Mit dem Teufel Hand in Hand

23 Jan

Wie uns die homophobe, katholische Fundamentalistin Gabriele Kuby mitteilt, haben in Frankreich bei den Großdemonstrationen gegen Homo-Ehe und Adoptionsrecht, auch Schwule und Lesben mitgemacht. Überraschend ist das nicht, da es Dummheit schließlich überall gibt, dennoch stimmt es mich schon ein wenig traurig:

Homosexuelle stehen auf der Bühne und geben Zeugnis, dass das geplante Gesetz „Marriage pour tous“ niemandem dient, weder dem Allgemeinwohl, noch den Homosexuellen und am wenigsten den Kindern.

Und inwiefern sollte die Ehe auch für Schwule und Lesben, dem Allgemeinwohl, den Homosexuellen oder den Kindern schaden?

Sie sagen, sie hätten ein politisches Gewissen und wollten sich nicht von den Lobbyisten der lautstarken, aber nicht repräsentativen Homolobby vereinnahmen und auf ihre sexuelle Orientierung beschränken lassen.

Die einzigen, die Schwule und Lesben beständig auf ihre sexuelle Orientierung beschränken, sind die Gegner der „Ehe für alle“ und des Adoptionsrechts. Die Befürworter betonen schließlich immerfort, dass die sexuelle Orientierung keine Rolle zu spielen habe, wenn es um Fragen der Ehe und der Adoption geht.

Auch sie verdankten ihr Leben einem Vater und einer Mutter.

Und inwiefern ist das jetzt ein Argument? Will man mit der „Ehe für alle“ und dem Adoptionsrecht Vater und Mutter verbieten?

Sie hätten kein Recht auf Kinder,

Haben also im Umkehrschluss Heterosexuelle ein „Recht auf Kinder“?  Und wenn ja, auf welcher Grundlage?

vielmehr Kinder ein Recht auf ihre Eltern.

Das sollte kein Problem sein, denn wie bereits erwähnt, soll das Gesetz der „Ehe für alle“ nicht dazu dienen, Eltern ihre Kinder wegzunehmen um sie an homosexuelle Paare zu verteilen.

Das sagen an diesem Nachmittag unweit des Elyseepalastes nicht katholische Bischöfe, sondern Homosexuelle! Solche Äußerungen tragen ihnen Morddrohungen von ihren Genossen ein.

Es ist wohl kaum nötig zu betonen, dass Morddrohungen gegen politische Gegner ein Mittel ist, dass keinesfalls zu befürworten ist. Ich persönlich empfinde keinen Hass gegen Schwule und Lesben, die sich gegen die Ehe und das Adoptionsrecht aussprechen. Es macht mich nur traurig, solche Äußerungen zu lesen. Traurig, weil ich nicht begreifen kann, wie Menschen – die es doch aus eigener Erfahrung besser wissen müssten – Schwulen und Lesben ein Stück weit das Menschsein absprechen. Und traurig, weil sie Personen und eine Politik unterstützen, deren langfristiges Ziel es ist, Homosexuelle unsichtbar zu machen und sie gesellschaftlich zu ächten.

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7 Antworten to “Mit dem Teufel Hand in Hand”

  1. Ralf 26. Januar 2013 um 12:58 #

    Den Gegnern der Gleichberechtigung sei ins Stammbuch geschrieben: „Wer anderen die Freiheit verweigert, verdient sie nicht für sich selbst.“ (Abraham Lincoln)

  2. Allensteyn 31. Januar 2013 um 00:49 #

    Mal abgesehen von dem gewohnt grenzdebilen lefebvristischen Gequake einer Frau Kuby, das ja so erwartbar öde ist wie noch jede Konterrevolution, hat mich folgender Satz von Dir echt aus dem Sessel gehoben:

    »Traurig, weil ich nicht begreifen kann, wie Menschen (…) Schwulen und Lesben ein Stück weit das Menschsein absprechen.«

    Steht bei Dir das ‚Menschsein‘ tatsächlich in einem so niedrigen Kurs, daß man schon aus ihm ausgeschlossen sein soll, weil man von Rechts wegen nicht in den Genuß von Ehegattensplitting, Angehörigenstatus und Adoptionsrecht kommt?

    Mein lieber Scholli!

  3. Adrian 31. Januar 2013 um 01:09 #

    @ Allensteyn
    „Steht bei Dir das ‘Menschsein’ tatsächlich in einem so niedrigen Kurs, daß man schon aus ihm ausgeschlossen sein soll, weil man von Rechts wegen nicht in den Genuß von Ehegattensplitting, Angehörigenstatus und Adoptionsrecht kommt?“

    Der Kontext ist das Entscheidende: In einer Gesellschaft in der heterosexuelle Paare selbstverständlich Ehegattensplitting, Angehörigenstatus und Adoptionsrecht in Anspruch nehmen dürfen, ja, da wird einem ein Stück weit das Menschsein abgesprochen, wenn einem gesagt wird, man dürfe dies nicht in Anspruch nehmen, nur weil der Partner das „falsche“ Geschlecht hat. Man wird als Mensch zweiter Klasse angesehen.

  4. Allensteyn 31. Januar 2013 um 17:34 #

    Hallo Adrian,

    wir sollten schon zwei Dinge auseinanderhalten, die nicht zusammengehören:

    1. Daß man von Leuten wie Kuby et al. »als Mensch zweiter Klasse angesehen« wird, stimmt. Das kommt daher, daß diese Leute ihre Moral unmittelbar der Biologie entnehmen: Da zwei männliche oder weibliche Körper miteinander auf biologischem Wege keine Filialgeneration produzieren können, soll das auch als Norm gelten. Das geht nur, wenn man die gesellschaftlichen Bedingungen dessen, was Recht ist, vollständig abspaltet und ignoriert — daher ja auch kein Problem mit der Aussage »kein Recht auf Kinder«: Was zwei Körper nicht können, das sollen sie auch nicht wollen, denn wollen sie es doch, ist das ‚widernatürlich‘ und also Sünde gegen die Schöpfung.

    Warum aber sollte man diese Sichtweise akzeptieren? Das tut man nämlich implizit, wenn man sie an ihren eigenen Maßstäben blamieren will, statt sie begründet abzuweisen.

    2. Was sind denn Ehegattensplitting, Adoptionsrecht und verwaltungsrechtlicher Angehörigenstatus für Sachen, für Gegenstände? Es sind Ge- und Verbote, die die Staatsgewalt als Ordnung in die Welt gesetzt hat, die an gewisse Tauglichkeitskriterien der biologischen Leiber anknüpft.

    Die Ehe selbst und also die sozialen Verhältnisse, die sie betreffen, sind längst per höchster Verfassungsnorm als öffentlich-rechtliches Belang klargestelt und d.h. in Dienst genommen worden: Darauf zielt der »besondere Schutz« durch Staatsgewalt, wie er in Art. 6 GG steht und nicht nur dort, sondern normhalber »darüber« etwa in der AEMR oder, als sekundäre Rechtserkenntnisquelle, gar im Völkerrecht.

    Warum interessiert sich die Staatsgewalt für die Familienverhältnisse ihrer Untertanen? Weil Eheleute durch die Gründung einer Familie einen sehr notwendigen Dienst am Gemein-Wesen verrichten.

    Dieser Dienst ist ein doppelter:

    a) Durch jeden demographisch relevanten Kopulationsvorgang helfen sie bei der Fortzeugung der »Staatsbürger-Rasse« und also mindestens beim Erhalt des herrschaftlichen Menschenmaterials.

    b) Indem Eheleute einen »Hausstand« begründen, füreinander und (gegebenenfalls) für ihren Nachwuchs einstehen, reproduzieren sie die »herrschenden Sitten« und darüber das ganze System der Konkurrenz und der Erwerbsarbeit im Dienst des Kapitals und seiner staatlichen Aufsichts- und Garantiemacht, und zwar auch noch so, als läge es in ihrem eigenen Interesse, als »Rädchen im Getriebe« des geordneten kapitalistischen Geschäftsgangs zu funktionieren! Und es versteht sich von selbst, daß darauf auch alle beabsichtigen Erziehungsleistungen am Nachwuchs abzielen, denn der soll seinerseits ja instand gesetzt werden, dermaleinst »auf eigenen Füßen zu stehen«, d.h. den Eltern nicht mehr auf der Tasche zu liegen, d.h. es selbst einmal zu einem Erwerbseinkommen bringen, d.h. sich sämtliche Zumutungen in KiTa, Schule, Uni (und sonstigen Menschenschinderanstalten) oder Fabrik und Bureau gefallen zu lassen und so weiter.

    Das gefällt dem Kapital wie seiner staatlichen Aufsichtsmacht: deshalb stehen die »Familienwerte« auch nicht nur ganz zuoberst in jedem öffentlichen Werte»kanon«, sondern werden auch, zum Dank und Ausgleich, mit verschiedenen Privilegien versehen, die beim Kindergeld anfangen und beim Ehegattensplitting noch gar nicht aufhören.

    Die Fans der Homo-Ehe entdecken nun in diesem selektiven Vorenthalten solcher Privilegien einen Mißstand, den sie beweisigen wollen. Leider aber nicht dadurch, daß sie die Indienstnahme menschlicher Leiber (wozu selbstverständlich dessen Sexualität gehört) durch die Staatsgewalt aufheben wollen, die schließlich der Grund und die Bedingung der Schäden sind, sondern indem sie die Staatsgewalt ganz devor um herrschaftliche Berücksichtigung bitten.

    Das finde ich: traurig.

  5. Adrian 31. Januar 2013 um 20:03 #

    @ Allensteyn

    Deine Kritik an der Ehe als staatliches Instrument ist an sich berechtigt im Kontext des Beitrags aber wenig zielführend.

    Denn wir reden hier nicht von Fundamentalkritik an der staatlichen Ehe, sondern von Menschen, die in der Ehe etwas Gutes sehen, aber dafür eintreten, andere Menschen von dieser Institution auszuschließen. Für mich ist das Homophobie – und diese zu kritisieren, darum geht es mir in erster Linie. Und nicht um Kritik am Staat.

    Im Übrigen ist mir herrschaftliche Berücksichtigung lieber, als herrschaftliche Diskriminierung.

  6. Allensteyn 31. Januar 2013 um 22:08 #

    »Im Übrigen ist mir herrschaftliche Berücksichtigung lieber, als herrschaftliche Diskriminierung.«

    Du bist halt ein Liberaler, Adrian. Vor Jahren, als ich selbst noch einer war, hätte ich Dir herzlich beigepflichtet.

    Ich find’s nur sehr bedauerlich, daß offenbar auf dem Weg hinein in die ‚Akzeptanz‘ (auf dem die Homosexuellenbewegung übrigens fulminanten Erfolg hat) verschütt‘ gegangen ist, was die frühe Schwulenbewegung noch wußte: Daß man die gesellschaftlichen Verhältnisse insgesamt umstürzen muß, wenn man mehr als bloß behelfsmäßig klempnern (d.h. die Gründe für Widerstand und das Sichwehren verewigen statt abschaffen) will.

    Wird man nämlich, wie Du schreibst, erstmal nicht mehr diskriminiert, sondern berücksichtigt, dann sind die vormals Diskriminierten aus lauter Dankbarkeit bereit, sich noch hundertprozentiger mit der famosen Staatsgewalt (die sie noch gar nicht so lange zuvor zum Abschuß freigegeben hat) zu identifizieren als die Heteros — einer der sehr wenigen Punkte, wo die Butler schon recht hat.

    Was anderes:
    Ich lese gerade »The Pink Swastika«. Gegen solche üblen reaktionären Machwerke wirken selbst Leute wie Kuby bloß wie samtpfötige Pennäler, auch wenn die Verbindungslinien unverkennbar sind (nicht umsonst heimst sie, die konvertierte Katholikin, ja auch Lob und Auszeichnungen von Evangelikalen ein).

    Gruß & guten Abend!

  7. Adrian 1. Februar 2013 um 11:21 #

    @ Allensteyn

    Welchen Grund gäbe es denn, die herrschenden Verhältnisse umzustoßen? Ich sehe keinen zwingenden.

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