Spielen, wie es einem gefällt

7 Dez

Der schwedische Ableger der Spielzeughandelskette Toys R Us hat sich entschieden, im diesjährigen Weihnachtskatalog alle Assoziationen zu beseitigen, die darauf hinweisen könnten, dass ein bestimmtes Spielzeug ausschließlich für Mädchen oder Jungen gedacht sei. So werden im neuen Katalog etwa ein Mädchen mit einer Spielzeugpistole gezeigt und ein Junge der eine Puppe in der Hand hält.

Die Begründung für diese Maßnahme lautet dabei fogendermaßen:

”For several years, we have found that the gender debate has grown so strong in the Swedish market that we … have had to adjust,” said Jan Nyberg, director of sales at Top Toy, according to The Local. With the new gender thinking, there is nothing that is right or wrong. It’s not a boy or a girl thing, it’s a toy for children.”

Spielzeuge für Kinder also, statt Spielzeuge für Jungen oder Mädchen. Erwartungsgemäß hat diese Strategie zu einiger Kritik geführt, u. a. beim „Antibürokratieteam„, ohne dass die Kritik dort genauer ausgeführt wird. Es reicht vermutlich, das Wort „Gender“ zu lesen, damit  bei manchen Menschen sofort alle Alarmglocken angehen; Alarmglocken, die vor einer Welt warnen sollen, in der Jungen nicht mehr Jungen und Mädchen nicht mehr Mädchen sein dürfen – was auch immer das bedeuten mag.

Dabei ist das Konzept des schwedischen Toys R Us durchaus zu begrüßen. Und wer es nicht so sieht, der stelle sich nur einmal folgende Frage: Was ist freiheitlicher? Kindern zu suggerieren, sie müssten ein besimmtes Spielzeug spielen, um als normale Mädchen oder Jungen zu gelten, oder Spielzeug einfach als Spielzeug zu betrachten, wobei sich Mädchen und Jungen dann aussuchen können, womit sie spielen?

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12 Antworten to “Spielen, wie es einem gefällt”

  1. morus 7. Dezember 2012 um 12:05 #

    Jede Firma soll ihre Produkte so verkaufen, wie sie sie kaufen möchte und entsprechend Werbung schalten.
    Bei dieser Begründung wäre es doch aber konsquenter gewesen, keine Kinder abzubilden, sonst könnte ja noch jemand auf die Idee kommen, bestimmtes Spielzeug mit Alter und Hautfarbe in Verbindung zu bringen.
    Ausserdem muss man ja bei so einem Konzept wieder aufpassen, wie beispielsweise die abgebildeten Mädchen angezogen sind, welche Frisuren sie tragen, etc.. Die Suggestion, welches Spielzeug jetzt für Mädchen, welches für Knaben passend ist, bleibt zudem erhalten, womöglich umgekehrt zur (für Erwachsene) erwarteten.

  2. Adrian 7. Dezember 2012 um 12:09 #

    „Bei dieser Begründung wäre es doch aber konsquenter gewesen, keine Kinder abzubilden“

    Sicher, aber was wär das für ein langweiliger Katalog?

    „Die Suggestion, welches Spielzeug jetzt für Mädchen, welches für Knaben passend ist, bleibt zudem erhalten“

    Nur, wenn Mädchen/Jungen ausschließlich mit Spielzeugen abgebildet werden, die allgemein als geschlechtsuntypisch angesehen werden. Nicht aber, wenn es einen Mix von Abbildungen gibt.

  3. Andreas 7. Dezember 2012 um 13:01 #

    >Was ist freiheitlicher? Kindern zu suggerieren, sie müssten ein besimmtes Spielzeug spielen, um als normale Mädchen oder Jungen zu gelten, oder Spielzeug einfach als Spielzeug zu betrachten, wobei sich Mädchen und Jungen dann aussuchen können, womit sie spielen?

    So weit, so gut.

    Aber ich wage eine Prognose, wie es weitergehen wird: Auch ohne Suggestion werden die Jungs weiterhin mit großer Mehrheit die Baukräne wählen und die Mädchen mit großer Mehrheit die Puppen.

    Dann kommen die Gender_Innen und dozieren: Die gesellschaftlich oktroierten Rollenmodelle sind so verfestigt, das sich die Kinder gar nicht frei entscheiden können. Die Macht der unsichtbaren Matrix sexistischer Stereotypen ist zu stark. Im Sinne einer geschlechterdemokratischen Entwicklung müsse diese okulte Macht abgebrochen werden.

    Deshalb: Geschlechterquoten für Spielzeugverkauf an Kinder. Wenn nicht mindestens 40 % der Spielzeugkräne an Mädchen und mindestens 40 % der Puppen an Jungs gehen, muss Tyos’r’us eine Genderstrafe zahlen. Das man die Quoten nicht bei 50 % ansetze sei Ausdruck der Liberalität.

    Die konservative schwedische Partei wird daraufhin versuchen, die Sache zu verwässern, indem sie die Quoten erst ab 2016 gelten lassen will und auch eine Querverrechnung zwischen Baukränen und Chemiebaukästen respektive zwischen Puppen und Schminkkoffern zulassen will.

    1984.

  4. morus 7. Dezember 2012 um 13:50 #

    @Adrian
    Ich habe mir inzwischen selbst ein Bild gemacht. Die haben das ganz ordentlich hingekriegt.

  5. Alexis 7. Dezember 2012 um 15:14 #

    Die meisten Abbildungen sind Jungen mit jungstypischem Spielzeug und Mädchen mit Puppen. Ein paar Abbildungen dazwischen zeigen Kinder die sich genau umgekehrt verhalten und einer der mit beidem spielt.

    Das entspricht der Realität, die Mehrheit der Kids spielt mit geschlechtstypischem Spielzeug und ein paar eben nicht.

    Jetzt können wieder Frauenrechtlerinnen einwenden, es würden noch zu viele Geschlechterstereotype gezeigt;
    Männerrechtler können sich aufregen das mit dem Kalender angeblich der „Tabubruch des Aufweichens der Geschlechterrollen“ dargestellt wird.

    Aber die Tatsache ist, das dieser Kalender realitätsnäher ist als das Schwarz- Weiss Denken der radikalen Flügel der Frauen- und Männerrechtler.

  6. Atacama 7. Dezember 2012 um 16:59 #

    Hab im Kindergarten dieselbe Beobachtung gemacht, ca. 50% Geschlechtsneutrales Spielen (es sei denn, man ordnet Lesen, Malen, Duplobauen und Fangenspielen/Raufen einem Geschlecht zu), 40% geschlechtsstereotyp (Jungs Autos, Mädchen Puppen) und 10% „gegengeschlechtlich“.

    z.B durften die Kinder wnen sie Geburtstag hatten sich aus einer großen Truhe mit Spielzeug etwas aussuchen und ein Junge wollte unbedingt ein glitzerndes, lila Gummitwist haben. Ich find sowas ganz nett, wenn das erlaubt ist, ohne dass den Kindern gleich „klargemacht“ wird, dass sie da was „falsches“ machen.

  7. irene dietrich 8. Dezember 2012 um 00:56 #

    Ich sehe es eher so, dass es einfach ein Anfang ist, und dass sich etwas bewegt. Und vielleicht ist in der nächsten Runde der Katalog dran und fängt auch an, sich mehr zu verändern. Wenigstens etwas;)

  8. Alreech 8. Dezember 2012 um 13:56 #

    ist das nicht auch der rassistische Katalog, in dem Kinder mit sichtbaren Migrationshintergrund unterrepräsentiert sind ?

  9. Peter 9. Dezember 2012 um 15:12 #

    Das ist alles sehr bedenklich, wird doch das Stereotyp „Kinder lieben Spielzeug“ penetrant auf jeder Seite geradezu zelebriert und Kinder damit in einengende Kinderrollen gezwungen.

  10. Adrian 9. Dezember 2012 um 17:05 #

    @ Peter
    Ein wenig mehr Konstruktivität könnte nicht schaden….

  11. keppla 10. Dezember 2012 um 11:12 #

    Nicht im Katalog, sondern in einem Laden ist mir auch schonmal (eher negativ) aufgefallen, dass da die Kategorien Mädchen und Junge angegeben waren, nicht „Videospiele“, „Baukästen“, whatever.

    Meine Frau bemerkte dann allerdings imho recht passend, dass sich diese Überschriften nicht an die Kinder richten, sondern eher an die Großeltern:

    Die Kinder gehen zu dem von ihnen präferierten Spielzeug und würden nichtmal das Schild „vorsicht, giftig“ beachten.
    Die Eltern gehen zu dem Spielzeug, von dem ihre Kinder den ganzen Tag über reden.

    Die einzigen, die eine Orientierung brauchen, sind die Großeltern, die mit weniger wissen über das Kind irgendwas suchen, was passen könnte. Und da stellt sich dann die Frage, ob das nicht eher deskriptiv als preskriptiv ist, oder anders gefragt: ob jemanden, der keine Ahnung hat, was dem Kind gefallen könnte, nicht tatsächlich damit geholfen ist, wenn man Durchschnitt vorschlägt, und der scheint mir schon, egal ob politisch, kulturell oder körperlich bedingt, entlang der Geschlechterlinien zu laufen.
    Ich zumindest konnte als Kind kaum Mädchen für meine Videospiele begeistern und konnte umgekehrt nicht sonderlich viel mit Pferden anfangen…

    Wobei ich es schon ok finde, dass man die Einteliung weglässt.

  12. ketcar 18. Dezember 2012 um 19:26 #

    Mich verwundert diese Abwehrhaltung auf manchen liberalen/libertären Blogs auch.

    Ich kann mir das nur so erklären, dass man seine politische Position nicht richtig durchdacht hat, sondern sich über eine Antihaltung (den Linken gegenüber) definiert und sich vielleicht auch selber nicht so recht eingestehen will, dass der Konformitätsdruck einen Einfluss auf einen ausübt und ausgeübt hat.

    Man argumentiert pro Freiheit, wenn es um FED, Mindestlöhne und Co geht, aber bei diesem Thema kommt dann die persönliche Betroffenheit hoch.

    Ich erinnere mich auch an eine Diskussion (ich weiß nicht mehr wo genau das war), in der es um die Piratenforderung ging, den Zwang zur behördlichen Erfassung des Merkmals Geschlecht abzuschaffen.

    Denn ein solcher Zwang macht nur dann Sinn, wenn der Staat diskriminieren möchte (Wehrpflicht oder Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen z.B).

    Eine ziemlich freiheitliche Position – sollte man meinen.

    Auf diesem „liberalen“ Blog sah man das allerdings nicht so, die Piraten wurden ob dieser Forderung als Spinner abqualifiziert (was man sonst von ihnen halten soll – geschenkt).

    Ich lese das A-Team eigentlich ganz gerne, aber sobald es dort um „Gender“ im weitesten Sinne geht, schießt man sich dort regelmäßig ins Knie.

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