Grün, links – und zuweilen schwul

12 Jan

Nachdem Romanautor Akif Pirincci bei mir bereits ein leichtes Befremden wegen seines Romans „SLAM“ ausgelöst hat, muss ich erneut verwundert den Kopf schütteln und angesichts eines recht guten Beitrages zur Integrationsdebatte verwundert ausrufen: „Was will er uns denn jetzt damit sagen?“

Doch man lese selbst:

„Glaubt mir [liebe Ausländer, liebe Moslems], das Leben eines langweiligen Musterdeutschen ist angenehmer als der eines total aufregenden Salafisten. Und gesünder. Ich weiß, auch ihr habt eure Kinder lieb. Löst euch von euren Herkunftsländern. In Wahrheit habt ihr mit denen nichts mehr am Hut. Ihr jettet zwar alle naslang dahin, aber da ihr aus einfachen Verhältnissen stammt, seid ihr nicht der Jet Set, der kosmopolitisch auf allen Hochzeiten rumtanzen kann, ohne davon mental überfordert zu sein. Ich finde eure Küche 1A, aber eßt auch mal Currywurst. Das schmeckt wirklich total lecker. Feiert Karneval (das einzige deutsche Fest, das ich hasse), trinkt mal einen über den Durst, scheißt auf eure religiösen und ethnischen Verbände, da sitzen nur größenwahnsinnige Vollidioten, die euch benutzen wollen, um ein Staat im Staate zu errichten. Glaubt ja nicht, daß die aus der grünlinken Ecke eure Freunde wären. Die mögen euch in Wahrheit auch nicht, sondern wollen euch nur als Stimmvieh, damit sie ihr eigenes Süppchen kochen können. Außerdem habe ich gehört, daß einige von denen – jetzt haltet euch fest – schwul wären.“

Ich habe den Absatz jetzt ein paar Mal gelesen und würde wirklich zu gerne wissen, was letzter Satz – gerichtet an die von Pirincci adressierten Moslems/Ausländer in Deutschland –  implizieren soll. Ich verstehe ihn mangels einer besseren Interpretation nämlich so, dass Menschen aus der grünlinken Ecke nicht wirklich Freunde der Moslems/Ausländer sind und  Moslems/Ausländer insgeheim auch nicht wirklich mögen würden, weil grünlinke Menschen

a) Moslems/Ausländer nur als Stimmvieh wollen

b) mit Moslems/Ausländern ihr eigenes politisches Süppchen kochen wollen

c) gerüchteweise zuweilen schwul sind.

Drei Gründe also, warum man als Moslem/Ausländer grünlinken Menschen misstrauen sollte. Ist das die Aussage? Oder soll es bedeuten, dass Grünlinke nicht wirklich Freunde von Moslems/Ausländern sein könnten, weil einige Grünlinke schwul sind?

Es würde mich wirklich freuen, wenn mir jemand eine alternative Erklärung anbieten könnte.

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6 Antworten to “Grün, links – und zuweilen schwul”

  1. bombastu 12. Januar 2013 um 21:31 #

    Ich würde es jetzt eher als eine ironische Anspielung auf die doch recht verhärtete Homophobie, die zuweilen bei Muslimen und besonders in ihren Herkunftsländern herrscht, verstehen. Kann jedenfalls nichts Negatives darin sehen…

  2. bombastu 13. Januar 2013 um 00:51 #

    Was ich da rauslese: „Und hey, passt auf, einige von denen sind schwul, und da wir doch so unzeitgemäß schwulenfeindlich sind, geht das ja nicht an.“ Besonders das „jetzt haltet euch fest“ manifestiert für mich einen deutlich sarkastischen Ton und verstehe ich als kritischen Wink Richtung seines impliziten Lesers. Aber ich mag mich auch irren.

    • Adrian 13. Januar 2013 um 00:55 #

      Das mag so sein, und ich würde es sehr begrüßen. Aber verstehen tue ich es trotzdem nicht. Die Ironie erschließt sich mir im Kontext des gesamten Beitrages nicht wirklich.

      Aber nehmen wir mal an, Du hättets recht und tauschen das Wort „schwul“ gegen etwas anderes aus, was Moslems nicht leiden können:

      „Glaubt ja nicht, daß die aus der grünlinken Ecke eure Freunde wären. Die mögen euch in Wahrheit auch nicht, sondern wollen euch nur als Stimmvieh, damit sie ihr eigenes Süppchen kochen können. Außerdem habe ich gehört, daß einige von denen – jetzt haltet euch fest – Christen wären.”

      Mein Fragezeichen wird immer größer.

  3. Atacama 13. Januar 2013 um 12:53 #

    Richtig. Und mit Christen paktiert man doch nicht, geschweigedenn dass man ihnen vertreut.
    Die Moslems sollen aufhören eine Partei zu wählen, die (laut Autor) nur vordergründig an den INteressen der Moslems interessiert ist und ausserdem sehr tolerant gegenüber gewissen Feindbildern ist und sie sogar in den eigenen Reihen beherrbergt.

    Wie der Herr Pirrinci zu „Schwul“ allgemein steht, dazu habe ich noch keine Meinung bilden können.
    Wäre mal ganz interessant. Zu seinem Buch SLAM hat er sich auch noch nicht geäussert obwohl er das wollte. Das wirkte auch etwas….naja….nicht so toll für schwule Männer.

  4. Christian 26. März 2013 um 17:06 #

    Akif ist eher ein Provo, denke ich. Schon jemand dem man anmerkt dass er sich nie ernsthaft mit den Perspektiven von „anderen“ wie Frauen oder Homos befasst hat (wozu sollte man auch anerkennen was man mit vorgespielter Milde auslachen kann). Da ist doch ganz vorhersehbar immer die „ironischen“ Distanz der ewig lockergebliebenen Naturmachos, die klarstellt dass er einen zwar irgendwie ok findet aber als türkischer Adonis natürlich trotzdem das Recht hat, Politikerinnen in erster Linie an ihrer Possthässlichkeit zu messen, als Nicht-Putzer das Sitzpinkeln zu verlachen, konsequent das Wort Weiber im Munde zu führen und dergleichen mutige Schelmigkeiten mehr. Weil er so ein guter schlauer Typ ist. Und für all das darf man seiner Mutter kleinem Prinzen natürlich niemals nicht böse sein oder benennen, was er ist – denn das wäre ja unlocker.

    Also mein lieber, lass Dich von ihm grinsend semibepöbeln, und geniess die Witze auf Deine Kosten – oder spar Dir doch einfach die Zeit. Es geht ja nur um ihn.

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