontakt eingenommen und sich in den Armen gelegen. Gerade deshalb ist ja das eine Domäne, wo Schwulsein stärker verpönt ist, weil es die ungezwungene Nähe der Spieler in ein anderes Licht rücken würde.

    Es gibt distanziertere Kulturen, wo Körperkontakt eher vermieden wird und Kulturen eher im Süden, wo man 10x gedrückt und gedreht wird, bis man endlich hallo sagen darf. Ganz zu schweigen davon, dass man nicht losgelassen wird, bevor man endlich gehen kann. Das mit ungezwungener Freundschaftlichkeit und zärtlichem Handchenhalten gleichzusetzen, halte ich für abwegig. Polizisten sind auch keine SM-Jünger, nur weil sie Handschellen tragen und einsetzen.

    Ich denke, dass man Frauen öfter Zärtlichkeiten austauschen sieht, liegt m.E. daran, dass die das insgesamt mehr tun und Bedarf danach haben bzw. es mehr zeigen. Weswegen Emo ja eine deutlich weblichdominierte Szene ist, die aber auch viele küssende Männerpaare aufblitzen lässt. Darf ich mich hier üben den homophoben Lady-Gaga-Mainstream wundern?

  7. SchwulUndAraber 2. Dezember 2012 um 15:37 #

    „Ich denke es ist ein Mix aus kulturellen und biologischen Gründen.“

    Männer sind Selektionsmasse. Nur die besten bekommen eine oder mehrere ab. Die Menschheit stammt von doppelt so viel Frauen wie Männern ab! Frauen finden immer einen Mann/Versorger, auch wenn sie hässlich, dumm etc. sind. Daher haben Männer rein biologisch gesehen einen immensen Druck auf Frauen attraktiv zu wirken. Ein Mann, der als homosexuell gesehen wird, wird für Frauen unattraktiv. Ähnlich dem „Nice Guy“-Problem.

  8. Hetero 2. Dezember 2012 um 18:12 #

    Lieber Adrian,

    stimme dir zu, echt pervers ist das.

  9. Atacama 2. Dezember 2012 um 19:30 #

    „Ein Mann, der als homosexuell gesehen wird, wird für Frauen unattraktiv.“

    Das stimmt nicht. Das Gegenteil ist der Fall.

  10. SchwulUndAraber 3. Dezember 2012 um 22:40 #

    @ Atacama:

    Hast du dafür irgendwelche Belege? Klar, wenn es ein durchtrainierter „straight acting“ Schwuler ist vlt. Aber dann ist er doch, wenn seine Schwulheit bekannt ist, eher als „Freundin“ begehrt und nicht sexuell attraktiv. Schwule sind ja allgemein „süß“ und nicht geil in den Augen von Frauen, egal ob feminin oder maskulin im Verhalten. Und „süß“ ist ja für einen Heteromann auf der Suche in jedem Fall zu vermeiden, wenn er nicht immer in der Friendzone landen will. Schwule wirken dann auf Frauen attraktiv, wenn sich Frauen gegenüber uninteressiert, arrogant und unnahbar geben, da sie es ja auch tatsächlich sind. Also das, worauf moderne Frauen angeblich nicht stehen. (Schwule sind im Schnitt wahrscheinlich auch körperlich attraktiver, weil die Attraktivität für andere Männer hauptsächlich körperlich vermittelt wird im Gegensatz zu Heteros und damit Druck besteht sich in Form zu halten etc..)

    =============

    „Bei uns ist Händchen halten unter Männern verpönt, weil es als schwul gilt, im arabischen Raum geduldet, weil es nicht als schwul gilt. Ich sehe da keinen Unterschied.“

    Im arabischen Raum existiert Schwulsein im deutschen/westlichen Sinn nicht. Schwulsein ist quasi totgeschwiegen (obwohl Sex zwischen Männern meiner Einschätzung nach viel häufiger ist als in Deutschland.) Händchenhalten ist nicht nur geduldet, es ist normal und ist auch nicht mit Unmännlichkeit assoziiert. Wobei öffentliche Körperlichkeiten zwischen Mann und Frau weit weniger gehen als in Deutschland.

  11. Atacama 4. Dezember 2012 um 04:29 #

    „Hast du dafür irgendwelche Belege?“

    Erfahrung. Ich kenne ja viele Frauen und rede da auch drüber, im Internet liest man es auch immer wieder.
    Ich schätze, das liegt an einer Kombination aus weiblichem Jagdinstinkt, „Etwas haben wollen was man nicht haben kann“ und eben doch auch „Geilheit“. Für viele Frauen verkörpert Schwul-Sein das was für viele Heteros in bezug auf Lesben gilt, präferierte Optik vorausgesetzt. So wie viele Heteromänner sind gerne Lesbenszene ansehen, tun viele Frauen das bei Männern. Das ist echt ein Phänomen das in der öffentlichen Wahrnehmung völlig unterschätzt wird. In Japan ist das ein eigenes riesiges Manga-Genre (Yaoi, Bara, Shonen ai) mit vorwiegend weiblicher Leserschaft das auch in Deutschland viele Anhänger hat.
    Noch dazu fehlt schwulen Männern sowohl die Angst vor als auch das Interesse an Frauen was das Auftreten oft lockerer macht.
    Jedenfalls gibt es von Frauenseite da oft unglückliches unbeabsichtigtes Verliebtsein wenn man sich mit nem Homo anfreundet. Ist mir auch schon einmal passiert.
    Dürfte das Äquivalent sein zum Schwulen der sich in Heterokumpel verknallt.

    Der schwule Typus der männlichen besten Freundin fällt da natürlich nicht rein. Da ist das Interesse im Schnitt wohl eher platonisch.

  12. Atacama 4. Dezember 2012 um 04:38 #

    “ Und “süß” ist ja für einen Heteromann auf der Suche in jedem Fall zu vermeiden, wenn er nicht immer in der Friendzone landen will. “

    In der Friendzone landet der der nicht klarmacht was er will.
    Frauen wollen auch männliche Freunde, nicht nur weibliche. Wenn dann einer ankommt, der sich als solcher präsentiert, muss er sich nicht wundern wenn er auch als solcher gesehen und geschätzt wird.
    Dass das an „Süßigkeit“ liegt, ist ein Trugschluss.

    Es gibt nur einfach Männer die es sich als Strategie ausgesucht haben, erstmal auf platonisch zu machen. Hin und wieder klappt das natürlich auch, meistens aber nicht.

    Das hier ist kein Forum für Heteromänner, aber ich empfehle trotzdem mal, süß oder nicht, einfach sexuelles Interesse zu bekunden wann man sexuelles Interesse hat. Und sich ansonsten nicht zu beschweren.

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